Das Teehaus der Familie Mendelssohn
Architektur des Teehauses
Vom Teehaus zur Lutherkapelle
Restaurierungen und heutige Nutzung
Das Altenheim in der Reiffenbergstraße
Kulturdenkmal
Internet
Das Teehaus der Familie Mendelssohn
Im Bereich des ehemaligen Altenberger Hofes in Koblenz-Horchheim ließ Joseph Mendelssohn vor 1833 durch den Architekten Johann Claudius von Lassaulx (1781-1848) ein Teehaus beziehungsweise einen Gartenpavillon errichten. Das Gebäude entstand innerhalb des weitläufigen Mendelssohnparks und diente der Berliner Bankiersfamilie Mendelssohn als Aufenthalts- und Gesellschaftsort während ihrer regelmäßigen Aufenthalte in Horchheim.
Mehrere historische Fotografien zeigen Mitglieder der Familie Mendelssohn bei geselligen Zusammenkünften im Park. Besonders bekannt ist eine um 1880 entstandene Gruppenaufnahme vor dem Teehaus. Ein weiteres Foto von 1886 zeigt Familienmitglieder beim Teetrinken, vermutlich jedoch in der Nähe des Hauptgebäudes. Dies deutet darauf hin, dass innerhalb der weitläufigen Anlage unterschiedliche Aufenthaltsorte für gesellschaftliche Zusammenkünfte genutzt wurden. Nachweislich befand sich im Pavillon ein Raum zur Bereitung des Tees.
Architektur des Teehauses
Der ursprünglich freistehende Bau ist zweigeschossig und weist eine Grundstruktur von zwei zu drei Achsen auf. Dem annähernd quadratischen Gebäude wurde durch ein Satteldach in Ost-West-Richtung eine klare Ausrichtung gegeben. Über einem niedrigen, teilweise eingetieften Souterrain, das als Teeküche diente, erhebt sich das hohe Hauptgeschoss mit einem dreiachsigen, zweischiffigen Saal. Zwei eingestellte Rundsäulen gliedern den Raum zusätzlich in Nord-Süd-Richtung.
Die schlanken Rundsäulen tragen ein Kreuzrippengewölbe mit bewusst wiederverwendeten Schlusssteinen des abgebrochenen Altenberger Hofes. Mit diesen Spolien stellte Lassaulx das Teehaus bewusst in die Tradition des ehemaligen Klosterhofes. Einer der Schlusssteine trägt die Jahreszahl 1744 sowie die Buchstaben „J“ und „H“, die auf Johannes Hoerdt, Abt des Zisterzienserklosters Altenberg von 1739 bis 1779, verweisen. Bereits Sulpiz Boisserée hob die Wiederverwendung dieser Bauteile hervor und erwähnte zugleich Lassaulx ausdrücklich als Architekten des Garten- beziehungsweise Teehauses.
Die dem Rhein zugewandte Giebelfront wurde als repräsentative Schaufront ausgebildet. Drei engstehende Rundbogenfenster stehen in Achse mit den schlichten Segmentbogenfenstern des Untergeschosses. Eine gusseiserne Freischwebetreppe, die 1962 entfernt wurde, führte von Norden in den erhöht liegenden Teeraum. Lassaulx verwendete Gusseisen auch bei den Fensterelementen des Obergeschosses. Die Fassaden werden durch Eckpilaster gegliedert. Charakteristisch ist zudem die bewusste Verwendung unterschiedlich farbiger Steinmaterialien, die dem Bau eine lebendige Fassadenwirkung verleihen.
Vom Teehaus zur Lutherkapelle
1922 erwarb die evangelische Kirchengemeinde Pfaffendorf das ehemalige Mendelssohnsche Teehaus von der Diakonissenanstalt Kaiserswerth und richtete darin die Lutherkapelle ein. Im lokalen Sprachgebrauch wurde das Gebäude zeitweise auch als „Synagoge“ bezeichnet, was auf die Erinnerung an die jüdische Herkunft der Familie Mendelssohn verweist.
Während des Zweiten Weltkriegs wurde die Kapelle teilweise zerstört. Nach Restaurierungsarbeiten konnte sie 1948 wieder genutzt werden. Aufgrund des Wachstums der evangelischen Gemeinde erfolgte 1956 eine Erweiterung nach Süden. Der Anbau erhielt einen um 90 Grad versetzten Dachfirst mit kleinem Dachreiter.
Mit dem Neubau eines Seniorenheims im Jahr 1962 wurde das historische Teehaus an drei Seiten umbaut und verlor weitgehend seine ursprüngliche freistehende Wirkung. Erhalten blieb vor allem die zum Rhein gerichtete Giebelwand des ehemaligen Teehauses.
