Denkmalbereich „Kleve - Klever Gärten und Tiergartenstraße“

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Fachsicht(en): Denkmalpflege
Gemeinde(n): Kleve (Nordrhein-Westfalen)
Kreis(e): Kleve (Nordrhein-Westfalen)
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Nach dem Tod von Herzog Johann Wilhelm 1609 erlosch das Klever Herrenhaus. In der nunmehr brandenburgischen Provinz war Kleve weiterhin Residenzstadt. 1647-1679 war Prinz Johann Moritz von Nassau-Siegen für das Haus Brandenburg Statthalter in Kleve. In seiner Regierungszeit umgab er die Stadt seit etwa 1650 mit einem weit in das Umland hinausgreifenden System von Alleen, Parks und Gartenanlagen. Weitgehend erhalten blieb Im Nordwesten der Stadt der sogenannte Neue Tiergarten mit Amphitheater und Prinzenkanal.

Nach Zerstörungen im Spanischen Erbfolgekrieg baute Friedrich I. von Preußen die Anlagen am Amphitheater wieder auf. Das System der Schneisen und Achsen wurde ergänzt durch Einbeziehung des Klever Berges. 1741 wurde ein unweit des Amphitheaters entspringender Gesundbrunnen gefasst, so dass die Gartenanlagen ein zentraler Ort für die nun beginnende Geschichte des Kurortes Kleve wurden. Südöstlich des Prinzenkanals legte der Kammerpräsident von Buggenhagen 1784 noch im „französischen Geschmack“ den sogenannten Forstgarten an.

Im Gefolge des Einmarsches französischer Truppen wurden die Gartenanlagen verwüstet. Am Amphitheater blieb neben der terrassenförmigen Abfolge von Weihern die 1660 aufgestellte Statue der Minerva von Artus Quellinus d.Ä. erhalten. In preußischer Zeit wurden die Gartenanlagen nach 1823 entstandenen Plänen des Gartenarchitekten Maximilian Friedrich Weyhe wiederhergestellt und im Sinne englischer Landschaftsgärten umgewandelt. Nach einer Besichtigung der Anlage Im Oktober 1833 entschied Friedrich Wilhelm IV. Persönlich, dass anstelle der baufällgen Arkaden am Amphitheater ein klassizistischer Rundtempel erbaut werden sollte. Achsial darauf ausgerichtet wurde nach seinem Entwurf auf der Bergspitze ein Obelisk mit preußischem Adler errichtet. Unter Einbeziehung älterer Bauten entstand 1844 zur Nutzung des Gesundbrunnens ein Badehaus, das nach dem König benannte Friedrich-Wilhelms-Bad. Die am Badehaus vorbeiführende Straße (Tiergartenstraße) nach Kleve wurde in den folgenden Jahrzehnten mit Villen und Wohnhäusern bebaut und entwickelte sich zu einer typischen Repräsentationsstraße des 19. Jahrhunderts. 1872 ergänzte man das Badehaus durch Badehalle und Badehotel.

Nordwestlich des Prinzenkanals entstand der Schützenhauspark, dessen Mittelpunkt eine 1845 ursprünglich für eine Ausstellung erbaute Holzhalle ist, die später als Schützenhaus genutzt wurde.

Der heterogen aus verschiedenen historisch-baulichen Entwicklungsschichten sich zusammensetzende Bereich wird heute optisch insbesondere geprägt durch die beiden sich nahezu rechtwinklig kreuzenden Achsen Tiergartenstraße und Prinzenkanal mit Amphitheater und dem auf der Bergspitze bekrönend wirkenden preußischen Adler auf dem Obelisk. Das Amphitheater wird geprägt durch die terrassenförmig angelegten Weiher, mit Minerva und Monopteros. Der Prinzenkanal beginnt an der Tiergartenstraße mit zwei von Wassergräben umgebenen Inseln. Die von späterer Bebauung und wildem Bewuchs bereinigten Inseln und der Prinzenkanal werden eingerahmt durch erst kürzlich erneuerte Lindenalleen.

Oberhalb des Amphitheaters ist das System der in den Wald eingeschlagenen Schneisen mehr oder weniger zugewachsen, dennoch aber deutlich ablesbar. Die Schneisen bündeln sich sternförmig am Sternberg und Kleverberg. Von diesen beiden Punkten aus beziehen sich die Schneisen in ihrer Ausrichtung auf markante Blickpunkte der näheren und weiteren Umgebung: Eltenberg mit Stiftskirche, St. Aldegundis Emmerich, Rees, Schwanenturm der Schwanenburg in Kleve, Schloss Moyland, St. Nicolai in Kalkar etc. Schützenhauspark und Forstpark begleiten beidseitig den Prinzenkanal, partiell vom Kanal getrennt durch eine Altenwohnanlage und ein Tiergehege mit seinen unvermeidlichen baulichen Anlagen aus jüngerer Zeit.

Das System der in den Wald geschlagenen Schneisen südlich der Tiergartenstraße wird nördlich in die Ebene hinein durch ein weitgreifendes System von geometrisch geordneten Alleen übertragen. Auf diese Weise werden auch Schloss Gnadenthal (1704) und die Wasserburg Rindern (1664 entstanden als Landhaus im „holländischen Geschmack“) in das System der Gartenanlagen einbezogen.

