Benediktinerabtei Sankt Martin

heute zum Teil Studentenwohnheim Martinskloster

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Trier
Kreis(e): Trier
Bundesland: Rheinland-Pfalz
  • Bearbeiteter Ausschnitt "Plan von Trier" aus der Karte "Kirchliche Organisation und Verteilung der Confessionen im Bereich der heutigen Rheinprovinz um das Jahr 1610" (1903).

    Bearbeiteter Ausschnitt "Plan von Trier" aus der Karte "Kirchliche Organisation und Verteilung der Confessionen im Bereich der heutigen Rheinprovinz um das Jahr 1610" (1903).

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  • Karte der Stadt Trier um das Jahr 1500 mit den Kirchen und geistlichen Niederlassungen sowie dem damaligen Straßennetz und der Befestigungsmauer (PDF-Datei, 58 kB, 2003).

    Karte der Stadt Trier um das Jahr 1500 mit den Kirchen und geistlichen Niederlassungen sowie dem damaligen Straßennetz und der Befestigungsmauer (PDF-Datei, 58 kB, 2003).

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Vom Klosterkomplex des einst dritten Benediktinerklosters in Trier, der Abtei St. Martin, steht heute nur noch ein parallel zur Mosel stehendes Gebäude. In diesem Westflügel von 1626 ist heute ein Studentenwohnheim untergebracht.

Die Klostergründung
Am Moselufer, außerhalb der Stadtmauer im Nordwesten gelegen, geht der Ursprung des Klosters bis ins vierte Jahrhundert und auch auf den Bischof Martin von Tours († 397) selbst zurück. Kurz nach seiner Bischofsweihe 371 war Martin von Tours im Jahre 385 „als Berater des Kaisers, als Bittsteller in der Hauptstadt des Reiches gewesen“ (bistum-trier.de). Nach der Überlieferung kam es im Hause des Prokonsuls Tetradius an der Mosel zur Gründung einer Kirche zu Ehren des Heiligen Kreuzes, weil er die Persönlichkeit und das christliche Wirken Martins sehr bewunderte.
Begleitend zu dieser Überlieferung können Ausgrabungen von 1943 angeführt werden, bei denen man in diesem Bereich spätrömische Wohngebäude, eine Mauer, die man einer Kirche zuordnete, und Gräber mit Beigaben fand. Nach der Aufgabe Triers durch die Römer und der folgenden fränkischen Landnahme mit ihren Plünderungen und Verwüstungen erbaute Bischof Magnerich – dieser steht an 24. Stelle der Trierer Bischofsliste und war von 566 bis 586 tätig – eine Kirche, die dem Heiligen Martin geweiht wurde. Später wurde sie Magnerichs letzte Ruhestätte und aus ihr ging hernach das Sankt Martin Kloster hervor.
Magnerich folgte auf Bischof Nicetius, dessen Schüler er gewesen war. Es wird angenommen, dass von da an ein klösterliches Leben Einzug gehalten hat und eine Abtei gegründet wurde.

Die Abtei im Mittelalter und Früher Neuzeit
Das Kloster litt ebenfalls unter dem Normanneneinfall von 882, ehe im Jahr 899 der Abt Regino von Prüm († 915), der in den Listen als erster Abt geführt wird, den Wiederaufbau einleitete. Nach dem Tod des Abtes folgte eine schwierige Phase im klösterlichen Leben, denn wie bei St. Maximin kam es zum beinahe Erliegen des klösterlichen Lebens, indem weltliche und politische Gesichtspunkte in den Vordergrund rückten. An die Stelle des benediktinischen Mönchtums traten wiederum Kanoniker.
Erst unter Bischof Theoderich den Ersten (Episkopat 965-977) kam es wieder zum Aufschwung, indem die Kanoniker 975 von den Benediktinern abgelöst wurden. Unter den zwei folgenden Äbten, Angilbert und Eberwin folgte eine Rückbesinnung auf das klösterliche Leben und der damit verbundenen Konsolidierung.

Die Moselfehde ‚Moselfehde‘ von 1008 bis 1017 (ein Streit zwischen dem Grafen von Luxemburg und dem Königshaus um den Bischofsstuhl im Erzbistum Trier) hatte auch auf die Abtei St. Martin Auswirkung. Der Abt Eberwin hatte sich auf die Seite des ostfränkischen Königs gestellt und war somit für die Dauer der Moselfehde gezwungen das Kloster zu verlassen und ins Exil zu gehen. Es folgte eine Zeit der Ruhe, in der gegen Ende des elften Jahrhunderts Neubauten auf dem Klostergelände in Angriff genommen wurden. Solche Bautätigkeiten sind immer Ausdruck davon, dass es einer Institution gut geht und in den Erhalt und Ausbau weiter investiert wird. Bis zur Mitte des 13. Jahrhunderts hatte die Abtei ihre Blütezeit.
Im Spätmittelalter gab es eine Stagnation, die jedoch für viele der damaligen Benediktinerorden charakteristisch war. Dies kann darauf zurückgeführt werden, „daß viele Klöster zu Versorgungsanstalten für nachgeborene Söhne des Adels geworden waren“ (Thomas 1968, S. 80). Diese Phase konnte jedoch überwunden werden und es schloss sich wiederum ein Aufstieg an, in dessen Folge es zu baulichen Erweiterungen des Klosters kam.
Unter anderem wurde auch der heute noch stehende Gebäudekomplex in seiner Grundprägung im Jahre 1626 errichtet. Bedingt durch den französischen Einmarsch 1673 folgte ein erstes abruptes Ende, da in die Klostergebäude drei Jahre lang ein Krankenhaus untergebracht wurde, um dann von 1690 bis 1697 als befestigte Wehranlage zu fungieren. Von 1705 bis 1714 wurden die Gebäude wieder von französischen Soldaten benutzt, die zwischenzeitlich abgezogen worden waren. Nach einer lediglich 20-jährigen Rückbesinnungsphase, in der die wirtschaftliche Neuordnung in Angriff genommen wurde, kam es abermals durch die zweijährige Besetzung des Klosters durch französische Truppen zum erneuten Niedergang, indem die Gebäude wiederum als Lazarett zweckentfremdet wurden.

