Justinusfelsen bei Lindschied

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Archäologie, Denkmalpflege
Gemeinde(n): Bad Schwalbach
Kreis(e): Rheingau-Taunus-Kreis
Bundesland: Hessen
  • Der Justinusfelsen (2000).

    Der Justinusfelsen (2000).

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  • Die zuletzt im Jahr 2000 mit roter Farbe gefasste Inschrift "IANUARIUS IUSTINUS" am Justinusfelsen (2000)

    Die zuletzt im Jahr 2000 mit roter Farbe gefasste Inschrift "IANUARIUS IUSTINUS" am Justinusfelsen (2000)

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  • Der Justinusfelsen mit der Inschrift etwa in Bildmitte (2002)

    Der Justinusfelsen mit der Inschrift etwa in Bildmitte (2002)

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  • Justinus-Felsen bei Lindschied

    Justinus-Felsen bei Lindschied

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    Büttner, Thomas
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Am Osthang des Seifenberges befindet sich über dem Aartal die einzige bekannte römische Felsinschrift Hessens. In einer glatten Wand des anstehenden Tonschiefers kann man noch heute in zwei Zeilen einen römischen Namen lesen: IANV / ARIVS IVSTINVS. Die Fassung der Inschrift mit roter Farbe ist allerdings modern. Aus welchem Grund die Inschrift angebracht wurde, ist nicht bekannt. Ebenso wenig weiß man, wer Ianuarius Iustinus war. Vermutlich diente er als Soldat am Limes, der rund 300 m südlich des Felsens verlief.

Einführung
Die Aar, die unweit des römischen Kastells Zugmantel entspringt, fließt durch die Taunussteiner Senke und biegt westlich von Bleidenstadt nach Norden ab. Steile, von Felsen durchsetzte Flanken bestimmen ab hier das Bild des tief eingeschnittenen Tals, das sich erst beim Eintritt in das Limburger Becken weitet. Dort mündet die Aar in die Lahn. Etwas nördlich der markanten Flussbiegung liegt auf einem Bergsporn, der sich von Westen weit in das Tal vorschiebt, die Ruine Adolfseck mit dem gleichnamigen Ort. Auf engstem Raum finden sich hier Denkmäler verschiedener Epochen, deren Entstehung untrennbar mit der besonderen Topographie des Platzes verbunden ist. Wie ein natürlicher Riegel wirkt der Bergsporn, der einst von der Aar umflossen war.

Der Limes quert rund 700 m nördlich von Adolfseck das Tal. Im Talgrund war das Kleinkastell Adolfseck errichtet worden, um das dann im Mittelalter der Ort Ressfeld entstand. Am westlichen Talhang wurde in der frühen Neuzeit am Limes eine Schanze angelegt, auf dem Bergsporn in der Aarschlinge selbst zuvor eine Burg errichtet, die 1356 erstmals urkundlich genannt wird, aber sicher schon älter ist. Zu Füßen der Befestigung entwickelte sich der Ort Adolfseck. Die Verdichtung von Militärbauten und Siedlungen in diesem Raum macht Sinn. Das Aartal bildete schon immer einen hervorragenden Verkehrsweg. Noch heute verlaufen im Tal die Bundestraße 54 und die inzwischen stillgelegte Trasse der Aartalbahn, die Rhein und Lahn zwischen Wiesbaden und Diez verbinden. Der Bergsporn von Adolfseck riegelt das Tal förmlich ab. An diesem Nadelöhr ließ sich der Zugang zur Taunussteiner Senke besonders gut kontrollieren.

Der Justinusfelsen
Das bedeutendste Monument dieses Denkmalensembles bildet der Justinusfelsen mit seiner römischen Inschrift, deren Entstehung im Zusammenhang mit den Limesanlagen gesehen werden muss. Der nördlich der Grenzlinie, also schon außerhalb des römischen Gebiets am Hangfuß des Seifenbergs gelegene 3,80 m hohe Felsen besteht aus blauem Tonschiefer meerischer Entstehung (Unterdevon). Die zweizeilige Inschrift IANVA / RIVS IVSTINVS wurde in einer Höhe von 1,50 m über dem Boden auf einer Fläche von 47,0 x 10,5 cm eingemeißelt. Die zwischen 3,0 und 6,0 cm großen Buchstaben fügen sich zu dem Personennamen Ianuarius Iustinus zusammen.

