Burg Katz bei Sankt Goarshausen

Burg Neukatzenelnbogen / Katzenelnbogen

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Architekturgeschichte, Landeskunde
Gemeinde(n): Sankt Goarshausen
Kreis(e): Rhein-Lahn-Kreis
Bundesland: Rheinland-Pfalz
  • Burg Katz oberhalb von Sankt Goarshausen mit dem "Eckigen Turm" zentral im Bild (2009)

    Burg Katz oberhalb von Sankt Goarshausen mit dem "Eckigen Turm" zentral im Bild (2009)

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  • Runder Turm in Sankt Goarshausen, im Hintergrund links die Burg Katz (2015)

    Runder Turm in Sankt Goarshausen, im Hintergrund links die Burg Katz (2015)

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  • Karte der Region Mittelrhein und der Welterbestätte Kulturlandschaft Oberes Mittelrheintal (2009).

    Karte der Region Mittelrhein und der Welterbestätte Kulturlandschaft Oberes Mittelrheintal (2009).

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  • Blick von der Loreley auf das Rheintal mit Sankt Goarshausen, Burg Katz und der Lorley-Rheinfähre (2015).

    Blick von der Loreley auf das Rheintal mit Sankt Goarshausen, Burg Katz und der Lorley-Rheinfähre (2015).

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Die Burg Neukatzenelnbogen hat ihren Namen von dem Erbauergeschlecht, dessen Stammsitz die Burg Katzenelnbogen war. Im Volksmund gelangte die Burg schnell zu ihrer Kurzform „Katz“ und verhalf damit der Deuernburg über Wellmich zu deren Namen „Burg Maus“.

Geschichte
Die Erbauungszeit der Burg fällt in die zweite Hälfte des 14. Jahrhunderts. Obwohl es keine genauen überlieferten Jahreszahlen zu der Erbauung der Burg gibt, kann anhand einer Urkunde aus dem Jahr 1371 über einen gestifteten Altar davon ausgegangen werden, dass die Burg zu diesen Zeitpunkt schon größtenteils fertiggestellt war. Erbauer der Burg konnte somit nur Wilhelm II. von Katzenelnbogen (1315-1385, Graf von Katzenelnbogen 1332-1385) sein. Mit dem Tod von Graf Philipp dem Älteren (1402-1479, Graf von Katzenelnbogen 1444-1479) starb das Geschlecht der Grafen von Katzenelnbogen aus und die Burg fiel in die Zuständigkeit der Landgrafen von Hessen.
Aufgrund einer Auseinandersetzung der regierenden Geschlechter über den Besitz der Burg Katz, welche 1623 Hessen-Kassel abgesprochen und Hessen-Darmstadt zugesprochen wurde, kam es 1626 zu einer fünfwöchigen Belagerung der Burg Katz. Diese wurde von Sankt Goar und von Patersberg aus beschossen und erlitt Beschädigungen am Dach des Hauptturms und der Kommandantenwohnung.
Noch gegen Ende des Dreißigjährigen Krieges im Jahre 1647 wurde die Burg von Hessen-Kassel belagert und fiel erneut in deren Besitz. Burg Katz ging ebenso wie Burg Rheinfels 1674 laut Vertrag an den Landgrafen von Hessen-Rheinfels, dem Bruder der Landgrafen von Hessen-Kassel. Dieser behielt sich jedoch das Besatzungsrecht der Burgen vor.

