Ortsteil Hünstetten-Wallrabenstein

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Archäologie, Denkmalpflege
Gemeinde(n): Bad Camberg, Hünstetten, Idstein
Kreis(e): Limburg-Weilburg, Rheingau-Taunus-Kreis
Bundesland: Hessen
Der heutige Ort Wallrabenstein geht vermutlich auf eine Vorgängersiedlung namens „Holtzhausen“ zurück. Diese befand sich entweder etwas nördlich der Mündung des Hahnbaches in den Wörsbach oder lag direkt in der heutigen Ortschaft und benannte sich nach Bau der Burg Wallrabenstein um.
Nach dem Dreißigjährigen Krieg verlor der Ort am Kreuzungspunkt zwischen dem Goldenen Grund und dem nassauischen Grafensitz Idstein seine Bedeutung als Handelsplatz.

Territoriale Zugehörigkeit
Wallrabenstein zähle im Jahre 1566 zum Amt Idstein, kam 1787 zum Fürstentum Nassau und war ab 1867 Teil der preußischen Provinz Hessen-Nassau. Seit 1945 ist der Ort Teil von Hessen, Kreis Untertaunus. 1977 wurde Wallrabenstein zu einem Ortsteil der Gemeinde Hünstetten. Seitdem zählt es außerdem zum Rheingau-Taunus-Kreis.

Burg Wallrabenstein
Die Burg Wallrabenstein wurde von 1390 bis 1393 errichtet und entwickelte sich schnell zum Mittelpunkt des Ortes und zu einem erheblichen Wirtschaftsfaktor. Im Dreißigjährigen Krieg wurde sie teilweise zerstört und unbewohnbar gemacht. Wiederaufbauversuche in der Folgezeit waren erfolglos. Erst in jüngerer Zeit konnten Teile der Burg nach umfassenden Restaurierungsmaßnahmen wieder bewohnt werden. Die Anlage befindet sich in Privatbesitz.

Religion in Wallrabenstein
Die erste Kirche von Weilrabenstein war die Sankt Peterskirche, die wohl noch von Holzhausen herrührt. Diese Kirche bestand aus Holz mit Steinfundament und wurde im Jahre 1723 niedergelegt. Nördlich im Wörsbachtal deutet der Flurname Bei der Peterskirche den Standort dieses verschwundenen Bauwerkes an.

Mitte des 15. Jahrhunderts errichtete man neben der Burg Wallrabenstein die Sank Vincenzkirche auf einem Felsvorsprung. Diese Kirche wurde im Jahre 1704 baufällig, aber musste auf Druck der Obrigkeit durch die Bevölkerung weitergenutzt werden; am Morgen des 29. Dezember 1705 brach sie zusammen. Aufgrund dessen errichtete man vor dem Obertor eine neue Kirche, welche am 22. Juli 1708 geweiht wurde und die Kanzel der ehemaligen Sankt Vincenzkirche enthält. Diese Kirche besteht bis heute.
Wallrabenstein war nur bis 1540 eine eigenständige Pfarrgemeinde mit eigenem Pfarrer. Anschließend wurde der Ort von Wörsdorf mitversorgt und erhielt erst im Jahre 1992 einen eigenen Pfarrer.

Die Schule in Wallrabenstein
Noch im 16. Jahrhundert gingen die Wallrabensteiner Kinder nach Wörsdorf in die Schule. Im Jahre 1610 wurde in Wallrabenstein ein eigener Schulbetrieb eingerichtet, wobei der Unterricht in einem Gemeinderatsaal gehalten wurde, der an das Backhaus anschloss. Wegen der steigenden Schülerzahlen musste im Jahre 1823 ein neues Schulgebäude errichtet werden, wobei auch dieses schnell zu klein wurde und bereits 1860 ein Neubau vonnöten war. Dieses Gebäude wurde dann im Jahre 1929 stark erweitert.
Aufgrund von administrativen Entwicklungen wurde in den 1960er Jahren in Wallrabenstein eine Mittelpunktschule eröffnet, die seit 1972 als Integrierte Gesamtschule fungiert. Aufgrund des gestiegenen Raumbedarfs musste ein neues Grundschulgebäude errichtet werden.

