Hülser Bruch

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Kempen, Krefeld, Moers, Neukirchen-Vluyn
Kreis(e): Krefeld, Viersen, Wesel
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Karte mit den Landnutzungen im Bereich des Hülser Bruches bei Krefeld 1828/1830

    Karte mit den Landnutzungen im Bereich des Hülser Bruches bei Krefeld 1828/1830

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  • Karte mit den Landnutzungen im Bereich des Hülser Bruches bei Krefeld 1892

    Karte mit den Landnutzungen im Bereich des Hülser Bruches bei Krefeld 1892

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  • Karte mit den Landnutzungen im Bereich des Hülser Bruches bei Krefeld 1938

    Karte mit den Landnutzungen im Bereich des Hülser Bruches bei Krefeld 1938

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  • Karte mit den Landnutzungen im Bereich des Hülser Bruches bei Krefeld 1991

    Karte mit den Landnutzungen im Bereich des Hülser Bruches bei Krefeld 1991

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  • Karte der Kontinuität der Landnutzungen im Bereich des Hülser Bruches bei Krefeld von 1828 bis 1991

    Karte der Kontinuität der Landnutzungen im Bereich des Hülser Bruches bei Krefeld von 1828 bis 1991

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  • Karte mit der Entwicklung des Wegenetzes im Bereich des Hülser Bruches bei Krefeld von 1828 bis 1991

    Karte mit der Entwicklung des Wegenetzes im Bereich des Hülser Bruches bei Krefeld von 1828 bis 1991

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Das Hülser Bruch liegt im Norden Krefelds am Übergang der kreisfreien Stadt Krefeld zu den Kreisen Viersen und Wesel. Es zeichnet sich heute durch weitgehend entwässerte, ehemalige Bruchwälder, ausgedehnte (mit Kopfweiden bestandene) Grünlandflächen und intensiv genutzte Ackerflächen aus. Das Gebiet wird durch die ortsansässige Bevölkerung heute intensiv als Erholungsraum genutzt.

Das Hülser Bruch als Teil der Niederterrasse mit dem Hülser Berg als südwestlichstem Moränenausläufer der Saaleeiszeit stellt auch heute noch eine weitgehend geschlossene Kulturlandschaft dar.

Naturräumliche Grundlagen
Kulturlandschaft im Wandel
Zeitschnitt 1828/30
Zeitschnitt 1892
Zeitschnitt 1938
Zeitschnitt 1991
Karte der Nutzungskontinuität

Naturräumliche Grundlagen
Das Hülser Bruchgebiet mit dem Hülser Berg ist Teil der mittleren Rheinniederung innerhalb der naturräumlichen Großeinheit Niederrheinisches Tiefland und liegt im Übergangsbereich des Hülser Bruches und des Moerser Donkenlandes. Die Untergrundgesteine aus Sand und Kies entstammen dem Quartär, der geologischen jüngsten Formation.

Die Niederterrasse, die vom Rhein in rund 1 km Entfernung durchflossen wird, wird von einzelnen Altstromrinnen (Niepkuhlen, Flothbach) durchzogen und im Westen von der bis 7 m hohen Geländestufe zur Mittelterrasse begrenzt. Der Hülser Berg, als südlichster Ausläufer des saaleeiszeitlichen Stauchmoränenwalles, erhebt sich auf ca. 63 m aus der Rheinebene. Er ist Krefelds höchste natürliche Erhebung mit einer Länge von 2 km und einer maximalen Breite von 750 m. Aufgeschürfte und zusammengeschobene Kiese und unterlagernde Tonschichten sind in mehrfacher Wiederholung dachziegelartig aufeinandergestapelt. Am Südwesthang des Hülser Berges treten daher abwechselnd Kies- und Tonablagerungen an die Oberfläche, während der Nordosthang mehrschichtig parallel abfällt. Früher war dieser Aufbau in der Kiesgrube der Carstanjen'schen Zementfabrik gut zu erkennen.

