Altes Chemisches Institut der Universität Bonn

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Bonn
Kreis(e): Bonn
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Altes Chemisches Institut, Meckenheimer Allee 166-168 (2012)

    Altes Chemisches Institut, Meckenheimer Allee 166-168 (2012)

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    Voigt, Julia
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    Voigt, Julia, GIUB, 2012
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  • Altes Chemisches Institut, Meckenheimer Allee 166-168 (2012)

    Altes Chemisches Institut, Meckenheimer Allee 166-168 (2012)

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  • Das Kekulé-Denkmal vor dem Geographischen Institut der Universität Bonn (2012).

    Das Kekulé-Denkmal vor dem Geographischen Institut der Universität Bonn (2012).

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Als größtes Universitätsgebäude der Welt wurde es gebaut und repräsentierte die aufstrebende deutsche Wissenschaft, insbesondere den Fachbereich Chemie. Bedeutende Professoren haben am Institut gelehrt, allen voran Friedrich August Kekulé von Stradonitz, dessen Denkmal sich heute vor dem Gebäude befindet. Nach Ende des Zweiten Weltkriegs bezogen die Chemiker 1973 ein neues Gebäude und das alte verfiel. Doch mit dem Eintrag in die Denkmalliste der Stadt Bonn Anfang der 1980er Jahre begann der Wiederaufbau und heute erstrahlt das Institut im alten Glanz.

Baugeschichte
Nutzung nach dem Zweiten Weltkrieg
Heutige Wirkung des Gebäudes
Internet / Literatur

Baugeschichte
Mit der Berufung des Chemikers Professor August Wilhelm Hofmanns 1864 begann der Bau des Institutsgebäudes. Das erste Chemische Institut wurde 1822 gegründet und befand sich im Poppelsdorfer Schloss, jedoch reichten die Räumlichkeiten für Hofmann nicht mehr aus. Hofmann selbst beteiligte sich am Entwurf des Gebäudes, dessen Bau Universitätsbaumeister August Dieckhoff leitete. Die Errichtung dauerte von Herbst 1864 bis zur Fertigstellung am 11. Mai 1868 – die Möglichkeit einer Aufstockung war zu diesem Zeitpunkt schon vorgesehen –, die Kosten betrugen 431.317,82 Mark. Das Gebäude enthielt nicht nur die Lehrstätte, sondern auch den Privatbereich des Professors. Dieser befand sich im Obergeschoss des Hauptgebäudes zur Straße hin gelegen. Hofmann beschreibt seine stattliche Wohnung als „angemessen der sozialen Stellung eines Professors der Chemie in der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts“, was sich in der Existenz eines eigenen, zweigeschossigen Ballsaals widerspiegelt. Die Zugänge zu der Wohnung lagen in den Eckpylonen der Frontansicht.
Das Institutsgebäude stieg zum damals größten der Welt auf und brachte der Stadt Bonn die Anerkennung dafür, „eine neue Ära im Bau chemischer Laboratorien eröffnet zu haben“, so der Denkmalpfleger Gisbert Knopp 1987.

Der Bau war für damalige Verhältnisse in der Tat ein „Tempel der Wissenschaft“, wie Knopp es in seinem Bericht nennt. Er besteht aus einer monumentalen Vierflügelanlage mit einem breiten Längstrakt und einem Quertrakt im hinteren Teil des Gebäudes. Die Kombination der verschiedenen Höhen durch ein-, anderthalb-, zwei- und zweieinhalbgeschossige Trakte gibt ein harmonisches Bild.
Der Haupteingang liegt nicht zur Straße hin, sondern befindet sich an der östlichen Seite des Gebäudes. Von dort aus gelangt man durch eine Eingangshalle in den Korridor zum Arbeitszimmer des Institutsdirektors. Der Aufbau zu diesem Raum hin untermalte die Autorität des Direktors: während am Anfang des Korridors ein Gang zu den Laboratorien der Unterstufe abging, findet sich mittig der Gang zu den Arbeitsräumen der Mittelstufe und am Ende des Korridors schließlich die der Oberstufe. Somit arbeitet man sich in seiner Laufbahn bis zum Obersten des Instituts durch. Parallel zum Gang zu den Laboratorien der Mittelstufe befindet sich zudem eine große Wendeltreppe, die zum großen Hörsaal führt. Verziert wird die Treppenhalle mit Darstellungen berühmter Chemiker.
Wenn man die Gestaltung des Gebäudes betrachtet, fallen vor allem die sich wiederholenden, tempelartigen Motive auf. Dies gibt ihm eine nahezu antike Erscheinung, welche Knopps Bezeichnung „Tempel der Wissenschaft“ noch untermalt. Eva Brües beschreibt dies so:

„Pathos und Repräsentationsbedürfnis spielten bei der Gestaltung auch dieses Institutes eine wesentliche Rolle. Drei Gründe waren dafür entscheidend: Die Achtung, die das rasch emporblühende Fach genoss, der nationale und internationale Wetteifer der Universitäten und Länder untereinander und endlich die persönliche Wertschätzung, die Professor Hofmann entgegengebracht wurde.“

Der Bau hatte ein klassizistisches Flair, war jedoch gleichzeitig auch technisch modern und zweckmäßig eingerichtet. Das Gebäude und auch der Innenhof sind ruhig gelegen, selbst heutzutage bekommt man nichts mit vom Straßenlärm.
Als der Rohbau beendet war, entschied sich Hofmann doch dafür, nach Berlin zu gehen. Sein Nachfolger wurde Friedrich August Kekulé von Stradonitz. Als studierter Architekt entwarf er Arbeitstische, Schränke und weitere Teile der Innenausstattung.
Bereits 1874 begann man mit der Erweiterung des Gebäudes nach Ideen Kekulés und des neuen Universitätsbaumeisters Jakob Neumanns.
Kekulé blieb bis zu seinem Tod 1896 in Bonn. Ihm zu Ehren wurde am 9. Juni 1903 eine Gedenkstatue - das Kekulé-Denkmal - von dem Bildhauer Hans Everding vor dem Gebäude aufgestellt, ein Geschenk der Schüler Kekulés und der chemischen Industrie, die aus der Entdeckung des Perkins und weiteren chemiewissenschaftlichen Durchbrüchen als Anerkennung erwachsen war, bei dessen Enthüllung auch Prinz Eitel Friedrich von Preußen anwesend war.
Kekulés Nachfolger bauten das Gebäude weiter aus. Dies war nötig aufgrund der Gründung einer nahrungsmittelchemischen Abteilung und der Neugliederung des Medizinstudiums. Es wurde überbaut, aufgestockt, verbreitert und umgebaut. Die vermutlich letzte Erweiterung war die Aufstockung des Hörsaals auf 452 Sitzplätze mit 60 Notsitzen 1929.
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Nutzung nach dem Zweiten Weltkrieg
Nach dem Zweiten Weltkrieg war das Gebäude aufgrund Beschädigungen durch Spreng- und Brandbomben für kurze Zeit nicht in Nutzung, jedoch konnte 1946 wieder die Hälfte und 1947 bereits die gesamten Arbeitsräume genutzt werden. Der teilweise ausgebrannte Vordertrakt wurde 1959 und 1960 provisorisch ausgebaut und wiederhergestellt. Eine umfangreiche Renovierung fand nicht statt; 1964 erfolgte der Neuanstrich des Frontflügels. Ein Jahr zuvor hatte es einen Ideenwettbewerb zur Renovierung gegeben.

