Denkmalbereich „Emmerich-Elten“

Orstkern

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Fachsicht(en): Denkmalpflege
Gemeinde(n): Emmerich am Rhein
Kreis(e): Kleve (Nordrhein-Westfalen)
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 51° 52′ 17,87″ N: 6° 09′ 32,5″ O / 51,87163°N: 6,15903°O
Koordinate UTM 32.304.427,31 m: 5.750.576,18 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.510.995,95 m: 5.748.631,87 m
  • Die ehemalige Stiftskirche und heutige Pfarrkirche St. Vitus in Elten (20159

    Die ehemalige Stiftskirche und heutige Pfarrkirche St. Vitus in Elten (20159

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  • Das ehemalige Abtissinnenhaus in Elten mit dem Drususbrunnen (2015)

    Das ehemalige Abtissinnenhaus in Elten mit dem Drususbrunnen (2015)

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  • Drususbrunnen auf dem Eltenberg (Hoch-Elten,2015)

    Drususbrunnen auf dem Eltenberg (Hoch-Elten,2015)

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  • Das ehemalige Abtissinnenhaus von 1667 in Hoch-Elten (2015)

    Das ehemalige Abtissinnenhaus von 1667 in Hoch-Elten (2015)

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  • Das Stein-Tor in Hochelten (2015)

    Das Stein-Tor in Hochelten (2015)

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  • Das sogenannte Steintor mit der ehemaligen Stiftskirche St. Vitus in Hoch-Elten im Hintergrund (2015)

    Das sogenannte Steintor mit der ehemaligen Stiftskirche St. Vitus in Hoch-Elten im Hintergrund (2015)

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  • Das ehemalige Abtissinnenhaus auf dem Stiftsberg in Elten von der Westseite gesehen (2015)

    Das ehemalige Abtissinnenhaus auf dem Stiftsberg in Elten von der Westseite gesehen (2015)

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  • Das ehemalige Abtissinnenhaus auf dem Stiftsberg in Elten (2015)

    Das ehemalige Abtissinnenhaus auf dem Stiftsberg in Elten (2015)

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  • Ostansicht der ehemaligen Stiftskirche St. Vitus auf dem Stiftsberg in Elten (2015)

    Ostansicht der ehemaligen Stiftskirche St. Vitus auf dem Stiftsberg in Elten (2015)

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  • Turm der Kirche des Stifts Elten (2012)

    Turm der Kirche des Stifts Elten (2012)

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Lage und Geschichte
Nördlich von Emmerich, kurz vor der niederländischen Grenze, und etwa 5 km vom Rhein entfernt, erhebt sich in der flachen niederrheinischen Landschaft der Eltenberg, ein kegelförmiges Relikt einer Staumoräne der letzten Eiszeit. Hier liegt der Ort Elten. Er besteht aus zwei Teilen: Hochelten mit der Stiftskirche auf dem Berg und der Marktort Niederelten an seinem Fuß.

Um 900 besaßen die Grafen von Hamaland auf dem Eltenberg ein Kastell. Anfang des 10. Jahrhunderts entstand als gräfliche Eigenkirche ein erster Kirchenbau. Nach Aussterben der gräflichen Linie 967 gründete Graf Wichmann auf dem Berg ein Kanonissenstift, ein freiadeliges Damenstift unter der Führung seiner Tochter als erster Äbtissin. Im darauf folgenden Jahr schenkte Kaiser Otto I. dem Stift die Reichsgüter, mit denen der Graf belehnt war. Im selben Jahr als Familienstift bestätigt, erfolgte 970 die Weihe der Kirche St. Vitus, drei Jahre später die Erhebung zum Reichsstift. Mit der Blüte wuchs die Siedlung am Fuß des Berges und entwickelte sich, gestützt auf Jagd, Fischfang und Viehzucht, begünstigt durch die Nähe der Fernstraße von Köln nach Amsterdam, zu einem wichtigen Umschlagplatz, an dem sich auch zunehmend Handwerker ansiedelten. Die Haupteinnahmequelle waren jedoch die Bierbrauereien. 1142 bestätigte der Erzbischof von Köln zwischen den „villen“ Wesel, Xanten, Rees, Emmerich, Elten, Dötekum und Schmithausen gegenseitige Zollfreiheit. Die in der ersten Hälfte des 11. Jahrhunderts begonnene romanische Kirche St. Martinus wurde noch im 11. Jahrhundert von der Abtei gelöst und der Adelgundiskirche in Emmerich unterstellt, ab 1313 wieder selbständige Pfarrkirche und 1450 durch einen Neubau im gotischen Stil ersetzt.
1719 fiel ein großer Teil des Ortes einem flächenhaften Brand zum Opfer. Ab 1802 unterstanden Stift und Abtei dem preußischen Staat, 1811 wurde das Stift unter französischer Herrschaft säkularisiert, seit 1815 wieder preußisch, wurden die Abtei- und Stiftsgebäude 1834 auf Abbruch verkauft, so dass in der Folge nur wenige Reste erhalten blieben. Seit 1815 ist die ehemalige Stiftskirche St. Vitus Pfarrkirche.