Die Flussablagerungen des Rheins, der noch am Ende der letzten Eiszeit (vor ca. 10.000 Jahren) in anderer Form die Niederterrasse durchfloss, hinterließen als Ausgangsmaterialien für die Bodenbildung tonig sandige Schluffe und Sande. Wo das Grundwasser ständig oder auch nur episodisch stand, entwickelten sich aus diesen Flussablagerungen grundwasserabhängige Gleyböden. Die großflächig vorkommenden schweren Auenlehmböden sind schwach durchlüftet und haben eine mittlere Ertragsfähigkeit bei bevorzugter Grünlandnutzung (Bodenwertzahlen 50-65). Kleinflächig entstanden aus den mehr sandigen Ablagerungen leichte Sandböden, die eine geringe Ertragsfähigkeit (Bodenwertzahlen 30-45) und hohe Wasserdurchlässigkeit aufweisen.

Durch Entwässerungsmaßnahmen und Grundwasserabsenkungen, unter anderem verursacht durch den Steinkohlebergbau, verändern sich die Grundwasserböden; infolge dadurch wurde die ursprünglich standortgemäße Grünlandnutzung vielfach durch Ackerbau abgelöst. Die Entwässerungsmaßnahmen im Bruchgebiet begannen bereits im 14. Jahrhundert und wurden im 19. und frühen 20. Jahrhundert intensiviert. Aufgrund der Entwässerungssysteme, der erhöhten Wasserförderung im Umfeld und der Tieferlegung des Rheinbettes ist der Grundwasserstand in den letzten Jahrzehnten um ca. 1 m gesunken. Dadurch sind auch ehemalige Tümpel, die fast in jeder Weide als Viehtränke vorhanden waren, ausgetrocknet. Der Regenwasseranteil der überbauten Flächen gelangt meistens auch nicht mehr ins Bruch, sondern wird über die Kanalisation abgeleitet. Die Grundwasserschwankungen betrugen in den letzten 70 Jahren maximal 3 m; heute betragen sie nur noch ca. 2 m bei insgesamt 1 m abgesunkenem Niveau.

Das ozeanische Klima zeichnet sich durch milde Winter und mäßig warme Sommer aus. Unter diesen Voraussetzungen wächst auf den grundwassernahen Boden als potentielle natürliche Vegetation der Traubenkirschen-Erlen-Eschenwald. Kleinflächig kommen in den feuchten Rinnen der Erlen-Bruchwald und auf den trockeneren Standorten der Eichen-Hainbuchenwald vor. Als Hauptbaumarten wachsen Schwarzerle, Traubenkirsche, Esche, Moorbirke, Stieleiche, Hainbuche und als Begleitgehölze Wasserschneeball, Grauweide, Hasel, Weißdorn, Hartriegel und Pfaffenhütchen.
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Kulturlandschaft im Wandel
Anhand des Kartenvergleichs für den Zeitraum 1828/30 - 1991 unter Beibehaltung der vergleichbaren Flächennutzung kann der Kulturlandschaftswandel gut abgelesen werden. Sowohl der Hülser Berg als auch das Bruchgebiet haben über diesen Zeitraum hinweg einen grundlegenden Wandel erfahren, der auf das Hülser Bruch bezogen ausschließlich anthropogen bedingt war (Kartensequenz 1828/30 - 1991 in der Mediengalerie).

Zeitschnitt 1828/30 (Karte 1)
Eine erste verlässliche Darstellung der Nutzflächen bietet die so genannte Bonitätskarte der Steuerverbände Kempen (bestehend aus den Bürgermeistereien Kempen, Oedt, Vorst, St. Tönis, St. Hubert, Toenisberg, Hüls, Crefeld) von 1828 und Uerdingen (mit den Bürgermeistereien Friemersheim, Uerdingen, Linn, Bockum, Langst, Lank, Strümp, Osterath und Fischelen) von 1830. Die Nutzflächen sind durch Güteklassen unterschieden, was insbesondere an der Terrassenkante zur Kempener Mittelterrasse und dem Übergang zum Hülser Bruch augenfällig wird. Der Zeitschnitt 1828/30 zeigt die natur- und kulturräumliche Situation so, wie sie über Jahrhunderte Bestand hatte, zumal der Mensch nur sporadisch in das Bruchgebiet eingegriffen hat.

