Bergwerk Glückliche Elise im Einsiedlertal

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Archäologie
Gemeinde(n): Bad Honnef
Kreis(e): Rhein-Sieg-Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Gebäuderest der Erzwäsche im Bergwerk Glückliche Elise im Einsiedlertal in Bad Honnef (2013)

    Gebäuderest der Erzwäsche im Bergwerk Glückliche Elise im Einsiedlertal in Bad Honnef (2013)

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    Ullrich-Wick, Ursula / LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland
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  • Teil eines Stollenmundlochs des Bergwerks Glückliche Elise im Einsiedlertal in Bad Honnef (2013)

    Teil eines Stollenmundlochs des Bergwerks Glückliche Elise im Einsiedlertal in Bad Honnef (2013)

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  • Maschinenfundament der Erzwäsche des Bergwerks Glückliche Elise im Einsiedlertal in Bad Honnef (2013)

    Maschinenfundament der Erzwäsche des Bergwerks Glückliche Elise im Einsiedlertal in Bad Honnef (2013)

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Objektstandort
Die Grube „Glückliche Elise – Grube Theresia“ liegt im Einsiedlertal, einem Seitental des Schmelztals.

Kurzbeschreibung
Die Reste des neuzeitlichen Bergwerks befinden sich circa 3 Kilometer nordöstlich des Zentrums von Bad Honnef im Einsiedlertal entlang des Löwenburger Wegs im Wald. Die obertägig sichtbaren Relikte der ehemaligen Erzwäsche, Pingen, Halden und Stollenmundlöcher sind zum Teil vom Wanderweg - Löwenburger Weg, der vom Parkplatz im Schmelztal zur Löwenburg hinauf führt - zu erkennen.

Diese Relikte zeugen von der einst intensiv bergbaulich genutzten Kulturlandschaft im Schmelz- und Einsiedlertal. Der Erzgang war zwischen 60 Zentimeter und 4 Meter mächtig und enthielt Blei- und Kupfererze sowie Zinkblende. Vier Stollen wurden in unterschiedlicher Tiefe in den Berg getrieben und durch einen Maschinenschacht verbunden, der eine Tiefe von 38 Metern erreichte. Die Länge aller Stollen betrug insgesamt 370 Meter. Wilhelm Hack hat vermutlich im Einsiedlertal die Grube »Sankt Theresia« angelegt, die später den Namen »Glückliche Elise« erhielt. Anfang des 19. Jahrhunderts wurden die Schürfrechte der Grube an den Berginspektor Egidius Fuchs verliehen, der die Grube kurze Zeit später an die Gebrüder Rhodius und Carl Remy aus Neuwied verkaufte.

Nach mehreren Änderungen der Besitzverhältnisse bildete sich schließlich die »Gewerkschaft Theresia« (aus 33 Anteilen bestehend), mit den Gewerken:
  • Gebrüder Rhodius aus Mülheim (zu 10 Anteilen),
  • Carl Remy aus Neuwied (zu 12 Anteilen),
  • Kammerrath Bleibtreu aus Neuwied (mit 6 Anteilen),
  • Gebrüder Rhodius aus Neuwied (mit 3 Anteilen) und
  • Frau Wolters (mit einem Anteil).
  • Ein Anteil wurde seinerzeit nicht vergeben.
1850 wurden die Bergbaurechte an Maria Fritz Piret in Honnef verliehen, der die Grube 1852 an den Notar-Anwalt Ludwig Lonhienne zu Lüttich (Belgien) verkaufte. In dieser Zeit waren die Bergbaurechte für eine Fläche von 1.790.857 Quadratmeter vergeben. Es wurden Blei-, Zink- und Kupfererze gewonnen. Die Grube war insgesamt von 1753 bis 1815 und von 1847 bis 1868 in Betrieb. 1853 wurden die Aufstellung eines Flammofens zum »Rösten« des Erzes (Abspaltung von ungewünschten Mineralien unter großer Hitze), eines Pochwerkes (zur maschinellen Zerkleinerung der Erzbrocken) und der Betrieb einer Metallschmelzhütte unter der Auflage genehmigt, dass Klärteiche zum Auffangen des bei der Verarbeitung entstehenden Schlammes angelegt wurden. Gegen die Aufstellung des Pochwerkes hatte der Honnefer Gemeinderat vergeblich Einspruch erhoben. In der Schmelzhütte wurde aus Bleierzen Blei gewonnen, weil Blei durch seinen niedrigen Schmelzpunkt häufig an Ort und Stelle hergestellt werden konnte. 1857 wurde vom Handelsministerium in Berlin der Einsatz einer Dampfmaschine (nach der damaligen Sprache ein Lokomobiler-Dampfkessel mit einer Hochdruckdampfmaschine mit 6 PS und 4 Atmosphären Überdruck) mit entsprechenden Sicherheitsauflagen genehmigt. Mit dieser Dampfmaschine wurden die Erze wirtschaftlicher als bisher aus der Grube gefördert und gleichzeitig das Grubenwasser abgepumpt.

