Säume in früheren Zeiten
Schutz und Erhalt durch angepasste Nutzung
Projekt „Lebenslinien - Blühende Säume für die Artenvielfalt“
Internet, Literatur
Bedeutung von Säumen und Wegrainen aus ökologischer Sicht
Säume und Wegraine entstehen überall dort, wo Übergänge zwischen Gehölzen und Offenland, entlang von Wegen, Äckern, Wiesen, Gräben oder Böschungen eine weniger intensive Nutzung oder Pflege zulassen. Sie sind typische Elemente der durch den Menschen geprägten Kulturlandschaft.
Vor dem Hintergrund des aktuellen dramatischen Insektenrückgangs gewinnt jede Art von heimischem Blüten- und Nektarangebot in unserer Kulturlandschaft an Bedeutung. In landwirtschaftlich genutzten Räumen, aber auch im Siedlungsbereich gilt es daher Trittsteinbiotope zu schaffen und zu erhalten, wie z. B. Säume und Wegraine, die als Rückzugsräume für Wiesenpflanzen und Nahrungsquelle für Insekten dienen. Auch größere Tiere wie z. B. Vögel, Amphibien und Reptilien oder Kleinsäuger nutzen Saumbiotope als Deckung oder als Nahrungs- und Bruthabitat oder Vernetzungskorridor zwischen verschiedenen Habitaten.
Die Säume stellen daher wichtige, wenig beachtete Strukturen in der Landschaft dar. Das wird besonders deutlich, wenn rundherum gerade die Wiesen gemäht werden. Dies geschieht im Bergischen Land häufig auf vielen benachbarten Flächen gleichzeitig, wenn die Witterung es zulässt und das Schnittgut ein paar Tage lang trocknen kann. Dann sind die stehengelassenen Säume häufig die letzten Refugien für Insekten, denn dort finden sie noch Nahrung und Deckung. Auch als Überwinterungshabitat sind diese Strukturen z. B. für verschiedene Insektenarten wichtig, die in oder an den abgestorbenen Pflanzenstängeln als Ei, Larve, Puppe oder erwachsenes Insekt überwintern. Auch viele selten gewordene Pflanzenarten, wie Zittergras (Briza media) oder Arznei-Thymian (Thymus pulegeoides) überleben nur in solchen Säumen, die im Gegensatz zu den angrenzenden Wiesen nicht gedüngt werden. Und je geringer die Nährstoffeinträge sind, desto höher ist der Artenreichtum an bunt blühenden Wildkräutern.
Säume in früheren Zeiten
Bis in die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts hatten die Säume im Bergischen Land auch eine wichtige Bedeutung für die Menschen, da viele Heilkräuter an den Straßen- und Wegesrändern wuchsen und die Säume als „Dorfapotheke“ genutzt wurden. Somit konnte sich besonders die Landbevölkerung bei Krankheiten auch selbst helfen.
Bis in die 1950er Jahre wurden Säume z. B. von Ziegen beweidet oder von den Bäuerinnen und Bauern per Hand gesichelt oder gesenst, um Futter für das Kleinvieh zu gewinnen. Durch diese Nutzung wurden diesen besonderen Standorten nach und nach die Nährstoffe entzogen. Pflanzen, wie die Große Brennnessel (Urtica dioica), die Nährstoffzeiger sind und bei entsprechender Verfügbarkeit stark wachsen, wurden dadurch zurückgedrängt und machten anderen lichtliebenden und zartwachsenden Kräutern Platz.
