Weingut bei Menzenberg

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Archäologie
Gemeinde(n): Bad Honnef
Kreis(e): Rhein-Sieg-Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Gebäudestandorte des Winzerhofes bei Menzenberg in Bad Honnef im digitalen Geländemodell (Laserscan, Geobasis NRW, 2013)

    Gebäudestandorte des Winzerhofes bei Menzenberg in Bad Honnef im digitalen Geländemodell (Laserscan, Geobasis NRW, 2013)

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    Geobasis NRW, 2013 / Wohlfarth, Christine (Ergänzung), LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland
    Fotograf/Urheber:
    Christine Wohlfarth; Geobasis NRW
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  • Bemooste Steine des Winzerhofes bei Menzenberg in Bad Honnef (2013)

    Bemooste Steine des Winzerhofes bei Menzenberg in Bad Honnef (2013)

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    Wohlfarth, Christine / LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland
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    Christine Wohlfarth
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  • Urkatasterkarte mit ehemaligen Gebäuden des Winzerhofes bei Menzenberg in Bad Honnef (1825)

    Urkatasterkarte mit ehemaligen Gebäuden des Winzerhofes bei Menzenberg in Bad Honnef (1825)

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    Amt für Katasterwesen und Geoinformation des Rhein-Sieg-Kreis
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    Amt für Katasterwesen und Geoinformation des Rhein-Sieg-Kreis
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Objektstandort
Die Reste des neuzeitlichen, obersten jesuitischen Weingutes „dritter Menzenberg Hof“ befinden sich circa 120 Meter nordöstlich des heutigen letzten bebauten Grundstücks Menzenberg 5 im Wald.

Kurzbeschreibung
Der Winzerhof (0,2 Hektar) lag Südsüdwest-orientiert auf einem natürlichen Plateau, umgeben von steil terrassierten Weinbergen. Das Gelände bildet hier eine von drei Seiten geschlossene Naturarena um die ehemalige Hofanlage. An der damaligen Hofeinfahrt ist eine alte Eiche erhalten. Ansonsten sind die historischen Relikte als Bruchsteinhalden der abgebrochenen Gebäude erkennbar und mit jüngeren Laubbäumen bewachsen. Zum Teil sind die Grundmauern beziehungsweise Fundament- oder Kellermauerzüge noch sichtbar.

Die Gebäude waren teils massiv mit lokal anstehenden Basaltbruchsteinen (Wohngebäude) als auch Ziegelsteinen, teils in Fachwerk (Wirtschaftsgebäude) errichtet. Einige Gebäude waren Schindel gedeckt wie Funde von gelochten Schieferplatten vor Ort belegen. Das Fachwerk war verputzt, Reste von Wandverputz liegen bei den Bruchsteintrümmerstücken.
Die älteste Darstellung des Hofes ist auf einer Karte mit Eintrag der jesuitischen Güter (Lagekarte Jesuiten Kolleg Köln) von 1739 erhalten. Hier sind bereits mehrere Gebäude erkennbar.
Der Bad Honnefer Heimatforscher Adolf Nekum beschreibt in seinem Band „1100 Jahre Weinbau in Honnef“ die wechselvolle Geschichte des dritten Menzenberger Hofs.

Der genaue Beginn des Weingutes liegt noch im Dunkeln. Erste Nachrichten liegen aus dem Jahre 1625 vor und nennen als Besitzer Johann Krechen und Giertgen Haller. Sie verkauften den Besitz während des Dreißigjährigen Kriegs für 3.050 Taler an Catharina von Merl in Bonn, diese verleiht das Gut an Arndt Krempgen und Margaretha. 1638 verkauft sie das Weingut für 4.000 Taler an die Jesuiten. In den knapp 200 Jahren jesuitischen Besitztums werden verschiedene Pächter und Halbwinner wie Dederich Halling, von 1689 bis 1700 Hilger Ließem, von 1700 bis 1728 Peter Urbach, von 1728 bis 1740 Johann Steinbach bis 1837 Witwe Heinrich Steinbach urkundlich benannt. 1751 wird die Lieferung von 1.300 Dachziegeln von J. Th. Quinck und 1834 werden das Wohnhaus, ein Kuhstall und das Kelterhaus in den Aufzeichnungen des Jesuitenkollegs Köln aufgeführt.

