Am 23. Februar 1888 wurde die F. C. Th. Heye Braunkohlenwerke Annahütte handelsgerichtlich beim Amtsgericht Spremberg eingetragen. Alleiniger Inhaber der Firma war der Geheime Kommerzienrat F. C. Th. Heye. Das Abbaugebiet erstreckte sich auf Felder der Gruben Heye I und Heye II, denen die noch älteren Gruben Reruanttork des Bahnhofsinspektors von Krottnaurer und die Paulsgrube bei Särchen des Tuchfabrikanten Kadner angegliedert wurden. Für die Verarbeitung der Kohle ging am 1. April 1888 eine Brikettfabrik (Heye I) in Betrieb. Bis Ende 1897 wurde die Kohle im Tiefbau abgebaut. Neuere Technik zur Entwässerung ermöglichte den Übergang zum Tagebaubetrieb. Gleichzeitig kam der Ende 1896 begonnene Bau einer zweiten Brikettfabrik (Heye II) zum Abschluss, die die Brikettproduktionskapazitäten entsprechend der steigenden Kohlenförderung erweiterte. Für die Unterbringung der wachsenden Belegschaft entstanden in der Kolonie Annahütte Wohnungen und soziale Einrichtungen (Schule, Apotheke, Post).
Nach dem Erwerb ertragreicher Kohlenfelder bei Wiednitz in den Gemarkungen Grünewald, Hohenbocka, Hosena, Guteborn und Leippe begann die F. C. Th. Braunkohlenwerke 1909 den Aufschluss der Grube Heye III und die Errichtung einer Brikettfabrik. Ausgestattet mit moderner Technologie nahm die Brikettfabrik schon Ende 1910 die Verarbeitung der Kohle aus dem Neuaufschluss auf. Erstmals kamen elektrisch angetriebene Pressen zum Einsatz, zudem wurde die Rohkohle vor der Brikettierung einer Kohlenwäsche zugeführt und für den Brikettierungsprozess durch Beheizung mit Generatorgas vorgetrocknet. In der Grube Heye III erfolgte der Kohlenabbau zunächst bis 1935 in den Tagebauen I - IV westlich der Bahnstrecke Lübbenau-Kamenz. Mit dem Aufschluss des Tagebaus V wechselte das Abbaugeschehen ab 1935 auf die östliche Seite der Bahnstrecke. Zum Anfang wurde die Kohle noch per Hand abgebaut und mit einer Kettenbahn in die naheliegende Brikettfabrik verbracht. Der Einsatz von Kohlebaggern ab 1918 ermöglichte eine deutliche Steigerung der Rohkohlenförderung. Den Transport zur Brikettfabrik, die mit Fortschreiten des Tagebaus immer weiter vom Abbaufeld entfernt lag, übernahmen ab 1924 Züge mit Großraumwagen. Für die Unterbringung und Versorgung der Angestellten und Arbeiter errichtete das Unternehmen in unmittelbarer Nachbarschaft zu den Werksanlagen die Werkskolonie Grube Heye III mit Wohnhäusern, einer Schule, einem Badehaus und einem Werksgasthof. Bei der Gestaltung orientierte sich der damit beauftragte Architekt Georg Heinsius von Mayenburg aus Dresden an dem Modell der zeitgleich von ihm entwickelten Gartenstadt Marga für die Ilse Bergbau AG.
In den Anfangsjahren bestand noch eine enge organisatorische Verbindung mit dem Glaswerk. Ab dem 1. Januar 1897 waren beide Firmen geschäftlich und räumlich getrennt, blieben allerdings bis zum Tod des Firmengründers (16. Juni 1916) im Familieneigentum von F. C. Th. Heye. In Ausführung seines Testaments wurde das Unternehmen zum 31. Dezember 1916 in die Personengesellschaft F. C. Th. Heye Braunkohlenwerke GmbH umgewandelt. Der umfangreiche Grundbesitz und die erworbenen Abbaurechte der Grubenbetriebe gingen auf die GmbH über. Gesellschafter waren der Sohn Friedrich C. H. Heye und weitere Mitglieder der Industriellen-Familie Heye, die in Annahütte und an anderen Standorten eine der größten Glasfabriken Deutschlands betrieb. Während Friedrich C. H. Heye den Aufsichtsrat führte, lag die eigentliche Leitung der F. C. Th. Heye Braunkohlenwerke GmbH in den Händen des Generaldirektors Günther Heubel, der diese Position von 1900 bis 1937 einnahm.
