Römerzeitliche villa rustica in der Gemarkung Bodenbach

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Bodenbach
Kreis(e): Vulkaneifel
Bundesland: Rheinland-Pfalz
  • Schautafel der Geschichtsstraße Kelberg zur Römischen Befestigung (Burgus) in der Flur "Ober der steinigen Heck" bei Bodenbach (Station 17)

    Schautafel der Geschichtsstraße Kelberg zur Römischen Befestigung (Burgus) in der Flur "Ober der steinigen Heck" bei Bodenbach (Station 17)

    Copyright-Hinweis:
    Burggraaff, Peter; Richter Melanie / Verbandsgemeinde Kelberg
    Fotograf/Urheber:
    Burggraaff, Peter; Richter Melanie
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    Dokument
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  • Schautafel der Geschichtsstraße Kelberg zur Römischen Befestigung (Burgus) in der Flur "Ober der steinigen Heck" bei Bodenbach (Station 18)

    Schautafel der Geschichtsstraße Kelberg zur Römischen Befestigung (Burgus) in der Flur "Ober der steinigen Heck" bei Bodenbach (Station 18)

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    Burggraaff, Peter; Richter Melanie / Verbandsgemeinde Kelberg
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    Burggraaff, Peter; Richter Melanie
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Auf der Flur „Ober der steinigen Heck“ ist schon seit langem eine römische Fundstelle bekannt, die durch zahlreiche Ziegel- und Schieferfunde belegt wurde. 2003 wurde der Standort geomagnetisch untersucht. Dabei wurde das Gelände mit einem Magnetometer begangen, das die magnetische Flussdichte misst. Während das ungestörte Magnetfeld der Erde im Magnetogramm fast einheitlich grau erscheint, zeichnen sich Schwankungen als schwarze und weiße Anomalien ab. Sie lassen sich als parallel verlaufende Gräben um einen in der Mitte befindlichen Baukörper interpretieren. Die Anordnung der Gräben sprach zunächst dafür, dass es – so die damalige Annahme - sich um eine spätantike Kleinbefestigung, einen „Burgus“ handelt.

Nach dem damaligen Forschungsstand wäre dies dann der erste Nachweis einer spätantiken Kleinbefestigung in der Vulkaneifel gewesen, weitere Untersuchungen folgten. Kleinbefestigungen errichteten die Römer als Reaktion auf die Germaneneinfälle des 3. Jahrhunderts. Dadurch sollten Fernstraßen gesichert und die Zivilbevölkerung geschützt werden. Nach den Ergebnissen der geomagnetischen Untersuchung schien die Anlage aus drei Wehrgräben um einen nicht näher zu beschreibenden Kernbau zu bestehen. Ob er zusätzlich durch eine Mauer oder eine Holzpalisade gesichert war, kann nur durch weitere archäologische Untersuchungen geklärt werden.

Im Sommer 2007 wurden Georadarmessungen und 2009 geoelektrische Untersuchungen durchgeführt, die aufgrund verbesserter technischer Methoden zu neuen Erkenntnissen geführt haben. Anstatt eines „Burgus“ wurde nunmehr eine befestigte „Römervilla“ vermutet. Im Juni 2010 wurde eine Suchgrabung mit einer Länge von ca. 30 m und eine Breite von 2,0 bis 2,5 m im Torbereich der Anlage unter der Leitung von dem Kölner Archäologen Peter Henrich – Geschäftsführer der deutschen Limeskommission - durchgeführt. Hierbei wurden auch die drei Gräben angeschnitten.
Eine wichtige Erkenntnis nach den geophysikalischen Untersuchungen zeigt deutlich: typologisch gleicht der Befund der Römervilla von Bollendorf an der deutsch-luxemburgischen Grenze (Typ„Bollendorf/Stahl“) in der Westeifel (Henrich 2010, S. 31). Die Suchgrabung ergab somit als Ergebnis, dass die These vom Burgus aufgegeben werden musste.
Nach der Grabung war klar, dass der archäologische Befund eine Besonderheit darstellt. Es handelt sich in Bodenbach um eine Villa mit einer Größe von 27 mal 21 Metern (Henrich 2010, S. 32), die im zweiten Jahrhundert nach Christus gebaut und bis ins dritte Jahrhundert genutzt wurde.

