Pfarrkirche Hilgerath in Beinhausen

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Denkmalpflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Neichen
Kreis(e): Vulkaneifel
Bundesland: Rheinland-Pfalz
Die Pfarrkirche von Beinhausen hat eine Besonderheit. Sie steht nicht im Dorf Beinhausen, sondern auf einer Bergkuppe unmittelbar östlich des Dorfes. Das Pfarrhaus, das 1902 anstelle des alten baufälligen Pfarrhauses errichtet wurde, steht in Beinhausen.

Für das Vorhandensein eines Dorfes bei der Pfarrkirche Hilgerath von Beinhausen gibt es in den schriftlichen Quellen nach Alois Mayer (1987, S. 37) keine Belege oder Anhaltspunkte. Außerdem gibt es auch keine archäologischen Funde, die ein Dorf nachweisen. Belegt ist lediglich, dass dort in vorchristlicher Zeit eine Kultstätte vorhanden war. Wie an vielen anderen Stellen, zum Beispiel am Weinfelder Maar oder auf dem Arnulfusberg bei Walsdorf oder bei der Berndorfer Kirche haben die Eifelmissionare in christlicher Zeit auf dieser Kuppe anstelle des heidnischen Heiligtums eine Kirche errichtet. An dem Heiligtum erinnern zwei so genannte „blaue Donnerkuli“ oder Steinbeile, die bei Grabungen in der römischen Siedlung „In der Heck“ gefunden worden sind (Mayer 1987, S. 37-38).
Im „liber valoris“ der Erzdiözese Köln um 1300 (Oediger 1967) wird die Pfarrei Hilgerath nicht erwähnt. Dies bedeutet nicht, dass dort keine Kirche stand. Es ist aber anzunehmen, dass dort keine Pfarrkirche, sondern eine Kapelle stand. Im Bericht des Bischofs von Trier von 1869 findet sich der Hinweis, dass die Pfarrei 1461 gegründet worden sei. Hierfür gibt es aber keine Bestätigung. Eine Pfarrei wird durch die Erwähnung des „Pfarrers Leonhard von Mehren als Pfarrer in Hilgerath“ von 1500 bestätigt. 1504 werden Kirchenmeister erwähnt: die „Eheleute Tys Kremes von Nerdlen und Greit Frigedanks von Eller, die in Nerdlen wohnte, den Kirchenmeistern von Hilgenrait erblich einen halben Sester Ölgulden des Clais von Beyhausen und des Luyk von Sarmersbach verkauften“.

Kirchlich gehörte Hilgerath zum Eifeldekanat von Kurköln und weltlich zur Erzdiözese Trier. Für alle religiösen Belange war der Erzbischof von Köln zuständig und für weltliche Angelegenheiten wie Steuern, Zehnten und die Rechtsprechung der Erzbischof von Trier und seine Beamten im Amt Daun, die auf der Dauner Burg residierten. Die Hauptzehntherren besaßen als Kollatoren das Recht, den jeweiligen Pfarrer für Hilgerath ernennen.
1798 und 1803 wurde diese Situation mit der Besetzung des linken Rheinlandes durch Frankreich bzw. die Neuordnung der Bistumsgrenzen durch Napoleon verändert. Hilgerath kam nun zur Diözese Trier. Die Name der Pfarrei wurde 1897 von „Hilgerath“ in „Beinhausen“ umbenannt.

Die Pfarrei bestand und besteht aus den Dörfern Nerdlen, Sarmersbach, Kradenbach, Neichen, Beinhausen, Boxberg und Gefell. Zeitweilig gehörten Hörschausen und Katzwinkel, die heute zu Pfarrei Uess gehören, zur Pfarrei Beinhausen. Auch für die abgegangenen Weiler Merzbach bei Boxberg (der Weiler wurde 1651 durch Militär und der Hof Merzbach 1899 durch Brand zerstört) und Scheid gehörten zur Pfarrei Beinhausen. Scheid bei Sarmersbach gehörte dem Kloster Springiersbach. Diesen Hof versteigerten die Franzosen 1805 für 1240 Taler und er wurde später abgetragen.
Wann die erste Kirche errichtet wurde, ist nicht bekannt. Der Bau der zweiten Kirche erfolgte im 15. Jahrhundert. Der noch erhaltene massive Turm weist aufgrund seines Baustils ebenfalls auf dieses Jahrhundert hin.