Siedlungsentwicklung
Die Burg als Ausgangspunkt der Gründung von Wallrabenstein nimmt die strategisch günstig gelegene Stelle am Ausläufer der zum Wörsbachtal hin steil abfallenden Anhöhe ein. Auf dem Kamm entwickelte sich der alte Ortskern linear an der Hauptstraße bis zum heute nicht erhaltenen Obertor westlich der Straße „Im Obertor“.
Wallrabenstein entwickelte sich seit Anfang des 19. Jahrhunderts stark. So wuchs die bebaute Fläche von circa 2,5 Hektar Anfang des 19. Jahrhunderts auf fast 57 Hektar im Jahre 2017. Die Ortschaft dehnte sich dabei vor allem, ausgehend von der Burg, in Richtung Norden, Westen und Süden aus. In Richtung Osten kam es kaum zu nennenswerten Siedlungstätigkeiten.
Im Nordwesten zeichnet sich der vormals mit einer Mauer befestigte Ortsrand über dem Hainbachtal ab, während die Siedlung nach Süden durch den ringförmig verlaufenden Horngrabenweg begrenzt wurde, der auch die Kirche mit einbezog. Der ehemals geschlossene Scheunenrand an der Burg ist inzwischen lückenhaft geworden.

Außerhalb des alten Berings, vor dem Obertor, bildete sich seit dem 18. Jahrhundert am Lindenplatz um Kirche und Rathaus ein neues Zentrum aus, das zum Ausgangspunkt für jüngere Ortserweiterungen wie zunächst an der Neugasse (Beuerbacher Weg) wurde. Die Kirche wie auch der sich damals bis zur Burgstraße erstreckende, von einer großen Linde bestandene Platz wurde erst durch den modernen Ausbau der neu angelegten Wörsdorfer Straße vom alten Kern abgeschnitten. Auf ein dort vorhandenes früheres Rathaus weist die ehemalige Bezeichnung Rathausstraße (heute „Zum Haingraben“) hin. Etwa in der Mitte der Hauptstraße, im Bereich einer kleinen platzartigen Erweiterung, stand vermutlich ein Brunnen.

Mühlen in Wallrabenstein
Am Wörsbach liegen mehrere, nicht in historischer Form erhaltene Mühlen. Eine der ältesten Wallrabensteiner Mühlen war die Sankt Petersmühle die bereits im Jahre 1653 erwähnt wird. Der Mühlbetrieb wurde im Laufe des 20. Jahrhunderts eingestellt; sie dient heute anderen Zwecken.
Eine weitere Mühle war die Frackendörfer Mühle, die im Jahre 1571 entstand. Sie trägt heute den Namen Henriettenthaler Mühle.
Am Fuße der Burg befindet sich heute die Obermühle, die erstmals 1572 erwähnt wurde. Sie war bis in die 1930er Jahre in Betrieb, heute wird das Gebäude anderweitig genutzt.
Desweiteren stand in der Nähe zur Gemarkungsgrenze nach Camberg und Beuerbach die Engelsmühle die ab 1856 in Betrieb war und heute als Wohnhaus dient. Sie wurde Ende des 20. Jahrhunderts niedergelegt und neu aufgebaut.

