Bruchmühle am Bruchmühlenweg in Gahlen

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Schermbeck
Kreis(e): Wesel
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Das renovierte Gebäude der ehemaligen Gahlener Bruchmühle (2008). Das Gebäude wird mittlerweile als Wohnung genutzt.

    Das renovierte Gebäude der ehemaligen Gahlener Bruchmühle (2008). Das Gebäude wird mittlerweile als Wohnung genutzt.

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  • Das Mühlrad der Gahlener Bruchmühle (2014), es ist mttlerweile außer Betrieb und wurde zum Gedenken an die Bruchmühle nachgebaut.

    Das Mühlrad der Gahlener Bruchmühle (2014), es ist mttlerweile außer Betrieb und wurde zum Gedenken an die Bruchmühle nachgebaut.

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    Biologische Station im Kreis Wesel
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Etwa einen Kilometer vom Ortskern entfernt befindet sich die Gahlener Bruchmühle. Nur das Mühlrad, das man vom Bruchmühlenweg aus erkennen kann, verrät, dass hier einst eine Mühle in Betrieb war. Die Bruchmühle stand in enger Verbindung zum Hof Heitfeld. Dieser habe, so Rudolf Winck, oberhalb der Bruchmühle gestanden. Zum Mühlenbann der südlichen Gahlener Mühle gehörten auch Gartrop, Teile von Hünxe und Hünxerwald. Im 19. Jahrhundert ging die Bruchmühle in den Besitz der Pächter Winck über. Die Witwe Pauline Winck, geb. Benninghoff, übertrug 1884 die Mühle ihrem Sohn Wilhelm. Südlich der Mühle wurde der Rehrbach zu einem über 5.000 Quadratmeter großen Teich aufgestaut. Wegen des Höhenunterschiedes von 2,40 Meter konnte ein ungewöhnlich hohes Gefälle ausgenutzt werden, sodass ein kleines Mühlrad genügte, das – für den Niederrhein eher selten – oberschlächtig angetrieben wurde. Das heißt, Wasser aus dem Teich strömte von oben in hölzerne Kästen, deren nach unten drückendes Gewicht das Rad zum Umlauf brachte und die Mühlsteine im Inneren des Gebäudes in Bewegung setzte. Bereits vor dem Ersten Weltkrieg wurde eine Dampfmaschine eingesetzt, sodass auch gemahlen werden konnte, wenn das Wasser im Mühlenteich einmal knapp wurde. Als später die Elektrizität Einzug hielt, wurde auch die Bruchmühle von einem 18-PS-Motor angetrieben. Bis 1945 lebte die Familie Winck von den Einkünften der Mühle. Während des Krieges wurde wegen der Stromknappheit auch die Teigmaschine in der Backstube mit Wasserkraft angetrieben.

Das Ende des Wasserrades, dem der Rost im Laufe der Jahrzehnte ohnedies arg zugesetzt hatte, nahte wenige Jahre nach dem Krieg. Als nach der Währungsreform des Jahres 1948 kleine elektrisch betriebene Kornmühlen auf den Bauernhöfen Einzug hielten, verlor die Bruchmühle an Bedeutung. 1950 wurde das Wasserrad entfernt, zumal in dem neuen Steinbau, der den bisherigen Fachwerkbau ersetzte, ein neues, vom Wasser unabhängiges Getriebe Platz fand.

Eine betriebliche Umstrukturierung vom Mühlengewerbe zum Backbetrieb wurde von den Eheleuten Rudolf und Gisela Winck begonnen. Ende der 1980er-Jahre wurde auch dieser Betrieb eingestellt. Der Mühlenbesitzer Rudolf Winck starb im Januar 1991. Als ein pensionierter Steiger Mitte der 1990er-Jahre das Mühlengebäude samt Umland kaufte, gab es schon kein Mühlrad mehr.
Im Jahre 2008 hat der gelernte Schlosser ein neues Mühlrad gebaut. Das Mühlrad mit seinen drei Metern Durchmesser und mit seinen 32 Stufen dreht sich wieder. Der einst zur Bruchmühle gehörende Teich ist verschwunden. Wo 1937 der Einfassungsdeich des Mühlenteiches dem außerordentlichen Druck des Wassers nicht mehr standhalten konnte, wurde 1956 der Teich in ein Freibad umgestaltet in dem sich noch bis Mitte der 1960er-Jahre die Dorfjugend bei Kahnfahrten erfreute.

Heutzutage ist nur noch das Mühlrad unmittelbar an der Straße für die Öffentlichkeit ersichtlich, der Mühlenteich ist hinter Bäumen kaum zu erkennen. Im Vorgarten des Hauses steht auch noch ein alter Mühlenstein.

(Heimatverein Gahlen, 2014. Erstellt in Kooperation mit der Biologischen Station im Kreis Wesel e.V. im Zuge des Projektes „Kulturlandschaft am Niederrhein“. Ein Projekt im Rahmen des LVR Netzwerks Umwelt)

Internet:
www.heimatverein-gahlen.de: Heimatverein Gahlen (Abgerufen am 07.04.2014)

Literatur

Scheffler, Helmut (1989)
Mit der Kraft des Wassers. Die Geschichte der Gahlener Wassermühlen. Schermbeck.
Winck, Rudolf / Scheffler, Helmut (1980)
Die Bruchmühle in Gahlen. In: Schermbeck – gestern und heute. Band 2, S. 19-22. Schermbeck.

Bruchmühle am Bruchmühlenweg in Gahlen

Schlagwörter
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Koordinate WGS84
51° 39′ 30,78″ N, 6° 52′ 23,63″ O / 51.65855°, 6.87323°
Koordinate UTM
32U 352895.6 5725204.11
Koordinate Gauss/Krüger
2560469.22 5725274.09

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„Bruchmühle am Bruchmühlenweg in Gahlen”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-90659-20140416-2 (Abgerufen: 23. Mai 2018)
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