Mühlenteiche an der Rur

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Düren, Inden, Jülich, Kreuzau, Linnich, Niederzier
Kreis(e): Düren
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
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Am Vorabend des Ersten Weltkriegs war Düren eine wichtige Industrie- und Gewerbestadt und galt als eine der wohlhabendsten Städte Deutschlands. Bereits 1880 gab es an die 93 Fabrikbetriebe. Viele Fabrikbetriebe lagen an so genannten Mühlenteichen, das heißt an parallel zur Rur angelegten Gräben. Diese Mühlenteiche dienten zum Antrieb zahlreicher an ihnen errichteter Mühlen bzw. Wasserräder von Fabriken und stellten gleichzeitig Brauchwasser zur Verfügung. Sie waren somit ein wichtiger Standortfaktor für die Betriebe und prägen bis heute das Landschaftsbild.

Die Rur
Die Rur ist bis zum Eintritt in die Bördenlandschaft des Dürener und Jülicher Raumes ein typisches Mittelgebirgsgewässer. Der 164 km lange Fluss entspringt in Belgien im Bereich des Hohen Venns auf ca. 670 Meter Höhe über Normalnull, fließt über weite Strecken durch deutsches Staatsgebiet und mündet in den Niederlanden bei Roermond in die Maas. Im Oberlauf, von der Quelle bis Einruhr in der Gemeinde Simmerath, weist der Verlauf einen noch recht natürlichen Charakter auf mit Hochmoorbereichen, vernässten Wiesen, die im Frühjahr teilweise mit wilden Narzissen (Narcissus pseudonarcissus) bestanden sind (zwischen Sourbrodt und Kalterherberg), Schluchtwäldern und extensiven Weiden. Ab Einruhr ist der Fluss gestaut und bildet mit Obersee und Hauptsee den Rursee, heute mit 205 Millionen Kubikmetern Wasser Stauinhalt der zweitgrößte Stausee Deutschlands. Weitere kleinere Stauwerke folgen bei Heimbach und Obermaubach, bis der Fluss in die Bördenlandschaft bei Düren und später bei Jülich tritt. Ab hier ist das Flussbett begradigter, zum großen Teil reguliert und immer wieder durch kleinere Staustufen bzw. Wehre in seiner Fließgeschwindigkeit abgebremst.

Mühlenteiche
Noch im Bereich der Ausläufer der Eifel bei Untermaubach und später vor und hinter Düren weist die Rur abzweigende, parallel zum Flussverlauf angelegte Gräben auf, die so genannten Mühlenteiche. Teilweise handelt es sich um alte, ehemalige Nebenarme der Rur, die später künstlich befestigt wurden, oder um direkt an Wehren abzweigende künstliche Gräben, die teilweise kilometerlang parallel des Hauptgewässers fließen. Diese Mühlenteiche dienten, wie der Name schon sagt, zum Antrieb zahlreicher an ihnen errichteter Mühlen bzw. Wasserräder von Fabriken und stellten Wasser für die Dürener Papierindustrie zur Verfügung. Der Name „Teich“ kommt aller Wahrscheinlichkeit nach nicht von einem künstlich angelegten flachen Gewässer, sondern von „Deich“ bzw. Damm, den man an den Abzweigungen ins Flussbett baute (Droste 2003, S. 26f). Mit Hilfe eines Schiebers ließ sich der Einlauf und damit die Wassermenge der Mühlenteiche kontrollieren, sodass eine Hochwassergefährdung an ihren Ufern – im Gegensatz zum Uferbereich des Flusses selbst – nicht gegeben war. Daher wird man in diesem Bereich kaum Mühlenwerke am eigentlichen Flussufer der Rur finden. Sie sind fast alle an den Mühlenteichen errichtet worden.

Unterschieden wurde zwischen den links der Rur und rechts des Flusses (in Fließrichtung) liegenden Mühlenteichen:

