Kleinbahn Wesel-Rees, 1951-1966

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Rees, Wesel
Kreis(e): Kleve (Nordrhein-Westfalen), Wesel
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Die Kleinbahn von Wesel nach Rees ging aus der im Zweiten Weltkrieg stillgelegten Kleinbahn Wesel-Rees-Emmerich hervor. Ab 1951 verband sie die Städte Wesel und Rees miteinander und stellte für die an der Strecke liegenden Dörfer und Hofanlagen die Verbindung in die Städte und zur Bundesbahn her. Die Bahn wurde bis 1966 stillgelegt.

Vorgeschichte
Die Kleinbahn Wesel-Rees-Emmerich wurde am 25. Mai 1914 auf dem Abschnitt zwischen Wesel und Rees eröffnet. Betriebsführer waren die RWE AG, die der Strecke das typische Gepräge gaben. Erst am 13. Mai 1921 konnte die Verlängerung bis Emmerich, Steintor eröffnet werden. Die gesamte Strecke von Wesel nach Emmerich war 39,8 Kilometer lang. Betriebsmittelpunkt war Rees. Da es im Zweiten Weltkrieg zahlreiche Zerstörungen gab, stellte man den Verkehr am 24. Februar 1945 vollständig ein.

Betrieb von 1950 bis 1966
Erst am 13. Juli 1950 beschloss der Landkreis Rees, die Bahn zwischen Wesel und Rees wieder in Betrieb zu nehmen; das Land Nordrhein-Westfalen sagte einen Zuschuss von 140.000 DM zu. Die Strecke baute man auch mit Gleisen der abgebauten Strecke nach Emmerich wieder auf. Auf drei erhaltenen gebliebenen Fahrgestellen von Triebwagen baute man neue Wagenkästen auf (sog. Aufbau-Wagen). Die neue Strecke konnte am 9. Juni 1951 eröffnet werden.

In Wesel konnte man die Strecke bis zum Bahnhof der Deutschen Bundesbahn verlängern. Sie war eingleisig und führte über den Breiten Weg, Grafenring, Hansaring, Viehtor, Hohe Straße, Berliner Tor zum Bahnhofsvorplatz. Die zweigleisige Umsetzanlage lag hier in einer Grünanlage. (Wie sich erst 1988 bei den Ausgrabungen auf dem Alten Markt vor der Willibrordikirche herausstellte, fuhr die Straßenbahn jahrelang über einen Blindgänger, eine nicht explodierte Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg, der im Keller eines der kriegszerstörten Häuser direkt unter der Straßenbahntrasse lag.)

Die Streckenlänge betrug 25,8 Kilometer. Von anderen RWE-Bahnen kamen zur Verstärkung weitere Trieb- und Beiwagen nach Wesel. Moderne Straßenbahnwagen kamen 1960 und 1962 an den Niederrhein, als zwei vierachsige Großraumtriebwagen der Fa. DüWag gekauft wurden. Ein Wagen ist noch vorhanden (Wagen 8, ab 1967 Bonn Nr. 437; heute Nostalgiebahnen in Kärnten, Klagenfurt).

Haltepunkte und Betriebsstellen
  • Wesel Bf (Bahnhofsvorplatz, Umsetzgleis; Bahnkilometer -2,0)
  • Wesel Markt
  • Wesel Breiter Weg (Haltepunkt vor dem südlichen Bahnübergang; Bahnkilometer 0,0)
  • Wesel Ziegelei (Kreuzungsgleis, Ladungsgleis Ziegelei Bloch)
  • Wesel Feldmark (Ladegleis Ziegelei Glückauf)
  • Flüren (Bahnkilometer 3,5)
  • Flüren Waldschänke (Kreuzungsgleis und stumpfes Ladegleis)
  • Diersfordt Kockshof
  • Rosenallee
  • Lenders
  • Mars (Kreuzungsgleis und stumpfes Ladegleis)
  • Hegmann
  • Leckerfeld
  • Bislich Mühlenfeld (Kreuzungsgleis und stumpfes Ladegleis; Bahnkilometer 9,6)
  • Geldermann (Bahnkilometer 11,0)
  • Vissel Trafo
  • Vissel (Kreuzungsgleis und stumpfes Ladegleis; Bahnkilometer 12,2)
  • Vahnum (Bahnkilometer 13,7)
  • Overkamp Bettenhof (Bahnkilometer 14,7)
  • Overkamp Weiche (Kreuzungsgleis und stumpfes Ladegleis; Bahnkilometer 15,5)
  • Mehr Weiche (Kreuzungsgleis und stumpfes Ladegleis; Bahnkilometer 16,7)
  • Haffen Molkerei (Bahnkilometer 17,5)
  • Haffen
  • Haffen Weiche (Kreuzungsgleis und stumpfes Ladegleis; Bahnkilometer 18,1)
  • Deckershof (Bahnkilometer 20,2)
  • Wolfersom (Kreuzungsgleis; Bahnkilometer 21,5)
  • Bergswick
  • Reesereiland (Bahnkilometer 22,8)
  • Rees Falltor (Einmündung der Bahnstrecke von Empel)
  • Rees Betriebshof (Endpunkt; Bahnkilometer 23,8)
Nach Beschluss des Landkreises Rees wurde 1966 der noch laufende Pachtvertrag mit der RWE gekündigt. Die letzten Personenzüge verkehrten am 30. April 1966, der letzte Güterzug fuhr am 31. Dezember 1966. Die beiden Großraumwagen wurden nach Bonn verkauft (Siebengebirgsbahn), die übrigen Wagen wurden zerlegt. Die Gleisanlagen baute man noch 1967 ab. Teile des ehemaligen Bahnkörper blieben erhalten und dienen heute als Radwege.

In Rees stehen noch Teile der Depotbauten und werden für Busse der Niederrheinischen Verkehrsbetriebe AG, kurz NIAG, genutzt.

(Claus Weber, 2013)

Internet
de.wikipedia.org/wiki/Kleinbahn Wesel-Rees-Emmerich (Abgerufen: 19.3.2013)
www.nostalgiebahn.at (Abgerufen: 20.5.2013)
www.wesel.de (Abgerufen: 21.5.2013)

Literatur

Heusinkveld, Evert (2013)
Die Kleinbahnen Rees - Empel und Wesel - Rees - Emmerich. Nordhorn.
Höltge, Dieter / Kochems, Michael (2004)
Niederrhein. (Straßen- und Stadtbahnen in Deutschland. Band 9.) S. 355-360, Freiburg.
Höpfner, Haus-Paul (1986)
Eisenbahnen. Ihre Geschichte am Niederrhein. S. 93-96, Duisburg.
Reimann, Wolfgang W.; Frenz, Eckehard (1975)
Die Bahnen des RWE. S. 93-97, Gräfeling.
Wolff, Gerd; Riedel, Lothar (1998)
Deutsche Klein- und Privatbahnen, Band 5: Nordrhein-Westfalen / Nordwestlicher Teil. S. 284-295, Freiburg.

Kleinbahn Wesel-Rees, 1951-1966

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Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:25.000 (kleiner als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1951, Ende 1966
Koordinate WGS84
51° 42′ 9,42″ N, 6° 30′ 35,57″ O / 51.70262°, 6.50988°
Koordinate UTM
32U 327934.11 5730898.53
Koordinate Gauss/Krüger
2535292.13 5729938.61

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„Kleinbahn Wesel-Rees, 1951-1966”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-CW-20130520-0004 (Abgerufen: 18. Februar 2018)
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