Katholische Pfarrkirche St. Servatius mit Pfarrhaus in Güls

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Denkmalpflege
Gemeinde(n): Koblenz
Kreis(e): Koblenz
Bundesland: Rheinland-Pfalz
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Die neue katholische Pfarrkirche St. Servatius wurde von 1833 bis 1840 gebaut. Sie befindet sich am südlichen Ortsrand von Güls und löste die ehemalige Pfarrkirche St. Servatius, die im Jahr 775 erstmals erwähnt wurde, ab, da diese für die wachsende Bevölkerung zu klein geworden war.

Der Bau der neuen Pfarrkirche wurde nach den Plänen des in Koblenz geborenen Stadt- und Bezirksbauinspektors Johann Claudius von Lassaulx (1781-1848) in der Nähe der alten Pfarrkirche durchgeführt. Als Baumaterial diente unter anderem das Abrissmaterial des alten Koblenzer Löhrtors. Die alte Kirche wurde nicht abgerissen, da sie als künstlerisch wertvoll eingestuft und die Fläche, auf der die Kirche steht, als zu klein für den Kirchenneubau befunden worden war.
Die neue Pfarrkirche liegt von der Straße aus gesehen etwas zurückversetzt. Ein von Linden gesäumter Weg führt über den Vorplatz auf die Kirche zu, die über ein sechs Stufen umfassendes Portal erreicht werden kann. Kirchplatz, Kirche und Pfarrhaus werden durch einen Eisenzaun von der Straße abgegrenzt, sodass eine innere Einheit innerhalb der dörflichen Umgebung entsteht.

Das Kirchengebäude
Die Kirche ist im neuromanischen Rundbogenstil erbaut worden. Der Aufbau der Außenwände zeichnet sich durch schmale, rundbogig abgeschlossene Fenster aus, die in Blendnischen liegen. Der Rundbogenabschluss wird durch die aus Sandstein angefertigten ornamentreichen Rundstäbe betont. In jeden Bogen ist eine Kreisscheibe mit Kreuz eingelegt.
Die Kirche hat zwei 65 Meter hohe und sehr spitz zulaufende Türme mit Ecklisenen und Bogenfriesen, die die aufwendig gestaltete Giebelfassade umrahmen. Die Fenster der Türme haben eine runde Form. Am rechten Turm ist eine Kirchenuhr angebracht. Die Öffnung über dem Haupteingang ist als Rosettenfenster gestaltet, wodurch die im Inneren der Kirche liegende Empore erhellt wird.

Über dem zentral gelegenen Portal befindet sich an der Giebelfassade ein Türsturz, auf dem die Figur der Gottesmutter mit Kind umrahmt von drei knienden Heiligen dargestellt werden. Rechts von der Muttergottes befindet sich der heilige Servatius, der der Pfarrkirche seinen Namen gab, links von der Muttergottes befinden sich zwei Mönche.
Über dem Rosettenfenster wird das Portal mit einem Rundbogen abgeschlossen, sodass der Teil unterhalb des Rundbogens leicht zurückversetzt ist. Oberhalb des Rundbogens sind die Worte Christus Rex angebracht. Im obersten Teil der Außenfassade ist ein Stufengiebel vorzufinden, in deren drei mittleren Pfeilernischen sich Steinskulpturen befinden. In der Mitte wird Jesus Christus als König dargestellt, rechts und links von ihm befinden sich der heilige Petrus und der heilige Paulus. Abgeschlossen wird die Fassade von einem Kreuz, das sich auf der Giebelspitze befindet.
Insgesamt steht die aus kleinen, groben Sandsteinquadern erbaute Außenfassade der Kirche im Kontrast zu der detailreichen und filigranen Bearbeitung der Tür- und Fenstergewände. Rechts neben dem Kircheneingang befindet sich zu Ehren der im Ersten Weltkrieg gefallenen Soldaten ein Kriegerdenkmal. Das Denkmal besteht aus einem sterbenden Soldaten zu Füßen eines Kruzifixes und befindet sich auf einem aus schwarzer Basaltlava angefertigten Altar.

Der Innenraum und die Ausstattung
Der Innenraum der Kirche wirkt durch das in ein Haupt- und zwei Nebenschiffe gegliederte Kirchenschiff relativ breit. Die Seitenschiffe werden im Halbkreis um den Chorraum geführt. Das zellenartige Netzgewölbe wird von runden Stützen zwischen den Schiffen und Pilastern an den Wänden getragen. In den Jahren 1971/73 wurde der gesamte Anstrich im Innenraum samt der aufwendig ornamentalen Rankenmalerei entlang der Gewölbegrate erneuert.

