Altmarkt Oberhausen

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Fachsicht(en): Denkmalpflege
Gemeinde(n): Oberhausen (Nordrhein-Westfalen)
Kreis(e): Oberhausen (Nordrhein-Westfalen)
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
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1859 schenkte der Styrumer Landwirt Wilhelm Stöckmann der Gemeinde Styrum eine Fläche zur Abhaltung des Wochen- und Jahrmarktes. Hier, am späteren Altmarkt, entwickelte sich mit der katholische Pfarrkirche Herz-Jesu und einer Verwaltungsstelle einer der Kernbereiche der allmählich entstehenden Stadt Oberhausen (Stadtrechte 1874).

Die Platzmitte markiert die Friedenssäule von 1876. Ein Brunnenbecken über gestuftem Sockel wird überragt von einer mit Vestons/Girlanden kannelierten Säule mit korinthischem Kapitell. Diese wird bekrönt von der Figur eines nach Norden (zur Herz-Jesu-Kirche) gewandten schreitenden goldgefassten Engels mit einem Lorbeerkranz in der rechten Hand.

Geschichte
Mit dem Wachstum der Stadt beginnt die Suche nach einem geeigneten Standort für die Stadtmitte. Zunächst ist das neue Zentrum nordwestlich des Bahnhofs geplant, denn dort hatten sich bereits Straßenzüge mit Arbeiterwohnhäusern entwickelt. Jedoch ist die Köln-Mindener-Eisenbahn-Gesellschaft mit diesem Standort nicht einverstanden und blockiert diese Planung, indem sie die Öffnungszeiten des Bahnüberganges stark reduziert. Eine zweite Planung sieht nun das Stadtzentrum nordöstlich des Bahnhofs vor. Doch 1870, nach einer Bodensenkung durch den Kohleabbau des Bergwerks Concordia, füllt sich hier in kurzer Zeit ein 13 ha großer und fast 2 m tiefer See, der Concordiasee.

Schließlich löst der lang im Voraus gedachte Schachzug des gewitzten Landwirtes Wilhelm Stöckmann die Diskussion um das Zentrum; er hatte das Grundstück für den im Juni 1859 eröffneten Markt, dem heutigen Altmarkt, der Gemeinde Styrum geschenkt. Bei der Bildung der neuen Gemeinde Oberhausen im Jahr 1862 wird dieser der Marktplatz zugeschlagen, welcher sich in den folgenden Jahren zum „Mittelpunkt der werdenden Stadt“ entwickelt. Die Einweihung der katholische Pfarrkirche Herz Jesu im Norden des Altmarkts erfolgt 1911; die anderen drei Seiten des Marktplatzes sind überwiegend von Ladenlokalen, Büros und gastronomischen Betrieben gesäumt. Auf dem Platz selbst findet noch heute an allen Werktagen vormittags ein Markt statt, der in der Adventszeit dem örtlichen Weihnachtsmarkt weicht, welcher sich seit 2005 als „Weihnachtswald“ präsentiert (Planung: Stadt Oberhausen, Schmidt-Waldbauer). Der Altmarkt ist Bestandteil der Route der Industriekultur.

Auf dem und am Altmarkt sind drei Objekte in die Denkmalliste der Stadt Oberhausen eingetragen:
  • Säule, Denkmal Nr. 32, (14.03.1986)
  • Kirche Denkmal Nr. 30, (14.03.1986)
  • Wohn- und Geschäftshaus, Altmarkt 3, Denkmal Nr.95, (17.09.1991)

Säule
Kriegerdenkmal, errichtet 1876. Auf mehrteiligem, oben als stumpfe Pyramide ausgebildetem Sockel erhebt sich die mit der geflügelten Siegesgöttin bekrönte Säule. Auf dem Sockel sind gusseiserne Platten mit Inschriften über die Kriege von 1864 – 1871 angebracht. Der Standort Altmarkt ist mit der Anfangsphase der städtebaulichen Entwicklung der Stadt Oberhausen verbunden. Die Siegessäule bildet damit heute ein Relikt aus der Entstehungszeit der Stadt und der damaligen allgemeinen patriotischen Gesinnung der Reichsgründungsphase. Umbau des Sockels 1994 im Rahmen der Umgestaltung des Altmarktes (Architekt: winkels concepts, Dortmund).

