Bahnhofstraße in Bullay

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Bullay
Kreis(e): Cochem-Zell
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Der Name der Bahnhofsstraße verrät schon viel über die Entstehungsgeschichte der Straße. Bullay wurde durch den Bau der Moselstrecke zwischen Koblenz und Trier im Jahr 1879 zu einem Verkehrsknotenpunkt. Der Bahnhof Bullay besaß eine überregionale Strahlkraft und lockte nicht nur Schaulustige aus der Region an, sondern trug auch maßgeblich zur Steigerung der Einwohnerzahl von Bullay bei. 1899 stieß Bullay an seine Kapazitätsgrenzen. Innerhalb von 30 Jahren verdoppelte sich die Einwohnerzahl auf etwa 600 Personen. Neues Bauland musste erschlossen werden und auf Grund der neugebauten Moselstrecke bot sich insbesondere das Areal rund um den Bahnhof an. Die Gemeinde beschloss noch im gleichen Jahr den Bereich zwischen dem heutigen Lindenplatz und der Bahnunterführung zu bebauen.

Historisches Kartenmaterial
Diese rasante städtebauliche Entwicklung lässt sich auch auf den historischen Karten der Ortsgemeinde gut erkennen. Die preußische Uraufnahme, welche das Gebiet zwischen 1843-1878 darstellt, weist für Bullay nur eine Hauptverkehrsstraße auf, die entlang der Mosel von Norden nach Süden verläuft. Der Bereich des heutigen Bahnhofs und der Bahnhofstraße wird noch als Laubwald ohne Siedlungsfläche ausgewiesen.
Die Karte von 1888 stellt erstmals den heutigen Verlauf der Bahnhofsstraße dar. Jedoch verrät die Legende, dass der Bereich entlang der Bahnhofstraße nur spärlich bebaut war. Entlang der etwa 390 Meter langen Bahnhofstraße waren nur etwa ein halbes Dutzend Wohnhäuser ausgewiesen.
Um die Jahrhundertwende herum begann die Gemeinde den Bereich um die Bahnhofstraße intensiv zu bebauen. Diese Bautätigkeiten lassen sich auf der Karte von 1914 gut erkennen. Die Bebauungsdichte hat im Vergleich zur Karte von 1888 stark zugenommen, was sich insbesondere am südlichen Ende der Bahnhofstraße festmachen lässt. Auf Grund der verheerenden Folgen des Ersten Weltkrieges und der anschließenden Besetzung Bullays durch die Franzosen, kam es vorübergehend zu einem Baustopp entlang der Bahnhofsstraße, welcher sich basierend auf dem vorliegenden Kartenmaterial bis zum Anfang des Zweiten Weltkrieges hinzog.

Geschichte: 1939 bis 1945
Der Zweite Weltkrieg war nun voll im Gange und erreichte auch allzu schnell die Bahnhofsstraße. Auf dem Gelände des heutigen Weingutes Sturm-Pargen befand sich ein Kriegsgefangenenlager. Die Kriegsgefangenen wurden gezwungen in der Landwirtschaft und besonders im Weinbau mitzuarbeiten. Im Zuge der kriegerischen Aktivitäten wurde Bullay und insbesondere die Bahnhofsstraße stark in Mitleidenschaft gezogen. Feindliche Flieger bombardierten immer wieder den Bahnhof von Bullay um die direkte Bahnverbindung zwischen Koblenz und Trier zu zerstören. Die Bahnhofstraße wurde daher immer wieder Opfer von Luftangriffen, welche zahlreiche Wohnhäuser entlang der Bahnhofsstraße zerstörten.

1946 bis heute
Nach Ende des Krieges und im Zuge der Währungsreform hatte die Ortsgemeinde Bullay wieder einen gewissen finanziellen Spielraum zur Verfügung, der es ihr ermöglichte, die unmittelbaren Kriegsschäden zu beseitigen. So wurde neben dem Wiederaufbau der Moselbrücke auch der Bereich rund um die Bahnhofstraße als hochpriorisierte Bauvorhaben durch die Gemeinde hervorgehoben.

1955 wurde die Instandsetzung der Bahnhofsstraße abgeschlossen. Zusätzlich erhielt die Straße eine moderne Straßenbeleuchtung und ein Großteil der Häuser wurde wieder vollständig aufgebaut.

Seit 1980 befindet sich auf der Bahnhofsstraße ein Feuerwehrhaus, das ursprünglich nur für die Ortsgemeinde Bullay gedacht war. Im Zuge der Übernahme von administrativen und lokalpolitischen Aufgaben durch die Verbandsgemeinde Zell, gelangte das Feuerwehrhaus jedoch unter die Verfügungsgewalt der Verbandsgemeinde, so dass es schlussendlich auch als Zeller Bauprojekt ausgeschrieben wurde. Die Gesamtkosten für das Feuerwehrhaus und den angrenzenden Parkplatz beliefen sich im Jahr 1980 auf ungefähr 40.000 DM. Das Gebäudeensemble der Bahnhofsstraße wurde 1987 durch eine Filiale der Kreissparkasse erweitert. Dem Gemeinderat war es jedoch ausgesprochen wichtig, dass die neue Filiale in das Straßenbild passt. Wie die angefügten Bilder verdeutlichen, hebt sich das Sparkassengebäude zwar von der bisher dominierenden Ziegelsteinbauweise der Bahnhofstraße ab, jedoch schaffte man es mit Hilfe der umliegenden Grünanlagen, einen harmonischen und fließenden Übergang der verschiedenen Baustile zu erreichen.

Die Bahnhofstraße ist neben der Zehnthausstraße und der Alten Poststraße eine der wichtigsten Straßen im Bullayer Verkehrsnetz. Zwar ist sie kulturhistorisch jünger als die beiden oben genannten Hauptverkehrsstraßen, jedoch steht sie wie keine zweite Straße für die Veränderungen der Ortsgemeinde Bullay im 20. Jahrhundert. Sie steht exemplarisch für die überregionale Bedeutung Bullays im Fernverkehr. Darüber hinaus dient sie als wichtiges Verbindungsstück zwischen Bullay und der ehemaligen Ortsgemeinde Neumerl, die seit 1964 zur Ortsgemeinde Bullay zählt.

(Patrick Drexler, Universität Koblenz-Landau, 2015)

Literatur

Landesamt für Vermessung und Geobasisinformationen Rheinland-Pfalz (Hrsg.) (2004)
Landschaft im Wandel: Alf 1810-2000 (CD-ROM). o. O.
Schulschenk, Fritz (2004)
Bullay an der Mosel zwischen 1150 und 2000 - 850 Jahre eines Gemeindelebens. Eine chronologische Aufzeichnung. o. O.

Bahnhofstraße in Bullay

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Bahnhofstraße
Ort
56859 Bullay
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Fernerkundung
Historischer Zeitraum
Beginn 1879 bis 1890
Koordinate WGS84
50° 03′ 13,69″ N, 7° 08′ 0,96″ O / 50.0538°, 7.1336°
Koordinate UTM
32U 366393.97 5546281.27
Koordinate Gauss/Krüger
2581226.61 5547009.01

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„Bahnhofstraße in Bullay”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/KLD-244622 (Abgerufen: 21. Mai 2019)
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