Standorte ehemaliger Seen in der Klosterlandschaft Maulbronn

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Denkmalpflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Maulbronn, Ölbronn-Dürrn
Kreis(e): Enzkreis
Bundesland: Baden-Württemberg
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Die Anlage der ersten Seen erfolgte kurz nach der Gründung des Klosters Maulbronn. Der Tiefe See, der für den Mühlenbetrieb unerlässlich war, muss bereits zwischen 1225 und 1250 existiert haben, da die ältesten Teile der Klostermühle aus dieser Zeit stammen. Da der dem Tiefen See vorgeschaltete ehemalige Binsensee in erster Linie wohl als Sandfang diente und das Grabensystem im Graubrunnenwald das Wasserdargebot für den Tiefen See deutlich erhöhte, dürften diese ebenfalls in dieser Zeit entstanden sein. Zu den ältesten Seen gehört vermutlich auch der ursprünglich natürliche Rossweiher oder Himmelsweiher (Müller u. Stober 2011, S. 21), da er mit dem zugehörigen Grabensystem bedeutend für die Brauchwasserversorgung für den klösterlichen Mühlen- und Wirtschaftsbetrieb beitrug. Um die Wasserversorgung der über 20 größeren und kleineren Seen sicherzustellen, wurden im Umland feingliedrige wasserbautechnisch innovative Grabensysteme angelegt.

Die Fischzucht muss im Spätmittelalter eine lukrative Einnahmequelle des Klosters gewesen sein. Hierauf lassen die 19 künstlich geschaffenen Fischgewässer schließen, die vor 1561 angelegt worden sein müssen, da sie damals bereits als in einem ungepflegten Zustand befindlich beschrieben wurden. Zwei weitere nicht genannte Seen, der Obere und untere Reutsee, dürften ebenfalls zu diesem spätmittelalterlichen Graben- und Seensystems gehört haben. Ein weiterer Hinweis auf die Bedeutung der Fischzucht für den Klosterbetrieb ist der zum Wasserbewirtschaftungssystem gehörende Abt-Gerhard-See, dessen Namensgeber im zweiten Viertel des 15. Jahrhunderts der Maulbronner Abtei vorstand und vermutlich den Weiher anlegen ließ.

Gegen Ende des 18. Jahrhunderts gab es ein relativ schnelles Bevölkerungswachstum, das mit einer steigenden Nachfrage nach landwirtschaftlichen Produkten einher ging. Die Fischzucht wurde allmählich unrentabel. Durch die zunehmende Nachfrage nach Agrarerzeugnissen wurden die ersten Seen abgelassen und als Grün- bzw. Ackerland genutzt (Gesamtperspektive Klosterlandschaft Maulbronn 2012, S. 34).

Insgesamt verfügte das Kloster über insgesamt 19 größere und kleinere Seen, Seen, die zum Wasserbewirtschaftungssystem gehörten (Größenangaben aus dem Lagerbuch 1575).

