Stephanuskirche in Überruhr-Hinsel

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Denkmalpflege
Gemeinde(n): Essen (Nordrhein-Westfalen)
Kreis(e): Essen (Nordrhein-Westfalen)
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Die Evangelische Stephanuskirche in Überruhr-Hinsel wurde nach Plänen des Architekten August Hartel aus Krefeld zwischen 1881 und 1882 errichtet. Es handelt sich um ein Baudenkmal.
Bis zum Bau dieser Kirche war es ein weiter Weg für die evangelische Gemeinde in Überruhr gewesen. Jahrhundertelang gehörte sie zur evangelischen Gemeinde Rellinghausen und machte dort auch den größten Teil aus. So mußten die Gläubigen zum Gottesdienst immer nach Rellinghausen gehen. Aufgrund dieser bedeutenden Steuereinnahmen war Rellinghausen nicht an einer selbständigen evanglischen Gemeinde in Überruhr interessiert. Es wurden jedoch Zugeständnisse gemacht. So durfte die Überruhrer Gemeinde 1838 einen eigenen Friedhof in Überruhr Holthausen anlegen und in den 1850er Jahren durften in der alten Schule in Holthausen Bibelstunden abgehalten werden. In der Folgezeit wurden auch die so genannten „Wassergottesdienste“ durch den Lehrer in Überruhr abgehalten, wenn Hochwasser oder Eisgang an der Ruhr die Überruhrer am Kirchgang in Rellinghausen hinderten. Doch das Bestreben nach einer eigenständigen evangelischen Gemeinde mit einer eigenen Kirche in Überruhr war ungebrochen. So bildete sich 1866 der Kirchenbauverein Überruhr. Im Jahr 1874 wurde die Verselbständigung der evangelischen Gemeinde Überruhr beschlossen. Danach fand sich ein Bauplatz an der ehemaligen Provinzialstrasse (heute Langenbergerstrasse); der Landwirt Becker verkaufte einen Teil seines Grundstücks.

(LVR-Fachbereich Umwelt, 2010)

Die Planung für Hartels zweiten Bau in Essen, die Kirche in Überruhr, begann gleich nach der Gründung der Gemeinde Mitte der 1870er Jahre. Die Pläne, nach denen die Kirche gebaut wurde, tragen jedoch die Jahreszahl 1881. Das erste Projekt war offenbar etwas zu groß. Man reduzierte, indem man aus dem Grundriß die Breite des Mittelganges wegschnitt und diesen, was das Regulativ von 1861 als möglich ansah, wegließ zugunsten breiterer Seitengänge. Das Mittelportal im Turm war damit funktional entwertet. Die Erschließung erfolgte praktisch über die beiden Seitengänge.
Die Kirche erlitt kaum Kriegsschäden, verfiel aber in einer fünfjährigen Zeit der Diskussion über Erhalt oder Abbruch. Wiederhergestellt, da billiger als ein Neubau, ist diese nur ca. 250 Quadratmeter große Kirche heute der intimste alte evangelische Kirchenraum von Essen. Hartel wählte ziemlich konsequent kapierend für das Innere und Äußere den Stil der frühen Gotik. Im Grundriß folgen auf ein dreischiffiges basilikales Joch mit schmalen zur Gangbreite reduzierten, unbelichteten Seitenschiffen 2 dreischiffige Hallenjoche und ein 5/8 Chorschluß. Funktional sind sie Querhaus, denn die Bänke standen quer zur Hauptachse, außen suggerieren jedoch Stichkappendächer die Seitenschiffe einer Hallenkirche. Außer den flachgedeckten Seitenschiffen des Basilikajoches sind alle Joche auf Kreuzrippen in Schwemmstein gewölbt.
Der Innenraum war ausgemalt, die Fenster farbig verglast, Wandvorlagen, Türleibungen, Rippenprofile in Sichtmauerwerk, schwarz gefugt mit Eckwulsten, industriell hergestellte Strangpressenprofile. Das Verhältnis von Länge zu Breite bei diesem sehr kleinen Bau könnte den Schluß zulassen, daß Hartel an einen zentralisierenden Bau gedacht hat. Die vom Verfasser 1976 durchgeführte Neugestaltung des Inneren hat jedoch gezeigt, dass sich das Bauwerk einer zentralisierenden Gesamtgestaltung widersetzt, der Bau als klar gerichtet zu sehen ist, bei aller analytisch zu erkennenden Andersartigkeit wirkt das Innere vordergründig mittelalterlich.

Das Objekt Stephanuskirche ist ein eingetragenes Baudenkmal (Denkmalliste Essen, laufende Nr. 548, Eintragungstext siehe PDF-Datei in der Mediengalerie).

(LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, 1983)

Literatur

Eckhard Sons (1980)
Evangelischer Kirchenbau im 19. Jahrhundert in Essen. In: Beiträge zur Geschichte von Stadt und Stift Essen, Band 95, S. 175-200. o. O.
Lehnhäuser, Anton (1979)
Geschichte der Gemeinde Überruhr (1921). In: Pohlbürgerverein Essen-Überruhr (Hrsg.), 1929-1979. 50 Jahre "Überruhr", Teil der Großstadt Essen, 1979, S. 9-43. S. 33-35, o. O.

Stephanuskirche in Überruhr-Hinsel

Schlagwörter
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Kein
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Denkmalpflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Archivauswertung, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1881 bis 1882
Koordinate WGS84
51° 25′ 18,17″ N, 7° 04′ 21,31″ O / 51.42171°, 7.07259°
Koordinate UTM
32U 365989.36 5698485.04
Koordinate Gauss/Krüger
2574650.48 5699108.98

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„Stephanuskirche in Überruhr-Hinsel”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-CM-20100702-0001 (Abgerufen: 23. Juli 2017)
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