Regierungspräsidium Düsseldorf

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Düsseldorf
Kreis(e): Düsseldorf
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Vorgeschichte
Internationaler Diplomatie zufolge war Preußen durch die Verhandlungsergebnisse auf dem Wiener Kongress die Rolle der „Wacht am Rhein“ aufgedrängt worden. Für die Eingliederung der neuen Lande in die bereits festgefügte Staatsindividualität bediente man sich vornehmlich der bewährten staatlichen Verwaltungsorganisation, wozu als Mittelinstanz die Behörde des Regierungspräsidenten gehörte. Die Präsidenten mit ihren vielfältigen Aufgaben und Befugnissen sollten die für den Staatsbürger am deutlichsten spürbaren Hoheitsträger preußischer Staatsgewalt sein. Der Neuanfang erfolgte nicht in allem abrupt, gelegentlich ist ein bewusstes, behutsames Aufgreifen rheinischer Tradition zu beobachten: Die Entdeckung deutscher, näherhin rheinischer Geschichte und ihre romantische Aktualisierung standen somit durchaus im Dienste realistischer Politik. Bewusst und nicht zufällig wurde im Mai 1815 die alte „Kaiserkrönungsstadt“ Aachen als Ort der Huldigung der Stände gewählt. Bei der Einrichtung der Regierungspräsidien bevorzugte Berlin die Rheinstädte, die in den letzten Jahrhunderten Sitze von Regierungsbehörden der alten Territorien gewesen waren.
In Düsseldorf bezog der Präsident bezeichnenderweise Wohnung in der „alten Residenz“, dem für Joachim Murat, den Großherzog von Berg, teilweise wiederhergestellten ehemaligen kurfürstlichen Marstallgebäude. Die Regierung selbst war in dem gegenüberliegenden Gebäude, dem ehemaligen Jesuitenkolleg, untergebracht.
Die ersten größeren Baumaßnahmen der neuen Machthaber in der Rheinprovinz, der Umbau des Regierungsgebäudes in Düsseldorf und die Neubauten in Aachen und Köln, stehen, obwohl letztere von im Rheinland geborenen Architekten entworfen, ganz im Zeichen preußischer Repräsentationsarchitektur des Klassizismus Schinkelscher Prägung. Sie weisen im Gegensatz zu den Bauprojekten nach der Reichsgründung in ihrer Architektur und Ikonographie keinen landschaftlichen Bezug auf, sie waren ein Berlin-Import. Ganz besonders deutlich wird dies bei der Fassadengestaltung des 1816 begonnenen Umbaus des ehemaligen Jesuitenkollegs in Düsseldorf zum Regierungsgebäude, Schinkels eigenhändiges Werk. Er verzichtete auf einen Mittelrisalit im herkömmlichen Sinne, betonte mit einem antikisierenden Tor die Mitte der Fassade, an das sich die Fenster gleichmäßig nach beiden Seiten reihten.
Die qualvolle Enge inmitten des kleinteiligen Altstadtgefüges ließ eine breitere räumliche Ausdehnung der stark expandierenden Behörde nicht zu; ihre Verlagerung war deshalb schon vor der Jahrhundertwende ein stets aktuelles Thema. Ein Neubau bot zugleich den willkommenen Anlass einer imposanten Selbstdarstellung, der signifikanten Anknüpfung an kurfürstliche Vergangenheit der ehemaligen Residenzstadt Düsseldorf. Über den historischen Bezug hinaus aber hatte er vor allem die besondere Stellung des Regierungsbezirks Düsseldorf zum Ausdruck zu bringen: Nirgends im Reich wohnten die Menschen so gedrängt wie in diesem 5.417 km2 großen Bezirk mit seinen nahezu 3,5 Mio. Einwohnern – 10% der Gesamtbevölkerung Preußens. Von dem 1910 in Preußen zu erhebenden Einkommensteuerbetrag von rund 338 Mio. Mark entfielen auf den Düsseldorfer Bezirk 39,4 Mio. Mark.

Lage
Dieser herausragenden Stellung galt es auch auf baulichem Sektor in adäquater Weise Ausdruck zu verleihen. Nachdem ein am Berger Ufer gelegenes Grundstück von 9.000 m2 als zu klein befunden worden war, ging man schließlich auf das Angebot der Stadt Düsseldorf ein, die gegen Überlassung der alten Gebäude ein 16.225 m2 großes Grundstück direkt am Rhein nördlich des Kunstpalastes auf der „Golzheimer Aue“ kostenlos zur Verfügung stellte.

Entwurf
Ein Vorentwurf wurde im Februar 1905 in der Hochbauabteilung des Ministeriums der öffentlichen Arbeiten unter Leitung des Geheimen Oberbaurats Paul Kischke von dem Regierungs- und Baurat Schmalz angefertigt, der aber von dem Düsseldorfer Regierungs- und Baurat Endell grundlegend überarbeitet wurde. Die eigentliche künstlerische Konzeption des Gebäudes ist dem von Potsdam nach Düsseldorf versetzten Baurat Traugott von Saltzwedel zu verdanken.

Würdigung
Als Teil einer repräsentativen Rheinuferbebauung ist der Bau des Regierungsgebäudes von hervorragender städtebaulicher Bedeutung. Was an geistiger Einstellung dahinter zu vermuten und was am Baustil eindeutig ablesbar ist, wird überdeutlich in der von dem Regierungspräsidenten Dr. Francis Kruse anlässlich der Einweihungsfeier geäußerten Redewendung von der Übersiedlung „in das neue Schloss am Rhein.“ Das neue Gebäude der Königlichen Regierung, dessen Präsident dem volkreichsten Bezirk der Monarchie vorstand, hatte unzweifelhaft als Ersatz für das 1872 durch Feuer vernichtete, aber noch bis 1904 in Teilen als Ruine stehengebliebene Kurfürstliche Schloss zu gelten. In der bewusst anachronistischen, rheinländische Tradition aufnehmenden Architektur sollte die preußische Staatssouveränität eine neue Interpretation erfahren.

(Autor: Prof. Dr. Gisbert Knopp, Bearbeitet von: Suzan Leblebici, Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz, 2014)

Literatur

Knopp, Gisbert (2008)
Regierungspräsidium und Oberlandesgericht in Düsseldorf (2. vollst. überarb. und erg. Auflage). (Rheinische Kunststätten, Heft 428.) Köln.

Regierungspräsidium Düsseldorf

Schlagwörter
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1907 bis 1911
Koordinate WGS84
51° 14′ 16,36″ N, 6° 46′ 22,05″ O / 51.23788°, 6.77279°
Koordinate UTM
32U 344526.56 5678635.02
Koordinate Gauss/Krüger
2554013.3 5678394.2

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„Regierungspräsidium Düsseldorf”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-86097-20140216-2 (Abgerufen: 15. August 2018)
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