Folgende Seen sind trockengelegt worden:
  • Der Abt-Gerhard-See (10 Morgen) ist zwischen 1761 und 1835 trockengelegt worden und kann heute nur mit Vorkenntnissen (Altkarten) verortet werden. Über den Damm führt eine Straße und die ehemalige Seefläche ist größenteils verfüllt.
  • Der Billensbacher See (acht Morgen) ist zwischen 1761 und 1835 trockengelegt worden und kann heute nur mit Vorkenntnissen (Altkarten) verortet werden. Über den Damm führt eine Straße und die ehemalige Seefläche ist größtenteils verfüllt.
  • Der Binsensee (zwei Morgen) ist zwischen 1761 und 1835 trockengelegt worden. Der See ist nur in Teilen erkennbar und teilweise aufgeschüttet worden.
  • Der Capellsee ist zwischen 1761 und 1890 trockengelegt worden und ist heute im Gelände nicht mehr erkennbar.
  • Von den drei Laichseen unterhalb des Dammes des Billensbacher Sees (insgesamt zwei Morgen) sind heute im Gelände überhaupt keine Spuren mehr erhalten, sie sind völlig abgegangen.
  • Die drei Seen im Hilsenbeuer Rain (insgesamt ca. zwei Morgen) sind zwischen 1761 und 1835 trockengelegt worden. Der obere See ist noch am besten erhalten. Der mittlere ist noch an dem durchstochenen Damm erkennbar und die ehemalige Seefläche ist teilweise verfüllt. Der untere See ist nicht mehr erkennbar (Gesamtperspektive Klosterlandschaft Maulbronn 2012, S. 88).
  • Der Elfinger See (20 Morgen) ist zwischen 1835 und 1890 trockengelegt worden. Die ehemaligen Konturen des Sees sind teilweise im Gelände südlich des Elfinger Hofes noch zu erkennen.
  • Der Gartensee (fünf Morgen) ist zwischen 1761 und 1835 trockengelegt worden und kann heute nur mit Vorkenntnissen (Altkarten) verortet werden. Über den Damm führt eine Straße und die ehemalige Seefläche ist größenteils verfüllt.
  • Der Sickinger See (zwei Morgen) ist zwischen 1761 und 1835 trockengelegt worden. Der See ist nur in Teilen erkennbar. Der durchstochener Dann ist noch erkennbar.
  • Der Wässerungssee ist zwischen 1761 und 1890 trockengelegt worden und ist heute im Gelände nicht mehr erkennbar.
  • Der Krämersee ist zwischen 1761 und 1890 trockengelegt worden und ist heute im Gelände nicht mehr erkennbar.
  • Der See am Aschberg ist nicht auf der Karte von Kieser (1680) dargestellt.
  • Der Thalsee bei Zaisersweiher war vor 1835 bereits trockengelegt. Seit der berichtigten Flurkarte von 1900 ist dort Laubwald eingetragen. Der durchstochene Seedamm ist noch gut zu erkennen.

    Da der Rossweiher nicht von einem natürlichen Gewässer, sondern nur ausschließlich von Regen- oder Himmelwasser gespeist wird, ist der Umfang dieses Sees im Vergleich mit der Darstellung auf der Flurkarte durch Verlandung erheblich reduziert worden.
Im Rahmen der erarbeiteten landschaftsplanerischen Gesamtperpektive von 2011-2012 durch Planstatt Senner im Auftrag der Stadt Maulbronn sollten einige Seen wieder ganz bzw. teilweise bespannt (geflutet) werden. Dies gilt für den oberen See im Hilsenbeuer Tal, die Wiederbespannungsmaßnahme ist im Rahmen des Projektes Life+ abgeschlossen.

Es ist geplant, den Westteil des ehemaligen Elfinger Sees als Absatzbecken für den Aalkistensee zu bespannen (fluten). Hierdurch kann die Verlandung des Aalkistensees verlangsamt werden (Gesamtperspektive 2012, S. 105-106).

Der ehemalige Gartensee unmittelbar westlich des ehemaligen Kloster sollte durch eine Aufweitung der Salzach und mit architektonischen Gestaltungselementen wieder erlebbar gemacht werden (Gesamtperpektive 2012, S. 109).

Durch die Aufschüttungen im ehemaligen Binsensee kann nur ein kleiner Teil als Sedimentationsbecken für den Tiefensee wiederbespannt werden, so dass durch die Reduzierung der Schwebstoffabsetzung der Verlandungsprozess sich verlangsamt um so die Erhaltung des Tiefen Sees langfristig zu sichern. Außerdem ist eine Entschlammung dieses Sees vorgesehen (Gesamtperspektive 2012, S. 98-100).