Im Jahre 1692 wurde die Burg Katz von den Streitkräften Ludwigs XIV. von Frankreich (1638-1715, König von Frankreich 1643-1715) belagert. Die Belagerung wurde Anfang 1693 aufgrund hoher Verluste aufgegeben. Die Burg Katz erlitt erneut Schäden, besonders am Dachwerk. Der Landgraf von Hessen-Kassel forderte aufgrund möglicher neuer Angriffe der Franzosen sein Besatzungsrecht ein. Sein Bruder weigerte sich jedoch dieser Forderung nachzukommen, sodass eine erneute Belagerung 1702 stattfand. Die Burg ergab sich jedoch beim ersten Ansturm und wurde anschließend gegen Burg Rheinfels verwendet. Nach mehreren Tagen andauernder Beschießung vereinbarten die Brüder jedoch den Waffenstilstand. Im Jahre 1754 trat Hessen-Rheinfels die beiden Burgen wieder an Hessen-Kassel ab, ehe sie 1758 bei einem Angriff der Franzosen in deren Besitz überging.
Unter französischer Herrschaft wurde die Burg 1806 gesprengt. Danach ging die Ruine im Jahre 1816 an das Herzogtum Nassau. Im 19. Jahrhundert wechselte der Besitz durch mehrere private Eigentümer. 1898/99 lies Ferdinand Berg (1852-1924, Landrat des Kreises Sankt Goarshausen 1891-1918) die Burg nach Vorbild des ehemaligen Zustands als Wohnsitz umbauen. Nach dieser Zeit wurde die Burg vielfältig als Hotel, Schule und Erholungsstätte genutzt. Heute befindet sich die Burg Katz in japanischem Privatbesitz und zählt seit 2002 zum UNESCO-Welterbe Oberes Mittelrheintal.

Lage
Die Burg Neukatzenelnbogen thront über der Stadt Sankt Goarshausen auf einem Bergsporn. Dieser ist Teil des Hühnerberges, dessen südwestlicher Abschluss den Loreleyfelsen darstellt. Für rheinische Burgen aus der Zeit des 13. und 14. Jahrhunderts ist die Lage weit unterhalb der Bergeshöhe typisch.
Aus der niedrigen Lage ergibt sich jedoch keine Einsicht vom Hühnerberg und somit keine Belagerungsmöglichkeit. Der hinter der Burg steil weiter ansteigende Bergrücken lässt darauf schließen, dass für die Errichtung der Burg anstehendes Gestein abgetragen werden musste, um einen planen Baugrund zu erhalten.

Grundriss
Der Grundriss der Kernburg ist ein langgestrecktes unregelmäßiges Sechseck. Außerdem verfügt der Grundriss über eine rheinseitig ausgerichtete Spitze. Der Hauptturm an der schmalen Ostseite wird von spitz zulaufenden Schildmauern flankiert. Er schützt den dahinterliegenden Wohnbau und Burghof. Die gerade zum Burghof verlaufende Außenwand des Wohnbaus spaltet die Burg in zwei etwa gleich große Teile auf. Der Wohnbau wird von vier integrierten Ecktürmen begrenzt. Die drei der Rheinseite zugewandten Türme stellen gleichzeitig jeweils eine Ecke der Ringmauer dar.
Die Burgkapelle befand sich früher außerhalb der Kernburg am unteren Ende des nördlichsten Eckturms. Hier befand sich ebenfalls der Zugang zur Burg, welcher vor dem weit vor die Rheinseite befindlichen Rundturm umkehrte.

Bergfried
Der heute noch 30 Meter hoch ragende Bergfried der Burg Neukatzenelnbogen gehörte vor seiner Zerstörung zu einer der höchsten Bergfriede auf Rheinischen Burgen. Seine ursprüngliche Höhe wird aufgrund von überlieferten Zeichnungen und heute bekannten Maßen auf 45-50 Meter geschätzt.
Auf etwa der heute noch erhaltenen Höhe befand sich ein umlaufender hervorragender Bogenfries über dem sich noch zwei Geschosse befanden. Oberhalb des Bogenfrieses ging der sonst runde Bergfried in ein achteckiges oberstes Geschoss über. Das Dach des Bergfrieds war ein mehrseitiges, steiles Walmdach mit Aufschiebling. Außerdem verfügte das Dach über einen kurzen First und vier regelmäßig angeordnete, in Fachwerk erbaute Dachhäuschen.
Anstelle von Zinnen verfügte das oberste Geschoss über stich- oder rundbogige Fenster in allen Seiten des Achtecks. Nach einer Belagerung von 1626 bei der das Dach des Bergfrieds vermutlich zerstört wurde, bekam der Bergfried einen einfachen achteckigen Helm mit flacher Neigung und ohne Dachhäuschen. Diese Gestalt behielt er bis zu seiner Zerstörung zu Beginn des 19. Jahrhunderts.

