Denkmalbereich „Kleve - Griethausen“

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Denkmalpflege
Gemeinde(n): Kleve (Nordrhein-Westfalen)
Kreis(e): Kleve (Nordrhein-Westfalen)
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Griethausen wurde 1364 an der Stelle eines älteren Hofes (Griethusen) gegründet. Die zuvor bereits vorhandene Straße nach Kleve, eine Rheinfähre, eine Landestelle für Rheinschiffe, von den Klever Kaufleuten als Umschlagplatz genutzt, begünstigten die Gründung des Ortes. Ausschlaggebend war vermutlich die seit spätestens 1347 beabsichtigte Verlegung des an die Klever Grafen verliehenen Reichszolles von Nimwegen an diesen neuen, durch seine Verkehrsgunst bevorzugten Ort. Das den Ort konstituierende Zollhaus wurde bereits 1357 erwähnt. Griethausen erhielt 1373 Stadtrechte. Die eng mit dem Zoll verknüpfte Blüte des Gemeinwesens wurde 1385 unterbrochen durch die politisch motivierte Verlegung des Zolls zur Beek in die Nähe des zwischen Kleve und dem Erzstift Köln umstrittenen Xanten. Nur kurzzeitig erhielt Griethausen (1400 bis vermutlich 1420) die alte Funktion als Zollstation zurück. Durch die Verlagerung des Rheins musste die Stadt auf diese Funktion zukünftig verzichten. Trotzdem wurden wichtige Bauvorhaben im 15. Jahrhundert begonnen und vollendet: um 14001/433 Pfarrkirche, um 1440 Erneuerung der Burg, die seit Mitte des 15. Jahrhunderts Amtssitz eines Richters war, 1457 Kloster.

Schwere Schäden erlitt der Ort in der letzten Phase des Dreißigjährigen Krieges, als 1647 von den Zerstörungen nur die Kirche verschont bleibt. Erneute Schäden brachten die Stadtbrände von 1697 und 1735. Zum Wiederaufbau wurde 1735 eine Bauordnung erlassen, die auf Einhaltung gerader Fluchtlinien und Durchsetzung eines einheitlichen Stadtbildes abzielte. Es ist überliefert, dass für die Baumaßnahmen große Feldbrandöfen (drei zu je 100.000 Steine) angelegt und noch zusätzlich Ziegel aus Nimwegen und Arnheim besorgt wurden. 1736 waren belgische Handwerker damit beschäftigt, die Ziegelhäuser rot mit weißen Fugenstrichen zu streichen. Durch erneuten Stadtbrand wurden 1868 23 Häuser zerstört. Eine neue Bauordnung widmete sich nun verstärkt dem Brandschutz. Die 1863 bis 1865 erbaute Eisenbahnbrücke über den Altrhein und die Griethausener Mühle von 1865 prägen im Westen das Ortsbild.

Im Stadtbild ist noch heute der planmäßige Gründungsvorgang des 14. Jahrhunderts ablesbar. Der Stadtgrundriss wird durch ein Achsenkreuz geprägt. All der breiteren Hauptachse sind die schmalrechteckigen Parzellen senkrecht aufgereiht. An den Enden der beiden Achsen waren die vier Stadttore angeordnet. Das Haus am westlichen Ende der Oberstraße mit korbbogiger Durchfahrt und dreiseitigem Ecktürmchen (18. Jahrhundert) erinnert noch an die ehemalige Torsituation. Von der Hauptachse rechtwinklig abzweigend, verlaufen zwischen den Hausparzellen enge Gassen. Abseits der Hauptachse liegen Pfarrkirche und die Reste des Tertiarinnenklosters. Die ursprünglich an der Rheinfront gelegene Zollburg ist nicht erhalten.

Die durchweg bescheidenen Wohnhäuser des Orts sind zweigeschossige, traufständige Putzbauten mit drei Achsen, häufig in den Fassaden gegliedert durch horizontale Dach- und Sohlbankgesimse, schwach vorspringende Sockel und zuweilen profilierte Fensterumrahmungen. Die sich über die Dächer erhebenden Brandgiebel sind schon auf einer Darstellung Jan de Beijers von 1745 zu sehen.

Die umfangreiche Siedlungstätigkeit der Nachkriegszeit verhindert eine bemerkenswerte Silhouettenwirkung des historischen Ortes nach Osten und Süden. Beeindruckend ist das Ortsbild von Westen sowie von dem den Altrhein begrenzenden Deich.

Griethausen ist zu den mittelalterlichen Gründungsstädten im Rheinland zu rechnen. Wie auch andere vergleichbare Zollfestungen (Zons, Orsoy) hat es eine nur bescheidene wirtschaftliche und städtebauliche Entwicklung gegeben. Der planmäßige Gründungsvorgang ist im regelmäßigen Stadtgrundriss überliefert, so dass auch Griethausen ein Dokument für die Stadtbaukunst der Gotik darstellt. Das gleichmäßige Stadtbild mit den einheitlichen Hausformen, ein Resultat des Wiederaufbaus nach dem Brand von 1735 wird auch durch die im 19. Jahrhundert entstandenen Putzfassaden nicht in Frage gestellt.

Die Ausweisung des Denkmalbereiches Griethausen folgt einem Beschluss des Kulturausschusses der Stadt Kleve von 1982/83 und entsprechenden vorbereitenden Arbeiten der Stadtverwaltung. Der von dort vorgeschlagene örtliche Geltungsbereich sollte jedoch nur sehr knapp die Hauszeilen der Oberstraße einschließlich Pfarrkirche umgrenzen. Auf Anregung des Rheinischen Amtes für Denkmalpflege wurde die ganze Fläche bis zum heutigen Deich in den Bereich einbezogen. Die Satzung wurde 1988 rechtskräftig.

(Walter Buschmann, Rheinisches Amt für Denkmalpflege, LVR, aus: Mainzer (Hrsg.) 1996)

Literatur

Clemen, Paul (1892)
Die Kunstdenkmäler des Kreises Kleve. (Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz I 4.) Düsseldorf.
Dahms, Wolfgang (1994)
Griethausen klein, am alten Rhein. Kleve.
Gorissen, Friedrich (1974)
Griethausen. Geschichte einer Stadtgründung oder Aufstieg und Niedergang eines Rheinhafens. Köln.
Hilger, Hans Peter (1964)
Kreis Kleve 1: Altkalkar - Huisberden. In: Wesenberg, Rudolf / Verbeek, Albert (Hrsg.): Die Denkmäler des Rheinlandes, Düsseldorf.
Mainzer, Udo (Hrsg.) (1996)
Denkmalbereiche im Rheinland. (Arbeitshefte der rheinischen Denkmalpflege 49.) S. 136-137, Köln.

Denkmalbereich „Kleve - Griethausen“

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Oberstraße
Ort
47533 Kleve - Griethausen
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Denkmalbereich gem. § 5 DSchG NW
Fachsicht(en)
Denkmalpflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Übernahme aus externer Fachdatenbank, Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1364
Koordinate WGS84
51° 49′ 24,84″ N, 6° 10′ 3,57″ O / 51.82357°, 6.16766°
Koordinate UTM
32U 304813.46 5745209.01
Koordinate Gauss/Krüger
2511602.76 5743285.57

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„Denkmalbereich „Kleve - Griethausen“”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/BODEON-27891-09022017-264338 (Abgerufen: 18. August 2018)
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