Ortsteil Heidenrod-Springen

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Archäologie, Denkmalpflege
Gemeinde(n): Bad Schwalbach, Heidenrod
Kreis(e): Rheingau-Taunus-Kreis
Bundesland: Hessen
Der erstmals 1107 (nach anderen Angaben 1190) erwähnte Ort hieß im Mittelalter Drinspringen oder Dreispringen; dieser Name, der bis ins 17. Jahrhundert beibehalten wurde, erklärt den Ursprung der Ansiedlung als alten Rastplatz mit drei Quellen an der Straße Lorch- Kemel.

Territoriale Zugehörigkeit
Springen gehörte im Jahre 1108 zum Einrichgau. Im 16. Jahrhundert lag der Ort in der hessischen Niedergraftschaft Katzenelnbogen, Amt Hohenstein. Mit dem mainzischen Gebiet wurden Katzenelnbogen, im 16. und 17. Jahrhundert die Herren von der Leyen, danach die Freiherren bzw. Grafen von Schönborn belehnt. Diese ließen 1810 den inzwischen baufälligen mainzischen Herrenhof anlegen. Weiterhin war unter anderem auch das mainzer Mariengredenstift in Springen begütert. Nach den Revolutionskriegen gehörte der Ort von 1806 bis 1813 zu den Pays réservé de Catzenellenbogen und ab 1816 zum Herzogtum Nassau. Von 1866 bis 1945 lag er in der preußischen Provinz Hessen-Nassau. Seit 1945 ist er Teil von Hessen, 1971 wurde Springen zu einem Ortsteil der Gemeinde Heidenrod. Seit 1977 liegt Springen im Rheingau-Taunus-Kreis.

Einwohnerentwicklung
Im Jahre 1583 bestand Springen aus 24 Haushalten. Der Dreißigjährige Krieg traf Springen hart, im Jahre 1667 gab es noch 13 Haushalte in dem Ort. 1834 lebten 374 Menschen in der Ortschaft und 1885 266. Anschließend sank die Einwohnerzahl auf 177 im Jahre 1939, stieg dann aber wieder auf 278 1946 an. Bis 1961 war die Bevölkerung auf 234 zurückgegangen. Im Jahre 2014 lebten in Springen 475 Personen.

Siedlungsentwicklung
Springen entwickelte sich seit Anfang des 19. Jahrhunderts stark. So wuchs die bebaute Fläche von circa 4 Hektar Anfang des 19. Jahrhunderts auf über 17 Hektar im Jahre 2017. Die Ortschaft dehnte sich dabei vor allem in Richtung Osten aus.

In Springen nimmt der Ortskern noch einen Großteil der gesamten Bebauungsfläche ein. Im Gegensatz zu den meisten anderen Dörfern waren die Hofreiten hier noch im vorigen Jahrhundert so weit gestreut, dass Raum für eine Verdichtung durch Neubauten innerhalb der alten Ortslage blieb. Die Kirche bildete den Mittelpunkt, der ehemalige Totenhof erstreckte sich in beträchtlicher Länge an der heutigen Odilienstraße (jetzt Gelände des Spritzenhauses).

Historische Bausubstanz
Die zu Kemel gehörige Filialkirche St. Odilia, ein ehemaliger Wehrbau, geht wahrscheinlich auf das 12. oder 13. Jahrhundert zurück.
Eine Schule bestand seit dem 17. Jahrhundert. Eine Walkmühle ist bereits 1448 nachgewiesen. Von drei Mühlen besteht heute nur noch die Riesenmühle; wüst wurden auch die ehemaligen Höfe Dornbach und Vorderforst.
Am südlichen Ortsrand bildet das in einem Straßenschnittpunkt freistehende ehemalige Back- und Gemeindehaus, heute Kapelle, einen optischen Blickpunkt. Das Gebäude wurde 1731 erbaut und besitzt einen leicht schiefen Turm. Die historische Glocke wurde 2001 restauriert und ist im Gebäude ausgestellt. Weitere Reste historischer Bausubstanz finden sich in der Straße „Im Morsbachtal“. Hierbei sind insbesondere die beiden von Anfang des 19. Jahrhunderts stammenden Gebäude mit den Hausnummern 7 und 9 zu erwähnen. Diese zeichnen sich durch historisches Fachwerk aus, wobei letzteres verputzt ist. Des Weiteren finden sich in dieser Straße (Hausnummern 3 und 11) zwei Scheunen des 18. Jahrhunderts mit charakteristischen, geschnitzten Torsturzbalken. Bei den Scheunen mit der Hausnummer 8 und 10 handelt es sich um eine Doppelscheune mit spiegelbildlicher Fachwerkanordnung aus dem frühen 19. Jahrhundert. Die Scheune mit der Hausnummer 8 besaß außerdem eine – heute nicht mehr erhaltene – biedermeierliche Haustür mit geschnitzten Füllungen.

Das Dorf Dornbach
Ein Dorf Dornbach wird neben Springen seit 1107 erwähnt und 1546 mit fünf, 1630 mit nur noch zwei Haushaltungen genannt. Hier erwarb 1642 Freiherr Philipp Erwin von Schönborn einen Hof, der mit neuen Gebäuden und Gelände vermessen und an zwei Hofleute, später nur noch einen Hofmann verpachtet wurde, bis er im 19. Jh. wüst lag. Um 1888 erwarb der Großindustrielle Friedrich Wilhelm Haniel das Hofgelände von den Grafen von Schönborn und erbaute um 1906 auf der Anhöhe über dem Dornbach ein stattliches Jagdhaus, das den Namen des einstigen Dorfes beibehielt.

(Landesamt für Denkmalpflege Hessen, 2009 / Jörn Schultheiß, hessenARCHÄOLOGIE, 2017)

Internetquellen
www.de.wikipedia.org: Springen (abgerufen am 13. Oktober 2017)
www.gemeinde-heidenrod.de: Springen (abgerufen am 13. Oktober 2017)
www.gemeinde-heidenrod.de: Einwohnerzahlen der Ortsteile der Gemeinde Heidenrod (abgerufen am 13. Oktober 2017)
www.heimatverein-heidenrod.de: Springen (abgerufen am 13. Oktober 2017)
www.lagis-hessen.de: Ortslexikon von Springen (abgerufen 13. Oktober 2017)

Literatur

Söder, Dagmar / Landesamt für Denkmalpflege Hessen (LfDH) (Hrsg.) (2003)
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmäler in Hessen: Rheingau-Taunus-Kreis II. (Altkreis Untertaunus). Wiesbaden.

Ortsteil Heidenrod-Springen

Schlagwörter
Ort
65321 Heidenrod - Springen
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Kein
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Archäologie, Denkmalpflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn vor 1107
Koordinate WGS84
50° 08′ 33,23″ N, 7° 59′ 2,01″ O / 50.14257°, 7.98389°
Koordinate UTM
32U 427394.75 5554976.16
Koordinate Gauss/Krüger
3427440.73 5556758.71

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„Ortsteil Heidenrod-Springen”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/P-FR-20091012-0017 (Abgerufen: 21. Juli 2018)
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