Kalkofen vom Huppertsbracken

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Haan
Kreis(e): Mettmann
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Gesamtansicht des Kalkofens Huppertsbracken in Haan-Gruiten (2007)

    Gesamtansicht des Kalkofens Huppertsbracken in Haan-Gruiten (2007)

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  • Karte von 1633 mit dem Kalkofen vom Huppertsbracken in Haan-Gruiten (Landesarchiv, Bestand RKG W 188/471 Vol. II)

    Karte von 1633 mit dem Kalkofen vom Huppertsbracken in Haan-Gruiten (Landesarchiv, Bestand RKG W 188/471 Vol. II)

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  • Der Hof Brücken Bracken in Haan-Gruiten auf einem Foto von 1984.

    Der Hof Brücken Bracken in Haan-Gruiten auf einem Foto von 1984.

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  • Kolorierter Stich "Der Kalkchbrenner" von Christoph Weigl, 1699

    Kolorierter Stich "Der Kalkchbrenner" von Christoph Weigl, 1699

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  • Die Adresse auf dem Antwortbrief zur "Huppertzbracker Mühle" von 1748 (Landesarchiv NRW HSA Düsseldorf, Bestand Großherzogtum Berg, Nr. 13389)

    Die Adresse auf dem Antwortbrief zur "Huppertzbracker Mühle" von 1748 (Landesarchiv NRW HSA Düsseldorf, Bestand Großherzogtum Berg, Nr. 13389)

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  • Die Bracker Mühle in Haan-Gruiten um 1960.

    Die Bracker Mühle in Haan-Gruiten um 1960.

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  • Ausschnitt der Deutschen Grundkarte von 1968 (DGK 68R 76H mit Markierung)

    Ausschnitt der Deutschen Grundkarte von 1968 (DGK 68R 76H mit Markierung)

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  • Der Kalkofen Huppertsbracken in Haan-Gruiten auf einer Aufnahme von 1928

    Der Kalkofen Huppertsbracken in Haan-Gruiten auf einer Aufnahme von 1928

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  • Das Mundloch des Kalkofens Huppertsbracken in Haan-Gruiten auf einem Foto vom Februar 1984

    Das Mundloch des Kalkofens Huppertsbracken in Haan-Gruiten auf einem Foto vom Februar 1984

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  • Das vordere Mundloch des Kalkofens Huppertsbracken in Haan-Gruiten (2007)

    Das vordere Mundloch des Kalkofens Huppertsbracken in Haan-Gruiten (2007)

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  • Der linke Lüftungsschacht des Kalkofens Huppertsbracken in Haan-Gruiten (Foto November 1984)

    Der linke Lüftungsschacht des Kalkofens Huppertsbracken in Haan-Gruiten (Foto November 1984)

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  • Den Ofentrichter des Kalkofens Huppertsbracken in Haan-Gruiten, die eigentliche Brennkammer, von oben gesehen (Foto Mai 1986)

    Den Ofentrichter des Kalkofens Huppertsbracken in Haan-Gruiten, die eigentliche Brennkammer, von oben gesehen (Foto Mai 1986)

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  • Der rechte Lüftungsschacht des Kalkofens Huppertsbracken in Haan-Gruiten (Foto Mai 1986)

    Der rechte Lüftungsschacht des Kalkofens Huppertsbracken in Haan-Gruiten (Foto Mai 1986)