Der heute ganz im Stadtgebiet Krefeld liegende Hülser Berg sowie der überwiegend darin liegende Hülser Bruch war zu Beginn des 19. Jahrhunderts administrativ aufgeteilt auf die Gemeinden Sankt Hubert und Hüls. Die Niepkuhlen, die im Osten des Bruchgebietes die natürliche Grenze bilden, gehörten zur Gemeinde Bockum.

Der Hülser Berg war gänzlich waldfrei und diente als Heide und Hutung. Eine wegemäßige Erschließung ist aus den Karten nicht nicht nachweisbar; lediglich am nördlichen Bergfuß verlief eine Wegeverbindung von Hüls in Richtung Niep. Im Bruchgebiet befanden sich weitere Heide- und Hutungsflächen im Orbrucher Bruch sowie zwischen Hökendyk und Flünnertzdyk. Die Holzungen in Form von Bruchwäldern waren auf die Niederungen beschränkt, relativ geschlossen ausgeprägt östlich der Niepkuhlen und südlich zwischen Inrath und Im Klied. Entlang der Tote Rahm, des Fliethgrabens und des Limitgrabens bis zum Waldwinkel waren die Altstromrinnen ebenfalls bewaldet. Die Karte von 1828/30 vermittelt den Eindruck, dass von Hüls ausgehend bis zum Flöthbach die Wiesen-Weide-Nutzung überwiegt, die östlich des Flöthbachs weit in das Bruchgebiet vordringt. Eine Wegeerschließung im Bruchgebiet besteht bereits bis an die Hutungen des Hülser Berges heran.

Relativ geschlossene Ackerländereien bestehen 1828/30 beidseitig des Orbroichs und. zwischen Siebenhäuser und Tönisberg, wo lediglich die Moräne des Achterbergs eine Heidefläche darstellt. Der östliche Abfall zum Abzugsgraben ist im Gegensatz dazu bewaldet. Die Ackerflächen weisen z.T. eine hohe Bonität auf. Dies gilt auch für die Niederterrassenböden um Verberg, Elfrath und Traar, die bereits zu Beginn des 19. Jahrhunderts nahezu geschlossen ackerbaulich genutzt wurden.
Die Siedlungsstandorte sind noch weitgehend topographisch bestimmt und reihen sich beidseitig des Fliethgrabens und als ausgeprägte Reihensiedlung entlang des Siebenhäuser Abzugsgrabens.
Siedlungsleitlinie ist die Terrassenkante zur Kempener Mittelterrasse mit dem historischen Kern von Hüls, übergehend in eine Reihensiedlung, die - aufbauend auf bäuerlich-handwerkliche Mischwirtschaft - bis nach Inrath reicht. Das Siedlungsbild ändert sich grundlegend beidseitig der Niepkuhlen auf den hochwertigen Ackerterrassen, die durch Einzelhofanlagen und Hofgruppen geprägt sind.
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Zeitschnitt 1892 (Karte 2)
Die Zeitschnittkarte 1892 basiert auf der ausgewerteten Neuaufnahme des preußischen Katasterbüros in Maßstab 1:25.000 und zeigt bei der vergleichenden Betrachtung mit der Nutzflächenkartierung von 1828/30 sowohl die Bereiche großer Kontinuität als auch Veränderung. Generel1 sind die Heide- und Hutungsfächen zurückgegangen. Diese Erkenntnis korrespondiert mit gleichartigen Feststellungen in benachbarten Landschaften. Die ehemals geschlossenen Bruchwald-Flächen sind durch erste Meliorationen von Grünland durchbrochen. Heideflächen zwischen Klydbruch und Hülser Bruch wurden aufgeforstet. Damit beschränken sich Ende des 19. Jahrhunderts Heide- und Hutungsflächen auf den Hülser Berg und das Carstanjen-Gelände.

