Kammgarnspinnerei Scheidt in Kettwig

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Denkmalpflege
Gemeinde(n): Essen (Nordrhein-Westfalen)
Kreis(e): Essen (Nordrhein-Westfalen)
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Gewerbegebiet auf dem Gel?§nde der ehemaligen Textilfabrik Scheidt, Essen Kettwig

    Gewerbegebiet auf dem Gel?§nde der ehemaligen Textilfabrik Scheidt, Essen Kettwig

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    Buchholz, Karl-Heinz
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    Karl-Heinz Buchholz
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1882/83 entstand diese Werksanlage als Teil der „Kammgarnspinnerei, Tuchfabrik, Zanellafabrik Joh. Wilh. Scheidt“. Die Firma Scheidt entwickelte sich damit zum Vollbetrieb einer Spinnweberei.
Das neue Werk machte das Unternehmen unabhängig von Zulieferungen des zur Tuchherstellung benötigten Garnes. Ab 1887 bereits nahm man die Produktion „vollfarbiger Garne“; auf, d.h. der Spinnerei wurde am Standort ein eigener Färbereibetrieb angegliedert. Verarbeitet wurden australische, südamerikanische, südafrikanische und feine Merino-Wollen aus Deutschland.

Die Arbeitsgänge auf dem Areal zwischen Ring- und Bachstraße sowie dem Promenadenweg abliefen waren: 1) Sortierung, 2) Wäsche, 3) Trocknung, 4) Krempelei, 5) Strecken, 6) Kämmerei, 7) Färberei, 8) Spinnerei auf Selfaktoren und Ringspinnmaschinen. Durch Tor 1 im Nord-Westen verließen die fertigen und gefärbten, teilweise doublierten und gezwirnten Garne das Areal in Richtung Tuchfabrik. 1974 ging das Unternehmen in Liquidation.
Die Kammgarnspinnerei erstreckte sich auf einem dreieckförmigen Grundstück zwischen den Straßen Prommenadenweg, Ringstraße und Bachstraße. Nach Norden zur Ringstraße passt sich die Werksanlage dem hier kurvenförmigen Straßenverlauf an.

Zur Ring- und Bachstraße präsentiert sich das Werksareal weitgehend in gleichartiger Putzarchitektur. Dominant an der Ringstraße erhebt sich das zweigeschossige Verwaltungsgebäude. Die Fassade mit von profilierten Laibungen eingefassten Rechteckfenstern wird durch zwei übergiebelte Risalite gegliedert. Die anschließende, durch hohe Mauern eingefasste, bogenfömig verlaufende Straßenfront wird von einer hohen Werksmauer mit einer gleichmäßigen Folge von Wandvorlagen und zurückliegenden Wandflächen begleitet. Noch zweifach wiederholt sich das Motiv der klassizistischen Giebelfelder des Verwaltungsgebäudes: einmal als Scheingiebel sowie am Tor 2 im Nord-Osten als Bekrönung eines schmalen Baukörpers von nur geringer Bautiefe. Der einheitliche, bis in die Bachstraße hineinreichende Duktus der Fassadengestaltung unter Verwendung klassizistischer Motive verdeutlicht einen auf Repräsentation ausgerichteten Gestaltungswillen des Unternehmens. Ein von der Baufirma Boswau & Knauer erhalten gebliebenes Schaubild der gesamten Werksanlage von 1907 zeigt weitere, aufwändige Schmuckformen mit Turmausbildungen an der Westecke des Verwaltungsgebäudes und an der Straßenecke Bachstraße/Ringstraße. Die bis heute erhaltenen Fassadenfronten an beiden Straßenzügen dürften in eben dieser Zeit um 1910 entstanden sein.

Im Werksgelände befinden sich zu Produktionszwecken überwiegend Shedhallen mit ausgedehnten Reihen von Gusseisenstützen als dominantes Konstruktionselement im Inneren. Neben dem klassischen Sägezahndach wurde auch eine Art Pseudo-Shedkonstruktion verwirklicht mit gleichhüftigen Satteldächern, auf denen nach Norden orientiert Aufbauten für die steilen Glasflächen der Hallenbelichtung aufgesetzt sind.

(Walter Buschmann, 2010)

Literatur

Bart, Jan (1971)
Kettwig wie es wuchs und wurde. 1200 Jahre seiner Geschichte (1. Auflage). Kettwig.
Hartmann, W. (1909)
Aus Kettwigs Vergangenheit.. (Beiträge zur Geschichte des Stiftes Werden 13.) S. 1-22. Essen.
Heimat- und Verkehrsverein Kettwig (Hrsg.) (1957)
100 Jahre Stadt Kettwig 1857-1957. Kettwig.
Joh. Wilh. Scheidt AG (Hrsg.) (1920)
Kammgarnspinnerei, Tuchfabrik, Zanellafabrik Joh. Wilhelm Scheidt. Kettwig-Ruhr.
Scheidt, Johann Wilhelm (1926)
Wie die Firma Scheidt aus der Kettwiger Tuchmacherzunft herauswuchs. Kettwig.
Soénius, Ulrich (2001)
Ein Königreich Scheidt? Kettwig und seine führende Unternehmerfamilie. (Essener Beiträge 113.) S. 383-396. Essen.
Soénius, Ulrich (2000)
Wirtschaftsbürgertum im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Die Familie Scheidt in Kettwig 1848-1925 (Dissertation Köln 1999). Köln.
Wiedemann, Heinrich (1909)
Zur Geschichte der Textilindustrie im Stift Essen. (Beiträge zur Geschichte von Stadt und Stift Essen, Heft 30.) Essen.

Kammgarnspinnerei Scheidt in Kettwig

Schlagwörter
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Kein
Fachsicht(en)
Denkmalpflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Archivauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1882 bis 1883
Koordinate WGS84
51° 21′ 37,35″ N, 6° 56′ 27,9″ O / 51.36037°, 6.94108°
Koordinate UTM
32U 356655.4 5691913.22
Koordinate Gauss/Krüger
2565591.27 5692159.22

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„Kammgarnspinnerei Scheidt in Kettwig”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-WBuschmann-20100323-0004 (Abgerufen: 21. Oktober 2017)
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