Nur das unterste Geschoss, welches ebenerdig zugänglich war, verfügte über eine Gewölbedecke. Alle darüberliegenden Geschosse verfügten über Balkendecken. Das unterste Geschoss des Bergfrieds hat einen Durchmesser von 10,45 Meter und weißt eine Mauerstärke von 1,85 Meter auf. Die oberen Stockwerke wurden über eine in der Außenmauer liegende Treppe erreicht, welche wiederum vom Wehrgang des nördlichen Schildmauerteils zugänglich war. Auf der gegenüberliegenden Seite zwischen Bergfried und südlicher Schildmauer befand sich ein eingestellter Treppenturm, welcher als Verbindung zwischen Hof, Bergfried und Wehrgang diente. An die Seiten des Bergfrieds schlossen außerdem Teile des Kernburgringes, welche die Schildmauer verstärkten und keilförmig auf den Turm zuliefen.

Wohngebäude
Die Außenmauer der Wohngebäude bildete die fortlaufende Ringmauer, welche sich um die gesamte Burg fortsetzte. Unterbrochen und verstärkt wird diese durch drei der Rheinseite zugewandten Ecktürme. Der Wehrgang der Ringmauer wurde unter das Hauptdach des Wohngebäudes mit einbezogen und lief unter ihm um das gesamte Wohngebäude. Eingelassene Fenster ermöglichten die Sicht hinaus. Auf der windabgewandten Talseite befanden sich große, durch Kreuzstock geteilte Fenster in Höhe des zweiten und dritten Geschosses. Dort befanden sich die wichtigsten Räume der Burg. Das Walmdach des Wohngebäudes war besonders hoch und hatte Hofseitig zwei Fachwerkgiebel.
Ausgelagert vom Wohngebäude befanden sich in Fachwerk errichtet die Küche ebenfalls an der Innenseite der Ringmauer, sowie ein freistehendes Brunnenhäuschen.

Die Burg Neukatzenelnbogen in St. Goarshausen ist ein eingetragenes Baudenkmal (Denkmalliste Rhein-Lahn-Kreis, S. 50).

(Constantin Becher, Universität Koblenz-Landau, 2015 / freundliche Hinweise von Herrn Werner Bonn, Archivar der Stadt Sankt Goarshausen, 2015)

Internet:
www.ms-visucom.de: EBIDAT, Eintrag „Katz“ (abgerufen 30.11.2015)
www.rheintourist.de: Burg Katz (abgerufen 30.11.2015)
www.burg-katz.de (abgerufen 30.11.2015)
de.wikipedia.org/wiki/Burg_Katz: Burg Katz (abgerufen 30.11.2015)

Literatur

Custodis, Paul-Georg; Frein, Kurt (1981)
St. Goarshausen mit Burg Katz und Patersberg. (Rheinische Kunststätten, Heft 258.) S. 12-22, Neuss.
Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.) (2013)
Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler, Rhein-Lahn-Kreis (Denkmalverzeichnis Rhein-Lahn-Kreis vom 22. April 2013). S. 50, Koblenz. Online verfügbar: http://denkmallisten.gdke-rlp.de/Rhein-Lahn-Kreis.pdf, abgerufen am 05.01.2014
Luthmer, Ferdinand (1914)
Die Bau- und Kunstdenkmäler der Kreise Unterwesterwald, St. Goarshausen, Untertaunus und Wiesbaden Stadt und Land. In: Die Bau- und Kunstdenkmäler des Regierungsbezirkes Wiesbaden, Band 5, S. 34-39, Frankfurt a. M..

Burg Katz bei Sankt Goarshausen

Schlagwörter
Ort
56346 Sankt Goarshausen
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Geschütztes Kulturdenkmal gem. § 8 DSchG Rheinland-Pfalz
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Architekturgeschichte, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Archivauswertung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1350 bis 1400
Koordinate WGS84
50° 09′ 8,23″ N, 7° 43′ 28,78″ O / 50.15229°, 7.72466°
Koordinate UTM
32U 408890.5 5556341.28
Koordinate Gauss/Krüger
3408929.15 5558124.27

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„Burg Katz bei Sankt Goarshausen”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-245826 (Abgerufen: 17. August 2018)
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