Kulturlandschaftsraum Börde

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Erkelenz, Gangelt, Geilenkirchen, Heinsberg, Hückelhoven, Linnich, Waldfeucht, Wassenberg, Wegberg
Kreis(e): Düren, Heinsberg
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 51° 02′ 30,61″ N: 6° 08′ 56,25″ O 51,04184°N: 6,14896°O
Koordinate UTM 32.300.140,73 m: 5.658.345,45 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.510.491,01 m: 5.656.311,17 m
  • Karte der Landkreise Rhein-Erft-Kreis und Düren in den Gebieten von 1789 (2011).

    Karte der Landkreise Rhein-Erft-Kreis und Düren in den Gebieten von 1789 (2011).

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    Irsigler, Franz / Knöchel, Franz-Josef
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Räumliche Abgrenzung und frühe Besiedlung
Der Kulturlandschaftsraum ist Teil der Jülicher Börde und wird im Norden und Osten von der Rur- und Wurmniederung begrenzt. Im südlichen Teil befindet sich eine Siedlungsverdichtung mit dem Ort Brachelen zwischen der Wurm und Rur. An der Ostseite setzt sich die Börde südlich von Baal fort.

Das Gebiet mit den fruchtbaren Böden war seit der Ur- und Frühgeschichte kontinuierlich besiedelt. In der Römerzeit gab es ein differenziertes Siedlungssystem bestehend aus Wegeverbindungen, Benefiziarstationen, villae rusticae, kleinen Weilern und Kultstätten sowie ackerbaulich genutzten Flächen. Nach dem Zerfall des römischen Reiches setzte im 5. und 6. Jahrhundert die frühmittelalterliche fränkische Landnahme ein, die als ein komplex verlaufender Akkulturationsprozess zu verstehen ist. Im Gegensatz zum römischen Siedlungsgefüge lässt man sich unter anderem wegen der bevorzugten Viehhaltung auf den leichteren Böden in der Nähe von Fließgewässern am Rande der Rur- und Wurmniederung nieder: Kirchhoven, Heinsberg, Schafhausen, Eschweiler, Hülhoven, Dremmen, Porselen, Horst, Randerath und Brachelen.

Mittelalterliche Rodungsphase
Erst in der karolingischen Zeit setzt im 9. Jahrhundert eine intensive Rodungs- und Ausbauphase ein, die etwa bis zum 12. Jahrhundert andauert. Die Siedlungsreihe von Kirchhoven bis Hülhoven wurde durch sogenannte Wehrbauern gegründet und bildete ehemals eine lange Kette von (Wald)-Hufendörfern. Seit dem hohen Mittelalter wurden die sumpfigen Niederungen sowie die noch bewaldeten Flächen auf der Niederterrasse erschlossen und zu großen Teilen gerodet. Spätere Besiedlungen, so mit den Endungen „-rad, -rath oder rode“ führten zu weiteren Waldrodungen. Es entstanden große Einzelhöfe, Hofverbände und auch Weiler. Die Böden wurden intensiv ackerbaulich genutzt. Hieraus entwickeln sich im Laufe des Mittelalters Dörfer wie Aphoven, Lieck, Straeten, Waldenrath, Schleiden und Uetterath, Weiler und Gehöftgruppen wie Boverath, Erpel, Pütt, Berg, Baumen und Herb. Die Dörfer und Weiler liegen ebenfalls in den homogenen Talrinnen. Außer dem Donseler Hof und dem Doppelhof Dorath gibt es keine weiteren Einzelgehöfte. Heinsberg (1255) und Randerath (14. Jahrhundert) erhielten im Mittelalter Stadtrechte. Die älteste Pfarrei im markierten Kulturlandschaftsraum war Dremmen aus dem 8./9. Jahrhundert und die Pfarrei Kirchhoven wird um 1000 erwähnt. Die größten Teile wurden ackerbaulich genutzt. Nur an steileren Hanglagen östlich von Berg, Baumen und Herb sowie Talrinnen bei Aphoven und Uetterath befinden sich noch kleinere Laubwaldflächen, die als Bauernwald genutzt worden sind.
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Landschaftswandel in der Neuzeit
Der Kulturlandschaftsraum gehörte territorial bis 1794 zum Herzogtum Jülich und nach der französischen Periode von 1794 bis 1813 und bis 1945 zu Preußen. Bis 1972 gehörte das Gebiet verwaltungstechnisch zum Kreis Geilenkirchen und seitdem zum Kreis Heinsberg. Das auf der Tranchotkarte dargestellte Landnutzungsgefüge ist bis heute vorhanden. In den Randbereichen der Dörfer und Weiler befanden sich die Hausgärten, Viehweiden, Obstweiden und Obstwiesen.