In der Grube und bei der Aufbereitung der Erze waren zeitweise 60 Arbeiter beschäftigt, die sich frühzeitig in der Theresienknappschaft zusammengeschlossen hatten, um einander bei Unfällen und im Krankheitsfall Hilfe zu leisten. Später, genau am 19. Januar 1876, wurde die Grube mit den Erzgruben Ludwig, Mariannaglück, Mariannaglück I, Mariannaglück II und Bergenstadt zu einer einzigen Grube zusammengefasst, die den Namen »Johannesberg« erhielt.

In früheren Jahrhunderten wurden Erze im Tagebau abgebaut, wenn man Erzadern an der Oberfläche oder in geringer Tiefe gefunden hatte. Dabei wurden mehrere Meter tiefe Gruben oder Gräben ausgehoben. Diese Gruben für den oberflächennahen Abbau von Erzen (sogenannte Pingen) sind im Schmelztal oder am Wingstberg noch vor 100 Jahren nachweisbar gewesen. Von einer gewissen Tiefe dieser »Schächte« an mussten die Bergleute über Leitern zu ihren sehr beengten Arbeitsplätzen hinabklettern und die abgebauten Erz-»brocken« in Körben oder Behältnissen mühselig an die Oberfläche bringen. Wurde der Schacht tiefer gegraben, so wurde das Erz in Behältnissen über eine Haspel nach oben gezogen. Später gruben die Bergleute »Stollen« fast waagerecht an den Stellen in den Berg, an denen sie Erzadern zu finden hofften. Die Werkzeuge der Bergleute waren jahrhundertelang Hammer (Schlägel), Meißel, Kratzer, Schaufel und Pickel (Keilhaue). Je nach Härte des angrenzenden Gesteins (meist waren in unserer Gegend die Erzadern in Grauwacke- oder Tonschieferschichten eingebunden) mussten Schächte und Stollen wegen der Einsturzgefahr mit Holzbalken und Brettern gesichert werden. Stollen waren meist 1,80 Meter hoch und 70 Zentimeter breit. Während die Bergleute am Anfang noch Eisenkeile in die Wände trieben, um größere Erzstücke abzuspalten, sprengte man später das Gestein mit Pulver ab. Dadurch konnten die Stollen schneller vorangetrieben und mehr Erz gewonnen werden. Mit Schubkarren oder später mit kleinen Transportwagen (den »Grubenhunten«) wurde das Erz aus den Stollen transportiert und im Freien weiterverarbeitet.

Die Erzbrocken wurden in Setzwäschen (mit Hilfe von Wasser) nach erzhaltigem und anderem Gestein getrennt und per Hand oder in Pochwerken mechanisch zerkleinert, um anhaftendes taubes Gestein auszuscheiden und eine für die weitere Verarbeitung günstige Größe zu gewinnen. Bei größeren Gruben wurden die Gesteinsbrocken in der Nähe der Grube weiter verarbeitet, um zunächst ungünstige Bestandteile auszusondern. Danach wurden die Erzstücke weiter aufbereitet, damit die Menge des abzutransportierenden Erzes verringert, nach den einzelnen Erzen getrennt und der Erzanteil der verbleibenden Stücke erhöht wurde. Taubes Gestein wurde an Ort und Stelle zu Halden aufgetürmt. Besonders gut sind die ehemaligen Halden noch im Schmelztal zu sehen.

Ein großes Problem stellte das in die Gruben eindringende Grundwasser dar. Das Wasser wurde im Mittelalter noch mit Eimern aus der Grube geschöpft oder von besonderen Arbeitskräften, den sogenannten Heinzen, in einer »Eimerkette«, also durch Weitergabe der Eimer von Hand zu Hand, an die Erdoberfläche befördert. Auf manchen Gruben waren mehr Kräfte mit dem Ausschöpfen des Wassers beschäftigt als Bergleute zum eigentlichen Abbau der Erze. Das beeinträchtigte natürlich das wirtschaftliche Ergebnis. Waren Stollen angelegt, so wurde an ihrem Grunde eine Rinne, die sogenannte Sohle, zur Ableitung des eingesickerten Wassers ausgeschlagen. Über der Sohle waren Bretter verlegt, auf denen Bergleute gehen und die Transportmittel führen konnten. In Aegidienberg-Brüngsberg wurde extra ein Stollen zur Ableitung des Grubenwassers für alle dort angelegten Erzgruben gegraben, der Arnold Erbstollen. Später wurden Pumpen speziell für die Entwässerung größerer Gruben (Wasserkunst) erfunden. Eine wirksame und zugleich wirtschaftliche Lösung brachte der Einsatz von Dampfmaschinen. Je weiter sich Stollen und Schächte in den Berg hineinbohrten, umso wichtiger wurden die Zuführung von Frischluft und die Ableitung der verbrauchten, durch Rauch und Sprengungen belasteten Luft (sogenannte böse Wetter). Dafür wurden in einer gewissen Entfernung vom Förderschacht oder -stollen spezielle »Wetterschächte« angelegt.

