Richtstätte „Grüner Weiher“ in der Gemarkung Sassen

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Sassen
Kreis(e): Vulkaneifel
Bundesland: Rheinland-Pfalz
  • Informationstafel, Erster Abschnitt der Geschichtsstraße: Station 12 Grüner Weiher.

    Informationstafel, Erster Abschnitt der Geschichtsstraße: Station 12 Grüner Weiher.

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    Burggraaff, Peter
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  • Ausschnitt einer historischen Karte (um 1619) an der "hohe Landstraß nach Meyyen" mit der Darstellung von Hinrichtungsstätten.

    Ausschnitt einer historischen Karte (um 1619) an der "hohe Landstraß nach Meyyen" mit der Darstellung von Hinrichtungsstätten.

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An dieser Stelle im Wald gab es bis 1795 mit dem „Grünen Weiher“ eine Hinrichtungsstelle, an der Verurteilte durch Ertränkung hingerichtet wurden.

Der Name „Grüne Weiher“ stammt sprachgeschichtlich nicht von dem ihn umgebenden Waldesgrün; wir müssen seine Deutung vielmehr im Rechtswahrzeichen suchen. In historischer Zeit war innerhalb des Hoch- oder Halsgerichtes die Rede von einer „Grünen Gerichtsbarkeit“, bezugnehmend auf Straftäter, die auf frischer Tat ertappt wurden. Ein Gerichtsverfahren war deswegen als nicht notwendig angesehen worden und der Täter konnte sofort durch Erhängen oder Ertränken hingerichtet werden. Die Tat „in flagranti“ war noch frisch und grün wie junge Blätter im Mai. Daher wurde ein Baum, an dem Missetäter unmittelbar nach der Tat aufgehängt wurden, als „Grüner Baum“ bezeichnet. In dem „Grünen Weiher“ wurden die Verurteilten sofort durch Ertränken hingerichtet.

So stand z.B. auf Kindestötung seit dem Mittelalter bis in die Neuzeit hinein, die Todesstrafe durch Ertränken. Solche verurteilten sogenannten „Huren“ (= Verbrecher) durften aber nicht auf einem christlichen Friedhof beerdigt werden, sondern wurden am „Hurenweg“, im benachbarten „Hurenbüsch“ verscharrt. Noch bis in die 1930er Jahre wurde dort auch das verendete Vieh vergraben.
Bis 1795 war der Henker des Gerichtes Retterath gleichzeitig Abdecker für das gefallene Vieh. Er wohnte in Mannebach. Wenn in trockenen Jahren der Grüne Weiher kein Wasser führte, fanden die Hinrichtungen im Grünbach an der Gemeindegrenze zwischen Retterath und Lirstal rechtsseitig in die Elz, statt. Kurz vor der Einmündung des Grünbachs in den Elzbach heißt die dortige Retterather Wiese „Hurenwiese“ (Hurren Wies, Flur 8)

Vor einigen Jahren (2010) ist der grüne Weiher ehrenamtlich von Mitgliedern des Gewerbe- und Fremdenverkehrsvereins Uersfeld und Umgebung (www.oberes-elztal.de) wieder hergerichtet worden und es wurde ein Steg angelegt (Geschichtsstraße Kelberg, Abschnitt I, Station 12).

(Peter Burggraaff, Universität Koblenz-Landau, 2014)

Literatur

Burggraaff, Peter (2009)
Die Geschichtsstraße Kelberg als vermittelndes interkommunales Projekt. In: Vermittlung von Kulturlandschaften. Initiative zur Förderung des Kulturlandschaftsbewusstseins (hrsg. vom Bund Heimat und Umwelt in Deutschland), S. 73-83. Bonn.
Burggraaff, Peter / Kleefeld, Klaus-Dieter / Bundesamt für Naturschutz und Bund Heimat und Umwelt (Hrsg.) (2010)
Landschaft erzählen – die Geschichtsstraße in Kelberg (Eifel) als Fallbeispiel für die Erläuterung von Natur- und Kulturerbe. In: Wege zu Natur und Kulturlandschaft (hrsg. vom Bund Heimat und Umwelt in Deutschland), S. 56-71. Bonn.
Burggraaff, Peter / Kleefeld, Klaus-Dieter / Mertes, Erich (1996)
Geschichte erwandern und erleben. Erster Abschnitt der Geschichtsstraße der VG Kelberg. In: Heimatjahrbuch Kreis Daun Vulkaneifel 1997, S. 183-191. Daun.
Mertes, Erich / Dickel, Klaus (2006)
Chronik von Sassen. 79-80, Prüm.

Richtstätte „Grüner Weiher“ in der Gemarkung Sassen

Schlagwörter
Ort
Sassen
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Schriften, Auswertung historischer Karten, Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Fernerkundung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1500 bis 1600, Ende nach 1795
Koordinate WGS84
50° 15′ 53,57″ N, 6° 59′ 9,39″ O / 50.26488°, 6.98594°
Koordinate UTM
32U 356458.29 5570022.47
Koordinate Gauss/Krüger
2570342.05 5570336.88

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„Richtstätte „Grüner Weiher“ in der Gemarkung Sassen”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-86107-20140222-3 (Abgerufen: 26. Mai 2018)
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