Der Grünlandanteil am Übergang des Mittelterrassenrandes zum Hülser Bruch hat zu Lasten der Bruchwälder stark zugenommen. Die auffälligste Veränderung weist der 1828/30 noch geschlossen vorhandene Niepbusch östlich der Niepkuhlen auf, der nur noch reliktartig vorhanden ist und von Ackerländereien abgelöst wurde. In Zusammenhang damit sind neue Höfe entlang des hochwasserfreien Niepkuhlensaumes entstanden. Der Bruchwald Im Klied ist im Zeitraum 1830-1890 völlig verschwunden, ebenso der Dornbusch zwischen Verberg und Traar sowie kleine Altwasserrinnen zwischen Verberg und Elfrath. So kann festgestellt werden, dass zwischen der L 475 und der Bearbeitungsgrenze im Osten auf der Linie Elfrath und Elfrather-Mühle eine nahezu geschlossene ackerbauliche Nutzfläche entstanden ist, lediglich getrennt durch die Niepkuhlen, deren offene Wasserflächen weiter verlandet sind und bereits teilweise als Wiesen/Weiden genutzt werden.

Einen grundlegenden Wande1 weist auch die Landschaft östlich des Hülser Berges auf, die im Dreieck Lousbill-Virnmannshof und dem engen Nienkuhlen-Mäander bei Niep einer landwirtschaftlichen Ackernutzung unterliegt; nur um den Bergfuß des Hülser Berges überwiegt noch sumpfiges Grünland.
Ein Landschaftsausschnitt mit großer Kontinuität im 19. Jahrhundert ist der Raum zwischen Hüls und Tönisberg. Die Grabensysteme des Fliethgrabens und Flöthbachs haben kaum Veränderungen erfahren; lediglich die Heideflächen sind 1892 bewaldet. Orbroich und Siebenhäuser, jeweils an den Übergängen der Gräben zu den Terrassenkanten gelegen, haben sich auch baulich kaum verändert. An stärksten ist eine Siedlungserweiterung im Bereich zwischen Hüls und Inrath vonstatten gegangen als Folge neuer Industrie-Ansiedlungen und der zentralörtlichen Bedeutung von Hüls. Eine Verdichtung ist in der. 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts auch in Traar und Verberg festzustellen, was möglicherweise bereits auf eine Mobilität, zu dem benachbarten Krefeld und Uerdingen zurückzuführen ist.
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Zeitschnitt 1938 (Karte 3)
Die Zeitschicht 1938 beruht auf einer Auswertung der fortgeschriebenen Topographischen Karte 1:25.000, der Neuaufnahme. Die augenfälligste Veränderung weist der engere Hülser Berg auf, der nach systematischer Aufforstung um die Jahrhundertwende jetzt eine geschlossene Waldkuppe darstellt, während der Bergfuß aufgrund der Meliorationen der 30-er Jahre des 20. Jahrhunderts trockengelegt ist. Die ehemals sumpfigen Wiesen werden bereits als Wiesen- und Weideland genutzt. Damit verbunden ist eine starke Verarmung der Flora und Fauna des feuchten Milieus. Die Waldanteile im ehemaligen Bruchgebiet sind weiter degradiert zugunsten von Grünland. Das wiederum wird in dieser Zeit zunehmend vom Ackerbau abgelöst, am ausgeprägtesten zwischen Flünnertzdyk und Höhendyk, wo innerhalb von exakt 100 Jahren ein Nutzungswechsel von Heideland zu Ackerland erfolgt ist. War bis zum Zeitschnitt 1892 im Bereich Orbroich und Vinbrück/Siebenhäuser die Niederung des Flöthbach durch eine große Nutzungskontinuität ausgezeichnet, so ist der Landschaftswandel bis 1938 einschneidend. Die Trockenregung des Flöthbaches hat den Wald- und Grünlandanteil stark zurückgedrängt zugunsten des Ackerbaus, der selbst auf moorigen Niederungsböden betrieben wird.
Eine interessante Nutzflächen-Entwicklung hat der Landschaftsraum östlich der L 475 genommen. Besonders östlich der Niepkuhlen, die sich in ihrer landschaftlichen Struktur nach Auswertung des Kartenbildes kaum verändert haben, ist der Grünlandanteil im vormals fast ausschließlich ackerwirtschaftlich genutzten Raum zwischen Verberg-Elfrath-Traar wieder angestiegen. Als Begründung kann angenommen werden, dass betriebswirtschaftliche Umstellung, z.B. intensivere Viehhaltung, ausschlaggebend dafür waren infolge des nahen Absatzmarktes Krefeld.