Zur Verbesserung des Absatzes von Rohkohle und Briketts außerhalb der für das Ostelbische Braunkohlensyndikat bestimmten Margen gründete das Unternehmen 1928 eine eigene Werkshandelsgesellschaft, die Heye Kohlenhandelsgesellschaft mbH mit Sitz in Annahütte. Daneben gehörten zeitweise eine Reihe von Nebenbetrieben zum Geschäftsumfang des Unternehmens, darunter eine Ziegelei sowie Konsumanstalten, Bäckereien und Werksgasthäuser in den Kolonien Annahütte und Heye III.
Zur Vermeidung von Stilllegungen und Arbeiterentlassungen auf Grund von Absatzschwierigkeiten verpachtete das Unternehmen die Grube Heye III von 1935 bis 1937 an das Ostelbische Braunkohlensyndikat. Zum 2. Januar 1939 wurde die Brikettfabrik I in der Grube Heye I/II stillgelegt. Die Brikettproduktion übernahm seitdem die technisch modernisierte und erweiterte Brikettfabrik II. 1944 war die Auskohlung des 1. Flözes in der Grube Heye I/II erreicht und damit ein wirtschaftlicher Weiterbetrieb der Grube nicht mehr durchführbar. Mit Vertrag vom 24. Mai/ 24. Juni 1944 verkaufte das Unternehmen die Anlagen in Annahütte einschließlich des Grundbesitzes und aller Abbaurechte mit Wirkung zum 1. Juli 1944 an die Anhaltische Kohlenwerke AG. Gleichzeitig erfolgte die Verlegung des Geschäftssitzes nach Wiednitz und die Änderung des Firmennamens in „F. C. Th. Heye-Annahütte-Braunkohlenwerke GmbH“.
Nach Kriegsende wurde das im Kreis Hoyerswerda und damit nun im Land Sachsen gelegene Unternehmen mit der Braunkohlengrube Heye III nach SMAD-Befehl 124 vom 30. Oktober 1945 beschlagnahmt und auf Grund des Volksentscheides vom 30. Juni 1946 enteignet. Mit SMAD-Befehl 64 vom 17. April 1948 und Urkunde vom 1. Juli 1948 ist die Enteignung bestätigt worden. Gemäß dem „Gesetz über die Überführung von Bergwerken und Kohlenschätzen in das Eigentum des Volkes“ vom 8. Mai 1947 befand sich der Betrieb Heye III seitdem im Eigentum des Landes Sachsen. Zum 1. Juli 1948 erfolgte die Unterstellung unter die VVB (Z) Braunkohlenverwaltung Welzow. Wenig später ist der Betrieb umbenannt worden. Ab dem 1. Januar 1949 führte er den Namen VEB Braunkohlenwerk Heide, Wiednitz. Die Brikettfabrik blieb noch bis 1992 in Betrieb.
Datierung:
- 1909-1992
Quellen/Literaturangaben:
- Weigel, Karl-Heinz: Heye III 1909, Bd. I; Heimatort Heide im Wandel der Zeit. 1. Aufl., Bernsdorf 2012
- Weigel, Karl-Heinz: Grube Heye III/Braunkohlenwerk Heide 1909-1992, Bd. II; Heimatort Heide im Wandel der Zeit. Bernsdorf 2016.
Bauherr / Auftraggeber:
- Friedrich C. Th. Heye
BKM-Nummer: 30700145