Katholische Pfarrkirche Herz-Jesu
Dreischiffige gotisierende Hallenkirche. Die Gemeindevertretung der Pfarrei St. Joseph Mülheim-Styrum beschließt 1888 die „Errichtung einer Nebenkirche im Saal des Katholischen Vereinshauses zu Oberhausen“. Mülheim an der Ruhr ist die Mutterpfarre der Oberhausener Kirche. 1889 wird ein „Bauverein am Altmarkt in Oberhausen“ gegründet, im Oktober die Weihe der „dem göttlichen Herzen Jesu“ geweihten Notkirche vorgenommen. Im selben Jahr wird die Filialgemeinde Styrum-Oberhausen zur selbstständigen Pfarrei; die neu gebildete Herz Jesu-Gemeinde Filiale von Styrum mit rund 8.000 Gläubigern. 1904 beschließt der Kirchenvorstand den Neubau der Pfarrkirche an gleicher Stelle, deren Bau 1909 beginnt. Die Kirche entsteht im neugotischen Stil nach Plänen des bekannten Kirchbaumeisters Herrmann Wielers, Bochum, welcher schon auf zahlreiche Kirchenbauwerke in Westfalen zurückblicken konnte. Nach zweijähriger Bauzeit wird am 30. April 1911 die Kirche eingeweiht. Die Kirche ist 62,50 m lang, 30,60 m breit und 16 m tief, die Höhe im Mittelschiff beträgt 19 m, der Turm 75 m.
Im Zweiten Weltkrieg wird die Kirche bis auf die Grundmauern zerstört. Sie wird notdürftig wiederaufgebaut. 1956 beschließt die Kirchengemeinde, die Kölner Architekten Dominikus und Gottfried Böhm mit einer umfassenden Neugestaltung zu beauftragen. Diese gestalten mit dem Hauptanliegen, den Innenraum mit seinen historischen Bauformen mit neuen, von der Liturgie bestimmten Raumlösungen in Einklang zu bringen, eine richtungsweisende Symbiose zwischen Neugotik und Moderne. Die ursprünglichen Gewölbe sind durch waagerechte Decken ersetzt, wobei durch differenzierte Raumhöhen ein eindrucksvoller Innenraum entstanden ist. Der nach Wiederaufbau niedrigere Turmhelm ist ein charakteristischer Bestandteil der Innenstadtsilhouette.

Altmarkt 3 – Wohn- und Geschäftshaus, 1874
Ein typisch historisches Gebäude mit Trauffassade als Teil der südlichen Platzwand des Altmarktes mit Putz- und Stuckgliederung in Formen der Neurenaissance. Das Erdgeschoss etwas erhöht über dem Keller als Sockelgeschoss mit diamantierter Quaderung. Die Fassade in den oberen Etagen besteht aus hellem Backsteinmauerwerk mit Werksteinimitationen. Die beiden mittleren der vier Fensterachsen sind als flacher Mittelrisalit mit Eckquadern und Flachgiebeln ausgebildet. Die zeittypische, zweiflügelige Eingangstür links mit Oberlicht und Eisengittern ist erhalten, sowie im 1. Obergeschoss, der „bel etage“, ein Balkon mit ursprünglichen Fenstern. Den oberen Abschluss bildet das hohe Traufgesims. In den Räumen sind noch Schmuckdetails wie Stuckprofile und Zierverkleidung am Durchgang zum ehemaligen Wintergarten erhalten.

Altmarkt/Gutenbergstraße 5
Das denkmalwerte Wohn- und Geschäftshaus ist Stellvertreter der gutbürgerlichen Architektur der Stadt: Ein dreigeschossiger, vierachsiger verputzter Massivbau mit bis in den Sockel hinunter reichendem Fugenschnitt. Die „bel etage“ ziert ein breiter Balkon über 2 Fensterachsen. Die beiden Obergeschosse werden durch eine angedeutete Kolossalordnung zusammengefasst. Die Traufzone ist mit Kartuschen gegliedert, über dem breiten mittleren Pilaster befindet sich ein Relief mit Hirsch und Reh; ein größeres Relief mit Fuchs und Ente ziert den breiten mittleren Dreiecksgiebel.

(Martin Schmidt-Waldbauer, Stadt Oberhausen, 2016)

Quellen
Landschaftsverband Rheinland, Auflistung der erfassten Kulturdenkmäler für die Stadt Oberhausen, Brauweiler, 1985, S. 149
Stadt Oberhausen, Denkmalblatt Altmarkt 3 – Wohn- und Geschäftshaus
Stadt Oberhausen, Denkmalblatt Säule
Stadt Oberhausen, Denkmalblatt Kirche

Internet
wikipedia.de: Altmarkt (Oberhausen) (abgerufen: 10.06.2016)
derwesten.de: Westfalenpost: Herz-Jesu-Kirche in Oberhausen ist ein Denkmal (abgerufen: 19.05.2016)

Literatur

Kommunalverband Ruhrgebiet (Hrsg.) (1988)
Großer Kultur- und Freizeitführer Ruhrgebiet. Band II. S. 102-103, Essen.
Reif, Heinz (1993)
Die verspätete Stadt. Köln.

Altmarkt Oberhausen

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Altmarkt
Ort
46045 Oberhausen
Fachsicht(en)
Denkmalpflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Schriften, Auswertung historischer Karten, Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1874
Koordinate WGS84
51° 28′ 8,69″ N, 6° 50′ 60″ O / 51.46908°, 6.85°
Koordinate UTM
32U 350669.45 5704182.67
Koordinate Gauss/Krüger
2559106.96 5704175.5

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„Altmarkt Oberhausen”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-251804 (Abgerufen: 22. Mai 2018)
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