Die den Tiergarten durchquerende Tiergartenstraße findet ihren architektonischen Auftakt am Amphitheater mit den Bauten des Friedrich-Wilhelms-Bades. Die vorwiegend klassizistisch geformten Villen- und Wohnbauten aus der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts prägten das Gesicht der Stadt Kleve als Kurort. Das 1847/48 errichtete Wohnhaus des niederländischen Malers Barent Cornelis Koekkoek bildet zugleich einen architektonischen Höhepunkt in dieser Straßen folge und kennzeichnet mit seiner Lage im Bereich des Anfang des 19. Jahrhunderts entfernten Kavarinertores zugleich die ehemalige Grenze zur mittelalterlichen Stadt. Die anschließende Bebauung in der Kavarinerstraße war und ist bis zur Große Straße stark auf die Tiergartenstraße bezogen.

Der Neue Tiergarten in Kleve ist in seiner Konzeption des 17. Jahrhunderts für die Geschichte der Gartenbaukunst, für Kunst- und Architekturgeschichte von überragender Bedeutung. Nur selten finden sich in der europäischen Geschichte Parallelen für die derart umfassende Gestaltung einer Landschaft im Sinne einer arkadischen Ideallandschaft, eingebettet und beeinflusst durch die Gedankenwelt des Manierismus. Die Klever Gärten waren vorbildhaft, wirkten ein auf die Anlage des Berliner Tiergartens oder die Anlage des Neuen Schlosses der Eremitage zu Bayreuth. Schon Zeitgenossen von Johann Moritz bewunderten die Anlagen. Ludwig XIV., Voltaire, Friedrich Wilhelm IV. waren besonders prominente Besucher und Bewunderer der Klever Gartenanlagen. Die späteren Erweiterungen und Umgestaltungen der Anlagen, insbesondere die Planungen von Maximilian Friedrich Weyhe sind gartenbaugeschichtlich ebenfalls von großer Bedeutung. Die klassizistischen Bauten an der Tiergartenstraße dokumentieren die regionalgeschichtlich bedeutsame Entwicklung Kleves zum Kurort und gehören darüber hinaus zu den hervorragendsten Zeugnissen des Klassizismus im Rheinland. Die Tiergartenstraße als städtebauliche Anlage ist ein gutes Beispiel für eine Repräsentationsstraße des 19. Jahrhunderts.

Schon frühzeitig war vom Rheinischen Amt für Denkmalpflege auf die hochrangige Bedeutung der Klever Gärten hingewiesen worden (vgl. H. P. Hilger, Die Denkmäler des Rheinlandes Bd. 6. Kreis Kleve 4. Düsseldorf 1967). Diese Einstufung wurde bestätigt durch ein 1976 im Auftrag des Rheinischen Amtes für Denkmalpflege erstelltes Gutachten durch Prof. A. Hoffmann und Prof. D. Hennebo. Die Stadt Kleve teilte diese Auffassung, fasste 1982/83 den Beschluss zur Aufstellung einer Denkmalbereichssatzung „Tiergartenstraße“ und machte 1985 einen ersten Vorschlag zum räumlichen Geltungsbereich einer solchen Satzung. Auf Anregung des Rheinischen Amtes für Denkmalpflege wurde zusätzlich in den Bereich einbezogen: Klever Berg, Wasserburg Rindern, Schloss Gnadenthal, sowie der ganze, bis an die Ortschaft Donsbrüggen heranreichende Wald des Tiergartens. Auf Wunsch der Stadt Kleve wurde die Kavarinerstraße vollständig, bis zur Große Straße Teil des Denkmalbereiches. Die Satzung wurde entsprechend ausgearbeitet und 1988 rechtskräftig.

(Walter Buschmann, Rheinisches Amt für Denkmalpflege, LVR, aus: Mainzer (Hrsg.) 1996)

Literatur

Clemen, Paul (1892)
Die Kunstdenkmäler des Kreises Kleve. (Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz I 4.) Düsseldorf.
Diedenhofen, Wilhelm A. (1994)
Kleveische Gartenlust. Gartenkunst und Badebauten in Kleve. Kleve.
Diedenhofen, Wilhelm A. / Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz e.V. (Hrsg.) (1978)
Gärten und Parks in Kleve. (Rheinische Kunststätten, Heft 202.) Köln.
Gorissen, Friedrich (1952)
Kleve. (Niederrheinischer Städteatlas, 1. Reihe: Klevische Städte, Heft 1 / Publikationen der Gesellschaft für rheinische Geschichtskunde 51.) Kleve.
Hilger, Hans Peter (1967)
Die Denkmäler des Rheinlandes. Kreis Kleve. Bd. 4: Kleve. Düsseldorf.
Hoffmann, Alfred / Hennebo, Dieter (1986)
Historische und aktuelle Bedeutung der klevischen Gartenanlagen des Fürsten Johann Moritz von Nassau-Siegen (Gutachten im Auftrage des Landeskonservators Rheinland). Bad Homburg / Hannover.
Mainzer, Udo (Hrsg.) (1996)
Denkmalbereiche im Rheinland. (Arbeitshefte der rheinischen Denkmalpflege 49.) S. 131-135, Köln.
Werd, Guido de (1980)
Soweit der Erdkreis reicht. Johann Moritz von Nassau-Siegen 1604-1679. Kleve.

Denkmalbereich „Kleve - Klever Gärten und Tiergartenstraße“

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Tiergartenstraße / Kavarinerstraße
Ort
47533 Kleve
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Denkmalbereich gem. § 5 DSchG NW
Fachsicht(en)
Denkmalpflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Übernahme aus externer Fachdatenbank, Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1650
Koordinate WGS84
51° 47′ 46,06″ N, 6° 07′ 30,21″ O / 51.79613°, 6.12506°
Koordinate UTM
32U 301757.94 5742273.04
Koordinate Gauss/Krüger
2508670.93 5740226.56

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„Denkmalbereich „Kleve - Klever Gärten und Tiergartenstraße“”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/BODEON-27886-09022017-264337 (Abgerufen: 21. November 2018)
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