Synagoge am Schaarplatz in Oberwesel

zeitweise Dienststelle der Wasserschutzpolizei, heute Wohnhaus

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Denkmalpflege
Gemeinde(n): Oberwesel
Kreis(e): Rhein-Hunsrück-Kreis
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Koordinate WGS84 50° 06′ 27,66″ N: 7° 43′ 36,77″ O 50,10768°N: 7,72688°O
Koordinate UTM 32.408.964,62 m: 5.551.379,62 m
Koordinate Gauss/Krüger 3.409.003,31 m: 5.553.160,65 m
  • Mit "Vordre Ansicht" bezeichnete Bauzeichnung der Synagoge Oberwesel am Schaarplatz

    Mit "Vordre Ansicht" bezeichnete Bauzeichnung der Synagoge Oberwesel am Schaarplatz

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  • Die nach dem Krieg umgebaute ehemalige Synagoge Oberwesel, Schaarplatz 3 (2013).

    Die nach dem Krieg umgebaute ehemalige Synagoge Oberwesel, Schaarplatz 3 (2013).

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  • Ehemalige Synagoge am Schaarplatz in Oberwesel (2016): Das Rheinland-Pfälzische Wappen an der Fassade.

    Ehemalige Synagoge am Schaarplatz in Oberwesel (2016): Das Rheinland-Pfälzische Wappen an der Fassade.

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  • Ehemalige Synagoge am Schaarplatz in Oberwesel (2016): Gedenktafel an der Synagoge.

    Ehemalige Synagoge am Schaarplatz in Oberwesel (2016): Gedenktafel an der Synagoge.

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  • Stolpersteine an der Synagoge am Schaarplatz in Oberwesel (2016): Stolpersteine für Karoline Marx, Herta Marx, Julius Marx und Paula Marx.

    Stolpersteine an der Synagoge am Schaarplatz in Oberwesel (2016): Stolpersteine für Karoline Marx, Herta Marx, Julius Marx und Paula Marx.

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  • Denkmal an der ehemaligen Synagoge in Oberwesel (2016)

    Denkmal an der ehemaligen Synagoge in Oberwesel (2016)

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  • Denkmal an der ehemaligen Synagoge in Oberwesel (2016)

    Denkmal an der ehemaligen Synagoge in Oberwesel (2016)

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  • Ehemalige Synagoge am Schaarplatz in Oberwesel (2016)

    Ehemalige Synagoge am Schaarplatz in Oberwesel (2016)

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Die jüdische Gemeinde Oberwesel seit dem frühen 19. Jahrhundert: Über die Geschichte der Gemeinde im 19. und 20. Jahrhundert ist nur wenig bekannt. Bis in die 1880er Jahre gehörte sie zur Kultusgemeinde Sankt Goar, dann wurde sie selbständig.
Gemeindegröße um 1815: 33 (1808) / 39 (1822), um 1880: 47 (1885), 1932: 44, 2006: – (alle Angaben vorab nach Reuter 2007, die weitere Literatur führt noch 1933: 61 und 1942: 25 an).

Bethaus / Synagoge
1808 und 1836 ist die Existenz einer Betstube belegt; um 1853 wurde ein Neubau errichtet, der einem Brand zum Opfer fiel. 1886 Einweihung eines weiteren Neubaus, der 1938 verwüstet wurde und heute als Wohnhaus dient (Reuter 2007).

Zunächst nutzte die kleine Gemeinde – wie anderenorts ebenfalls üblich – jüdische Wohnhäuser als Beträume. Ein solcher im Haus eines Jakob Meyer fiel in der Nacht zum 20. April 1834 einem Brand zum Opfer, der insgesamt fünf Häuser in Oberwesel beschädigte oder zerstörte.
Erstmals 1853 wird dann eine „neue und geräumige“ Synagoge mit eigener Frauenempore erwähnt. Diese wurde jedoch ebenfalls durch einen Brand am 16. August 1885 zerstört. Bis zur Fertigstellung der neuen Synagoge wurden die Gottesdienste im Haus des Handelsmannes Simon Mayer abgehalten (vgl. v.a. www.alemannia-judaica.de, ferner de.wikipedia.org, und Fischbach u.a. 2005).

Im Auftrag des Oberweseler Kaufmanns Alexander Mayer, der auch Vorsteher der jüdischen Gemeinde war, entstand vornehmlich über Spendensammlungen finanziert der Bau einer neuen Synagoge als dreigeschossiges Backsteingebäude am Schaarplatz (als Eckhaus der damaligen Damscheider Straße zur Chablisstraße, heute Oberstraße 1). Als die Synagoge am 20. Oktober 1886 eingeweiht wurde, wurden die Thorarollen in einer feierlichen Prozession dorthin überführt. Das ursprüngliche Gebäude, dessen Synagogenraum mit separater Frauenempore sich über zwei Geschosse erstreckte (www.alemannia-judaica.de), wurde im Stil des Historismus von Maurermeister Joseph Kipper mit Rundbogenfenstern errichtet. Das Walmdach hingegen wies mit den Zwerchhäuschen, dem Zinnenkranz und den Ecktürmchen neugotische Züge auf.