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An der Düssel, nicht weit von der Thunisbrücke, auf Gruitener Gebiet, entdeckt man ein halbverfallenes Industriedenkmal. Es ist ein Bau aus dicken Natursteinen, der an der Vorderseite eine große Öffnung hat. Auch die Seitenwände sind mit Öffnungen versehen. Die Mauern sehen ramponiert aus, so, als seien die Steine abgebröckelt (vgl. Abbildungen in der Mediengalerie). Das ist der Kalkofen vom Huppertsbracken.
Er steht an einem Wanderweg; ein paar Schritte entfernt plätschert die Düssel. Man hört nur den Gesang der Vögel in den Zweigen. Wie soll man sich vorstellen, dass dieser idyllische Flecken Platz für eine Produktionsstätte bot?
Die Verwunderung relativiert sich, wenn man erfährt, dass in alter Zeit Kalkbrennen mit Industrie nichts zu tun hatte. Viele Höfe, die über Land verfügten, auf dem Kalkstein anstand, nutzten diesen wertvollen Stein für die Produktion von Kalk. Den brauchten sie als Dünger für ihre Felder, als Anstrichfarbe für Küche und Ställe, als Zusatzstoff zu Sand und Wasser für die Mörtelzubereitung. Da unsere Gegend reich ist an Kalkstein, gab es hier viele kleine Kalköfen. Sie gehörten, wie die Kalksteinbrüche, zu den Höfen. Und gleich hinter unserem Kalkofen ragt ein ziemlich großer Kalksteinbruch in die Höhe.

Wie alt ist der Kalkofen?
Das wissen wir nicht. Man brauchte keine Baugenehmigung vor 300 oder 400 Jahren. Auf der Karte von 1633 (vgl. die Abbildung in der Mediengalerie) ist an der Düssel im bracker busch der bracker kalckoffen als Würfel eingezeichnet. Ein Stück weiter standen die Höfe brackhen. Der Kalkofen wird hier Bracker Kalkofen genannt.
Der Hof Bracken war ein sehr alter Hof. Im Heberegister der Höfe des Stifts Gerresheim ist schon 1218/31 ein Justicius de bracken erwähnt. Das mittelhochdeutsche Wort bræche bedeutet brechen, abbrechen. Danach weist der Name der Hofes Bracken auf Kalkbrechen hin. Später gab es mindestens drei Höfe mit dem Namen Bracken. Bekannt ist: der große Bracken, der Brücken-Bracken oder Kleine Bracken und die Bracker Mühle. Von den drei Bauernhöfen blieb nur der jüngste erhalten, der Brücken Bracken (heutige Adresse Bracken 8, 42781 Haan-Gruiten, vgl. Abbildung).

Es muss einen Hof Bracken gegeben haben, der einem Huppert oder Herbert gehört hatte. Aber einen Nachweis darüber findet man weder im Kirchenbuch noch in einem Abgabenverzeichnis. Aber es gibt eine frühe Erwähnung des Kalkofens. In einem Wegestreit um den Holzfahrweg zwischen den Höfen Thunis, Schragen und Bracken findet 1784 in der Präfektur Gerresheim die Gerichtsverhandlung zwischen Peter Thunis (vom Hof Thunis) und Peter Krenkels (vom Hof Auf dem Höchsten) statt. Die streitenden Parteien begründen ihre Rechte mit älteren Urkunden. Aus dem Jahre 1655 stammt die Urkunde, die wie folgt lautet:
„ ... Wan der weeg von Kalck, und Kohl fuhren gebraucht wird, zwölf Malter Kalcks zu lieferen, und verabfolgen zu lassen; solte aber der Kalckoffen nicht angezündet, noch Kalck gebrant werden, und also kein weeg liegen bleiben, so solle destoweniger nicht der holtz, und heuweeg über dieses verkauftes stück Lands zu gelegener Zeit den Verkäuferen, und deren Erben unentgeldlich gestattet werden ... “
Hier geht es um den Holzfahrweg, der auch für die Kalkfuhren benutzt werden darf. Den heutigen Weg über die Thunisbrücke am Hof Thunis vorbei nach Mettmann gab es noch nicht. Die Karren mussten über die Felder von Thunis, Schragen und Bracken geführt werden. Dafür verlangte der jeweilige Besitzer zwölf Malter Kalk. Wenn jedoch kein Kalk gebrannt wird, so räumt er ein, kann der Weg unentgeltlich benutzt werden. Die Verwirrung wird noch größer, wenn man weiter liest:
„ ... Ihro Hochfürstliche Durchlaucht steuren, schatz, und andere auflagen, gewön=, und ungewöhnliche Imposten, wie die Nahmen haben, und so wohl auf das erkaufte stück Lands, also beiliegenden busch, und banden, so vorhin aus dem Huppertzbracken gekauft worden, anjetzo aber der Mesenbrack genant wird, sollen Käufere Eheleüte, und deren Erben in der Thunes abstatten, und entrichten ... “
Da geht es um die Abgaben an den Kurfürsten, zu dieser Zeit Herzog Philipp Wilhelm aus dem Hause Pfalz-Neuburg. In diesem Text wird der Huppertsbracken (der jetzt Mesenbracken heißt) genannt. Aber ob der Text einen Kalkofen meint oder ein Feld mit gleichem Namen, haben wir noch nicht erfahren. Und wo er oder es sich befindet, ist auch nicht klar.
Einem Kaufbrief von 1678 wird eine genaue Bezeichnung des Landstücks beigefügt. Der Buchenbusch mit dem Kalkofen lag in der Honschaft Gruiten, die in dieser Zeit zum Amt Solingen, Vier Capellen gehörte. Bürgermeister Ernst von der Furth und seine Frau verkauften Busch und Kalkofen für 237 ½ Taler an Peter Krenckels und seine Frau. Der Hof, den Krenkels bewohnte, ist der Hof auf dem Höchsten (heute: Diepensiepen 38, 40822 Mettmann).
Jetzt erfahren wir mehr über den Kalkofen. Nach dem Tod der Witwe Anna Katharina Krenkels, 1780, wurde die Erbübertragung des gesamten Besitzes aufgeschrieben. Uns interessieren die Geräte des Kalkofens.

