Denkmalbereich „Krudenburg“

Hünxe-Krudenburg, Ortskern

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Denkmalpflege
Gemeinde(n): Hünxe
Kreis(e): Wesel
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 51° 39′ 1,63″ N: 6° 45′ 24,2″ O / 51,65045°N: 6,75672°O
Koordinate UTM 32.344.810,18 m: 5.724.544,79 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.552.416,48 m: 5.724.283,11 m
Lage und Geschichte
Krudenburg liegt am unteren Niederrhein östlich von Wesel, etwa einen Kilometer nördlich von Hünxe an der Lippe, unmittelbar an der Uferkante, zwei bis drei Meter über dem Wasserspiegel. Kern der Ortslage ist die Burg, in deren Nachbarschaft sich das Fischerdorf als Straßendorf mit einem Hafen an der Lippe entwickelte. Schifffahrt und Fischfang waren wesentliche Existenzgrundlagen der Einwohner. Krudenburg war Pferdewechselstation vom Treidelpfad an der Lippe, und im Hafen überwinterten die Lippeschiffe.

1092 wird Krudenburg erstmals erwähnt, 1280 die Pfarrkirche erstmals genannt. Im 14. Jahrhundert war die „Crudenborgh“ ein Lehen der Grafen von Kleve. Ab 1363 ging das Burghaus mit der zugehörigen Wassermühle einschließlich des Rechtes auf Fischerei in der Lippe in den Besitz des Ritters Rutger von Boezelaer (Boetzelaer) über, jedoch wechselte im Laufe der folgenden Jahrhunderte bedingt durch Heirat, Verpfändung, Belehnung und Verkauf mehrfach der Besitz, gehörte Anfang des 19. Jahrhunderts zum benachbarten Wasserschloss Gartrop. Seit 1562 evangelisch, wurde der Ort in brandenburgischer Zeit (1614/1666-1798) zur Herrlichkeit erhoben. Seit der Kommunalreform 1975 gehört Krudenburg zu Hünxe.

Charakteristik
Die Krudenburg lag ehemals auf einer von einem Lippearm umflossenen Insel und wurde im 18. Jahrhundert um die Anlage eines Gartens über zwei weitere Inseln westlich und südwestlich des Herrenhauses erweitert. 1893 erfolgte der Abriss großer Teile der Burg, so dass von den Baulichkeiten der Burg bzw. des späteren Herrenhauses nur ein 1664 errichteter Turm der Vorburg erhalten ist.

Zwischen Burg und Lippe liegt das ursprüngliche Dorf mit dem ehemaligen Hafen. Das Dorf erstreckt sich als Straßendorf mit evangelischer Kirche entlang der Dorfstraße über historischem Grundriss in weitgehend geschlossener Bauweise. Die aufgehende Substanz setzt sich aus giebelständigen, eingeschossigen, drei- bis vierachsigen Wohnhäusern größtenteils aus der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts aus Backstein mit ausgebautem Giebelgeschoss mit Halb- und Viertelwalmabschluss (Krüppelwalm) zusammen. Rückwärtig schließen an die Häuser kleinteilige Anbauten, Nebengebäude und Gärten.

Der Denkmalbereich
Der Denkmalbereich schützt den Ort in seiner inneren Geschlossenheit, das Zusammenwirken von Burg und Dorf und die Einbindung in den umgebenden Landschaftsraum am Lippeufer.

Erhalten hat sich der größere Teil des alten Ortsgrundrisses aus Wegeführung und Parzellenteilung, wobei sich die Mehrzahl der Häuser an zwei parallel geführten Straßen - Dorfstraße und Lippeweg - dicht nebeneinander reihen. Die weitgehend geschlossene Bauweise ist überwiegend untereinander gleichwertig (eingeschossig mit ausgebautem Giebelgeschoss). Die Baukörper lassen Anklänge an die Form des niederrheinischen Hallenhauses erkennen: die drei und vier Fensterachsen breiten Häuser sind längs aufgeschlossen; der zur Straße weisende Giebel ist meist als Halb- oder Viertelwalm ausgebildet. Vereinzelt ist die ursprüngliche Aufteilung in einen vorderen Wohn- und hinteren Stallteil noch ablesbar. Die wenigen zweigeschossigen, traufseitig orientierten Häuser ordnen sich maßstäblich und im Material in die Bebauung ein. Die Baukörperausformung der einzelnen Häuser ist durchweg schlicht. Trotz einiger moderner Eingriffe vermittelt die überkommene Substanz anschaulich den in sich geschlossenen dörflichen Charakter. Ein wichtiges, das Ortsinnere prägendes Detail ist das kleinteilige Pflaster der Dorfstraße.

Der sich im Gelände abzeichnende Burgbereich der ehemaligen Insel, in dem die frühere topographische Situation ablesbar ist, ist insgesamt als erhaltenswerte Freifläche Bestandteil des Denkmalbereiches. Der Denkmalbereich reicht bis zur Lippe, um dem Ortsbild auch von Süden her die landschaftstypische Lage und den notwendigen Umgebungsschutz zu erhalten.

Die Satzung trat 1992 in Kraft.

(Elke Janßen-Schnabel, LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, aus: Pufke (Hrsg.) 2016)

Internet
www.krudenburg.info: Homepage Krudenburg (abgerufen 25.09.2019)

Literatur

Dittgen, Willi (1983)
Gemeinde Hünxe an der Lippe. (Rheinische Kunststätten, Heft 279.) Neuss.
Gemeinde Hünxe (Hrsg.) (1992)
900 Jahre Hünxe 1092-1992. Katalog zur Ausstellung; Hünxe, Rathaus 13. März - 6. Mai 1992. o. O.
Pufke, Andrea (Hrsg.) (2016)
Denkmalbereiche im Rheinland. (Arbeitsheft der rheinischen Denkmalpflege 83.) S. 175-177, Petersberg.

Denkmalbereich „Krudenburg“

Schlagwörter
Ort
46569 Hünxe - Krudenburg
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Denkmalbereich gem. § 5 DSchG NW
Fachsicht(en)
Denkmalpflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Übernahme aus externer Fachdatenbank, Auswertung historischer Schriften, Auswertung historischer Karten, Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung

Empfohlene Zitierweise

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„Denkmalbereich „Krudenburg“”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/BODEON-32736-13062019-293792 (Abgerufen: 15. Juli 2020)
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