Mühlengräben der Niederpleiser Mühle

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Archäologie
Gemeinde(n): Sankt Augustin
Kreis(e): Rhein-Sieg-Kreis
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Urkatasterkarte von 1826

    Urkatasterkarte von 1826

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    Standesamt (Zustand 2012)

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  • Mühle: Gastronomie

    Mühle: Gastronomie

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    Pleiser Mühlengraben (Zustand 2012)

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    Mühlengraben (Zustand 2012)

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Objektstandort
Die Niederpleiser Mühle liegt in der Niederung des Pleisbaches, circa 700 Meter vom alten Niederpleiser Ortskern und etwa 400 Meter von der Niederpleiser Burg entfernt.

Kurzbeschreibung
Die historische Überlieferung lässt sich bis ins 11. Jahrhundert zurückverfolgen, als die Mühle im Besitz des Klosters Villich ist und den Rittern von Pleis gehört. 1803 wird die Anlage säkularisiert. 1912 erfolgt ein Umbau und 1948 die Einstellung des Mühlenbetriebes. Das Bodendenkmal Niederpleiser Mühle besteht aus mehreren Teilen:
  • Im Südwesten liegt der Oberlauf, der heute in einem Mühlengraben aufgestaut ist. Über eine Schleuse aus Beton und Rohre wird das aufgestaute Wasser in das Mühlengebäude geführt.
    Der aufgestaute Mühlengraben (Mühlenteich) ist ein Umbau des 19. Jahrhunderts (siehe Urkatasterkarte von 1826 mit Ergänzungen bis 1862). Dennoch stellt er einen Teil der Geschichte der Mühle dar. Reste der Mühlenanlage haben sich höchstwahrscheinlich in den Sedimenten des heute verlandeten Teiches und den Aufschüttungen für den erhöht liegenden Teich einschließlich der Dämme und in den angrenzenden Wiesen (Oberlauf, Kanäle, Gräben, Verfüllungen, datierende Funde) erhalten.
  • Das eigentliche Mühlengebäude besteht aus drei Teilen, heute bezeichnet als „Mühlengebäude“, „ Mühlenrad“ und „Wohnung des Müllers“. Dabei ist die ursprüngliche Mühle das jetzige „Mühlengebäude“, während die Gebäude „Mühlenrad“ und ‘Wohnung’ später angebaut wurden. Die Gebäude wurden saniert und das Mühlengetriebe restauriert, so dass sich heute der Zustand bei der Aufgabe der Mühle in den 40er Jahren des 20. Jahrhunderts zeigt. Das „Mühlengebäude“ und das „Mühlenrad“ bestehen aus Bruchsteinen, die auf einem Rost aus Holzpfählen stehen (Information des Eigentümers). Die Mühlentechnik des 19. und 20. Jahrhunderts wurde nachträglich auf Mauern und Fundamenten aus Ziegeln errichtet. Es haben sich sicher unterhalb des heutigen Fußbodens aus Beton Reste der Vorgängeranlagen in Fundamenten und Baugruben erhalten.
  • Der Unterlauf besteht heute aus einem Kanal, der aus Ziegeln mit einem Gewölbe vom „Mühlengebäude“ nach Osten verläuft. Über dem Kanal bzw. Gewölbe verläuft der Weg an der Mühle vorbei innerhalb der landwirtschaftlichen Hofanlage. Dieser Weg ist rezent gepflastert worden, erhalten hat sich nur der Unterbau aus Schotter.
    Außerhalb des gemauerten Kanals sind Reste des ehemaligen Unterlaufes als Graben und Verfüllung erhalten. Diese und der Kanal sind Bestandteile des Bodendenkmals.
  • Östlich des sogenannten „Schweinestalles“ verläuft der Unterlauf als offener Graben. Er knickt nach einer Strecke von circa fünf Metern nach Norden ab, um parallel zur Pleis nach Norden zu verlaufen. Nach einer Strecke von circa 40 Metern mündete der Graben ursprünglich in die Pleis, der Zulauf ist heute verlandet. Der Graben besitzt eine Breite von etwa einem bis zu sieben Metern, ist als Mulde im Gelände erhalten, allerdings mit organischen Materialien und Bauschutt rezent verfüllt. Sowohl der Graben selbst als auch die Verfüllung stellen einen Teil des Bodendenkmals dar.
  • Die Anlagen des ehemaligen landwirtschaftlichen Betriebes stehen in keinem ursächlichen Zusammenhang mit der Niederpleiser Mühle und stellen keinen Bestandteil des Bodendenkmals dar.
(Claus Weber, LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland, 2000)