Linksrurische Teiche:
  • Hetzigner Teich
  • Untermaubacher Teich
  • Windener Teich
  • Lendersdorfer Teich
  • Jammertalsteich
  • Kirchberger Teich
  • Rurdorfer Teich
Rechtsrurische Teiche:
  • Oberschneidhausener Teich
  • Niederauer Teich
  • Dürener Teich
  • Krauthausener Teich
  • Jülicher Teich
  • Broicher Teich (Droste 2003, S. 29)
Einige ältere Bezeichnungen und Mühlenteiche existieren inzwischen nicht mehr bzw. sind in anderen Anlagen aufgegangen. Heute lassen sich noch fünf Mühlenteiche unterscheiden und werden vom Wasserverband Eifel-Rur unterhalten:
  • Lendersdorfer Mühlenteich
  • Kreuzauer Mühlenteich
  • Dürener Mühlenteich
  • Krauthausen-Jülicher Mühlenteich
  • Altdorf-Kirchberg-Koslarer Mühlenteich (Wasserverband Eifel-Rur, S. 89f)
Der Beginn des Baus der ersten Mühlenteiche im Dürener Raum ist heute nicht mehr zu datieren. Vielleicht sind die ersten Gräben von den Römern angelegt worden, spätestens im Hochmittelalter gab es auf jeden Fall bereits Mühlenteiche. Im Kreuzauer Pachtregister von 1361 werden sowohl der Dürener Teich als auch der Kreuzauer Teich erwähnt (Droste 2003, S. 27). In dieser Zeit gehörte die Stadt Düren bereits zur Jülicher Herrschaft und entwickelte sich zu einem wichtigen Handels- und Gewerbezentrum am Rande der Eifel. Die Textil- und vor allem die Papierverarbeitung brauchten Wasser und Wasserantrieb für Walk- und Lumpenreiß- und Stampfmühlen. Seit der frühen Neuzeit und vor allem im 18. Jahrhundert kam eine ausgedehnte Eisenverarbeitung mit ihren Pochwerken (Zerkleinern von Erzgestein) und Schmiedehämmern hinzu. Daneben gab es zahlreiche Getreide-, Holz- und Ölmühlen.
Bis heute lassen sich die Mühlenteiche vom Hauptfluss vor allem durch die sorgfältige Uferbefestigung unterscheiden. Die Steilufer wurden mit Weidengeflecht zwischen Eichenpfählen befestigt. Streckenweise waren sie auch mit Erlen bepflanzt, deren Wurzeln das Erdreich am Steilufer festhielten. Häufig führten (und führen bis heute) Wege parallel der Gräben, die heute Freizeitfunktionen haben, früher dagegen wichtige Verbindungen zwischen den an den Teichen liegenden Mühlen darstellten (siehe Gemeinde Kreuzau).

Immer wieder musste (übrigens bis heute) das Grabenbett gereinigt und entschlammt werden. Dafür sind bis Ende des 20. Jahrhunderts so genannte „Teichgenossenschaften“ zuständig gewesen (Wasserverband Eifel-Rur, S. 90f). Mitglieder waren die an den Mühlenteichen ansässigen Gewerbe- und Industriebetriebe. Sie waren für den Zustand nicht nur der Gräben, sondern auch der Schleusen und Stauanlagen verantwortlich und finanzierten die Unterhaltung durch Abgaben. Die Ausführung erfolgte in den letzten Jahrzehnten meist durch Fachfirmen. Mit der Gründung des Wasserverbands Eifel-Rur (WVER) 1993 gingen die Teichgenossenschaften in diesem Verband auf. Seither ist der WVER für die Unterhaltung der Gräben zuständig.

Da im Laufe des 20. Jahrhunderts, insbesondere nach dem Zweiten Weltkrieg, die Nutzung der Mühlengräben zurückging, verbesserte sich ihre Wasserqualität erheblich und ihre ökologische Bedeutung ist stark gewachsen. Aus ökologischen Gründen wird jetzt in den im Herbst stattfindenden „Teichwochen“, d.h. der Reinigungszeit der Gräben, das Wasser nicht mehr vollständig abgelassen, sondern eine Wassertiefe von ca. 20 cm erhalten, um die Lebewesen zu schonen (Wasserverband Eifel-Rur, S. 91).

(Gabriele Harzheim, 2013, erstellt für den LVR-Fachbereich Umwelt im Rahmen des Projektes „1914 – Mitten in Europa. Das Rheinland und der Erste Weltkrieg“ www.rheinland1914.lvr.de)

Internet
www.kreuzau.de: Gemeinde Kreuzau, Mühlenteich in der Gemeinde Kreuzau (PDF-Dokument, abgerufen am 13.08.2013)

Literatur

Droste, Peter Johannes (2003)
Wasserbau und Wassermühlen an der mittleren Rur. (Aachener Studien zur älteren Energiegeschichte 9.) Aachen.
Geuenich, Josef (1959)
Geschichte der Papierindustrie im Düren-Jülicher Wirtschaftsraum. Düren.
Janßen-Schnabel, Elke (2000)
Die Mühlenteiche an der Rur. In: Jahrbuch des Kreises Düren, S. 55-60. Düren.
Wasserverband Eifel-Rur (Hrsg.) (o.J.)
100 Jahre Wasserwirtschaft in der Nordeifel. o. O.

Mühlenteiche an der Rur

Schlagwörter
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1300 bis 1400
Koordinate WGS84
50° 50′ 28,8″ N, 6° 25′ 27,44″ O / 50.84133°, 6.42429°
Koordinate UTM
32U 318659.99 5635342.41
Koordinate Gauss/Krüger
2529929.38 5634081.34

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„Mühlenteiche an der Rur”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-71426-20130813-2 (Abgerufen: 22. Mai 2018)
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