Presberg

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Archäologie, Denkmalpflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Geisenheim, Lorch (Hessen), Rüdesheim am Rhein
Kreis(e): Rheingau-Taunus-Kreis
Bundesland: Hessen
Historische Siedlungsentwicklung
Am Nordrand des Kammerforstes, inmitten ausgedehnter Waldgebiete, liegt die Dorfsiedlung auf einem Plateau in 400 m Höhe über dem Grolochbachtal. In geringer Entfernung verlief das Gebück mit dem Bollwerk Weißenturm, an desse Stelle nach 1816 das Forsthaus Weißenturm errichtet wurde.

Erstmalig 1391 erwähnt als Brensbur(g) (im 16. Jh. Brensber, Bresber, Preusper, Breusber), entstand Presberg möglicherweise als Halbtagesrastplatz an einer von Winkel über die Höhe nach St. Goarshausen führenden Straße. Ein Hof Preusber gehörte der Schuljunkernschaft von Lorch. Es bestanden zunächst drei Weidehöfe. Presberg besaß bis ins 19. Jahrhundert keine eigene Waldgemarkung und war weitgehend von Lorch abhängig.

Auch als um 1400 eine Kapelle errichtet wurde, blieb Presberg Filiale von Lorch (daran erinnert die sog. Presberger Seite in der Lorcher Pfarrkirche). Erst 1651 wurde hier eine eigene Pfarrei eingerichtet und 1700 die Kapelle zur Kirche erweitert. Nach häufigen Bränden entschloss man sich zu einem Patronatswechsel von der Hl. Katharina zum hl. Laurentius, der 1704 im Gemeindesiegel erscheint.
Seit 1650 wird in Presberg ein eigener Schultheiß genannt. Als Einwohnerschaft werden um 1700 30 Bürger und 2 Beisassen gezählt, um 1800 rund 40 Familien, 1885 115 Familien, 1900 jedoch nur 165 Einwohner. Heute ist Presberg mit fast 900 Einwohnern kleinster Stadtteil von Rüdesheim.

Die Landwirtschaft brachte nur bescheidene Erträge. Zeitweise wurde in geringem Umfang auch Weinanbau betrieben. Daneben lebten die Bewohner von Waldarbeit und Schieferbergbau im Wispertal.

Ortsentwicklung - Ortsbild
Aufgrund der schwierigen wirtschaftlichen Bedingungen zeichnete sich über lange Zeiträume hinweg nur eine geringe Entwicklung ab. Auch die Wasserversorgung war wegen der Berglage problematisch. Neben mehreren Hausbrunnen gab es zwei Ortsbrunnen an der Kirche und drei im oberen Tal. 1866 erfolgte ein Brunnenbau für die öffentliche Wasserversorgung. Nach Brand des Gemeindebackhauses wurde 1844 je ein Backhaus im Ober- und Unterdorf errichtet, jedoch später im Zuge der Dorfsanierung abgerissen. Die 1909 neu erbaute Schule diente gleichzeitig als Rat- und Backhaus.

Der Katasterplan des späten 19. Jahrhunderts zeigt im wesentlichen die alte Siedlungstruktur mit ihrer überwiegend auf das 18. Jahrhundert zurückgehenden Bebauung. Der Ortskern entwickelt sich an der in Nord-Süd-Richtung in einer langgestreckten Biegung verlaufenden Hauptstraße. Die Kirche nimmt die Mitte zwischen ehemaligem Oberdorf und Unterdorf ein. Die seitlich abzweigenden Wege zu den umliegenden Gärten und Feldern sind kleine, schmale Gassen. Die Obergasse zweigt im Oberdorf von der Hauptstraße ab. Die Schulgasse zeigt die Lage der ehemaligen Schule (später auch Rathaus) an. Der Zaunweg bildet die östliche Grenze der Ortslage mit ihren (eingezäunten) Gärten. Das Verbindungsgäßchen ist ein alter, schmaler Verbindungsweg, während die geradlinig und breiter angelegte Neugasse mit ihrer schematischen Parzellierung eine Ortserweiterung des 19. Jahrhunderts darstellt. Nach Westen liegen die kleinteiligen Haingärten und Wiesengärten, durch die als Zugänge zu einem außerhalb des Dorfes gelegenen Brunnen die Oberdorfer Borngasse und die Unterdorfer Borngasse führen. Außerdem findet sich hier der Brandweiher (Gemeindeweiher), entstanden aus der ehemaligen Kleinen Lahmekaut, wo Lehm für Backsteine gewonnen wurde. Eine weiter auswärts gelegene große Lahmekaut diente der Lehmgewinnung für den Hausbau. Für den Kellerbau wurden Schiefersteine verwendet, die an der Grohlochstraße gebrochen wurden. Dachschiefer mußte importiert werden, da der örtliche zu weich war.

Wesentliche Veränderungen der jüngeren Vergangenheit waren einerseits zahlreiche Abbrüche von Wohnhäusern und Nebengebäuden, insbesondere zum Zweck der Straßenverbreiterung. Dies ist schwerpunktmäßig im Bereich der Rüdesheimer Straße nördlich der Kirche und der Zetastraße der Fall, wo nach Entfernung straßenbegrenzender Häuser und Einfriedungen ungefasste Restflächen und „dorfuntypische“, undefinierte und unmaßstäbliche Räume verblieben.

Als Verluste sind u. a. die ehemals für das Ortsbild äußerst prägnanten Bauten Grolochstraße 1, Rüdesheimer Straße 12 und Laurentistraße 2 zu nennen. Zum anderen wurden die kleinparzelligen umgebenden Gärten in Bauland umgewandelt, so daß der Ortsrand als Obstbaum- und Nutzgartengürtel nur in geringen Resten an der Ostseite (im Bereich Feldstraße) erhalten blieb.

Literatur

Söder, Dagmar / Landesamt für Denkmalpflege Hessen (LfDH) (Hrsg.) (2013)
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmäler in Hessen: Rheingau-Taunus-Kreis I. (Altkreis Rheingau). Wiesbaden.

Presberg

Schlagwörter
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Archäologie, Denkmalpflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Fernerkundung
Historischer Zeitraum
Beginn 1391
Koordinate WGS84
50° 03′ 38,54″ N, 7° 53′ 0,44″ O / 50.06071°, 7.88346°
Koordinate UTM
32U 420082.18 5545977.4
Koordinate Gauss/Krüger
3420125.31 5547756.35

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„Presberg”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/P-CU-20091104-0004 (Abgerufen: 15. Dezember 2017)
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