Geschichtserlebnisregion Kelberg

Kamillen Traud

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
  • Der Bildausschnitt aus dem Klassenfoto von 1897/98 zeigt die Traud als Schulmädchen (1897/98)

    Der Bildausschnitt aus dem Klassenfoto von 1897/98 zeigt die Traud als Schulmädchen (1897/98)

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  • Bild der Gertrud Feiler, genannt Traud, bei der Rast (späte 1950er Jahre)

    Bild der Gertrud Feiler, genannt Traud, bei der Rast (späte 1950er Jahre)

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  • Zeitzeugeninterview vom 4.8.2019 mit Peter Bauer zum Aussehen der Traud (2019)

    Zeitzeugeninterview vom 4.8.2019 mit Peter Bauer zum Aussehen der Traud (2019)

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  • Fotografie der Gertrud Feiler, genannt Kolverather Traud, als alte Frau (späte 1950er Jahre)

    Fotografie der Gertrud Feiler, genannt Kolverather Traud, als alte Frau (späte 1950er Jahre)

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  • Blick auf die Ortschaft Kelberg und den Hochkelberg (um 1955)

    Blick auf die Ortschaft Kelberg und den Hochkelberg (um 1955)

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  • Interview vom 12.10.2019 mit der Schriftstellerin Ute Bales zu den Beweggründen, den Roman "Kamillenblumen" zu schreiben

    Interview vom 12.10.2019 mit der Schriftstellerin Ute Bales zu den Beweggründen, den Roman "Kamillenblumen" zu schreiben

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  • Interview vom 12.10.2019 mit der Schriftstellerin Ute Bales über die sozialen Strukturen auf dem Lande zu Trauds Zeit

    Interview vom 12.10.2019 mit der Schriftstellerin Ute Bales über die sozialen Strukturen auf dem Lande zu Trauds Zeit

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Die Kulturlandschaft ist das Ergebnis menschlichen Handelns und Wirkens im Laufe der Geschichte. Die entsprechenden Akteure sind häufig anonym. Für die Fortführung der vorhandenen „Geschichtsstraße“ als touristische Destination der Verbandsgemeinde Kelberg wurde 2019/2020 ein neues Vermittlungskonzept mit dem Arbeitsbegriff „Geschichtserlebnisregion Kelberg“ in der Eifel entwickelt. Dies war aufgrund der veränderten Fördermöglichkeiten und -bedingungen sowie veränderten touristischen Standards erforderlich. Die Umsetzung ist im Frphjahr 2021 erfolgt. Dies bedeutet, dass die vorhandenen Routen der Abschnitte 1 und 2 der Geschichtsstraße in thematische Rundwanderwege umgewandelt worden sind. Die Namensgebung der Rundwanderwege ist in Zusammenhang mit den dort befindlichen Station zu sehen.
Die thematischen Rundwanderwege sind:
- Frieden, Wald und Kapelle
- Die alten Römer, die kultigen Kelten
- Was wirklich wahr war
- Höfe, Häuser und Hütten
- Vulkane, Wasser und Wissen
- Sagenhafter Schwarzenberg
- Geheimnis, Natur und Leben mit einer Rundroute ab Köttelbach und ab Kelberg
- Grenzen, Galgen und Geschichte
- Spuren der Kamillen Traud

Der Rundwanderweg „Spuren der Kamillen Traud“ ist ein eigens entwickelte Rundwanderweg, der in den Jahren 2017 bis 2020 auf der Grundlage des Romans „Kamilleblumen“ von Ute Baales, das 2008 in erster Auflage und 2016 in 6. Auflage erschien, im Rahmen der Geschichtserlebnisregion konzipiert und umgesetzt worden.

Die Autorin erzählt mittels der Wahrnehmung von Traud einerseits Fragmente der Weltgeschichte (zwei Weltkriege, Inflation) und der Eifelgeschichte (Nürburgring, Anlage von Wasserleitungen, Zusammenlegungen oder dem Serienmörder Stumpfarm). Dies erfolgte ausdrücklich aus der Sicht einer Person und verbindet reale vorhandene historische Örtlichkeiten mit einer Erzählung.

