Weiler Filde

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Radevormwald
Kreis(e): Oberbergischer Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Die Ersterwähnung erfolgte 1422 als „Velde“. Laut Engels war in Filde im 17. Jahrhundert eine Landzollstelle für die Nebenverbindung der Straße Lennep-Schwelm eingerichtet. 1715 war Filde bereits auf der Topographia Ducatus Montani als Dorf bezeichnet. Im Jahr 1828 bestand Filde, ein größerer Weiler in Höhenlage, aus landwirtschaftlichen Höfen und einer Gastwirtschaft. In der Literatur wird zudem eine Brauerei Wellershaus erwähnt. Zum Ortsbild gehörten vermutlich zentral gelegene Obstwiesen, im Norden und im Südosten befand sich ortsnahes Gartenland.

Bereits 1770 soll es in Filde eine Schule gegeben haben, von der jedoch wenig bekannt ist. Zwischen 1780 und 1810 war Johann Peter Klüting Lehrer im Schulbezirk Filde und unterrichtete etwa 20 bis 30 Kinder. Im Jahr 1810 erfolgte im Zuge der Neuordnung der Schulbezirke (Wönkhausen und Filde wurden zusammengelegt) die Verlegung der Schule von Filde nach Filderheide.

Im heutigen großen Weiler Filde ist ein hoher Anteil historischer Bausubstanz erhalten, die alle auf der von 1828 bis 1870 geführten Bürgermeistereikarte verzeichneten Hofstellen widerspiegelt. Von den Höfen sind ebenfalls zahlreiche landwirtschaftliche Nebengebäude erhalten, die das ehemalige Kuhbauerndorf ablesbar machen. Im 20. Jahrhundert kam es zu einer baulichen Verdichtung und marginalen Erweiterung im Süden beziehungsweise Südosten des Ortes. Außerhalb des historischen Ortskernes von 1828 liegen ansonsten nur einzelne Gärten und eine Obstwiese unbekannten Alters. Zu Haus Nr. 11 gehört ein aus dem Jahr 1560 (datiert durch Balkeninschrift, in der Literatur und der Denkmalliste sind verschiedene Baudaten angegeben) stammender Haferkasten, der um einige Meter versetzt wurde. Der Haferkasten aus Eichenholz gehört somit zu einem der ältesten Gebäude der Gemeinde Radevormwald. Ursprünglich dienten sie laut Literatur als Vorratskammern (Getreide) auf den Bauernhöfen, die aufgrund ihrer massiven Bauweise sehr gut gegen Einbrüche geschützt waren.

Es ist zu vermuten, dass viele der alten Höfe über tonnengewölbte Bruchsteinkeller verfügen. Mündlich bestätigt wurde dies bei den Nummern 9 (umgebaut), 11, 12 und 13. Nr. 9, heute „Landhaus Filde“ ist ein alter Gastronomiestandort, der auf eine ehemalige Pferdestation zurückgehen soll. Der ehemalige Fachwerkbau ist modernisiert, im Dachstuhl finden sich noch alte Eichensparren. Zu der Wirtschaft gehörte früher der Fachwerkbau Nr. 10 als Saal. Einige Wohnhäuser weisen Hausbäume auf, so zum Beispiel Nr. 5, 10 und 13. Laut Literatur hat es in Filde Hausschmieden zur Anfertigung von Schlössern in Heimarbeit gegeben.

Das Ortsbild ist insgesamt geprägt von markanten Einzelbäumen und Baumgruppen und einer großen Zahl von Hecken, darunter auch Buchen und Ilex. Im Südosten befindet sich ein Bauerngarten im Bereich des historischen Gartenlandes. Er hat eine äußere Heckeneinfassung sowie Beetunterteilungen aus Buchsbaum. Im Westen liegt Hang abwärts der ehemalige Löschteich unbekannten Alters.

(Beate Lange, Nicole Fischer, LVR-Fachbereich Umwelt, 2008)

Literatur

Engels, Wilhelm (1939)
Mittelalterliche Verkehrswege und neuzeitlicher Straßenbau im Remscheider Gebiet und seiner Umgebung. In: Beiträge zur Geschichte Remscheids, Heft 4, S. 15. Remscheid.
Halbach, Walter (1998)
Geschichten aus dem Haferkasten. Radevormwald.
Motte, Wolfgang (2004)
Schulen und Schulmeister in Radevormwald von den Anfängen bis zur Mitte des 19. Jahrhunderts. Radevormwald.
Pampus, Klaus / Oberbergische Abteilung 1924 e.V. des Bergischen Geschichtsvereins (Hrsg.) (1998)
Urkundliche Erstnennungen oberbergischer Orte. (Beiträge zur Oberbergischen Geschichte, Sonderband.) Gummersbach.
Ploennies, Erich Philipp (1988)
Topographia Ducatus Montani (1715). In: Bergische Forschungen Band XX (hrsg. und bearb. von Burkhard Dietz), Neustadt/Aisch.
Regeniter, Alfred (o.J.)
Min leiwe olle Rua - ein Leben für die Heimat. Aus Geschichte und Volkstum der Stadt Radevormwald. Gummersbach.
Sieper, Bernhard (1976)
Radevormwald in alten Ansichten (Band 1). Zaltbommel.

Weiler Filde

Schlagwörter
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1422
Koordinate WGS84
51° 14′ 36,62″ N, 7° 23′ 32,58″ O / 51.24351°, 7.39238°
Koordinate UTM
32U 387788.8 5678131.94
Koordinate Gauss/Krüger
2597270.56 5679658.37

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„Weiler Filde”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/A-BL-20080215-0018 (Abgerufen: 17. Dezember 2017)
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