Die Geräte des Kalkofens
„Das Guth Zum Höchsten in der Honschaft Depensiepen zu samt dem in der Herrschaft Schöller Sortirenden Kalckofens Busch und jenen zu den Bracken gelegenen Banden ...
Die Kalckofens Gereidschaften:
Zwey reid hämmer; Ein rohrbaum circa 60 pfund; Zwey Brech-Bäume; Zwey steinbohren; Zwey Piel Hacken; Eine raum hack; Eine stein gabel; Zwey stein Klopper; Zwey stein Beytelen; Drey roster Schaufeln; die alte Kist zu dem aufenthalt derselben.“


Zum Gut auf dem Höchsten gehören der Kalksteinbruch (der Kalkofensbusch) und die Bracker Wiese. Die Gerätschaften des Kalkofens sind:
Zwei Rüst- oder Vorschlaghämmer, ein Rohrbaum, ein eisernes Rohrgestell zum Einhängen und Transportieren der Steinbrocken, zwei Brechbäume (das waren vermutlich lange stabile Eisenstangen, die die Steinbrecher in den Fels trieben, um mit Hilfe der Hebelwirkung und ihrer Körperkraft die Steine aus der Wand brechen zu können), zwei Steinbohrer (lange Stangen mit einem scharfen gedrehten Ende. Sie wurden mit einem Fäustel in den Stein getrieben), zwei Pielhacken (Hacken zum Spalten des Steins), zwei Spitzhacken, eine Raumhacke (Hacke zum Abräumen des abgeschlagenen Felsgesteins oder zum Abtragen des Erdreichs über dem Kalkstein oder zum Ausräumen des Ofens), eine Steingabel, zwei Steinklopfer (schwere Hämmer mit langen Stielen zum Zerkleinern der Steinbrocken), zwei Steinmeißel, drei Rostschaufeln (mit denen die Kalkbrenner die heißen Kalkbrocken aus dem Ofen holen konnten), eine Kiste für die Gerätschaften.

Die Bauweise eines Kalkofens
Für das Kalkbrennen gab es kein einheitliches System. Hier kann nur die Bauweise des Kalkofens vom Huppertsbracken beschrieben werden. Der Kalkmeiler wurde in den Abhang hinein gebaut. Eine mannshohe Kaverne wurde waagerecht in den Hang getrieben und die Seitenwände durch Mauerwerk gesichert. Oberhalb der Kaverne musste erneut die Böschung abgestochen werden. Von hier aus trieb man einen trichterförmigen Schacht nach unten und mauerte ihn mit gutem Ziegelstein und fettem Lehm (als Mörtel) aus. Der Trichter hatte an der unteren Sohle drei Öffnungen. Die Vorderfront wurde zur Stabilisierung mit dicken Natursteinen befestigt. Wenn man bis zum Trichter hochklettert, sieht man die drei Öffnungen und man sieht auch, dass der Hohlraum zwischen Vorderfront und Trichter mit Steinen und Erde verfüllt ist.

