Eibingen

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Archäologie, Denkmalpflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Geisenheim, Rüdesheim am Rhein
Kreis(e): Rheingau-Taunus-Kreis
Bundesland: Hessen
Historische Siedlungsentwicklung
Nordöstlich von Rüdesheim liegt das Winzerdorf auf der Mittelterrasse der Rheingauer Berge. Eibingen wird 1128 erstmalig genannt; frühere Schreibweisen sind Hibingun, Ibengen, Ybingen, um 1200 Ibingen. Bei diesem einzigen -ingen-Ort des Rheingaus könnte es sich um eine vorfränkische Gründung oder auch um eine Kolonie von Rüdesheim handeln, von dem es im Mittelalter abhängig war. Das Dorf besaß eine Kapelle, die seit 1226 dem Kloster inkorporiert und als Pfarrkirche dem hl. Johannes geweiht war. Die baufällige Pfarrkirche wurde um 1830 samt Kirchhof verkauft, abgebrochen und an ihrer Stelle ein Weinberg angelegt.

Um 1360 erhielt Eibingen eine eigene Verwaltung, das Rathaus wurde 1506 erbaut. Ein Gericht bestand nur von 1509 bis 1527; danach wurde es, als Folge des Bauernkrieges, dem Ort wieder entzogen. Jedoch blieb er selbständig mit eigenem Schultheiß, später Bürgermeister, bis zur Eingemeindung in die Stadt Rüdesheim 1939. Im Jahr 1525 betrug die Zahl der Herdstellen 63 (rund 300 Einwohner), 1700 waren 32 Bürger und 2 Beisassen hier wohnhaft, deren Haupterwerb im Weinbau bestand. 1933 wurden rund 1100 Einwohner gezählt.

Ortsentwicklung - Ortsbild
Wahrscheinlich stellt die nördliche der beiden hangparallelen Dorfstraßen (Eibinger Oberstraße, früher Eibinger Straße und Marienthaler Straße, früher Rüdesheimer Straße) den älteren Bereich des Ortskernes dar. Ein vormaliger südlicher Ortsrand kann im Verlauf einiger Parzellengrenzen in der Mitte zwischen diesen Straßen angenommen werden. Die Ausweitung nach Süden erfolgte jedoch spätestens im 16. Jahrhundert, aus dieser Zeit stammen vielleicht auch die jüngeren Quervebindungen wie die Neustraße. Die Charakterisierung aus dem Inventar von 1965 ist heute bestenfalls noch ansatzweise zutreffend: „Der Ort besteht aus 2 parallel mit dem Hang verlaufenden Straßen mit einigen wenigen Querverbindungen; er zeigt überwiegend alte, dichte, aber nicht bedeutende Bebauung.“ In der zwar dichten, jedoch größtenteils erneuerten Bebauung besitzt die vereinzelt erhaltene alte Substanz keine Ensemblewirkung mehr. Ein ablesbarer Ortsrand zu den Weinbergslagen besteht im Norden; nach Süden verschwimmt der Übergang zu den jetzt bis nach Rüdesheim reichenden Neubaugebieten.

Innerhalb des Ortes scheint zuvor eine Schwerpunktverschiebung stattgefunden zu haben, nachdem die am nordöstlichen Rand gelegene alte Pfarrkirche aufgegeben und die öffentlichen Funktionen in das ehemalige Kloster im Westen verlegt wurden. Bemerkenswert ist, dass der Standort der alten Kirche (nach Luthmer „am Kuhweg, wo heute eine Heiligenhäuschen steht“) heute weder als Flurnamen noch als ablesbare Parzellierung überkommen ist.

Starke Veränderungen im Ortsbild entstanden nach 1965 durch abbruchbedingte Lücken und moderne, die historische Struktur ignorierende Ersatzbauten. Als gravierendstes Beispiel kann hier die Ausweitung der ehemals schmalen Verbindungsgasse (Angerstraße) zwischen Eibinger Oberstraße und Marienthaler Straße angeführt werden.

Heute bestimmen moderne Wohn- und Gewerbebauten an der verbreiterten Straße zum neuen Kloster St. Hildegard diese Situation.
Das oberhalb des Ortes auf der Höhe gelegene Kloster St. Hildegard ist von monumentaler, landschaftsprägender Wirkung.

(Landesamt für Denkmalpflege Hessen, 2010)

Literatur

Söder, Dagmar / Landesamt für Denkmalpflege Hessen (LfDH) (Hrsg.) (2013)
Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland, Kulturdenkmäler in Hessen: Rheingau-Taunus-Kreis I. (Altkreis Rheingau). Wiesbaden.

Eibingen

Schlagwörter
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Archäologie, Denkmalpflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1128
Koordinate WGS84
49° 58′ 50,64″ N, 7° 55′ 30,59″ O / 49.98073°, 7.92516°
Koordinate UTM
32U 422939.62 5537042.07
Koordinate Gauss/Krüger
3422983.93 5538817.51

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„Eibingen”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/P-CU-20091104-0002 (Abgerufen: 12. Dezember 2017)
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