Mit der Eröffnung des Bahnhofes 1856 erhielt Elten Anschluss an die Bahnstrecke Arnheim-Oberhausen. 1894 wurde Hochelten Luftkurort. In beiden Weltkriegen war der Eltenberg ein strategisch wichtiger Punkt. Im Zweiten Weltkrieg in Teilen zerstört, unterstand Elten von 1949 bis 1963 der niederländischen Auftragsverwaltung und wurde wieder aufgebaut. Seit 1975 ist Elten Ortsteil von Emmerich.

Der Denkmalbereich
Der Denkmalbereich umfasst den Berg mit Stiftskirche und den Resten der wieder aufgebauten ehemaligen Stiftsgebäude, die Siedlung Niederelten, die verbindende Allee einschließlich der begleitenden Bebauung und die in der weiten Rheinebene markanten Sichtbezüge nach Kleve und Emmerich. Ziel des Denkmalbereichs ist die Erhaltung beider in sich geschlossenen, aber dennoch unlösbar miteinander verknüpften Teilbereiche Hochelten und Niederelten mit den dazugehörigen Grün- und Freiflächen. Schutzgegenstände sind der Grundriss, die aufgehende Bausubstanz insgesamt, die Freiflächen und die Silhouette.

Der Grundriss
Sowohl die in der preußischen Urkatasteraufnahme aus dem Jahre 1821 eingetragene Wegeführung als auch die Parzellierung entsprechen weitgehend der heutigen Situation. Die auf dem Bergsporn geradlinig bergab verlaufende Birkenallee ist planmäßig angelegt und führte wohl ursprünglich zu einem auf der Westspitze gelegenen Aussichtspunkt. Der Weg „Blick ins Rheintal“ endet heute noch an einem befestigten Aussichtspunkt.

Die aufgehende Bausubstanz
Hochelten wurde vom 12. bis zum 19. Jahrhundert durch die zum Stift zugehörigen Bauten geprägt. Die Auflösung des Stiftes mit Verkauf der Stiftsgebäude auf Abbruch, die Ernennung zum Luftkurort und schließlich die starken Kriegszerstörungen veränderten den Charakter. Während die heutige Substanz, vor allem des östlichen Bergkamms, als ein gehobenes Wohnviertel in Erschließung und Infrastruktur auch von der touristischen Nutzung als Ausflugsziel zeugt, beherrscht das Plateau die im Kern aus der Stiftszeit stammende Bebauung, bestehend aus der mächtigen Kirche St. Vitus und den die „Freiheit“ umgebenden Einzelbauten des 17., 18. und 19. Jahrhunderts (Freiheit 1, 2, 3, 5 und 7).

Niederelten entwickelte sich entlang der am Marktplatz zusammentreffenden Landstraßen und um den Marktplatz; hier steht auch die katholische Pfarrkirche, die mit ihrem hochaufragenden Ostchor und dem mächtigen Turm die städtebauliche Dominante bildet. Der Marktplatz wird gefasst von zweigeschossigen, traufständigen Bauten in geschlossener Bauweise mit unterschiedlichen Geschosshöhen. Die zumeist hell verputzten Massivbauten des 18. und 19. Jahrhunderts sind mit hohen, geschlossenen Walmdächern gedeckt, ihre symmetrisch eingeteilten Straßenfassaden weisen als einzige Zierformen profilierte Traufgesimse und abgesetzte Fenster- und Türgewände auf. Die hochrechteckigen Fenster sind teilweise sprossengeteilt mit Oberlichtern, die mittig gelegenen Türen in schlichten Schmuckformen gestaltet. Ein zweites geschlossenes Ensemble entstand um 1900 entlang der Südseite der zum ehemaligen Bahnhof führenden Lobither Straße. Vier villenartige Wohnhäuser (Nr. 1, 3, 5, 7) auf großen Grundstücken treten in Kubatur und Gestaltungsaufwand hervor.
Insgesamt zeichnet sich der Ort Elten durch sein besonders gut erhaltenes historisches Erscheinungsbild aus, durch das die Entwicklung als Handelsstätte zusammen mit dem bedeutenden Stift auf dem Berge noch heute ablesbar ist.