Über die Gründung der Kirche, deren Ort Gott selbst bestimmt haben soll, berichten einige Sagen. Aus den schriftlichen Quellen ist belegt, dass 1719 das Kirchendach erneuert und 1750 Kirche und Sakristei gründlich überholt wurden. 1803 musste die Kirche bis auf den Turm abgerissen werden. An den Turm wurden ein einfacher Bau mit einem dreiseitigen Chorschluss mit einfachem Rundportal und einer windgeschützten Halle errichtet. Erstaunlich ist die Tatsache, dass der Neubau nicht eingeweiht wurde. Dies geschah erst 1950 nach der Erweiterung des Kirchenschiffs durch einen nördlichen und südlichen Anbau durch Weihbischof Metzroth. Als Schutzpatron wurde im 17. Jahrhundert verschiedentlich Maria erwähnt, aber nach 1744 wird der heilige Hubertus als Schutzpatron von Kirche und Pfarrei genannt.

Zur Innenausstattung der Kirche gehört ein aus einem Stück bearbeitetes Wallfahrtsbild aus Holz, das die Beweinung Christi darstellt, datiert aus dem 15. Jahrhundert. Das 86 cm hohe Bild wurde 1903 restauriert und neu bemalt. Es stellt Maria dar, die aus der Mitte von drei trauernden Frauen herausragt. Über das Knie des Lieblingsjüngers Johannes und das der Maria Magdalena liegt der Leib von Christus. In dieser Darstellung fällt der eingezogene Leib von Christus mit dem eng anliegenden Lendentuch auf, das bei geschlossenen Füßen eine symmetrische Haltung hat. Eindrucksvoll ist das weinende Gesicht der Maria Magdalena. Ein ähnliches Altarbild befindet sich in Singen am Rhein. Nach dem Diebstahl des Bildes tauchte es nach etwa 20 Jahren 1995 bei einem Kunsthändler in Biberach/Riss auf. Dieser meldete das wertvolle Objekt bei der Polizei, wobei festgestellt wurde, dass es sich um die entwendete Muttergottes von Hilgerath handelte. So wurde dieses Bild wieder nach Hilgerath zurückgebracht. Als Dank für die Rückkehr wurde als Gelübde die alljährliche Sternwallfahrt am zweiten Sonntag September von den sieben Dörfern zur Hilgerather Kirche eingeführt.

Der Taufstein ohne Fuß mit einem Durchmesser von 88 Zentimeter, der lange als Regentonne benutzt wurde, steht im am Altar im Chorraum. Rund um die Kirche befindet sich die einzige Begräbnisstätte der Pfarrei. Einige alte und gut erhaltene Grabsteine sind ringsum in die Kirchenwand eingelassen.

Die landschaftswirksame Solitärkirche auf der Bergkuppe ist eine wichtige Landmarke der Verangenheit und Gegenwart, die in der umgebenden Hocheifellandschaft weit sichtbar ist. Seit der Aufstellung von 5 Windenergieanlagen in der Gemarkung Sarmersbach 2004 ist dieses historisch geprägte Landschaftsbild erheblich beeinträchtigt worden.

(Peter Burggraaff, Universität Koblenz-Landau, 2014)

Literatur

Mayer, Alois (1997)
Pfarrei Beinhausen und ihre Kirche. In: Kreis Daun Vulkaneifel, Heimatjahrbuch 1998, S. 37 ff.. Daun.
Mayer, Alois / Mertes, Erich (1993)
Geschichte, Kultur und Literatur der Verbandsgemeinde Kelberg. 92, Adenau.
Mertes, Erich (2001)
100 Jahre Pfarrhaus Beinhausen. In: Landkreis Daun Vulkaneifel, Heimatjahrbuch 2002, S. 221 ff.. 210, Daun.
Mertes, Erich (o.J.)
Die Dörfer der Verbandsgemeinde Kelberg, Ihre erste Erwähnung und Nennung in der Literatur. In: Landeskundliche Vierteljahresblätter 32, 1986, Heft 3, o. O.
Oediger, Friedrich Wilhelm (1967)
Die Erzdiözese Köln um 1300. Erstes Heft. Der Liber Valoris. (Erläuterungen zur Geschichtlichen Handatlas der Rheinlande 9 / Publikationen der Gesellschaft für Rheinische Geschichtskunde 12.) Bonn.

Pfarrkirche Hilgerath in Beinhausen

Schlagwörter
Ort
Beinhausen
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Denkmalpflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Schriften, Auswertung historischer Karten, Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Fernerkundung
Historischer Zeitraum
Beginn 1450 bis 1500
Koordinate WGS84
50° 15′ 22,83″ N, 6° 52′ 47,43″ O / 50.25634°, 6.87984°
Koordinate UTM
32U 348870.09 5569283.11
Koordinate Gauss/Krüger
2562788.4 5569292.41

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„Pfarrkirche Hilgerath in Beinhausen”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-87064-20140304-5 (Abgerufen: 17. November 2018)
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