Von der Säkularisation bis heute
Im Zuge der Säkularisation wurde die Abtei 1802 aufgehoben. Zu dieser Zeit lebten nur noch sechs Mönche dort. Es folgte eine Versteigerung des Klostergeländes und eine wechselnde Folgenutzung – unter anderem von 1807-1824 als Porzellanmanufaktur.
Der Westflügel des Abteigebäudes aus dem 17. Jahrhundert im Stil der Spätrenaissance ist heute noch erhalten. Im Jahr 1972 wurde dieser nach längerem Leerstand kernsaniert und zusammen mit einem benachbarten Neubau zu einem Studentenwohnheim umfunktioniert.

(Christoph Jürgens, Universität Koblenz-Landau, 2014)


Name / Patrozinium: Sankt Martin / Martin.
Orden: Benediktinerabtei.

Geschichte (Gründung und Entwicklung bis um 1200):
Der Prokonsul Tetradius soll 385 in Trier das Christentum angenommen und sein Haus am Moselufer dem Bischof Martin übertragen haben, der dieses zu Ehren des Heiligen Kreuzes weihte. Diese Nachricht erscheint glaubwürdig. Aber erst 558 oder 587 fand die Kirchweihe zu Ehren des hl. Martin statt. Ob erst jetzt oder schon vorher eine klosterähnliche Gemeinschaft an diesem Platz existiert hat, ist unbekannt. Durch den Normannensturm von 882 wurde die Kirche verwüstet; Erzbischof Ratbod von Trier übergab sie 899 deshalb dem Abt Regino von Prüm zum Wiederaufbau. Es scheint sich nunmehr um eine benediktinische „cella“ gehandelt zu haben, die allerdings nach dem Tod Reginos (915) in Laienhand zu Lehen gegeben wurde; ihre Besitzungen kamen in der ersten Hälfte des 10. Jahrhunderts zum großen Teil abhanden. Der Trierer Erzbischof Heinrich (956-64) zog einen Strich und wechselte den Mönchskonvent durch Kanoniker aus, die sein Nachfolger Theoderich wieder durch Mönche unter einem Abt Angilbert ersetzte und ihnen 975 ein Privileg des Papstes Benedikt VII. besorgte, das dem Kloster die freie Abtwahl zusicherte und die Beobachtung der Benediktregel forderte. Angilberts Nachfolger Eberwin (995 bis nach 1035) verfaßte die Vita des hl. Bischofs Magnerich, der die Klosterkirche im 6. Jahrhundert geweiht hatte; vielleicht ist er mit dem Abt von Tholey identisch, der nach 1035 die Vita s. Symeonis dem Erzbischof Poppo widmete. Es müssen zu dieser Zeit engere Beziehungen des Klosters St. Martin zum Stift St. Paulin bestanden haben; denn warum sonst nahm Erzbischof Ludolf die Kirche St. Symphorian der Abtei St. Martin weg und übergab sie dem Propst Adalbero von St. Paulin kurz nach dem Jahr 1000?, und warum bestrafte Erzbischof Megingoz (1008-15) das Kloster St. Martin, indem er dessen Besitzungen seinem Gefolge zu Lehen gab, als der Propst Adalbero die erzbischöfliche Legitimität Megingoz' bestritt? Fast hundert Jahre später befand sich das Kloster wiederum in Turbulenzen. Ein Brand veranlaßte die Wiederherstellung der Klostergebäude und 1097 die Weihe der Kirche. Im selben Jahr wurde Theoderich Abt, ein Parteigänger Kaiser Heinrichs IV. und Verfasser von zwei Schriften gegen Papst Gregor VII.; möglicherweise ist er identisch mit dem Mönch in Tholey, der die Vita und Passio des Trierer Erzbischofs Konrad verfaßt hat und nach 1066 als Pilger aus Italien kommend in die Abtei Tholey eingetreten zu sein scheint. St. Martin blieb auch in der Folgezeit eine relativ unbedeutende Abtei. 1227 legte der Trierer Erzbischof Theoderich II. die Zahl der Konventsmitglieder auf 18 fest. (Engels 2006)

Internet
www.bistum-trier.de: Lebenslauf Martin von Tours (abgerufen 30.06.2014, nicht für Internet Explorer)

Literatur

Anton, Hans Hubert (1987)
Trier im frühen Mittelalter. (Quellen und Forschung aus dem Gebiet der Geschichte, Neue Folge, Heft 9.) S. 140, Paderborn u.a..
Engels, Odilo (2006)
Klöster und Stifte von der Merowingerzeit bis um 1200. (Geschichtlicher Atlas der Rheinlande, IX.2.) Bonn.
Thomas, Alois (1968)
Aus der Geschichte des Bistums Trier, Von der spätrömischen Zeit bis zum 12. Jahrhundert. S. 79ff, Trier.

Benediktinerabtei Sankt Martin

Schlagwörter
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 385, Ende nach 1802
Koordinate WGS84
49° 45′ 44,45″ N, 6° 38′ 0,68″ O / 49.76235°, 6.63352°
Koordinate UTM
32U 329574.83 5514895.37
Koordinate Gauss/Krüger
2545688.52 5514168.24

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„Benediktinerabtei Sankt Martin”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-94450-20140613-8 (Abgerufen: 21. November 2018)
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