„Die Niederpleiser Mühle liegt unmittelbar am Pleisbach und hat eine lange Tradition; sie gehörte früher zur Burg Niederpleis. Die heutigen Gebäude gehen in ihrem Erscheinungsbild auf einen Umbau von 1912 zurück. Gemahlen wurde hier bis 1948. Das für den Mühlenbetrieb notwendige Wasser führte der Mühlengraben herbei, den man vom Lauterbach abzweigte. Mühlengraben und Stauteich sind noch im Gelände erkennbar, der Mühlenteich wurde 2005 ohne Genehmigung bis auf die untere Tonschicht ausgebaggert. Das Wohnhaus der Gesamtlage ist ein zweigeschossiger Bau unter Satteldach. Der Eingang lag ursprünglich in der Mitte der vorderen Traufseite, wurde aber später in einen eingeschossigen Anbau an der nordwestlichen Giebelseite verlegt.
Das Mühlengebäude in dessen Inneren das Mahlwerk zum großen Teil erhalten blieb, ist ein zweieinhalbgeschossiger Bau mit Satteldach. Die Traufseite zum Hof zeigt Rundbogenfenster mit Gusseisensprossen, eine Bestückungstür im ersten Obergeschoss und darüber eine Ladeluke. Das Gebäude ist unterkellert, die Geschosse im Innern werden durch Holzbalkendecken getrennt. An der rückwärtigen Traufseite schließt sich die Wohnung des Müllers an.
Zur gesamten Mühlenanlage gehören außerdem: Waschküchen- und Hühnerstallgebäude schräg hinter dem Wohnhaus, ein Pferdestall mit Walmdach, eine Stallung unter Satteldach mit korbbogenüberspanntem Stalltor, eine Scheune mit Krüppelwalmdach und Fledermausgauben sowie in Vierergruppen angeordnete Belüftungsschlitze. Ein zweigeschossiges Werkstattgebäude unter Satteldach, wo im Erdgeschoss mit Gusseisensprossenfenstern die Werkstatt und im Obergeschoss mit Holzsprossenfenstern die Gärtnerwohnung untergebracht war, die zum Teil erhaltene Mühleneinfriedung, der Mühlengraben, die Stauanlage für den Mühlenteich und die Mühlsteine im Hof.“

(Aus: Denkmalpflege in Sankt Augustin, S. 67-68.)

Zustand/Erscheinungsbild
Inzwischen wurde der Mühlenbetrieb einschließlich der angrenzenden Hof- und Wohngebäude unter Wahrung des historischen Rahmens in ein modernes Dienstleistungszentrum mit Gastronomiebetrieb umgewandelt. Die Mühlentechnik ist dabei bis heute komplett erhalten und restauriert worden. Das Mühlrad befindet sich innerhalb des Gebäudes. Die Mühle kann besichtigt werden und die Stadt Sankt Augustin unterhält hier eine Außenstelle des Standesamtes.
Der obere Mühlengraben (Bodendenkmal SU 194) ist bis auf den mittleren Abschnitt, der zum Teil vollständig überschüttet sowie durch Kanalisation und Baumaßnahmen zerstört bzw. verändert wurde, als feuchte Senke (zeitweise Wasser führend) im Gelände deutlich sichtbar. Den Obergraben begleiten alte Kopfweiden.

(Christine Wohlfarth, LVR-Amt für Bodendenkmalpflege im Rheinland, 2013)

Das Objekt ist teilweise eingetragenes Bodendenkmal (LVR-ABR SU 194).
Die Erfassung und Bearbeitung erfolgten im Rahmen des von der DBU (Deutsche Bundesstiftung Umwelt) geförderten Projektes „Natur- und Kulturlandschaft zwischen Siebengebirge und Sieg“.

Internet
www.bodendenkmalpflege.lvr.de: Projekt „Natur- und Kulturlandschaft zwischen Siebengebirge und Sieg“ (abgerufen 30.08.2017)

Literatur

Hartleib, Robert (1986)
Das Kirchspiel Niederpleis. S. 200, Siegburg.
Landschaftsverband Rheinland (Hrsg.) (2011)
Mühlenregion Rheinland (DVD-ROM, DVD-Video und Beilage). Köln.
Stadt Sankt Augustin (Hrsg.) (1990)
Denkmalpflege in Sankt Augustin. (Städtebau im Gespräch, Band 3.) S. 67-68, Sankt Augustin.

Mühlengräben der Niederpleiser Mühle

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Mühlengraben
Ort
53757 Sankt Augustin - Niederpleis
Gesetzlich geschütztes Kulturdenkmal
Ortsfestes Bodendenkmal gem. § 3 DSchG NW
Fachsicht(en)
Archäologie
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Schriften, Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Archivauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 1050 bis 1100, Ende 1940 bis 1950
Koordinate WGS84
50° 45′ 39,92″ N, 7° 13′ 7,34″ O / 50.76109°, 7.21871°
Koordinate UTM
32U 374370.56 5624770.49
Koordinate Gauss/Krüger
2586031.2 5625777.65

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„Mühlengräben der Niederpleiser Mühle”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-78897-20131106-2 (Abgerufen: 20. Februar 2018)
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