Die Arbeitsweise des Kalkofens
Das Brechen des Kalksteins war reine Handarbeit. Davon zeugen die Gerätschaften des Kalkofens.
Die Kalksteinbrocken mussten sodann zerkleinert werden bis auf etwa Kindskopfgröße. Abwechselnd wurden sie dann mit Holz oder Kohle in den Trichter gefüllt. Dann wurde unten am Mundloch ein Feuer entzündet. Das musste so stark sein, dass 1.100 Grad Celsius erreicht wurden und die Steine glühten. Sie brannten 48 bis 72 Stunden. Die Steine verloren während dieser Zeit 44 Prozent ihres Gewichtes. Die übrigen Anteile entweichen als Kohlendioxid; aber sie rissen noch einige giftige Verbrennungsgase mit. Für einen guten Abzug musste gesorgt werden. Nach dem Brand musste der Kalkstein abkühlen. Das dauerte gewöhnlich eine ganze Woche. Der Stein hatte seine Form behalten, war nur heller und leichter. Er konnte jetzt leicht zerschlagen werden.
Für die Arbeit am Kalkofen waren Kalkbrenner zuständig. Das waren gute Fachleute, die ihr Handwerk verstanden. Da die Kalköfen nur einige Monate im Jahr in Betrieb waren, zogen sie von Hof zu Hof und boten ihre Dienste an.

Der Name Kalkofen vom Huppertsbracken
Im Akt Nr. 13389, Bestand Großherzogtum Berg, bewahrt das Landesarchiv Düsseldorf eine Konzession zum Anbringen eines zweiten Mühlrades an der Ölmühle Bracken. Arnold Blasberg gehörte diese Ölmühle. 1748 wollte Blasberg zusätzlich Hafer und Gerste mahlen. Er richtete an Herzog Karl Theodor ein entsprechendes Schreiben. Der Herzog verfügte, dass Blasberg ein zweites Mühlrad an seine beim Herberts Bracker Gut stehende Mühle anbringen dürfe. Wie üblich, wurde die Adresse auf der Rückseite des Blattes mit der Antwort vermerkt. Da steht:„Concession von der Huppertzbracker mühle“ (vgl. die Abbildung „Adresse auf dem Antwortbrief 1748“).
Der lange gesuchte Huppertsbracken war die alte Bracker Mühle und „unser“ Kalkofen gehörte ursprünglich zu diesem Hof. Huppertzbracken - Mesenbracken - Herbertsbracken - später Huppertzbracker Mühle - noch später Bracker Mühle – alles ist ein und derselbe Hof.
Die alte Mühle stand im Ortsteil Gruiten-Ehlenbeck unweit des Brücken Bracken an der Düssel. Sie existiert nicht mehr. In den 1960er Jahren wurde sie abgerissen. Es heißt also endgültig: Der „Kalkofen vom Huppertzbracken“.