Schutz und Erhalt durch angepasste Nutzung
Heute ist die Mulchmahd von Säumen und Wegrändern aus Kosten- und Effizienzgründen weit verbreitet. Dabei wird der Grünschnitt vor Ort kleingehäckselt und verbleibt mit den enthaltenen Nährstoffen auf der Fläche. Dies wirkt sich negativ auf die Artenvielfalt der Pflanzen aus. Zusätzlich überlebt ein Großteil der Kleintiere das Mulchen nicht. Aus diesem Grund sollten Kommunen und Akteure der Landwirtschaft die Pflege der Säume und Wegränder nicht als reine Wegeunterhaltung oder Umsetzung der Verkehrssicherungspflicht sehen, sondern neue Wege zum Erhalt und zur Förderung der Biodiversität gehen, indem blütenreiche Säume an geeigneten Stellen länger stehen bleiben dürfen bzw. der Schnittzeitpunkt und die Mahdhöhe angepasst wird. Im Idealfall sollten besonders blütenreiche Säume nicht gemulcht, sondern nur ein- bis zweimal im Jahr gemäht werden, was bedeutet, dass das Schnittgut auch abgetragen wird und dadurch wiederum die Nährstoffe entzogen werden. Dies fördert die Artenvielfalt und der bunte Anblick sowie das summende und brummende Treiben der Insekten ist auch für alle Erholungssuchenden ein Genuss.
Projekt „Lebenslinien - Blühende Säume für die Artenvielfalt“
Überall in der bergischen Kulturlandschaft finden sich noch Säume und Wegraine, die im Rahmen des LVR-Projektes „Lebenslinien - Blühende Säume für die Arten-vielfalt“ der Biologischen Stationen Rhein-Berg und Oberberg in den Fokus gerückt wurden.
In der Regel werden diese Saumbiotope relativ intensiv gepflegt, d. h. sehr früh im Jahr und mehrmals gemulcht, sodass sie die o. g. Funktionen für die heimische Tier- und Pflanzenwelt nicht mehr erfüllen können. Hinzu kommt, dass viele Säume innerhalb eines kurzen Zeitfensters gemäht werden und dann für Wochen das Blütenangebot deutlich reduziert ist.
Aus diesem Grund haben die beiden Biologischen Stationen in den Sommermonaten 2023 und 2024 insgesamt 147 Säume und Wegraine an wenig befahrenen Straßen und Wirtschaftswegen in Wipperfürth und Hückeswagen mit einer Gesamtlänge von knapp 30 Kilometern kartiert sowie 65 Säume auf etwa 12,5 Kilometern Länge in Burscheid.
Im Fokus stand dabei die Erfassung von besonders artenreichen, blühenden Säumen, um deren Erhalt zu sichern. Bis zu 60 verschiedene Pflanzenarten wurden in einem Saum gefunden. Dabei zeigte sich: Der erste Eindruck täuscht häufig - zwischen den Gräsern verbergen sich auch zahlreiche blühende Wildpflanzen.
Mit dem für die Pflege der Säume zuständigen interkommunalen Bauhof Wipperfürth-Hückeswagen und dem Baubetriebshof Burscheid wurde im Anschluss je ein naturschutzfachlich optimiertes Pflegekonzept entwickelt. So werden nun einige Säume erst später gemäht bzw. gemulcht, damit die Pflanzen dort länger blühen können.
An geeigneten Stellen wurden zudem bisher artenarme Säume mit der Ansaat von LVR-Regiosaatgut bzw. durch Initialpflanzungen von vorgezogenen Wiesenpflanzen aufgewertet. Die Fotos zeigen eine Auswahl der kartierten Säume. Außerdem werden einzelne Säume als zugehörige Objekte vorgestellt.
(Biologische Station Rhein-Berg, 2025. Erstellt im Rahmen des Projektes „Lebenslinien - Blühende Säume für die Artenvielfalt“. Ein Projekt der Biologischen Stationen Rhein-Berg und Oberberg im Rahmen des LVR-Netzwerks Landschaftliche Kulturpflege.)
Internet
www.lanuk.nrw.de: „Blühende Vielfalt am Wegesrand - Praxis-Leitfaden für artenreiche Weg- und Feldraine“, LANUV o.J. (Volltext-PDF, 3,5 MB, abgerufen 19.12.2025)
www.wildbienen.info: Steckbrief der Glockenblumen-Sägehornbiene (abgerufen 19.12.2025)