Friedensplatz Oberhausen

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Denkmalpflege
Gemeinde(n): Oberhausen (Nordrhein-Westfalen)
Kreis(e): Oberhausen (Nordrhein-Westfalen)
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Oberhausen-Altstadt, Friedensplatz

    Oberhausen-Altstadt, Friedensplatz

    Copyright-Hinweis:
    LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, Silvia Margrit Wolf
    Fotograf/Urheber:
    Silvia Margrit Wolf
    Medientyp:
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Um den Friedensplatz in Alt-Oberhausen gruppieren sich eine ganze Reihe bemerkenswerter Gebäude:

Amtsgericht, Friedensplatz 1, Denkmal Nr. 14 in der Denkmalliste der Stadt Oberhausen [10.12.1984]
Polizeipräsidium Friedensplatz 2-5, Denkmal Nr. 60 in der Denkmalliste der Stadt Oberhausen [23.12.1987]
Wohn- und Geschäftshauszeile Friedensplatz 13-16, Poststr. 7, Denkmal Nr. 72 in der Denkmalliste der Stadt Oberhausen [19.07.1991]
Europahaus, Wohn- und Geschäftshaus, Friedensplatz / Langemarkstr. / Elsässer Str., Denkmal Nr. 157 in der Denkmalliste der Stadt Oberhausen [05.06.2008]

Der Platz
Amtsgericht
Polizeipräsidium
Wohn- und Geschäftshauszeile
Europahaus

Der Platz
Industrieplatz – Kaiserplatz – Industrieplatz – Adolf-Hitler-Platz – Friedensplatz ist die Namenabfolge des Friedenplatzes in Oberhausen. Der Platzname änderte sich jeweils mit dem Erscheinungsbild und der städtebaulichen Neuausrichtung.

Nachdem 1902 die Styrumer Eisenindustrie AG in Folge einer Insolvenz den Betrieb aufgibt, will die junge Industriestadt das zwischen dem Geschäftsviertel und dem Bahnhof gelegene Gelände für die städtebauliche Entwicklung ihrer Innenstadt nutzen. Am Nordrand, gegenüber dem Bahnhof, wird 1904 bis 1907 das Amtsgericht (Denkmal Nr. 14) projektiert. Die Fassade orientiert sich schon zu dem neu geplanten Platz, einem gärtnerisch gestalteten Schmuckplatz noch nach den traditionellen Mustern des 19. Jahrhunderts (Lenné-Meyersche Schule). Er ist zugleich Straßenstern und zunächst schlicht „Industrieplatz“ genannt, erhält dann mit der Fertigstellung des Amtsgerichtes den Namen „Kaiserplatz“.

Nach dem Ende der Ruhrbesatzung leiten der Beigeordnete Eduard Jüngerich und Stadtbaumeister Ludwig Freitag eine für Oberhausen prägende Phase der Stadtentwicklung ein. Verbunden mit der Darmstädter Schule und im Geist der klassischen Moderne entsteht von 1924 bis 1932 ein einzigartiges Ensemble des Backsteinexpressionismus. Dabei wird der Schmuckplatz mit der sternförmigen Straßenführung an das städtebauliche Konzept angepasst. Mit den Gebäudetrakten an der West- und Ostflanke mit Polizeipräsidium, Reichsbank sowie Finanz- und Katasteramt (Denkmale Nr. 60 und 72) schaffen Jüngerich und Freitag eine streng geometrische Platzsituation. Diese Architektursprache bildete den Auftakt für das vom Backsteinexpressionismus geprägte Behördenviertel, das mit dem Rathaus und dem vorgelagerten Grillopark seinen vorläufigen Abschluss findet. Der neue Industrieplatz ist ein rechteckiger Platz von 180 x 50 Metern. Die mittige, langgestreckte Rasenfläche wird durch die Anpflanzung von zwei doppelten Platanenreihen akzentuiert.

Die Gebäudekomplexe am Friedensplatz repräsentieren im Zentrum von Oberhausen eine Bauphase, in der eine konsequente Stadtplanung nicht nur die Stadtgestaltung, sondern auch die Funktionen von Geschäftszentrum, Verwaltungs- und Wohnquartieren ordnet. Nicht zuletzt auch vor dem Hintergrund der Eingemeindungsdiskussionen in den 1920er Jahren, in welcher nur Stadtgemeinden Aussicht auf Autonomie und zusätzliche Eingemeindungen erhalten, wenn diese oberzentrale Funktionen aufwiesen.