Die Kalkofenruine
Der Kalkofen vom Huppertsbracken ist keine echte Ruine. Aber an dieser Stelle hat ein alter Kalkofen gestanden (vgl. das Foto in der Mediengalerie „Der Kalkofen 1928“). Wie lange er in Betrieb war, ist nicht bekannt.
Auf dem Foto von 1928 ist er noch zu sehen. In den Jahren danach verfiel er vollends und wurde vergessen. Aber der Gruitener Heimatforscher Ernst Breitbach erinnerte sich an ihn und regte 1984 an, den alten Kalkofen zu restaurieren. Zu dieser Zeit gab es am Wanderweg östlich der Thunisbrücke im Erdhang nur noch das Mundloch des Kalkkofens. Aber auch das kannten nur ein paar Einheimische (vgl. die Fotos vom Mundloch von 1984).
1984 übernahm der Zweckverband Erholungsgebiet Neandertal die Koordinierung der Grabungs- und Aufbauarbeiten. Der Hochdahler Restaurator Meinhard Sucker betreute die komplizierte handwerkliche Durchführung der Arbeiten. Zunächst wurde das vordere Mundloch freigelegt. Das Mauerwerk mit dem Lüftungsschacht an der linken Seite wurde freigelegt und zum Ausbau mit Bauhölzern abgestützt.
Es verging einige Zeit, bis weitere Zuschüsse bewilligt wurden. Der Ofentrichter, die eigentliche Brennkammer, wurde aus alten und neuen Ziegeln hergestellt. Er ist 1,40 Meter hoch, hat einen oberen Durchmesser von 3,00 Meter und einen unteren von 1,20 Meter. Er kann etwa 13 Kubikmeter Kalkstein und Holz oder Kohle aufnehmen (vgl. die Bilder vom Trichter und vom rechten Lüftungsschacht 1986). Der Lüftungsschacht auf der rechten Seite wurde freigelegt, aber die Wand nicht hochgezogen. So konnte man von hier aus den Trichter sehen.
Mitte 1986 waren die Restaurierungsarbeiten am Kalkofen beendet. Im Jahre 2002 wurden Kalkofen und Steinbruch als Bodendenkmal unter Denkmalschutz gestellt. Seitdem verwittern die Steine. Moose und Flechten überziehen das Bauwerk. Es sieht nun aus wie eine echte Ruine, wie ein Überbleibsel aus einem weit zurück liegenden Jahrhundert.

(Hanna Eggerath, Bergischer Geschichtsverein Erkrath, 2013)

Quellen
Landesarchiv NRW, Hauptstaatsarchiv Düsseldorf:
  • Bestand RKG W 188/471 Vol. II, 1633, darin eine Karte zur strittigen Jagdgerechtigkeit zwischen Haus Unterbach und Haus Bavier.
  • Bestand Berg. Gerichte, Amt Mettmann, 1655, Nr. 214, fol. 06v.
  • Bestand Berg. Gerichte, Amt Mettmann, Nr. 7 I, fol. 160.
  • Bestand Großherzogtum Berg, Nr. 13389.
Beschreibung des Brennvorgangs nach einem Brief von Ernst Breitbach, Gruiten, von 1980 (abgedruckt in Kalkofen Huppertsbracken 1984), ergänzt durch Schilderungen aus Kasig / Weiskorn 1992.

Internet
www.historisches-dorf-gruiten.de: Kalkabbau / Kalkofen Bracken (abgerufen 02.09.2013)
www.gruiten.de: Kalkofen Huppertsbracken (abgerufen 02.09.2013)
de.wikipedia.org: Neandertal (abgerufen 02.09.2013)
www.imagebroker.com: Bild der Reste der Kalkbrennerei „Kalkofen Huppertsbracken“, 2010 (abgerufen 02.09.2013)

Literatur

Eggerath, Hanna (2007)
Ein früher Zeuge der Kalkindustrie – der Kalkofen vom Huppertsbracken im Neandertal. In: Journal 27, 2007/2008, S. 115-121. o. O.
Kasig, Werner / Weiskorn, Birgit (1992)
Zur Geschichte der deutschen Kalkindustrie und ihrer Organisationen. Forschungsbericht (hrsg. vom Bundesverband der Deutschen Kalkindustrie e.V. Köln). Düsseldorf.
Zweckverband Erholungsgebiet Neandertal (Hrsg.) (1984)
Kalkofen Huppertsbracken. Ein frühes Zeugnis der Neandertaler Kalkindustrie. o. O.

Kalkofen vom Huppertsbracken

Schlagwörter
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Schriften, Auswertung historischer Karten, Auswertung historischer Fotos, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Koordinate WGS84
51° 13′ 2,95″ N, 6° 58′ 58,73″ O / 51.21749°, 6.98298°
Koordinate UTM
32U 359135.4 5675943.9
Koordinate Gauss/Krüger
2568722.31 5676301.38

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„Kalkofen vom Huppertsbracken”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-73362-20130902-2 (Abgerufen: 24. Mai 2018)
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