Zustand/Erscheinungsbild
Heute sind im Gelände ein gemauertes Stollenmundloch, von dem lediglich der oberste Teil aus rundgemauerten Backsteinen zu sehen ist sowie eine gemauerte Wasserrinne, ein gemauertes Maschinenfundament und ein Mauerrest in Trockenbauweise im Hang (die Mauern sind zum Teil bis zu 2,30 Meter hoch) obertägig sichtbar. Sie sind die Reste einer Erzwaschanlage. 50 Meter weiter in Richtung der Löwenburg hat sich um einen Teich ein Sumpfgebiet gebildet. Unter dem Wasserspiegel befand sich ein Schacht. Das Wasser zeigt an einer Stelle eine auffällig bläuliche Färbung, die durch früheren Erzabbau entsteht. Im Norden sind noch heute begehbare Stollen erhalten. Diese sind zum Teil eingebrochen oder Einsturz gefährdet.
Im digitalen Geländemodell treten die Schachtanlagen / Stollenmundlöcher und Pingen deutlich als rundliche Geländevertiefungen hervor. Die längliche Wasserrinne von Nord nach Süd vom heutigen Teich zur ehemaligen Erzwaschanlage lässt sich gut erkennen. Diese Strukturen sind im Gelände heute noch gut erhalten.

(Christine Wohlfarth, LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland, 2013)

Das Objekt ist ein eingetragenes Bodendenkmal (LVR-ABR SU 262).
Das Berwerk Glückliche Elise war Station der Archäologietour Siebengebirge 2015. Die Erfassung und Bearbeitung erfolgten im Rahmen des von der DBU (Deutsche Bundesstiftung Umwelt) geförderten Projektes „Natur- und Kulturlandschaft zwischen Siebengebirge und Sieg“.

Quellen
Bergwerksgrundbuch des Amtsgerichts Königswinter und Akten.

Internet
www.bodendenkmalpflege.lvr.de: Projekt „Natur- und Kulturlandschaft zwischen Siebengebirge und Sieg“ (abgerufen 30.08.2017)

Literatur

Dechen, Heinrich von (1861)
Siebengebirge am Rhein. S. 43-45, o. O.
Dechen, Heinrich von (1852)
Geognostische Beschreibung des Siebengebirges am Rhein. S. 29-31, Bonn.
Dormagen, Klemens / Kieß, Christian (2004)
„Glück auf!“ in Honnef. (Rheinkiesel 04.) S. 8-11. v.a. S. 10f, o. O. Online verfügbar: http://www.rheinkiesel.de/pdf/rk0404.pdf, abgerufen am 14.11.2013
Engels, Klaus (2002)
Erzbergbau in Aegidienberg. (Aegidienberger Bilderbogen 1995.) S. 31 ff., o. O.
Heusler, Conrad (1897)
Beschreibung des Bergreviers Brühl-Unkel. S. 236, Bonn.
Nekum, Adolf (2004)
Spurensuche zum Historischen Erzbergbau im Siebengebirge. S. 113-120, o. O.
Simons, B. (1992)
Historischer Bergbau und Abbau nutzbarer Steine und Erden im Bonner Raum. S. 65, o. O.
Staatsarchiv Düsseldorf (Hrsg.) (o.J.)
Verleih- und Bestätigungsbuch deren Bergwerke im Herzogtum Berg 1760, Jülich-Berg. (Handel und Gewerbe Nr. 40, Vol. I-III.) o. O.
Wegener, Wolfgang (1993)
Von der glücklichen Elise bis zur Gotteshilfe. In: Archäologie im Rheinland 1992, S. 159-162. v.a. S. 162, o. O.
Wilckens, Otto (1927)
Geologie der Umgebung Bonns. S. 24, Berlin.

Bergwerk Glückliche Elise im Einsiedlertal

Schlagwörter
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Ortsfestes Bodendenkmal gem. § 3 DSchG NW
Fachsicht(en)
Archäologie
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Schriften, Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Archivauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn vor 1850, Ende nach 1876
Koordinate WGS84
50° 39′ 34,71″ N, 7° 15′ 47,9″ O / 50.65964°, 7.2633°
Koordinate UTM
32U 377251.04 5613415.98
Koordinate Gauss/Krüger
2589370.46 5614545.82

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„Bergwerk Glückliche Elise im Einsiedlertal”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-79251-20131114-3 (Abgerufen: 14. November 2018)
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