Die mehrschichtige Giebelfassade besitzt drei hohe Rundbogenfenster und ist durch die Verwendung unterschiedlicher Materialien gegliedert. Die pfeilerartigen Eckelemente bestehen aus hellem Basalttuff und zeigen einen steigenden Rundbogenfries mit unterlegtem Zackenband. Darüber befinden sich Blendarkaden mit Fenstern sowie ein Giebelfeld aus heller Schaumlava mit einer großen kreisförmigen Öffnung und hellem Basaltlava-Rahmen. Im Erdgeschoss befinden sich rechteckige Fenster, im Obergeschoss Rundbogenfenster mit profilierten Rahmungen und Brüstungsfeldern aus hellem Sandstein. Sohlbänke und Sockelgesims bestehen aus rotem Sandstein. Der Innenraum der Kapelle umfasst ein dreiteiliges, zweijochiges Schiff mit Kreuzrippengewölbe auf schlanken Säulen. Als Schlusssteine wurden unterschiedliche Hausmarken verwendet, die vermutlich ebenfalls vom Altenberger Hof stammen.
Restaurierungen und heutige Nutzung
Bei Restaurierungsarbeiten im Jahr 2003 wurden historische Farbfassungen aus der Zeit von Lassaulx entdeckt. Daraufhin entschloss man sich, die ursprüngliche Farbgebung wiederherzustellen. Im Zuge der Fassadensanierung von 2007 entstanden Buntglasfenster nach historischem Vorbild; außerdem wurden neue Brüstungsgitter angebracht.
Die Lutherkapelle gehört heute zur evangelischen Kirchengemeinde Koblenz-Pfaffendorf, zu der außerdem die Christuskirche in Pfaffendorf, die Versöhnungskirche in Arenberg und die Hoffnungskirche auf der Pfaffendorfer Höhe gehören.
Das Altenheim in der Reiffenbergstraße
Mit dem Gelände des ehemaligen Mendelssohn'schen Besitzes verbunden ist auch die Geschichte des Altenheims in der Reiffenbergstraße. Bereits 1922 erwarb die evangelische Gemeinde Pfaffendorf Teile des ehemaligen Altenberger Hofes. Zum historischen Bestand gehörten Wirtschaftsgebäude des früheren Klosterhofes, darunter ein Fachwerkhaus, ein Weinkeller, eine Kutschenremise sowie Nebengebäude für landwirtschaftliche Geräte und Weinverarbeitung.
Der Bau des Altenheims begann im Herbst 1960. Ziel war die Schaffung einer modernen Einrichtung zur Betreuung älterer Menschen. Am 1. Mai 1962 wurde das Heim seiner Bestimmung übergeben; die feierliche Einweihung erfolgte am 17. Juni 1962 im Rahmen eines Gottesdienstes. Eine prägende Persönlichkeit des Hauses war Schwester Anna Schulze (1895-1980). Sie war bereits seit 1922 als evangelische Gemeindeschwester in Pfaffendorf tätig und aufgrund der Zugehörigkeit Horchheims zur evangelischen Gemeinde auch im Ort bekannt. Schwester Anna setzte sich über Jahrzehnte für ein ökumenisches Miteinander ein. Im Jahr 1965 übernahm sie im Alter von 70 Jahren die Leitung des Altenheims und führte diese bis zu ihrem Ruhestand 1972. Für ihre langjährige Tätigkeit erhielt sie 1975 die Sozialmedaille des Landes Rheinland-Pfalz.
In den 1980er Jahren geriet das Altenheim zunehmend unter Druck. Nach einer Überprüfung durch die Aufsichtsbehörden im November 1985 wurde festgestellt, dass das Gebäude nicht mehr den geltenden Anforderungen entsprach. Die angekündigte Schließung führte zu öffentlichen Diskussionen sowie politischen und juristischen Auseinandersetzungen. Trotz verschiedener Bemühungen konnte der Betrieb nicht dauerhaft fortgeführt werden. Seit 1988 dient das Gebäude unter der Bezeichnung „Haus an der Christuskirche - Außenstelle Mendelssohnhaus“ als Übergangseinrichtung des Evangelischen Kirchenkreises Koblenz und ist Teil der komplementären Versorgung psychisch beeinträchtigter Menschen.
Kulturdenkmal
Das ehemalige Teehaus, heute evangelische Lutherkapelle, wird im Nachrichtlichen Verzeichnis der Kulturdenkmäler der kreisfreien Stadt Koblenz geführt (Stand 2025). Der Eintrag lautet:
„(zu) Reiffenbergstraße 8/10
ev. Kapelle, urspr. Teehaus im Mendelssohnschen Park, 1830er Jahre, Arch. J. C. von Lassaulx, 1948 nach Plänen von Möllering/Düsseldorf neu gestaltet, 1956 von Friedhelm Worm/Koblenz erweitert“.
(Heimatfreunde Horchheim e.V., Koblenz-Horchheim, 2025)
Internet
www.evangelisch-in-koblenz.de: Lutherkapelle Horchheim (abgerufen: 23.07.2014, Inhalt nicht mehr verfügbar 20.03..2026)
www.mendelssohn-koblenz.de: Koblenz & Mendelssohn (abgerufen: 23.07.2014, Inhalt nicht mehr verfügbar 20.03..2026)
www.evkopf.de: Evangelische Kirchengemeinde Koblenz-Pfaffendorf - Kirchen- und Gemeindezentren (abgerufen: 23.07.2014, Inhalt nicht mehr verfügbar 20.03..2026)