(Peter Burggraaff, Universität Koblenz-Landau, 2013)

Seit 1993 gehört das Kloster Maulbronn (Zisterzienserabtei) aufgrund seiner hervorragenden baulichen Erhaltung, der Klosterlandschaft und als Zentrum der Stadt Maulbronn als Kulturerbe zur Liste der UNESCO-Welterbe-Stätten in Deutschland.

Internet
www.unesco-welterbe.de: Welterbestätten (abgerufen: 28.10.2013)

Literatur

Andermann, Kurt (1997)
Zur Besitz- und Wirtschaftsgeschichte des Klosters Maulbronn. In: Maulbronn - zur 850-jährigen Geschichte des Zisterzienserklosters, S. 31-42. Stuttgart.
Burggraaff, Peter / Bund Heimat und Umwelt (Hrsg.) (2013)
Zisterzienserklöster als Gestalter der Kulturlandschaft: das Beispiel des Klosters und der heutigen Weltkulturerbestätte Maulbronn. In: Religion und Kulturlandschaft, S. 22-35. Bonn.
Burggraaff, Peter / Kleefeld, Klaus-Dieter (2009)
Kulturlandschaftsanalyse Klosterlandschaft Maulbronn als Beitrag zum Landschafts- und Flächennutzungsplan der VG Maulbronn-Sternenfels (Endbericht: 15.4.2009). (Gutachten im Auftrag des Landesamts für Denkmalpflege, Regierungspräsidium Stuttgart, Referat 25 – Denkmalpflege, Regierungspräsidium Karlsruhe und der Stadt Maulbronn.) Köln u. Kelberg.
Burggraaff, Peter / Kleefeld, Klaus-Dieter / Zickermann, Stephan (2010)
Klosterlandschaft und UNESCO-Welterbe Maulbronn - von der Stätte zur umgebenden Kulturlandschaft. Methodische Ergebnisse eines Fachgutachtens. In: UVP-Report 1+2, S. 13-23. Hamm.
Burggraaff, Peter / Kleefeld, Klaus-Dieter / Zickermann, Stephan (2010)
Klosterlandschaft und UNESCO-Welterbe Maulbronn. Ergebnisse eines historisch-geographischen Fachgutachtens. In: Analecta Cisterciensia 60, S. 47-78. o. O.
Legner, Patricia / Schmid, Alexander / Grob, Christin (Mitarb.) / Weber, Ariane (Mitarb.) / Planstatt Senner für Landschaftarchitektur (Hrsg.) (2012)
Landschaftsplanerische Gesamtperspektive Klosterlandschaft Maulbronn (Gutachten im Auftrag des Ministerium für Finanzen und Wirtschaft vertreten durch das Landesamt für Denkmalpflege im Regierungspräsidium Stuttgart). Stuttgart.
Mueller, Carla Th. / Stober, Karin (2006)
Kloster Maulbronn (5. Auflage). (Führer Staatliche Schlösser und Gärten Baden-Württemberg.) Stuttgart / München / Berlin.
Zickermann, Stefan (2002)
Argumentationshilfen und Forderungen zum Erhalt Zisterziensischer Kulturlandschaften am Beispiel des historischen Wasserbewirtschaftungssystems in Maulbronn (Diplomarbeit Technische Universität Berlin). Berlin.

Standorte ehemaliger Seen in der Klosterlandschaft Maulbronn

Schlagwörter
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Denkmalpflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Archivauswertung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger, Auswertung historischer Schriften, Auswertung historischer Karten, Auswertung historischer Fotos, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1220 bis 1561, Ende 1761 bis 1890
Koordinate WGS84
48° 59′ 52,4″ N, 8° 48′ 38,3″ O / 48.99789°, 8.81064°
Koordinate UTM
32U 486149.06 5427238.53
Koordinate Gauss/Krüger
3486218.87 5428970.64

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„Standorte ehemaliger Seen in der Klosterlandschaft Maulbronn”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-76307-20131008-3 (Abgerufen: 23. Mai 2018)
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