Landsynagoge Sinzenich

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Zülpich
Kreis(e): Euskirchen
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Text "Juden in Sinzenich, insbesondere zur Zeit des Nationalsozialismus" (Facharbeit von David Jung 2004, PDF-Datei, 170 kB).

    Text "Juden in Sinzenich, insbesondere zur Zeit des Nationalsozialismus" (Facharbeit von David Jung 2004, PDF-Datei, 170 kB).

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Die jüdische Gemeinde in Sinzenich seit dem frühen 19. Jahrhundert:
Seit Mitte des 18. Jahrhunderts lebten mehrere jüdische Familien in Sinzenich. 1902/03 umfasste die Synagogengemeinde Zülpich u. a. die Bürgermeisterei Sinzenich sowie die Spezialgemeinde Kommern. 1908/13 trennten sich Kommern und Sinzenich von Zülpich, 1919 wurden alle drei Gemeinden zusammengefasst.
Gemeindegröße um 1815: 23 (1806), um 1880: 33 (1885), 1932: 36 (1933), 2006: –.
Bethaus / Synagoge: Seit 1869 gab es einen Betsaal in einem Privathaus. Das Gebäude ist noch vorhanden (vorstehende Angaben nach Reuter 2007).

Ein von der jüdischen Gemeinde (hebräisch Kehillah) von Sinzenich genutzter kleiner Betsaal befand sich bereits für das Jahr 1869 belegt im Obergeschoss des Hauses der jüdischen Textilhändler-Familie Horn (Am Bach Nr. 12, heute Auf dem Sand 12). Dieser Raum wurde gelegentlich noch bis ins 20. Jahrhundert hinein genutzt.
„Aber schon längst war wegen der Vergrößerung der kleinen Gemeinde ein eigenes Gebäude notwendig“ (Arntz 2008) und so wurde in einem im Garten gelegenen Anbau des Hornschen Anwesens eine kleine Landsynagoge eingerichtet. „Umbauten haben später nicht stattgefunden. Laut Katasterbeleg bestand das Gebäude schon 1880/81“ (ebd., dort auch Ansichten des Gebäudes).
Der ehemalige Gebetsraum im Obergeschoss hatte eine Grundfläche von etwa 5 x 11 Meter und war über einen Treppenzugang erreichbar. In dem durchgehenden Raum mit gewölbter Decke saßen sich die jüdischen Männer und Frauen gegenüber, es gab keine separate Frauenempore.
In einem der drei kleinen Räume im Erdgeschoss des Gotteshauses befinden sich heute noch an der Decke befestigte Haken, die zeitweise die Vermutung begründeten, dass diese zum rituellen Schächten gedient hätten. Diese Haken wurden aber offenbar erst nach dem Zweiten Weltkrieg angebracht.

Das Gebäude hat die nationalsozialistischen Novemberpogrome von 1938 als einziges jüdisches Gotteshaus im heutigen Kreis Euskirchen unbeschadet überstanden, obgleich es sich zu diesem Zeitpunkt noch in jüdischem Privatbesitz befand.
Das Wohn- und Geschäftshaus des Textilwarenhändlers Horn und das ehemalige Synagogengebäude befinden sich in Privatbesitz. Das frühere Gotteshaus wird heute als Wohngebäude genutzt, es steht nicht unter Denkmalschutz. Nach einer Restaurierung ist heute wieder der äußere Originalzustand mit gebrannten Feldsteinen zu erkennen.

(Franz-Josef Knöchel, LVR-Redaktion KuLaDig, 2012 / freundliche Hinweise von Herrn Hans-Dieter Arntz, Euskirchen)

Internet
www.hans-dieter-arntz.de, Hans-Dieter Arntz: Zwei vergessene und daher erhalten gebliebene Landsynagogen in der Voreifel: Lommersum und Sinzenich (02.02.2008, abgerufen: 13.12.2012)
www.hans-dieter-arntz.de, Hans-Dieter Arntz: Zwei kleine Landsynagogen haben „überlebt“ (02.02.2008, abgerufen: 13.12.2012)

Literatur

Arntz, Hans-Dieter (2011)
Auf den letzten Spuren jüdischen Betens in der Voreifel – Die vergessenen Landsynagogen von Lommersum und Sinzenich. In: Jahrbuch des Kreises Euskirchen 2012, S. 37-42. o. O. Online verfügbar: http://www.hans-dieter-arntz.de/auf_den_letzten_spuren_juedischen_betens.html, abgerufen am 13.12.2012
Arntz, Hans-Dieter (2008)
„Reichskristallnacht“ – Der Novemberpogrom 1938 auf dem Lande, Gerichtsakten und Zeugenaussagen am Beispiel der Eifel und Voreifel. Aachen.
Jung, David (2004)
Juden in Sinzenich, insbesondere zur Zeit des Nationalsozialismus (Zeitzeugenbefragung, Schülerfacharbeit Franken Gymnasium Zülpich 2004, überarbeitet 2012). o. O. Online verfügbar: http://www.kuladig.de/Objektansicht.aspx?extid=O-12945-20110704-12, abgerufen am 20.11.2012
Reuter, Ursula (2007)
Jüdische Gemeinden vom frühen 19. bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts. (Geschichtlicher Atlas der Rheinlande, VIII.8.) Bonn.

Landsynagoge Sinzenich

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Auf dem Sand 12
Ort
53909 Zülpich - Sinzenich
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1869 bis 1881
Koordinate WGS84
50° 39′ 34,78″ N, 6° 38′ 55,08″ O / 50.65966°, 6.64863°
Koordinate UTM
32U 333810.48 5614617.16
Koordinate Gauss/Krüger
2545908.52 5613986.74

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Empfohlene Zitierweise
„Landsynagoge Sinzenich”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-58211-20121213-2 (Abgerufen: 17. Dezember 2018)
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