Nach dem Zweiten Weltkrieg wird dem Platz mit der Umbenennung vom „Adolf-Hitler-Platz“ in „Friedensplatz“ eine zeitgemäße Botschaft gegeben. Der Platz erhält eine moderne Gestalt mit Grünanlage, Wasserbecken, Sitznischen und einem zeitgenössischen Standbild, dem Schwan (Szoltan Szekessy, Düsseldorf, 1962, Bronze), gestiftet von der Stadtsparkasse Oberhausen zum 100jährigen Stadtjubiläum. Der im Krieg zerstörte Kopfbau im Südwesten wird im zeitgemäßen Betonskelettbaustiel mit Backsteinziegelausfachungen wiedererrichtet.
1955 bekommt der Friedensplatz endlich auch seine bauliche Fassung an der Südseite. Das Europahaus von Hans Schwippert (Denkmal Nr. 157) steht als Symbol für eine neue städtebauliche Qualität der Nachkriegszeit: eine Blockbebauung als Doppelturmanlage mit Hotel, Geschäftslokalen und Wohnbereichen. Der Name unterstreicht die politische Willensbekundung Deutschlands hin zu einem geeinten Europa.
Sein heutiges Gesicht bekommt der Platz 1987 durch eine städtische Wohnumfeldverbesserungsmaßnahme, er wird verkehrsberuhigt. Planungen des Architekturbüros Fritschi, Stahl, Baum aus Düsseldorf aus 2002, konnten jedoch bis heute nicht realisiert werden. Die Beckenanlage sollte durch eine Mosaikbrunnentischreihe „Lido“ ersetzt werden.
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Amtsgericht
Vier Jahre nach Verleihung der Stadtrechte wird Oberhausen im Jahr 1879 Sitz eines königlich-preußischen Amtsgerichts. Dieses wird in einem für diesen Zweck angekauften und umgebauten Wohnhaus untergebracht, das angesichts des raschen Wachstums der Stadt jedoch bald zu klein wird. 1904 – 1907 wird als erstes Gebäude auf der Industriebrache südwestlich des Bahnhofes das Amtsgericht errichtet. Architekt ist der preußische Baubeamte Paul Thoemer, der kurz zuvor in der Nachbarstadt Mülheim ebenfalls das Amtsgericht geplant hatte. Es entsteht in Stil der deutschen Neorenaissance eine Dreiflügelanlage mit zwei kurzen stumpfwinklig ansetzenden Seitenflügeln. Die Außenwände bestehen aus bossierten Sandsteinquadern mit Schweifgiebeln an den Gebäudeenden. Der Haupttrakt mit prächtigem Mittelrisalit von Treppentürmen ist mit Schweifhauben flankiert, die Giebel sind reich gegliedert. Der rundbogiger Haupteingang mit reich profilierte Gewände wird flankiert mit Pilastern und einer Wappenkartusche über den Sturz. Die Obergeschosse prägen zusammengefasste Saalfenster mit figürlichen Brüstungsreliefs. Das Gerichtsgebäude hat historische Innenausstattungen: Treppenhaus, Türumrahmungen, Deckenstuck und Stuckfelder mit figürlichen Reliefs.
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Polizeipräsidium
1927 von den Stadtbaurat und Architekten Eduard Jüngerich mit dem Stadtbaumeister Ludwig Freitag als Polizeipräsidium im Norden und Finanzamt im Süden errichtet. An das 3 – 3 ½-geschossige Backsteingebäude mit Walmdach schließt an der Rückseite ein zweiflügeliger Gebäudeteil an. Zum Friedensplatz hin ist die Fassade durch zwei flache, sich über die beiden unteren Geschosse erstreckende Eingangsbauten und einen weit vorgezogenen, satteldachgedeckten Risalit am Ende des Gebäudes gegliedert. Der fünffach rundbogig geöffnete Laubengang des Risalits setzt einen die Massigkeit des Gebäudes auflockernden Akzent. Sehr viele originale Inneneinrichtungen sind bis heute erhalten.
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Wohn- und Geschäftshauszeile
Dreigeschossige Bauzeile in Backsteinsichtmauerwerk, erbaut in den 1920er Jahren, von den Stadtbaurat und Architekten Eduard Jüngerich mit dem Stadtbaumeister Ludwig Freitag, korrespondierend zur gegenüberliegenden Zeile des Polizeipräsidiums. Im Walmdach eine Reihe schmaler Dachgauben.
Die Fassade am Haus Nr. 13 ist inklusive der Fenster und Schaufenster original erhalten. Der in vier Reihen gemauerte Rundbogen des Eingangs wiederholt sich fortlaufend in den Blendbögen der Erdgeschossgliederung. Teilweise nach Kriegszerstörungen wieder aufgebaut. Das Gebäude der ehemaligen Reichsbank (Nr. 15) ordnet sich in die Zeile ein, äußerst ungewöhnlich in einer Zeit der Selbstdarstellung der Reichsbanken. Bemerkenswerte Details wie die Gitter an einigen Erdgeschossfenstern sowie das Tor zum Hintergelände.
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Europahaus
Das im Stadtzentrum Oberhausens liegende Europahaus ist 1955 - 1957 vom Architekten Hans Schwippert unter Mitwirkung von Erich Schöllgen errichtet worden; beide werden auch als Bauherren genannt.