Besonders schmerzhaft war der Auszug der Chemiker 1972. Dadurch stand das Gebäude leer und verfiel allmählich.
Als der gesamte Gebäudekomplex 1982 in die Denkmalliste der Stadt Bonn eingetragen wurde, begannen die ersten Restaurierungen. Was man vorfand, war eine Ruine: es stand zwar noch ein Torso, jedoch waren einige Wände eingestürzt, das Dach undicht, die Treppen waren entfernt worden und die Türen zugemauert. Die Inneneinrichtung war zerstört. Ein Abriss war vorstellbar, wurde jedoch vom Denkmalschutz verhindert.
Von 1984 bis 1987 wurde das Gebäude renoviert und für die Nutzung der Geographen, deren Institut nach dem Umbau einziehen sollte, wieder hergerichtet. In diesen Baujahren wurden die drei hinteren Flügel und der innere Querriegel fertig gestellt.
Heute befindet sich im Flügel an der Meckenheimer Allee das Institut für Mikrobiologie.
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Heutige Wirkung des Gebäudes
Mittlerweile gibt es größere Institutsbauten auf der Welt. Die deutsche Chemieindustrie genießt immer noch einen guten Ruf, glänzt aber bei weitem nicht mehr so sehr wie im 19. Jahrhundert.
Dennoch lässt das äußere Erscheinungsbild des Institutes erahnen, welchen Stellenwert es damals gehabt haben muss. Nach umfassenden Renovierungsarbeiten strahlt es wieder im alten Glanz und zieht, wie damals, Studentinnen und Studenten an.
Heutzutage ist es umgeben von weiteren Universitätsgebäuden und in direkter Nachbarschaft zum Poppelsdorfer Schloss. Das gründerzeitliche Flair Poppelsdorfs verleiht dem Gebäude eine nahezu anmutige Wirkung.
Die Lage an der Hauptachse zwischen der Bonner Innenstadt und dem Stadtteil Poppelsdorf fördert den Gesamteindruck - das Gebäude fällt neben dem Schloss als erstes auf. Die damaligen Bauherren werden die Lage wohl aus diesem Grund gewählt haben. Die Gebäude der Naturwissenschaften liegen außerhalb der Stadt, fern von den geisteswissenschaftlichen und philosophischen Disziplinen, was ihre Stellung noch einmal unterstreicht.

Die Objekte „Altes Chemisches Institut“ und „Kekulé-Denkmal“ in der Meckenheimer Allee 166-168 sind eingetragene Denkmäler (Denkmalliste Bonn, Stand 01. August 2006, Nr. A 171 und A 170).

(Julia Voigt, Geographisches Institut der Universität Bonn, 2012)

Das Alte Chemisches Institut war KuLaDig-Objekt des Monats im November 2012.
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Internet
www3.uni-bonn.de: Größtes Institutsgebäude der Welt (abgerufen 03.01.2012)
baufachinformation.de: Die Baugeschichte des Alten Chemischen Institutes (abgerufen 03.01.2012, Inhalt nicht mehr verfügbar 19.02.2018)
baufachinformation.de: Äußerungen über das Alte Chemische Institut in Bonn (abgerufen 03.01.2012, Inhalt nicht mehr verfügbar 19.02.2018)
www.engr.psu.edu: Penn State College of Enginneering: Altes Chemisches Institut der Universität (abgerufen 03.01.2012, Inhalt nicht mehr verfügbar 19.02.2018)
www.chemie.uni-bonn.de: Chemie der Uni Bonn (abgerufen 03.01.2012)
de.wikipedia.org: Friedrich August Kekulé (abgerufen 03.02.2012)
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Literatur

Brües, Eva (1968)
Institutsgebäude des 19. Jahrhunderts. In: Die Bonner Universität. Bauten und Bildwerke, Bonn.
Knopp, Gisbert / Hansmann, Wilfried (1987)
Universitätsbauten in Bonn. In: Rheinische Kunststädten, H. 190, Köln.
Stadt Bonn, Amt 61-02, Untere Denkmalbehörde (Hrsg.) (2006)
Liste der gem. § 3 DSchG NW in die Denkmalliste eingetragenen Baudenkmäler, Bodendenkmäler, beweglichen Denkmäler und Denkmalbereiche der Stadt Bonn (Stand: 01.08.2006). S. 40, Bonn.

Altes Chemisches Institut der Universität Bonn

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Meckenheimer Allee 166-168
Ort
53115 Bonn
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Ortsfestes Denkmal gem. § 3 DSchG NW
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
Keine Angabe
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Fernerkundung
Historischer Zeitraum
Beginn 1864 bis 1868
Koordinate WGS84
50° 43′ 35,06″ N, 7° 05′ 28,75″ O / 50.7264°, 7.09132°
Koordinate UTM
32U 365287.47 5621138.06
Koordinate Gauss/Krüger
2577100.46 5621778.86

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Empfohlene Zitierweise
„Altes Chemisches Institut der Universität Bonn”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-30700-20120116-2 (Abgerufen: 18. Dezember 2018)
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