NS-Zeit
Im Zuge der Reichspogromnacht am 9. November 1938 schändeten die Nationalsozialisten die Synagoge, indem sie die gesamte Inneneinrichtung zerschlugen und die Thorarollen und -wimpel sowie Gebetbücher in den Oberbach warfen. Aufgrund der engen Bebauung wurde darauf verzichtet, das Gebäude in Brand zu stecken. 1940 kam das Synagogengebäude in den Besitz der Stadt Oberwesel.

Um 1938/39 gelang es der Familie Gottschalk in die USA zu emigrieren. Der in Oberwesel geborene Sohn Alfred Gottschalk (1930-2009) wurde in Brooklyn zum Rabbiner ausgebildet und 1957 ordiniert: „Er wurde in der Folgezeit zu einem der bedeutendsten Rabbiner im amerikanischen Judentum. 1971 bis 1995 war er Präsident des Hebrew Union College, danach Chancellor des College.“ (www.alemannia-judaica.de)
Auch der seinerzeitige Besitzer der Oberweseler Schönburg, der Deutsch-Amerikaner Thomas Jackson Oakley Rhinelander (1858-1946), verhalf 1941 einem Ehepaar zur Flucht.
Die übrigen jüdischen Bewohner der Stadt wurden am 30. April oder 27. Juli 1942 über Koblenz in die Vernichtungslager im Osten nach Theresienstadt oder Auschwitz deportiert. Insgesamt überlebten nur sechs jüdische Bürger den Holocaust, die aber nach kurzem Aufenthalt nach Kriegsende in Oberwesel in die USA auswanderten. Somit enden fast 700 Jahre jüdische Geschichte in Oberwesel. An sie erinnern heute Stolpersteine am Schaarplatz und an der Pliersgasse sowie ein Gedenkstein an der Schaar.

Spätere Nutzungen des Gebäudes
Im Jahr 1957 wurde das frühere Synagogengebäude zu Wohn- und Bürozwecken umgebaut; die Räume dienten u.a. zeitweise als Dienststelle der Wasserschutzpolizei (bis 1974), woran noch das rheinland-pfälzische Wappen auf der Fassade erinnert.
Nach dem Verkauf an einen Privatmann wurde das Gebäude vom neuen Besitzer zu einem Wohnhaus umgebaut. Das heutige Gebäude ist ein viergeschossiger, traufständiger (d.h. die waagrechte obere Kante des Daches verläuft parallel zur Straße) und verputzter Bau, dessen Obergeschoss verschiefert ist.

(Kira Bublies, Universität Koblenz-Landau, 2016 / LVR-Redaktion KuLaDig 2016/2021)

Internet
www.alemannia-judaica.de: Synagoge Oberwesel (abgerufen 13.01.2021)
de.wikipedia.org: Jüdische Gemeinde Oberwesel (abgerufen 04.10.2016 und 13.01.2021)
de.wikipedia.org: Synagoge Oberwesel (abgerufen 13.01.2021)
en.wikipedia.org: T. J. Oakley Rhinelander (abgerufen 13.01.2021)

Literatur

Fischbach, Stefan; Westerhoff, Ingrid / Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz (Hrsg.) (2005)
Synagogen Rheinland-Pfalz - Saarland: "... und dies ist die Pforte des Himmels". (Gedenkbuch der Synagogen in Deutschland, 2.) S. 296-298, Mainz.
Fischer, Ludger / Arbeitsgemeinschaft für Landschafts- und Umweltschutz und für Denkmalpflege e.V. in der Stadt Oberwesel (Hrsg.) (1992)
Heimat Oberwesel. Zwischen Liebfrauen und St. Martin. Ein Stadtführer. S. 42, Oberwesel.
Landesamt für Denkmalpflege Rheinland-Pfalz (Hrsg.) (1997)
Die Kunstdenkmäler des Rhein-Hunsrück-Kreises. Teil 2.2: Ehemaliger Kreis St. Goar. Stadt Oberwesel. S. 706-707, München u. Berlin.
Schwarz, Anton (2000)
Eine Zeitreise durch Oberwesel. Historischer Stadtführer. S. 98, Dielheim.
Schwarz, Anton Ph. (2004)
Oberwesel. Bilder aus der Geschichte einer kleinen Stadt am großen Strom. S. 146-147, Koblenz.

Synagoge am Schaarplatz in Oberwesel

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Oberstraße 1
Ort
55430 Oberwesel
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Geschütztes Kulturdenkmal gem. § 8 DSchG Rheinland-Pfalz
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Denkmalpflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Schriften, Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1872 bis 1886

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„Synagoge am Schaarplatz in Oberwesel”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-254942 (Abgerufen: 13. Juni 2024)
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