Der Hochhauskomplex wird von zwei fast parallel zueinander liegenden 9- bzw. 6-geschossigen Hochhauskörpern gebildet, die durch einen 4-geschossigen, quer zu diesen stehenden Baukörper miteinander verbunden werden. Der Hochhaustrakt an der Elsässer Straße verläuft, dem Straßenverlauf folgend, leicht geknickt und fügt sich als „bewegte“ Fassadenabwicklung harmonisch ins Straßenbild ein. Die Front weist hier über 20 Achsen 9 Geschosse auf und leitet 7-achsig und 6-geschossig zur Nachbarbebauung über. Die Fronten und Schmalseiten der Hochhauskörper zum Friedensplatz hin sind spiegelbildlich gestaltet und weisen, bis auf eine an der Außenkante angeordnete Achse, keine Fensteröffnungen auf. Eine 50 m lange und 3,8 m breite öffentliche Passage ermöglicht die Durchquerung des Gebäudes über den Hofraum.

Zum Friedensplatz hin ist mittig zwischen den Hochhauskörpern die Einfahrt zur Tiefgarage für ca. 30 Kraftwagen angeordnet, die beidseitig von Kioskhäuschen über ovalem Grundriss eingefasst wird. Hinter dem verbindenden Flachdach der ovalen Pavillons liegt ein Innenhof mit der Abfahrt zur Tiefgarage, der nach Süden begrenzt ist durch den 4-geschossigen Verbindungstrakt. Dieser Gebäuderiegel hatte ursprünglich eine Glasfassade anstelle der heutigen hellen Putzfassade.
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(Martin Schmidt-Waldbauer, Stadt Oberhausen, 2016)

Quelle
Stadt Oberhausen, Denkmalblätter

Internet
route-industriekultur.ruhr Friedensplatz Oberhausen (abgerufen 12.05.2016)
wikipedia.org Amtsgericht Oberhausen (abgerufen 20.05.2016)

Literatur

Gierschner, Sabina / LVR Amt für Denkmalpflege im Rheinland (Hrsg.) (o.J.)
Von der Industriebrache zur Piazza. Der Friedensplatz in Oberhausen – städtebauliches Kleinod des Ruhrgebietes. In: Denkmalpflege im Rheinland 33, H. 2/2016, S. 62-73. Essen.
Stadt Oberhausen (Hrsg.) (1999)
Das offene Museum. Oberhausen.

Friedensplatz Oberhausen

Schlagwörter
Ort
46045 Oberhausen
Fachsicht(en)
Denkmalpflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Schriften, Auswertung historischer Karten, Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1902
Koordinate WGS84
51° 28′ 18,84″ N, 6° 51′ 15,18″ O / 51.4719°, 6.85422°
Koordinate UTM
32U 350971.47 5704487.69
Koordinate Gauss/Krüger
2559396.29 5704492.69

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„Friedensplatz Oberhausen”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-251801 (Abgerufen: 20. August 2018)
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