Denkmalbereich „Dinslaken - Zechensiedlung Lohberg“

Werksiedlung Alt-Lohberg

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Denkmalpflege
Gemeinde(n): Dinslaken, Hünxe
Kreis(e): Wesel
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Die von August Thyssen in Duisburg-Hamborn mitbegründete Gewerkschaft Deutscher Kaiser, eine der großen Hüttenzechen aus dem letzten Viertel des 19. Jahrhunderts, dehnte zur Jahrhundertwende ihren Felderbesitz weit über die nördliche Grenze von Hamborn hinweg auf das Gebiet der heutigen Stadt Dinslaken aus. In den Jahren 1900/02 gab es erste Planungen zur Anlage der Zeche Lohberg nördlich der Stadt Dinslaken. Geplant war eine Großschachtanlage für mehrere tausend Bergleute. Die Abteufarbeiten für die Schächte 1 und 2 begannen 1906/07.

Für die auf freiem Feld, weitab größerer Siedlungen begonnene Zeche musste eine Siedlung mit den entsprechenden Versorgungseinrichtungen erbaut werden. Der Entwurf, erstellt von der Bauabteilung der Gewerkschaft Deutscher Kaiser (Heinrich Neuls, Flaßhoff), sah eine Siedlungsanlage mit 2.800 Wohnungen, zwei Kirchen, zwei Schulen, zwei Konsumanstalten und Kasino vor. Gleichzeitig mit den Abteufarbeiten an der Schachtanlage wurde 1907 mit dem Bau der Siedlung begonnen; sie war im wesentlichen 1923 vollendet. Die Schulen waren 1915/16 entstanden, während für den Gottesdienst noch lange Zeit die Lohnhalle der Zeche genutzt werden musste. Nach dem Bau einer Notkirche 1918 entstand 1932 die katholische Kirche. Erst in den 1950er Jahren wurde eine evangelische Kirche erbaut.

Unmittelbar nebeneinander, nur getrennt durch die Landstraße von Dinslaken nach Hünxe, entstanden in enger Nachbarschaft Zeche und Siedlung. Die ehrenhofartlg zur Hünxener Straße sich öffnenden Eingangsbauten der Zeche mit dem opulenten Verwaltungs-, Sozial- und Kauengebäude finden auf der anderen Straßenseite ihre Entsprechung im Kasinogebäude der Siedlung. Rund um das Kasinogebäude, also dicht dem Eingangsbereich der Zeche zugeordnet, liegen die Wohnungen der Beamten.

Der nördlich sich entwickelnde Siedlungsgrundriss wird geprägt durch die halbkreisförmig um den zentralen Johannesplatz verlaufende Schlepperstraße, von der aus Radialstraßen auf den Platz zuführen. Ergänzt wird diese Grundrissfigur durch ein annähernd hufeisenförmig angeordnetes Straßenpaar im Westen. Solche, auf geometrischen Grundfiguren aufbauenden städtebaulichen Grundrisse waren typisch für die Stadtbaukunst, die nach der Jahrhundertwende in Reaktion auf den malerisch-romantischen Städtebau aufkam. Sie wurden prägend für Wohnanlagen, die im Zusammenhang mit der Gartenstadtbewegung entstanden.

Die Wohnhäuser sind durchweg zwei- bis dreigeschossige Putzbauten, in der Regel zusammengefasst zu mehreren Hauseinheiten, ohne dass vollständig geschlossene Blöcke entstehen. Immerwieder erlauben Zwischenräume Durchblicke von den Straßen in die Hofbereiche. Die Siedlung zeigt also eine Abkehr von der Einzelhausbebauung zugunsten einer Gruppenbauweise, die zugleich den Eindruck einer aufgelockerten Bebauung schafft und dennoch geschlossene Straßen- und Platzbilder ermöglicht. Zu den Häusern gehören Stallgebäude, die entweder seitlich an die Hauskörper addiert oder in den Innenhöfen aufgestellt sind.

Das Bild der Straßen und Plätze in der Siedlung wird geprägt durch die zahlreichen, bordsteinbegleitenden Bäume.

Die Siedlung Lohberg verdeutlicht eine Tendenz in der Siedlungsarchitektur, die mit dem Bau der Krupp-Siedlung Margarethenhof 1903 in Duisburg-Rheinhausen einsetzt. Prägend ist ein kleinstädtisches Erscheinungsbild, das vom ländlich-dörflichen Bild früherer Siedlungsanlagen abweicht. Lohberg ist eine der größten Siedlungen dieser Art, reich ausgestattet mit Versorgungseinrichtungen. Zusammen mit der benachbarten Zeche wird damit ein Bild städtebaulicher Autarkie geschaffen mit Symbolkraft für die in dieser Zeit noch paternalistisch orientierte Industrie im wilhelminischen Kaiserreich.

Schon frühzeitig hatte das Rheinische Amt für Denkmalpflege 1973 im Zusammenhang mit der Aufstellung eines Flächennutzungsplanes die Siedlung als Denkmal benannt. 1977/78 waren unter Mitwirkung des Amtes Erhaltungs- und Gestaltungssatzungen erarbeitet worden. Trotzdem kam es zur Verwahrlosung einzelner, leerstehender Häuser in der Siedlung, die offenbar zum Abbruch vorgesehen waren. Gegen die daraufhin auf Antrag des Rheinischen Amtes für Denkmalpflege durch die Stadt Dinslaken durchgeführte Unterschutzstellung einzelner gefährdeter Häuser legte die Eigentümergesellschaft Widerspruch ein und klagte vor dem Verwaltungsgericht. Schließlich wurde 1984 eine gütliche Vereinbarung getroffen, für die Siedlung eine Denkmalbereichssatzung aufzustellen und nur einzelne Gebäude als Baudenkmale einzutragen. Die Satzung wurde 1988 rechtskräftig.

(Walter Buschmann, Rheinisches Amt für Denkmalpflege, LVR, aus: Mainzer (Hrsg.) 1996)

Literatur

Beckers, Petra (1987)
Dinslaken-Loberg. Eine Siedlung des Thyssenschen Wohnungsbaus. In: Denkmalpflege im Rheinland, S. 11-17. o. O.
Bollerey, Franziska; Hartmann, Kristiana (1985)
Siedlungen aus dem Regierungsbezirk Düsseldorf. Essen.
Mainzer, Udo (Hrsg.) (1996)
Denkmalbereiche im Rheinland. (Arbeitshefte der rheinischen Denkmalpflege 49.) S. 70-71, Köln.
(1922)
Thyssen-Bergbau am Niederrhein 1871-1921. Hamborn.

Denkmalbereich „Dinslaken - Zechensiedlung Lohberg“

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Johannesplatz u.a.
Ort
46537 Dinslaken - Lohberg
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Denkmalbereich gem. § 5 DSchG NW
Fachsicht(en)
Denkmalpflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Übernahme aus externer Fachdatenbank, Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1907 bis 1923
Koordinate WGS84
51° 35′ 5,2″ N, 6° 45′ 27,04″ O / 51.58478°, 6.75751°
Koordinate UTM
32U 344640.62 5717240.48
Koordinate Gauss/Krüger
2552546.91 5716977.05

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„Denkmalbereich „Dinslaken - Zechensiedlung Lohberg“”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/BODEON-29450-01122016-261952 (Abgerufen: 13. November 2018)
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