Die erste größere Landschaftsbild-Veränderung setzte mit den Flurbereinigungen ein, die von ca. 1920/30 (Kirchhoven, Schafhausen, Eschweiler, Hülhoven, Dremmen, Uetterath, Porselen, Horst, Randerath und Brachelen) bis 1970 in dem Raum durchgeführt worden sind. Die wichtigste Ursache hierfür war die fortschreitende Flurzersplitterung aufgrund der Realteilung. Im Rahmen der durchgeführten Flurbereinigungen wurde das gesamte landwirtschaftliche Wegenetz komplett verändert. Zwischen Schafhausen, Dremmen, Uetterath und Schleiden entstanden in den 1970er Jahren neue Einzelhöfe (Aussiedlerhöfe). Vielerorts wurden die Friedhöfe seit 1880 von den Kirchen außerhalb der Siedlung verlagert. Kirchhoven bildet hierbei eine Ausnahme. Die Siedlungen haben sich vor allem nach 1955 flächig erweitert. In Heinsberg, Schafhausen und Dremmen fand dieser Prozess um 1880 bzw. nach 1895 bereits statt. Außerdem wurden Sportplätze seit den 1930er Jahren, Stromleitungen, Hochspannungsleitungen, der Wasserturm südlich von Hülhoven und Windkraftanlagen angelegt. Die Straßen sind dem Autoverkehr angepasst und Umgehungsstraßen sind gebaut worden. Die Autobahn A 46 wurde 1996 bis zur Bundesstraße 221 fertiggestellt. Landwirtschaft, Wohnen, Gewerbe, Verkehr sind heute die Hauptnutzungsformen der Landschaft.

Der Kulturlandschaftsraum heute
Der Kulturlandschaftsraum Börde weist aufgrund seiner Ackernutzung eine hohe Persistenz auf. Das Landschaftsbild ist trotz Siedlungserweiterungen und Flurbereinigungen mit prägenden Weitsichten seit 1806 ebenfalls persistent. Damit ist dieser Bereich mit seinem charakteristischen Landschaftsbild von großer Bedeutung.

Folgende Orte mit ihrer Ersterwähnung liegen im Kulturlandschaftsraum:
  • Aphoven (1276)
  • Baumen (1447)
  • Berg (14. Jahrhundert)
  • Boverath (1394)
  • Brachelen (1170)
  • Donselen (1335)
  • Donseler Hof (vor 1800)
  • Dorath (1170)
  • Dremmen (1201)
  • Erpen (1276)
  • Eschweiler (1343)
  • Heinsberg (1058)
  • Herb (1343)
  • Horst (1223)
  • Hülhoven (1202)
  • Kirchhoven (1254)
  • Laffeld (1277)
  • Lieck (1170)
  • Nygen (1694)
  • Porselen (1283)
  • Pütt (14. Jahrhundert)
  • Randerath (circa 1094)
  • Schafhausen (1217)
  • Schleiden (1343)
  • Scheifendahl (1343)
  • Straeten (1349)
  • Uetterath (1387)
  • Vinn (1473)
  • Waldenrath (1165)

(Peter Burggraaff/Klaus-Dieter Kleefeld: Kartierung zur Datenerfassung im Kreis Heinsberg 2001 im Auftrag des ehemaligen VR-Fachbereich Umwelt, LVR-Abteilung Kulturlandschaftspflege 2026)
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Kulturlandschaftsraum Börde

Schlagwörter
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung

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„Kulturlandschaftsraum Börde”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/A-KKL-20081002-0003 (Abgerufen: 6. Februar 2026)
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