Einen starken Eingriff in die Landschaft stellt die industriel1e Produktionsstätte der Zementfabrik Carstanjen dar, die am Nordabfall des Hülser Berges einen flächenhaften Betrieb mit eigenem Bahnanschluss hatte. Eine Besiedlung des Hülser Bruch und Hülser Bergs setzt mit der Jahrhundertwende allmählich, wenn auch nur sporadisch, ein. Vereinzelt handelt es sich um Restaurationsbetriebe, die der zunehmenden Bedeutung des Hülser Berg/Bruch als Naherholungsgebiet - vor allem für die Stadt Krefeld - Rechnung trugen. Die Siedlungsachse Hüls-Inrath hat sich stark verdichtet und weist nur noch am Plankerdyk eine Lücke auf, die auch heute noch aus stadtklimatischen Gründen von einer Bebauung ausgenommen ist. Bei den Siedlungsverdichtungen um Verberg, Traar und Klied handelt es sich um zentripedale Auswirkungen des städtischen Ballungsraumes Krefeld-Uerdingen.
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Zeitschnitt 1991 (Karte 4)
Die aktuelle Zeitschicht wurde durch eine Geländekartierung 1991 erhoben. Auf einen Blick fällt die starke Siedlungsverdichtung an den Rändern des Hülser Bruch auf als Ergebnis des rasanten städtischen Ausbaus der Stadt Krefeld ab etwa 1970. Trabantensiedlungen in Gestalt einer horizontalen Bebauung wie in Traar und Verberg (beidseitig der Nierskuhlen) werden bestimmende Landschaftselemente, während sich die bereits historisch angelegte Terrassenkanten-Siedlung zwischen dem heutigen Stadtteil Hüls und Inrath stark verdichtet hat. Der gravierendste Einschnitt in diese Landschaft stellt sicherlich die Wohnbebauung nördlich des Hülser Berges dar, die den Landschaftscharakter stark beeinträchtigt. Eine positive Entwicklung dagegen verzeichnet die heutige Industriebrache der Zementfabrik Carstanjen, die zukünftig einer ökologischen Nutzung unterliegen soll. Der Waldanteil im Hülser Bruch ist weiter zurückgegangen, aber dort, wo er überwiegt, ist er geschlossener, d.h. weniger mit Grünlandanteilen durchsetzt. Der Artenbestand hat sich ungünstig entwickelt. Den Erlen-Eschenwäldern ist nach dem Zweiten Weltkrieg häufig die Aufforstung der Hybridpappel gefolgt, die als schnell wachsendes Holz den größten Waldanteil im Bruchgebiet einnimmt. Eine Ausnahme macht der Hülser Berg, der von einem geschlossenen Buchenwald eingenommen wird.
Die Standorte der Ackerkulturen sind weitgehend konstant geblieben, wobei aber häufig bei kleineren Schlägen ein Wechsel zum Grünland hin festzustellen ist. Auffällig ist dies im Klied und zwischen Hüls (Wiesengrund) und Inrath. Die Zunahme erfolgt oftmals in Form von Obstwiesen, die nach dem Niedergang in den 1960 und 1970er Jahren eine Renaissance erleben als Ergebnis eines größer werdenden ökologischen Bewusstseins. Immer häufiger werden am Stadtrand Großflächen für Freizeitaktivitäten in Anspruch genommen. Einschneidendes Beispiel hierfür ist die im Bau befindliche Golfplatzanlage zwischen Elfrather Mühle und Haus Traar.
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Karte der Nutzungskontinuität (Karte 5)
Die Nutzungskontinuität im Untersuchungsgebiet ist weitgehend gekoppelt an die geomorphologischen Gegebenheiten. Auf der Niederterrasse beidseitig der Niepkuhlen sind es ackerbauliche Flächen Im Klied und den offenen Fluren zwischen Verberg, Elfrath und Traar. Der Übergang von schweren Lehmböden (Gley) zu Gley-Parabraunerden, die nach Osten als gut bearbeitete Lehmböden ertragreicher werden, hat hier eine frühe Hofwirtschaft ermög1icht. Noch heute sind die z.T. großen Einzelhofanlagen (Kemmerhof, Milserhof, Vittenhof u.a.m.) Zeugen dieser Entwicklung.
Der nördlich gelegene Niepbusch ist erst im 19. Jahrhundert einer ackerwirtschaftlichen Nutzung zugeführt worden. Von diesem ehemals geschlossenen Waldgebiet sind heute nur die stärker vernässten Ränder - parallel zu den Niepkuhlen gelegen - erhalten geblieben.

