Synagoge in der Rheinstraße Wesel

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Wesel
Kreis(e): Wesel
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Das 1988 in Wesel durch den Xantener Künstler Hans Joachim Gramsch (1933–1993) errichtete Mahnmal zur Erinnerung an die ermordeten Weseler Juden (2017)

    Das 1988 in Wesel durch den Xantener Künstler Hans Joachim Gramsch (1933–1993) errichtete Mahnmal zur Erinnerung an die ermordeten Weseler Juden (2017)

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Die jüdische Gemeinde in Wesel seit dem frühen 19. Jahrhundert:
Ende des 16. Jahrhunderts entstand eine Gemeinde in Wesel. Die Synagogengemeinde umfasste seit der zweiten Hälfte des 19. Jahrhunderts auch Schermbeck (Filialgemeinde), Brünen, Hamminkeln und Ringenberg. 1932 waren Brünen (14 Personen), Hamminkeln (9), Lackhausen, Obrighoven und Ringenberg (6) angeschlossen.
Gemeindegröße um 1815: 176 (1816), um 1880: 240 (1885), 1932: 170, 2006: –.
Bethaus / Synagoge: Eine Synagoge bestand schon Anfang des 17. Jahrhunderts. Mitte des 17. Jahrhunderts wurde Wesel Sitz des klevischen Landesrabbiners. Um 1694 entstand die Privatsynagoge der Familie Gompertz. 1840 wurde eine neue Synagoge eingerichtet, 1938 das Gebäude zerstört (vorstehende Angaben nach Reuter 2007).
„Juden sind in Wesel seit 1266 bezeugt; in der ersten Hälfte des 17. Jahrhunderts wurde eine Synagoge errichtet.“ (Handbuch Historische Stätten 2006, S. 1080)

Synagoge
Im Jahr 1841 wurde in der Rheinstraße ein offenbar bereits bestehendes Backsteingebäude zur Synagoge umgebaut, welches bis 1938 genutzt wurde. Der über den Hof der jüdischen Schule erreichbare Eingang soll sich in Richtung der heutigen Pastor-Bölitz-Straße befunden haben. „Im Erdgeschoss des Gebäudes befand sich eine Wohnung, der eigentliche Synagogenraum lag in der ersten von zwei Etagen.“ (rp-online.de)
Im Zuge der NS-Novemberpogrome wurde das Gotteshaus in der Nacht vom zum 9. auf den 10. November 1938 durch SA-Männer aus Nachbarorten in Brand gesetzt. Noch im gleichen Jahr wurde das Gebäude abgerissen und die Fläche später überbaut, so dass heute keinerlei Bausubstanz mehr vorhanden ist (synagogen.info).
Dass die Zerstörungen nicht durch ortsansässige Personen erfolgten, hatte reichsweit System. Die Anonymität der Handlanger sollte gewahrt werden, so dass die örtlichen SA-Gruppen jeweils in einem anderen Ort agierten: „Die Täter kamen wohl nicht aus Wesel, sondern aus dem Ruhrgebiet und aus Emmerich“ (Dr. Martin Roelen, Leiter des Weseler Stadtarchivs, zitiert nach rp-online.de).
Die hiesige Objektgeometrie weist die Lage des zerstörten Gotteshauses nur symbolisch in der Rheinstraße aus.

Gedenktafel und Mahnmal
Vor Ort weist heute eine Gedenktafel am Haus Rheinstraße 6 auf den ehemaligen Standort der „aus Hass und Verblendung“ zerstörten Synagoge hin: „An dieser Stelle befand sich die letzte Synagoge der jüdischen Gemeinde Wesel.“

Im Jahr 1988 wurde auf einer dem Willibrordi-Dom benachbarten Fläche auf dem Willibrordiplatz ein „Mahnmal zur Erinnerung an die ermordeten Weseler Bürger jüdischen Glaubens in Wesel“ errichtet. Das an die Pogromnacht 1938 und die Zerstörung der Synagoge erinnernde Werk des Xantener Künstlers und Bildhauers Hans Joachim Gramsch (1933-1993) hat die Form eines dreidimensionalen Davidsterns und trägt die Inschrift
„Meine Harfe / ist eine Klage geworden
meine Flöte / ein Weinen
Hiob 30,31“

(Franz-Josef Knöchel, LVR-Redaktion KuLaDig, 2014/2017)

Internet
synagogen.info: Wesel, Rheinstraße (abgerufen 09.04.2014)
www.rp-online.de: „Wesel: Als die Synagoge brannte“ (RP-online vom 31.10.2008, abgerufen 09.04.2014)

Literatur

Groten, Manfred; Johanek, Peter; Reininghaus, Wilfried; Wensky, Margret / Landschaftsverband Rheinland; Landschaftsverband Westfalen-Lippe (Hrsg.) (2006)
Handbuch der Historischen Stätten Nordrhein-Westfalen. HbHistSt NRW, Kröners Taschenausgabe, Band 273, 3. völlig neu bearbeitete Auflage. S. 1079-1085, Stuttgart.
Reuter, Ursula (2007)
Jüdische Gemeinden vom frühen 19. bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts. (Geschichtlicher Atlas der Rheinlande, VIII.8.) S. 91, Bonn.

Synagoge in der Rheinstraße Wesel

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Rheinstraße
Ort
46483 Wesel
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1840 bis 1841, Ende nach 1938
Koordinate WGS84
51° 39′ 22,65″ N, 6° 36′ 34,54″ O / 51.65629°, 6.60959°
Koordinate UTM
32U 334654.47 5725516.96
Koordinate Gauss/Krüger
2542228.34 5724837.42

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„Synagoge in der Rheinstraße Wesel”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-90289-20140409-2 (Abgerufen: 23. Februar 2018)
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