Die Silhouette
Eltenberg und Klever Berg bilden seit jeher als „Eingangstor“, durch das der Rhein den Niederlanden zufließt, ein unverwechselbares Wahrzeichen des Niederrheins.
Vor allem von der Rheinseite aus beeindruckte die das flache Land beherrschende Silhouette von Eltenberg und Stift seit dem 17. Jahrhundert die Landschaftsmaler, zahlreiche Gemälde, Zeichnungen und Stiche zeugen davon. So wurde der Eltenberg unter dem kurbrandenburgischen Statthalter Johann Moritz von Nassau als Teil eines Landschaftskunstwerks in die 1653-57 angelegte Parklandschaft um den Klever Berg einbezogen. Gemäß der Planung wurde das gesamte umliegende Klever Land mit einem Netz von Alleen überspannt, die auf bedeutende Landmarken gerichtet waren, zu denen der Berg mit Stiftskirche als wirkungsvoller „point de vue“ zählte.

Ziele des Denkmalbereichs sind:
  • Der Schutz des Erscheinungsbildes mit Proportionen, Formen und Verdichtung entlang der historischen Straßenzüge, dem Markt als Ortsmittelpunkt Niedereltens und dem von der Kirche St. Vitus überhöhten Plateau Hocheltens.
  • Die Erhaltung der Grün- und Freiflächen samt historischer Parzellierung, der topographischen Situation des Eltenbergs mit bewaldetem Steilhang auf den Süd- und Westseiten und mit dem sanft abfallenden Nordhang.
  • Die Erhaltung der historischen Wegeführung, die auf dem Nordhang des Eltenbergs teilweise nur noch in der Parzellierung, Topographie und Bepflanzung ablesbar ist.
  • Die Erhaltung der insbesondere nach Süden und Westen wirksamen Silhouette.

Die Satzung trat 1998 in Kraft.

(Elke Janßen-Schnabel, LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, aus: Pufke (Hrsg.) 2016)

Literatur

Binding, Günther / Janssen, Walter / Jungklass, Friedrich K. (1970)
Burg und Stift Elten am Niederrhein. Archäologische Untersuchungen der Jahre 1964/65. (Rheinische Ausgrabungen 8.) Düsseldorf.
Clemen, Paul (1892)
Die Kunstdenkmäler des Kreises Rees. (Die Kunstdenkmäler der Rheinprovinz, 2 Bände.) Düsseldorf.
Dattenberg, Heinrich (1967)
Niederrheinansichten holländischer Künstler des 17. Jahrhunderts. (Die Kunstdenkmäler des Rheinlands, Beiheft 10.) Düsseldorf.
Dederich, Andreas (1971)
Annalen der Stadt Emmerich, Nachdruck der Originalausgabe von 1867 mit Anhang. Düsseldorf.
Düffel, Jakob (1955)
Zur Geschichte der Stadt Emmerich und ihrer nächsten Umgebung. Emmerich.
Gies, Leo (1951)
Elten - Land und Leute. Eine Chronik vergangener Zeiten. Kleve.
Knopp, Gisbert (1977)
Der Eltenberg. In: Der Landkreistag 1, S. 6. o. O.
Pufke, Andrea (Hrsg.) (2016)
Denkmalbereiche im Rheinland. (Arbeitsheft der rheinischen Denkmalpflege 83.) S. 150-153, Petersberg.
Sluyter, J. J. (1897)
Der Eltenberg, Separatabdruck aus der Niederrheinischen Zeitung. Emmerich.
Wassenberg, Eberhard (1984)
Embrica, die 1667 erschienene Stadtgeschichte Emmerichs (in der Übersetzung von Rudolf Reis). Teil 2. (Emmericher Forschungen, 6.) Emmerich.
Wassenberg, Eberhard (1983)
Embrica, die 1667 erschienene Stadtgeschichte Emmerichs (in der Übersetzung von Rudolf Reis). Teil 1. (Emmericher Forschungen, 5.) Emmerich.
Wassenberg, Eberhard / Beckschaeffer, Alwin (1933)
Embrica. Eine anno 1667 erschienene lateinische Beschreibg der Stadt Emmerich, ... anno 1933 ins Hochdeutsche übersetzt und ...umgeändert und erweitert durch Alwin Beckschaeffer. Emmerich.

Denkmalbereich „Emmerich-Elten“

Schlagwörter
Ort
46446 Emmerich - Elten
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Denkmalbereich gem. § 5 DSchG NW
Fachsicht(en)
Denkmalpflege
Erfassungsmaßstab
Keine Angabe
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Auswertung historischer Schriften, Auswertung historischer Karten, Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Archivauswertung

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„Denkmalbereich „Emmerich-Elten“”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-80342-20131128-5 (Abgerufen: 29. November 2020)
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