Historische Bausubstanz
Vom historischen Straßenbild ist wenig erhalten. Nur die Häuser in der Burgstraße 1 und, im Hof versteckt, Zum Haingraben 3, lassen noch auf eine örtliche Blüte der Bau- und Handwerkskunst im späten 17. Jahrhundert schließen. Die überwiegend giebelständigen Fachwerkbauten der Hauptstraße wurden meist verputzt oder massiv erneuert; einige Scheunen des 18. Jahrhunderts sind noch vorhanden.
Im Jahre 1971 war noch ein Erker mit Zierfachwerk in der Burgstraße 9 oder 11 vorhanden. Desweiteren existieren mehrere bemerkenswerte Fachwerkhäuser, etwa in der Burgstraße 1 und 19. Ein Fachwerkhaus in der ehemaligen Marktstraße geht auf die erste Hälfte 16. Jahrhunderts zurück. In der ehemaligen Hauptstraße datieren mehrere Häuser auf die Jahre 1705, 1728 und 1676. Diese Bauten sind heute nicht mehr zu identifizieren. Reste historischer Bausubstanz finden sich desweiteren in der Burgstraße 3 und 5, bei denen das Fachwerk noch verputzt ist. In der Burgstraße 8 steht eine Scheune, die einen Torsturzbalken mit Schnitzprofil besitzt, der auf das Jahr 1740 datiert. In der Burgstraße 10 findet sich ein Torsturzbalken mit Schnitzprofil aus dem 18. Jahrhundert. Das am Lindenplatz 2 stehende ehemalige Rathaus aus dem 19. Jahrhundert wurde durch den Umbau in eine Bankfiliale stark abgeändert.
Der Lindenplatz nahm als Bestandteil einer Straßenkreuzung die offenbar unvermeidliche Entwicklung zur reinen Verkehrsfläche.

Einwohnerentwicklung
Im Jahre 1566 zählte das Dorf 34 Haushalte und 24 Pferde. Der Dreißigjährige Krieg wirkte sich verheerend auf die Ortschaft und seine Bewohner aus; im Jahre 1648 bestand der Ort noch aus elf Haushalten. Anschließend stieg die Einwohnerzahl wieder an und im Jahre 1821 lebten 316 und 1842 411 Einwohner in der Ortschaft. Zwischen 1939 und 1946 stieg die Einwohnerzahl von 674 auf 1015. 1956 lebten hier 932 und 1970 1183 Einwohner. Heute ist Wallrabenstein, begünstigt durch die Nähe zu Camberg und Idstein sowie die Verkehrsanbindung an die Autobahn Wiesbaden-Limburg, mit über 2014 Bewohnern im Jahre 2015 einwohnerreichster Gemeindeteil von Hünstetten.

(Jörn Schultheiß, hessenARCHÄOLOGIE, 2017)

Internetquellen
www.de.wikipedia.org: Wallrabenstein (abgerufen am 12. Oktober 2017)
www.gemeinde-huenstetten.de: Wallrabenstein (abgerufen am 12. Oktober 2017)
www.igs-wallrabenstein.de: Geschichte der IGS Wallrabenstein (abgerufen am 12. Oktober 2017)
www.lagis-hessen.de: Historisches Ortslexikon Wallrabenstein (abgerufen am 12. Oktober 2017)

Literatur

Söder, Dagmar / Landesamt für Denkmalpflege Hessen (LfDH) (Hrsg.) (2003)
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmäler in Hessen: Rheingau-Taunus-Kreis II. (Altkreis Untertaunus). Wiesbaden.

Ortsteil Hünstetten-Wallrabenstein

Schlagwörter
Ort
65510 Hünstetten - Wallrabenstein
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Kein
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Archäologie, Denkmalpflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Auswertung historischer Karten, Fernerkundung
Historischer Zeitraum
Beginn vor 1393
Koordinate WGS84
50° 15′ 49,83″ N, 8° 13′ 24,39″ O / 50.26384°, 8.22344°
Koordinate UTM
32U 444651.8 5568254.84
Koordinate Gauss/Krüger
3444704.54 5570042.77

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„Ortsteil Hünstetten-Wallrabenstein”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/P-FR-20091019-0011 (Abgerufen: 21. Januar 2018)
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