Viele der heutigen Ausstattungsstücke, wie zum Beispiel das Triumphkreuz mit überlebensgroßem Korpus im Chorraum, stammen noch aus der alten St. Servatius Kirche. Weitere Gegenstände sind unter anderem das aus hellem und dunklem Marmor angefertigte pokalförmige Taufbecken mit Messingdeckel, das am Sockel auf 1699 datiert wird, ein Weihwasserbecken und ein aus der Mitte des 15. Jahrhunderts stammendes Holzrelief, das die Geburtsszene und Engel darstellt.
Im Kirchenschiff verteilt befinden sich außerdem die als barocke Heiligenfiguren in bewegten Gewändern dargestellten Heiligen Servatius, Petrus, Paulus und die Muttergottes und die drei weiblichen Heiligen Barbara, Katharina und Margarethe, die etwas kleiner dargestellt werden. Von der neugotischen Ausstattung ist noch ein polygonaler Kanzelkorb auf einer gestutzten Säule, der mit Halbreliefs der vier Evangelisten gestaltet ist, vorhanden. Unterhalb der Kirchenfenster hängen Sgrafitto-Bilder in den Farben Weiß, Grau und Rot, die Szenen der Passion Christi darstellen und vermutlich in den 1930er Jahren vom Koblenzer Kirchenmaler Lüthgen angefertigt wurden.
Im linken Turmuntergeschoss befindet sich eine Marienkapelle, in der die aus dem 16. Jahrhundert stammende spätgotisch Pietà aus dem Großheiligenhäuschen steht. Im rechten Turm befindet sich der Zugang zur Orgelempore und eine Figur des heiligen Servatius. Unterhalb der Orgelempore befinden sich zwei mit aufwendigen Holzschnitzereien verzierte Beichtstühle. Die Orgelempore und Teile des östlichen Gewölbes wurden im Krieg zerstört und in den folgenden Jahren restauriert.

Das Pfarrhaus
An der Südseite der Kirche wurde im Jahr 1928 das zweigeschossige breit gelagerte Pfarrhaus angebaut. Es handelt sich um einen Putzbau mit Stockwerkgesims und einem aufgesetzten Walmdach mit breiter Gaube. Auf der Höhe des Obergeschosses wird das Pfarrhaus mit der Pfarrkirche über einen überdachten Gang mit Polygonalerker verbunden. Die Jahreszahl 1928 wurde im schieferbehangenen Erker angebracht und wird vom Sandsteinrelief des heiligen Georgs und dem Wappen von Papst Pius XI. umrahmt.

Die Pfarrkirche St. Servatius hat mit seinen hohen, schmalen und eleganten Türmen eine für den gesamten Abschnitt des Moseltals bedeutende Fernwirkung, da die Türme alles überragen.

(Friederike Meiers, Universität Koblenz-Landau, 2014)

Internet
www.sankt-servatius-guels.de: Kath. Pfarrgemeinde „St. Servatius“ Koblenz-Güls (Abgerufen: 04.02.2015)

Literatur

Pickel, Alois / Neisius, Andreas / Ortsring Güls (Hrsg.) (2004)
Bomben, Trümmer, Menschenopfer: Güls im Zweiten Weltkrieg 1939-1945. Koblenz.
Weber, Ulrike / Generaldirektion Kulturelles Erbe Rheinland-Pfalz (Hrsg.) (2013)
Stadt Koblenz, Stadtteile. (Kulturdenkmäler in Rheinland-Pfalz, Band 3.3 / Denkmaltopographie Bundesrepublik Deutschland.) S. 150f, Worms.
Weyres, Willy (1980)
Johann Claudius von Lassaulx (1781-1848) (2. unveränderte Auflage). In: Rheinische Lebensbilder 4, S. 141-157. Köln.

Katholische Pfarrkirche St. Servatius mit Pfarrhaus in Güls

Schlagwörter
Ort
Koblenz - Güls
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Denkmalpflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1833 bis 1840
Koordinate WGS84
50° 20′ 30,25″ N, 7° 32′ 51,23″ O / 50.34174°, 7.54756°
Koordinate UTM
32U 396649.91 5577636.32
Koordinate Gauss/Krüger
3396683.7 5579427.66

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„Katholische Pfarrkirche St. Servatius mit Pfarrhaus in Güls”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-97442-20140723-4 (Abgerufen: 23. Mai 2018)
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