Der zweite, relativ geschlossene Standort mit kontinuierlicher ackerbaulichen Nutzung liegt auf der Kempener Platte, die geomorphologisch zur Krefelder Mittelterrasse gehört. Die Ackerflächen werden durch den Fliethgraben, eine pleistozäne Rinne, getrennt. Die hier ausgebildeten Pseudogleye weisen eine Kontinuität der Grünlandnutzung auf. Beidseitig des Fliethgrabens hat sich eine bäuerliche Terrassenkantensiedlung entwickelt. Eine vergleichbare Situation zeigt sich nördlich des Siebenhäuser Abzugsgrabens und des Landwehrbachs, wo zwischen Achterberg und Mühlenberg (Tönisberg) auf Parabraunerden eine kontinuierliche Ackernutzung vorliegt.

Wald- und grünlandwirtschaftliche Flächen gleichbleibender Nutzung im erfassten Zeitraum ab ca. 1830 beziehen sich ausschließlich auf die Niederungsgebiete des Hülser Bruch und der pleistozänen Rinnensysteme. Dabei sind vornehmlich siedlungsfernere Flächen betroffen, die aufgrund der Ausformung als Nassgley zugleich ertragsarme Böden darstellen. Aber auch hier droht nach weiterer Grundwasserabsenkung ein Rückgang der ohnehin nur noch reliktartig vorhandenen natürlichen Wald- und Grünlandnutzung. Während sich entlang, des Limitgrabens die Waldanteile weitgehend erhalten haben, ist beidseitig der Niepkuhlen ein starker Nutzungswandel erfolgt, der dem natürlichen Charakter des Standorts nicht mehr entspricht. Der Flöthbach-Bereich weist eine relativ hohe Nutzungskontinuität durch Grünland auf, bei allerdings gleichzeitiger Verarmung an Pflanzengesellschaften.

Die kartenmäßige Darstellung der Flächen gleichbleibender Nutzung gibt eine Dimension des Kulturlandschaftswandels seit dem frühen 19. Jahrhundert nur unzureichend wieder, zumal sie nicht die Fülle kleingliedriger Elemente wie Wassergräben, Tümpel, Wälle, Hecken etc. berücksichtigen kann. Beträgt der Anteil gleichbleibender Nutzung auf den Ackerstandorten immerhin ca. 70 %, sind es in den Niederungsgebieten gerade einmal 20 %.

Als Ungunstfaktor kommt erschwerend hinzu, dass bei weiterem Absinken des Grundwasserspiegels der typische Charakter des Bruchgebietes zunehmend verloren geht. Es muss von daher erstes Ziel sein, die Möglichkeiten einer - wenn auch nur partiellen - Wiedervernässung zu eruieren.

(Rainer Althoff / Werner Krötz / Susanne Vogel, Landschaftsverband Rheinland - Umweltamt, 1994)
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Literatur

Althoff, Rainer / Krötz, Werner / Vogel, Susanne / Landschaftsverband Rheinland - Umweltamt (Hrsg.) (1994)
Kulturlandschaft Hülser Bruch. Köln.

Hülser Bruch

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Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1828
Koordinate WGS84
51° 23′ 6,07″ N, 6° 31′ 42,32″ O / 51.38502°, 6.52842°
Koordinate UTM
32U 328021.46 5695541.03
Koordinate Gauss/Krüger
2536829.43 5694612.87

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„Hülser Bruch”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-89332-20140331-2 (Abgerufen: 17. August 2018)
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