In dem neu konzipierten Konzept „Geschichtserlebnisregion“ wird somit Bezug genommen auf die Geschichte der Gertrud Feiler, genannt Kolverather Traud (1884-1964). Die Autorin erzählt die Geschichte einer Frau aus Kolverath und ihrer Mutter (Maria Feiler), die im Frühjahr 1901 nach dem Tode ihres Vaters bzw. Ehemanns, den Hof aufgeben mussten und obdachlos wurden. Während einer mehrjährigen Übergangsphase konnten Maria Feiler und ihre Tochter bei ihrem Schwager bzw. Onkel in Sassen wohnen. Während ihrer Zeit in Sassen besuchte Traud die Volksschule. Für Kost und Unterkunft mussten Mutter und Tochter hart arbeiten. Da ihre Behandlung dort, obwohl sie verwandt waren, nicht sonderlich gut war, beschlossen die beiden, Sassen zu verlassen und ein Leben als Wanderarbeiterinnen und später auch als Hausiererinnen zu beginnen.

In dem Buch wird das Wanderleben, das vor allem von Entbehrungen, Erniedrigungen, Ausgrenzungen, Hunger, Elend und Verletzungen und nicht zuletzt auch von Vergewaltigungen geprägt war, geschildert. Dass diese Art der Lebensführung aber durchaus auch schöne Momente kannte, findet ebenfalls eine ausführliche Beschreibung. Maria und Traud kamen vor allem auf Gehöften unter, wo sie gegen Kost und Unterkunft und manchmal sogar einen bescheidenen Lohn, hauptsächlich im Haushalt und der Landwirtschaft arbeiteten. Für die Zeiten, in denen sie keine Arbeit und somit auch keine Unterkunft in Ställen und Scheunen auf den Dörfern hatten, mussten sie nicht selten in Tierunterständen oder sogar in Wäldern nächtigen. Darüber hinaus sicherten sie sich durch den Verkauf von Kräutern, hauptsächlich Kamillenblumen, die sie an Weg-und Feldrainen pflückten, ein karges Zubrot. Als die Mutter starb und in Kolverath bestattet wurde, zog Traud allein weiter. Im Jahr 1962 wurde sie in die 1872 gegründete Rheinische Provinzial-Irrenanstalt in Andernach (heute Rhein-Mosel-Fachklinik) zwangseingeliefert. Am 4. Dezember 1964 verstarb Traud im Alter von 80 Jahren in dieser Einrichtung.

In dem historischen Roman werden viele Eifeler Orte und Landschaften authentisch beschrieben, in denen Traud sich unterschiedlich lange aufhielt und sich in der Landwirtschaft verdingte. Die endlose Wanderung durch die Eifel hatte einen Schwerpunkt in der Verbandsgemeinde Kelberg. Dort hat sich Traud zumeist in den 33 zum Verband gehörenden Dörfern aufgehalten. Auch die internationale Geschichte mit zwei Weltkriegen, nationaler Wirtschaftsgeschichte mit Inflation, die regionale und örtliche Geschichte mit dem Bau des Nürburgrings und weitere Ereignisse sowie ihre Auswirkungen spielen eine Rolle.

Schließlich wird auch wie ein roter Faden die schöne und zugleich tragische Liebesgeschichte zwischen Traud aus Kolverath und Paul aus Hoffeld beschrieben. Sie liebten sich sehr, aber sie konnten doch nicht allzu lange zusammenbleiben.

