Jüdische Betstube in Kempenich

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Kempenich
Kreis(e): Ahrweiler
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Die jüdische Gemeinde Kempenich seit dem frühen 19. Jahrhundert:
1843 bestand in Kempenich eine angemietete Betstube für vier jüdische Familien mit zehn Seelen. 1885 war Kempenich der einzige Ort im damaligen Kreis Adenau, in dem überhaupt Juden wohnten.
Gemeindegröße um 1815: 10 (1843), um 1880: 7 (1885), 1932: –, 2006: – (Angaben vorab nach Reuter 2007).

Jüdische Betstube Kempenich
Das Haus, in dem sich einst die jüdische Betstube befand, ist nicht eindeutig zu identifizieren. Möglicherweise befand sich diese auch an wechselnden Standorten in verschiedenen Häusern im Ort. Durch die vier großen Brände in Kempenich, die das Dorf in den Jahren 1661, 1753, 1847 und 1853 verwüsteten, gingen viele Unterlagen verloren, was entsprechende Recherchen zusätzlich erschwert.

Möglicher Standort Marktstraße 2
(später Gastwirtschaft „Zum Nürburgring“ mit Getränke- und Weinhandel)
Nach Auskunft von Frau Lohmeier betrieb bereits im Jahr 1843 ein Kempenicher Jude in dem Haus unter der heutigen Adresse Marktstraße 2 (genau gegenüber der Kirche) ein florierendes Handelsgeschäft, unter anderem mit Getränken und einer Bäckerei. Der Besitzer war zudem in der Lage, in dem Haus eine Gebetsstube an vier jüdische Familien mit zehn Seelen zu vermieten. Spätestens im Jahr 1845 hatte man in dem Haus offenbar auch einen Festsaal eingerichtet, da von dortigen Hochzeitsfeiern von Kempenicher Familien berichtet wird.
Aufgrund seiner guten Bausubstanz hatte dieses von Juden gebaute Haus den Großbrand von Kempenich im Jahr 1753 überstanden, bei dem das Pfarrhaus abbrannte. Hierbei wurden auch die meisten Aufzeichnungen aus der Vorzeit des Orts vernichtet. Außer diesem Haus blieben damals nur wenige Häuser stehen, wie die Kirche, das Pastehaus und das Apothekerhaus.
Während des Zweiten Weltkrieges wurde der große Festsaal des Gebäudes – zudem wohl das erste im Ort mit Badewanne und Toilette – als eine Art Vorführraum benutzt, hier stand der erste Fernseher in Kempenich. Nach der NS-Zeit wurde in dem Haus eine Gastwirtschaft „Zum Nürburgring“ mit Getränke- und Weinhandel inklusive Weinbrennerei eröffnet. Die großen Kellergewölbe dienten zur Lagerung des Weins in riesigen Fässern.
Auch weil das Gebäude nicht denkmalgeschützt ist (vgl. Denkmalverzeichnis), bestehen derzeit Befürchtungen, dass das geschichtsträchtige Gebäude im Zuge einer geplanten Revitalisierung der Kempenicher Ortsmitte mit einem Ausbau des Ortskerns der Abrissbirne zum Opfer fällt.
Nach Recherchen des Kultur- und Heimatvereins Niederzissen im Landeshauptarchiv Koblenz waren die unter zwei Flurnummern verzeichneten Grundstücke am heutigen Marktplatz 2 hingegen nie in jüdischem Besitz, sondern „seit mehreren Generationen im Besitz einer nichtjüdischen Familie“ (Hinweise Frau Decker und Frau Stürmer, 2017).

Mögliche Standorte Großstraße 1 (früher Marktstraße 53) und Enggasse
Nach auf Recherchen in Katasteramtsunterlagen und Gebäudeverzeichnissen im Landeshauptarchiv Koblenz basierenden Auskünften von Frau Decker und Frau Stürmer besaß Josef Kempenich, Sohn des Josef Kempenich, ein beim Brand von 1854 schwer beschädigtes kleines Häuschen. Dieses 1855 verkaufte Haus lag jedoch nicht am heutigen Marktplatz 2.
Der Sohn Josef Kempenichs, Salomon Kempenich baute ein Haus in der Enggasse, auf einem Grundstück, das vorher dem Juden Feit gehört hatte. Salomons 1864 geborener Sohn Josef Kempenich besaß später zwei Häuser: eins in der Großstraße 1 (früher Marktstraße 53) und eins in der Enggasse.
Eines dieser Häuser wurde 1941 verkauft während das zugehörige Schlachthaus an das Deutsche Reich fiel. Das andere Haus ging zunächst an einen Herrn aus Köln und wurde 1958 erneut verkauft.
„In welchem der jüdischen Häuser sich eine Betstube befand, ist unbekannt, eventuell Marktstraße 53 (heute Großstraße 1).“ (ebd.)

(LVR-Redaktion KuLaDig, 2015 / freundliche Hinweise und Ergänzungen von Frau Isabell Lohmeier, Kempenich, 2016 sowie von Frau Brigitte Decker und Frau Brunhilde Stürmer, Kultur- und Heimatverein Niederzissen, 2017)

Internet
synagogen.info: Kein Eintrag zu Kempenich (abgerufen 16.11.2015)
www.kempenich.de: Sehenswürdigkeiten (abgerufen 12.09.2016)

Literatur

Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.) (2016)
Nachrichtliches Verzeichnis der Kulturdenkmäler, Kreis Ahrweiler (Denkmalverzeichnis Kreis Ahrweiler, 04. Mai 2016). S. 43-44, Koblenz. Online verfügbar: denkmallisten.gdke-rlp.de, Ahrweiler, abgerufen am 12.09.2016
Reuter, Ursula (2007)
Jüdische Gemeinden vom frühen 19. bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts. (Geschichtlicher Atlas der Rheinlande, VIII.8.) S. 54, Bonn.

Jüdische Betstube in Kempenich

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Marktstraße / Enggasse / Großstraße
Ort
56746 Kempenich
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger, Archivauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn vor 1843, Ende 1885 bis 1900
Koordinate WGS84
50° 25′ 8,44″ N, 7° 07′ 10,01″ O / 50.41901°, 7.11945°
Koordinate UTM
32U 366405.7 5586910.01
Koordinate Gauss/Krüger
2579602.76 5587615.57

Empfohlene Zitierweise

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„Jüdische Betstube in Kempenich”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-245736 (Abgerufen: 25. September 2018)
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