Rudi-Geil-Brücke und Vorgängerbauten

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Lahnstein
Kreis(e): Rhein-Lahn-Kreis
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Über eine Brücke zu fahren, ist heute eine Selbstverständlichkeit. Früher mussten die Menschen häufig für bestimmte Brücken ein Brückengeld zahlen, um diese überqueren zu dürfen. Auch davon berichtet die Geschichte der Lahnbrücke zwischen Ober- und Niederlahnstein.

Historische provisorische Brücken zwischen Nieder- und Oberlahnstein
Während der Frühen Neuzeit errichteten die Lahnsteiner Bürger mehrmals eine provisorische Brücke über die Lahn, damit Truppen den Fluss überqueren konnten. Nach deren Übergang wurde die Brücke jeweils wieder zerlegt und zu ihrem Aufbewahrungsort gebracht.
1862 wurde eine Pontonbrücke aus Holz errichtet, die aber schon nach vier Jahren so verfault war, dass sie nicht mehr genutzt werden konnte.

Die erste feste Lahnbrücke 1873-1927
Der Bau einer ersten festen Lahnbrücke zwischen Nieder- und Oberlahnstein wurde 1872 begonnen. Sie wurde am 8. Februar 1873 eröffnet. Für die Unterhaltung und Wartung der neuen Brücke waren beide Gemeinden gleichermaßen verpflichtet. Lediglich die Beleuchtung der Auffahrt war Sache der jeweiligen Gemeinde. Die Verkehrsbrücke wurde mit einem Bohlenbelag versehen, der jedoch nach kurzer Zeit wieder erneuert werden musste. Eine Pflasterung war bei dieser Brückenkonstruktion nicht möglich.

Brückengeld und Regeln
Von 1873 bis Mitte 1927 wurde ein Brückengeld beim Passieren der Brücke erhoben. Der Gewinn diente zur Refinanzierung des Brückenbaus. Ober- und Niederlahnstein profitierten von der Brückengelderhebung. Wie hoch die Erhebung war, wird durch folgende Zahlen deutlich:
„Im Jahre 1874 betrug das Brückengeld für einen Fußgänger mit oder ohne Last 2 Pfennig, für einen Handwagen 5 Pfennig, für ein Fuhrwerk 30 Pfennig und pro Stück Rindvieh 10 Pfennig“ (Gemeinderatsprotokoll vom 13.10.1874).
Ab dem Jahr 1911 galt das Brückengeld dann auch für Kraftfahrzeuge. Ein leerer Lieferwagen musste 30 Pfennig Brückengeld zahlen, während für den beladenen Lieferwagen 50 Pfennig erhoben wurden. Für ein Kraftrad wurden 10 Pfennig gezahlt. Die Gebühr variierte zudem je nach Ladung: Für eine leere Kutsche zahlte man 15 Pfennig, während für eine beladene 25 Pfennig erhoben wurden. Eine Arbeitermonatskarte kostete 60 Pfennig.

Der Brückenwärter hatte oftmals Auseinandersetzungen mit den Bürgern, da nicht jeder bereit war, das Brückengeld zu zahlen. Die Brücke wurde daraufhin mit einem Schlagbaum versehen, damit die Bürger ihn nicht ohne weiteres passieren konnten. Für die Passage gab es Beschränkungen: Fuhrwerke, die schwerer als 100 Zentner waren, durften die Brücke nicht überqueren. Darüber hinaus waren Menschenansammlungen auf der Brücke nicht gestattet.

Die zweite feste Lahnbrücke 1927-1945
Im Jahr 1927 wurde eine neue Brücke aus Beton errichtet, die jedoch im Zweiten Weltkrieg von der Deutschen Wehrmacht gesprengt wurde, um den Vormarsch der Alliierten zu verlangsamen.

Die dritte feste Lahnbrücke 1947-1997
Nach dem Krieg wurde 1947 durch die Firma Hilgers aus Rheinbrohl eine neue eiserne Bogenbrücke gebaut. Im Jahr 1997 musste dann auch die Brücke abgerissen werden.
„Eine tägliche Frequentierung von ca. 22.000 Fahrzeugen (1991) hielt das Nachkriegsbauwerk auf Dauer nicht mehr aus“ (Stadtarchiv Lahnstein 2008).

Die vierte feste Lahnbrücke „Rudi-Geil-Brücke“ seit 1997
Die aktuelle Straßenbrücke zwischen Ober- und Niederlahnstein wurde am 6. September 1997 eingeweiht. Diese Brücke ist mit einem Fahrradweg ausgestattet, der gerne genutzt wird.
Seit 2008 trägt die Brücke den Namen „Rudi-Geil-Brücke“. Der in Lahnstein geborene CDU-Politiker Rudi Geil (1937-2006) wurde auch „Allzweck-Rudi“ genannt. Von 1981 bis 1991 war er Minister in verschiedenen Ressorts des Landes Rheinland-Pfalz und von 1993 bis 1997 Innenminister von Mecklenburg-Vorpommern. Geil wurde zum Ehrenbürger der Stadt Lahnstein ernannt, da er maßgeblich zur gesellschaftlichen und kulturellen Entwicklung Lahnsteins und des Rhein-Lahn-Kreises beigetragen hat.

(Milena Bagic, Universität Koblenz-Landau, 2016)

Quellen
Lahnsteiner Anzeiger vom 1. Januar 1868 und vom 5. Februar 1873.
Protokoll der Stadtverordnetenversammlung vom 23. Januar 1911.

Internet
www.lahnstein.de: Chronologie der Lahnsteiner Stadtgeschichte (abgerufen 25.10.2016)

Literatur

Seibert, Hubertus (1999)
Vom kurfürstlichen Ort zur großen kreisangehörigen Stadt. Die Geschichte Lahnsteins im 19. und 20. Jahrhundert. S. 66ff., Lahnstein.
Stadtarchiv Lahnstein (StA) (2009)
Lahnstein hat Geschichte Folge 184. Vor 60 Jahren: Das Brückengeld wird abgeschafft. In: Rhein-Lahn-Kurier (RLK), (Nr.44.) Lahnstein.
Stadtarchiv Lahnstein (StA) (2008)
Lahnstein hat Geschichte Folge 145. Benennung der Lahnbrücke nach Rudi Geil (1937-2006). In: Rhein-Lahn-Kurier (RLK), (Nr. 37.) Lahnstein.

Rudi-Geil-Brücke und Vorgängerbauten

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Brückenstraße
Ort
56112 Lahnstein
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1872
Koordinate WGS84
50° 18′ 29,85″ N, 7° 36′ 14,48″ O / 50.30829°, 7.60402°
Koordinate UTM
32U 400597.45 5573840.75
Koordinate Gauss/Krüger
3400632.81 5575630.61

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„Rudi-Geil-Brücke und Vorgängerbauten”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-252519 (Abgerufen: 14. August 2018)
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