Nach der Säkularisation 1803 – Aufhebung aller Stifte, Abteien und Klöster – gelangten die Jesuitenbesitzungen 1815 in preußischen Domänenbesitz und wurden dem Bergischen Schulfond zugewiesen. 1835 wurde der ehemalige jesuitische Pachthof für 1.930 Reichstaler versteigert und gelangte in Besitz des vermögenden Kaufmanns C. W. Rüping aus Düsseldorf, ebenso wie das heutige „Weingut Menzenberg“. Nach dem großen Reblausbefall von 1874 konnte das Weingut nicht länger gehalten werden, 1884 erfolgte dann der Abbruch der Gebäude.

Zwischen 1705 und 1720 wurde Weißwein auf den viereinhalb Morgen Weinberg von Peter Urbach angebaut. Das Weingut bestand laut Urkatasterkarte von 1825 aus vier Gebäuden, dem Wohn- oder Haupthaus, sowie Anbauten beziehungsweise Neben- und Keltergebäuden. Auf der Karte sind Martin Dewies aus Köln und der Bergische Schulfond sowie der Pächter Steinbach eingetragen.
Die kartographischen Darstellungen und historischen Überlieferungen belegen somit eine mehr als 300 Jahre alte Existenz des Weinguts und der Weinberge in der Flur „Im Alten Berge“. Selbst auf der Topografischen Karte von 1966 ist noch der Grundriss des ehemaligen Wohngebäudes eingetragen. Luftbildaufnahmen von 1957 und 1967 belegen die Aufforstung der einstigen Weinberge und des Hofareals des Weingutes.

Zustand/Erscheinungsbild
Die ehemalige Zufahrt ist heute – trotz Bewuchses – noch als Hohlweg im Gelände zu erkennen. Das einst stattliche Ensemble wurde 1884 aufgegeben, abgebrochen und dem Verfall überlassen.

(Christine Wohlfarth, LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland, 2013)

Das Objekt ist ein eingetragenes Bodendenkmal (LVR-ABR SU 260).
Die Erfassung und Bearbeitung erfolgten im Rahmen des von der DBU (Deutsche Bundesstiftung Umwelt) geförderten Projektes „Natur- und Kulturlandschaft zwischen Siebengebirge und Sieg“.

Internet
www.bodendenkmalpflege.lvr.de: Projekt „Natur- und Kulturlandschaft zwischen Siebengebirge und Sieg“ (abgerufen 30.08.2017)

Literatur

Freckmann, Klaus (2001)
Aspekte des historischen, ländlichen und kleinstädtischen Hausbaues am Siebengebirge. In: Schmidt, Burghart / Köhren-Jansen, Helmtrud / Freckmann, Klaus (Hrsg.): Auf den Spuren alter Häuser. Jahrringdatierung und Bauweise. Lohmar im Bergischen Land, Siebengebirge (Schriftenreihe zur Dendrochronologie und Bauforschung 2), S. 289–368. Abb. 242, Marburg.
Königliches statistische Bureau (Preußen) (Hrsg.) (1888)
Gemeindelexikon für das Königreich Preußen, Band XII: Rheinland. S. 115, Berlin. Online verfügbar: http://www.digitalis.uni-koeln.de/Gemeinde/gemeinde108-117.pdf, abgerufen am 14.11.2013
Nekum, Adolf (1993)
1100 Jahre Weinbau in Honnef. Bad Honnef.
Nekum, Adolf (1988)
Tausend Jahre Selhof, hundert Jahre Bürgerverein. S. 33, 38, Bad Honnef.
(1845)
Uebersicht der Bestandtheile u. Verzeichniß sämmtlicher Ortschaften des Regierungs-Bezirks Cöln. S. 85, Cöln.

Weingut bei Menzenberg

Schlagwörter
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Ortsfestes Bodendenkmal gem. § 3 DSchG NW
Fachsicht(en)
Archäologie
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Schriften, Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Archivauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1600, Ende nach 1884
Koordinate WGS84
50° 37′ 50,43″ N, 7° 15′ 6,54″ O / 50.63068°, 7.25182°
Koordinate UTM
32U 376363.03 5610214.33
Koordinate Gauss/Krüger
2588612.58 5611309.86

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„Weingut bei Menzenberg”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-79221-20131111-5 (Abgerufen: 17. August 2018)
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