Tuchfabrik Scheidt in Kettwig

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Denkmalpflege
Gemeinde(n): Essen (Nordrhein-Westfalen)
Kreis(e): Essen (Nordrhein-Westfalen)
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Turbinenhaus der ehemaligen Tuchfabrik Scheidt (2011)

    Turbinenhaus der ehemaligen Tuchfabrik Scheidt (2011)

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  • Turbinenhaus der ehemaligen Firma Scheidt, Essen Kettwig

    Turbinenhaus der ehemaligen Firma Scheidt, Essen Kettwig

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  • Turbinenhaus der ehemaligen Tuchfabrik Scheidt

    Turbinenhaus der ehemaligen Tuchfabrik Scheidt

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  • Ansicht des Turbinenhauses Scheidt (2004) in Kettwig (Essen)

    Ansicht des Turbinenhauses Scheidt (2004) in Kettwig (Essen)

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  • Turbinenhaus Scheidt (Baudenkmal Nr. 758) Kettwig (Essen)

    Turbinenhaus Scheidt (Baudenkmal Nr. 758) Kettwig (Essen)

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Schon als um 1800 für die Tuchfabrik Gebrüder Scheidt die ersten noch mit Pferdegöpel betriebenen Spinnmaschinen besorgt wurden, planten die Fabrikherren eine neue Fabrikanlage an der Ruhr. Der Göpelbetrieb war nicht erfolgreich. Schon 1804 wurde berichtet, dass mehrere Pferde und Ochsen im Göpel zu Tode getrieben wurden.
Eine Werksanlage an der Ruhr konnte die Wasserkraft des Flusslaufes nutzen, wurde jedoch erst 1837 durch Julius Scheidt realisiert. Schornsteine auf alten Werksansichten verweisen auf den Einsatz von Dampfmaschinen. Es entstand ein parallel zur Ruhr errichtetes hohes Fabrikgebäude, das nun die südwestliche Ortsansicht von Kettwig dominierte. Nach erheblichen Bränden von 1880 und 1902 wurden die teilzerstörten Gebäude wieder aufgebaut. An der Südseite wurde mit dem Wiederaufbau von 1902 ein mit drei Turbinen ausgestattetes Wasserkraftwerk angefügt. Die Werksanlage erstreckte sich durch den Ausbau in den Jahrzehnten bis 1910 hangaufwärts bis an die Ruhrstraße unter Einbindung der hoch über der Ruhr thronenden Villa Scheidt (Ruhrstraße 91).

In der Architektur der entlang des Ruhrufers erhaltenen Werksbauten spiegelt sich sowohl das Formenrepertoire der Ursprungszeit, wie auch die Architekturauffassung des entwickelten Historismus um 1900. Der lang gestreckte, viergeschossige Fabrikbau in Backstein mit Stichbogen- und Rundbogenfenstern über Werksteinsohlbänken und antikisierendem Zahnschnittfries am Ortgang lehnt sich an die klassizistische Architektur der ersten Hälfte des 19. Jahrhunderts an. Das reich gestaltete Traufgesims endet in zinnenartigen Aufbauten an der Giebelseite. In den Fensteröffnungen, eingebunden in vertiefte Blendfelder, befanden sich kleinsprossige Metallfenster. Über dem obersten Geschoss werden die Blendfelder durch Rundbogenfriese abgeschlossen. Die Brüstungsfelder unter den Fenstern sind leicht erhaben ausgebildet. Für die Innenkonstruktion wurden gusseiserne Stützen verwendet. Telleranker an den Wandvorlagen verwiesen im Außenbau auf die Deckenkonstruktion. Das Gebäude war durch ein flaches Krüppelwalmdach gedeckt. Fenster, Dach und Innenkonstruktion gingen durch jahrelangen Leerstand und den Umbau zu Wohnzwecken im Jahr 1910 verloren.

Die Architektur des Turbinenhauses setzt sich deutlich vom Fabrikbau ab. Die Formensprache mit lebendigem Wechsel zwischen Wandflächen aus Backstein und gliedernden Architekturteilen aus Naturstein orientiert sich an der Tradition der deutschen Renaissance. Ein Gebäudeteil an der Ruhr ist risalitartig vorgezogen und hat Dreiecksgiebel zu drei Seiten. Die Architektur wird geprägt durch den hohen Werksteinsockel, Werksteingliederungen in den Fassaden und die ebenfalls in Werkstein erfolgte Gestaltung der hohen Fenster. Eine Gebäudeecke ist durch einen runden Treppenturm mit Kegeldach betont. Dem Turbinenhaus südlich vorgelagert ist ein Teich, über den das in den Turbinen verwertete Antriebswasser der Ruhr wieder zugeführt wurde.
Durch das Turbinenhaus sollten an dieser wichtigen Stelle des Stadtbildes offenbar die repräsentativen Bedürfnisse des Bauherrn zum Ausdruck kommen. Der symbolhafte Anschluss an Vorbilder der Schloss- und Burgenarchitektur ist nicht zufällig, sondern orientiert sich an einer zu jener Zeit in Architektur und Gesellschaft gängigen Bestrebung in den bürgerlich-industriellen Oberschichten.

Das Objekt Tuchfabrik Scheidt ist ein eingetragenes Baudenkmal (Denkmalliste Essen, laufende Nr. 758, Eintragungstext siehe PDF-Datei in der Mediengalerie).

(Walter Buschmann, 2010)

Literatur

Bart, Jan (1971)
Kettwig wie es wuchs und wurde. 1200 Jahre seiner Geschichte (1. Auflage). Kettwig.
Hartmann, W. (1909)
Aus Kettwigs Vergangenheit.. (Beiträge zur Geschichte des Stiftes Werden 13.) S. 1-22. Essen.
Heimat- und Verkehrsverein Kettwig (Hrsg.) (1957)
100 Jahre Stadt Kettwig 1857-1957. Kettwig.
Scheidt, Johann Wilhelm (1926)
Wie die Firma Scheidt aus der Kettwiger Tuchmacherzunft herauswuchs. Kettwig.
Soénius, Ulrich (2001)
Ein Königreich Scheidt? Kettwig und seine führende Unternehmerfamilie. (Essener Beiträge 113.) S. 383-396. Essen.
Soénius, Ulrich (2000)
Wirtschaftsbürgertum im 19. und frühen 20. Jahrhundert. Die Familie Scheidt in Kettwig 1848-1925 (Dissertation Köln 1999). Köln.
Wiedemann, Heinrich (1909)
Zur Geschichte der Textilindustrie im Stift Essen. (Beiträge zur Geschichte von Stadt und Stift Essen, Heft 30.) Essen.

Tuchfabrik Scheidt in Kettwig

Schlagwörter
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Ortsfestes Denkmal gem. § 3 DSchG NW
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Denkmalpflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Archivauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1837
Koordinate WGS84
51° 21′ 45,03″ N, 6° 56′ 10,41″ O / 51.36251°, 6.93623°
Koordinate UTM
32U 356323.93 5692160
Koordinate Gauss/Krüger
2565249.91 5692392.28

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„Tuchfabrik Scheidt in Kettwig”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-WBuschmann-20100323-0003 (Abgerufen: 18. August 2017)
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