(Peter Burggraaff, Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz e.V., 2019)

Literatur

Bales, Ute (2016)
Kamillenblumen. Roman aus der Eifel. (Edition Schrittmacher Band 15, 6. überarbeitete Auflage.) Zell/Mosel.
Burggraaff, Peter (2011)
Die Geschichtsstraße Kelberg. Eine Entdeckungstour durch die Kulturlandschaft der Hocheifel. In: Brühne, Thomas; Harnischmacher, Stefan (Hrsg.) Koblenz und sein Umland. Eine Auswahl geographischer Exkursionen, S. 111-120. Bonn.
Burggraaff, Peter (2009)
Die Geschichtsstraße Kelberg als vermittelndes interkommunales Projekt. In: Bund Heimat und Umwelt in Deutschland (Hrsg.): Vermittlung von Kulturlandschaften. Initiative zur Förderung des Kulturlandschaftsbewusstseins, S. 73-83. Bonn.
Burggraaff, Peter; Kleefeld, Klaus-Dieter (2008)
Die Erweiterung der Geschichtsstraße Kelberg. In: Landkreis Vulkaneifel, Heimatjahrbuch 2009, S. 193-198. Daun.
Burggraaff, Peter; Kleefeld, Klaus-Dieter / Bundesamt für Naturschutz und Bund Heimat und Umwelt (Hrsg.) (2010)
Landschaft erzählen. Die Geschichtsstraße in Kelberg (Eifel) als Fallbeispiel für die Erläuterung von Natur- und Kulturerbe. In: Bund Heimat und Umwelt in Deutschland) (Hrsg.): Wege zu Natur und Kulturlandschaft, S. 56-71. Bonn.
Burggraaff, Peter; Kleefeld, Klaus-Dieter; Mertes, Erich (2002)
Die Geschichtsstraße „Rund um den Hochkelberg“. Bonn u. Kelberg.
Burggraaff, Peter; Kleefeld, Klaus-Dieter; Mertes, Erich (1996)
Geschichte erwandern und erleben. Erster Abschnitt der Geschichtsstraße der VG Kelberg. In: Kreis Daun Vulkaneifel, Heimatjahrbuch 1997, S. 183-191. Daun.
Ferber, Franz-Josef (1977)
Mir ward keine Liebe, kein heimatliches Land .... Erinnerungen an die Kolverather Traud oder: Ein Mensch am Rande der Gesellschaft. In: Jahrbuch des Kreises Daun 1978, S. 49-52. o. O.
Haffke, Jürgen; Knöchel, Franz-Josef (2013)
Die Eifel als Tourismusgebiet. In: Die Eifel - Beiträge zu einer Landeskunde (Festschrift 125 Jahre Eifelverein 1888-2013, Band 2), S. 227-246. Düren. Online verfügbar: weinbau-ahrtal.de, PDF "Die Eifel als Tourismusgebiet", abgerufen am 12.02.2020
Mertes, Erich (2003)
Geschichten von der Geschichtsstraße (1. Teil). In: Kreis Daun Vulkaneifel, Heimatjahrbuch 2004, S. 212-214. Daun.
Mertes, Erich (2003)
Die Geschichtsstraße in der Zentraleifel. Ein neuer Themen-Wanderweg. In: Eifeljahrbuch 2003, S. 158-162. Düren.
Pauly, Theo (1991)
Kindheitsbegegnung mit Kollewada Traud. Im heutigen Amtsdeutsch: Person mit häufig wechselndem Aufenthaltsort. In: Kreis Daun Vulkaneifel, Heimatjahrbuch 1991, S. 160-161. o. O.
Retterath, Tamara (2010)
Meine Erinnerungen an die Kolverather Traud. In: Landkreis Vulkaneifel, Heimatjahrbuch 2010, S. 178-191. o. O.
(1993)
Kinder aus dem "Hilligepöttche" gefischt - eine Geschichtsstunde ganz besonderer Art. In: Nettetaler Heimatbrief 1993, S. 17-18. Nettetal.

Geschichtserlebnisregion Kelberg

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Kulturlandschaftspflege, Landeskunde

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„Geschichtserlebnisregion Kelberg”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/SWB-292742 (Abgerufen: 3. März 2024)
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