Der Besitzer der Villa verstärkte aufgrund der auftretenden germanischer Übergriffe die Anlage wie ein römisches Militärlager mit einer Mauer und drei Gräben. Einen solchen Befund hat es bislang in dieser Ausführung noch nicht gegeben. Seitdem wurden in Luxemburg und im Rheinland zwei weitere ähnliche befestigte Villen gefunden. Da eine solche Anlage zuerst in der Verbandsgemeinde Kelberg gefunden worden ist, hat dazu geführt, dass die Bauweise inzwischen als „Typ Bodenbach“ bezeichnet wird.
Im Juli 2013 wurde eine größere flächige Grabung in Teilen der Römervilla unter der Leitung von Peter Henrich durchgeführt, deren Ergebnisse demnächst veröffentlicht werden. Nachdem bei der ersten Grabung der Außenbereich untersucht worden ist, wurde nunmehr in Innenbereich gegraben. Das Ziel war, die Datierung der Anlage zu präzisieren.

Die Mauern sind mit 90 cm massiv. Neben vielen Tonscherben von Vasen und Gefäßen wurden auch Glasscherben, Knochen von Tieren und einige Bronzemünzen mit dem Bild von Kaiser Constans gefunden. Er war der jüngste Sohn Konstantins des Großen. Nach Henrich wurde die Anlage nach den neuesten Untersuchungen wahrscheinlich um 330 nach Christus zerstört. Dies wird während der Grabung durch eine Brandschicht belegt. Es wurde überraschenderweise keine Keramikfunde gemacht. Henrich vermutet: „die Villa scheint wirklich besenrein verlassen worden zu sein.“
Überliefert sind Mauerreste und Treppenstufen in den Keller, die damals mit Holz belegt waren. Es wurde dort auch eine Öllampe aus Metal gefunden. Weiterhin wurde die Schräge eines Kellerfensters entdeckt. Daneben sind bei der Grabung Pfostenlöcher sowie eine römische Drainage freigelegt worden.
Um die Mauer- und Fundamentreste weiter zu konservieren wurde die Grabung wieder zugeschüttet. Gleichzeitig wurde eine Präsentationsform der Befunde überlegt. In enger Absprache mit Henrichs wurde eine „Rekonstruktionsmaßnahme“ der befestigten Villa mit dem Titel „Museum in der Landschaft realisiert. Mit Bepflanzungen, Kiesmarkierungen und unterschiedlich gefärbten Rasenarten wurde die Villa sichtbar gemacht. Die Höhe der Anlage wurde mit Stangen kennbar gemacht. Am 19.7.2015 wurde die Anlage im feierlichen Rahmen eröffnet.

Die befestigte Römervilla gehört zum zweiten Abschnitt der Geschichtsstraße. Auf den Stationen 17 und 18 ist der alte Forschungsstand dargestellt und mit der Fertigstellung des Landschaftsmuseum sind auf den Stationen 15 und 16 die neuesten Forschungsergebnisse abgebildet worden.

(Peter Burggraaff, Universität Koblenz-Landau, 2014, ergänzt 2015)

Literatur

Burggraaff, Peter (2009)
Die Geschichtsstraße Kelberg als vermittelndes interkommunales Projekt. In: Vermittlung von Kulturlandschaften. Initiative zur Förderung des Kulturlandschaftsbewusstseins (hrsg. vom Bund Heimat und Umwelt in Deutschland), S. 73-83. Bonn.
Burggraaff, Peter / Kleefeld, Klaus-Dieter / Bundesamt für Naturschutz und Bund Heimat und Umwelt (Hrsg.) (2010)
Landschaft erzählen – die Geschichtsstraße in Kelberg (Eifel) als Fallbeispiel für die Erläuterung von Natur- und Kulturerbe. In: Wege zu Natur und Kulturlandschaft (hrsg. vom Bund Heimat und Umwelt in Deutschland), S. 56-71. Bonn.
Henrich, Peter (2010)
Die in der Spätantke befestigte römische Villa von Bodenbach, Landkreis Vulkaneifel. Vorbericht zu den geophysikalischen Prospektionen und Grabungen 2003-2010. In: Funde und Ausgrabungen im Bezirk Trier 42, S. 31-43. o. O.
Henrich, Peter / Mischka, Carsten (2003)
Der römische Burgus von Bodenbach, Kreis Daun. In: Funde und Ausgrabungen im Bezirk Trier 35, S. 53-59. 53-59, o. O.

Römerzeitliche villa rustica in der Gemarkung Bodenbach

Schlagwörter
Ort
Bodenbach
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Auswertung historischer Fotos, Geländebegehung/-kartierung, Fernerkundung, Auswertung historischer Schriften
Historischer Zeitraum
Beginn 100 bis 300
Koordinate WGS84
50° 18′ 43,83″ N, 6° 51′ 31,47″ O / 50.31218°, 6.85874°
Koordinate UTM
32U 347544.81 5575533.4
Koordinate Gauss/Krüger
2561212.21 5575485.22

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„Römerzeitliche villa rustica in der Gemarkung Bodenbach”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-86753-20140223-2 (Abgerufen: 20. August 2018)
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