Wir wissen nicht, wer dieser Mann war, woher er kam und was er hier getan hat. Die Nähe zum Limes könnte nahe legen, dass es sich um einen römischen Soldaten gehandelt hat, der in diesem Gebiet seinen Dienst verrichtete. Isoliert auftretende Namen auf Felsen sind in römischen Steinbrüchen allerdings keine Seltenheit. Vergleichbare Inschriften begegnen in den großen Brüchen wie etwa bei Assuan am Nil, wo der berühmte Rosengranit gewonnen wurde, genauso wie in den kleineren Steinbruchbetrieben unserer Region, beispielsweise dem Buntsandsteinbruch am Kriemhildenstuhl bei Bad Dürkheim in der Pfalz. Namen erscheinen im Nominativ wie im Genitiv, mit oder ohne Nennung von Truppeneinheiten. Einzelne Arbeitsplätze wurden auf diese Weise kenntlich gemacht. Überall am Limes bestand wegen der Errichtung von Steinbauten Materialbedarf und folglich muss es dort auch Steinbrüche gegeben haben. Bis heute können sie aber nicht nachgewiesen werden. Von einem anderen römischen Grenzabschnitt, dem Hadrianswall in Nordengland, der aus Steinen errichtet worden war, haben wir indes zahlreiche Belege für Steinbrüche mit entsprechenden Inschriften. Vielleicht hat es hier im westseitigen Aartal, an den hervortretenden Felsen im Bereich der Hangfüße einen Steinbruch zur Deckung des lokalen Bedarfs gegeben, der neben dem Justinusfelsen weitere Zonen umfasste. Die glatte Wand des Justinusfelsens ist allerdings natürlichen Ursprungs. Im Zuge von Faltungsprozessen waren im Felsen durch Klüftung zwei glatte Wände entstanden. Die Wand des Justinusfelsens wurde schließlich durch natürliche Erosion oder durch menschlichen Eingriff, etwa im Rahmen eines Steinbruchbetriebs, freigelegt.

Ob die Inschrift als Weihung zu verstehen ist, mit der eine ganz besondere Beziehung des Dedikanten zur Örtlichkeit zum Ausdruck gebracht werden sollte, lässt sich mangels eindeutiger Hinweise nicht sagen. Und es ist nicht einmal ganz auszuschließen, dass die Entstehung der Inschrift, wie es einst von Cohausen formuliert hat, lediglich „der Langeweile einer römischen Schildwache“ verdankt wird. Die Buchstaben der Inschrift, die 1870 zum ersten Mal publiziert worden ist, sind anlässlich der Eröffnung des Wanderwegs zum Justinusfelsen im Jahr 2000 farbig gefasst worden. Die Farbe dient der Hervorhebung der Inschrift, soll aber zugleich auch gegen schädliche Witterungseinflüsse schützen. Bei den konservatorischen Arbeiten wurden damals die Spuren von zwei älteren Fassungen angetroffen. Eine Ausmalung der Buchstaben hat es im Altertum hier sicher nicht gegeben.

Zugang: A 3 Köln–Frankfurt am Main, Ausfahrt Idstein, auf B 275 über Taunusstein, oder von Wiesbaden auf B 54 über Taunusstein, bis zum Abzweig nach Bad Schwalbach, weiter geradeaus über die B 54 nach Bad Schwalbach-Adolfseck, in Ortsmitte rechts auf Zufahrt (Schild „Bürgerhaus“) zu dem Parkplatz am Bürgerhaus. Von hier zu Fuß zurück auf B 54 und nach rechts entlang der Straße bis zu asphaltiertem Weg, der nach links abzweigt (Schild „Justinus-Felsen“).

(Landesamt für Denkmalpflege Hessen, 2013)

Literatur

Bender, Stephan (o.J.)
"UNESCO-Welterbe": Der Limes im Rheingau-Taunus-Kreis (Faltblatt, Text: Dr. Bender, Aalen, V.i.S.d.P. Heinz Juhnke). Rheingau-Taunus-Kreis.

Justinusfelsen bei Lindschied

Schlagwörter
Ort
65307 Bad Schwalbach - Lindschied
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Kulturdenkmal gem. § 9 DSchG Hessen
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Archäologie, Denkmalpflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 100 bis 260
Koordinate WGS84
50° 10′ 2,61″ N, 8° 04′ 30,68″ O / 50.16739°, 8.07519°
Koordinate UTM
32U 433952.4 5557651.63
Koordinate Gauss/Krüger
3434000.96 5559435.27

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„Justinusfelsen bei Lindschied”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/P-TB-20110318-0002 (Abgerufen: 24. September 2017)
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