Römisches Limeskastell Saalburg bei Bad Homburg vor der Höhe (Hochtaunuskreis)

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Archäologie, Denkmalpflege, Museen
Gemeinde(n): Bad Homburg v.d. Höhe
Kreis(e): Hochtaunuskreis
Bundesland: Hessen
  • Zeichnerische Rekonstruktion des Kohortenkastells mit dem angrenzenden Vicus. Aquarell von Heike Wolf von Goddenthow  (2006/07)

    Zeichnerische Rekonstruktion des Kohortenkastells mit dem angrenzenden Vicus. Aquarell von Heike Wolf von Goddenthow (2006/07)

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    Saalburgmuseum
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    Wolf von Goddenthow, Heike
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  • Das Haupttor, die Porta Praetoria, der Saalburg (2010)

    Das Haupttor, die Porta Praetoria, der Saalburg (2010)

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    Saalburgmuseum
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    Amrhein, Carsten
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Die Saalburg prägt seit über 100 Jahren unser Bild vom Aussehen eines römischen Kastells. Sie ist das einzige weitgehend vollständig rekonstruierte Kohortenkastell entlang des Limes. Die wiedererrichteten Gebäude und einzigartigen Sammlungsbestände des Museums geben einen umfassenden Einblick in das Leben an der Grenze des Römischen Reiches. Im Umfeld des Kastells laden die Gebäude des Lagerdorfs, ein Heiligtum für den Gott Mithras, eine Jupitersäule und der Rundweg am Limes zu Entdeckungstouren in die Römerzeit ein.

Die Saalburg: Ein Kastell am Rande des Imperiums

Im Zuge der Anlage des Limes errichteten Anfang des 2. Jahrhunderts römische Truppen ein Holzkastell und zwei Schanzen als erste militärische Anlagen auf dem Saalburgpass im Taunus. Ein Numerus, eine kleine militärische Einheit, kontrollierte von hier aus den Limesabschnitt im Hochtaunus und den Übergang von der Rhein-Main-Ebene in das Usinger Becken.

Um 135 n. Chr. wurde das Holzkastell zu einem größeren Kohortenkastell ausgebaut. Im Kastell wurde die Cohors Secunda Raetorum Civium Romanorum Equitata mit 500 bis 600 Mann, Fußsoldaten und Reitern, stationiert. Eine dörfliche Siedlung, der Kastellvicus, mit Handwerker-, Händler- und Wirtshäusern entwickelte sich vor den Mauern des Kastells. Die Römerstraße nach Nida (Frankfurt – Heddernheim) säumten Gräber und kleinere Heiligtümer. Gegen Mitte des 2. Jahrhunderts wurde das Kastell in Steinbauweise erweitert. Das Lagerdorf erhielt eine große Badeanlage, eine Herberge und andere öffentliche Bauten. Um das Jahr 200 erreichte das Lagerdorf seine größte Ausdehnung, bis zu 2.000 Menschen dürften hier gelebt haben.

Nur wenige Jahrzehnte später, im Jahr 233 n. Chr., fiel das Dorf nach einem Angriff germanischer Stämme einem Brand zum Opfer. Die Siedlung wurde danach nicht wieder aufgebaut, die überlebenden Bewohner zogen sich offenbar in das ummauerte Kastell zurück. Kastell und Lagerdorf verfielen, nachdem im Zuge verstärkter Germaneneinfälle der Limes um das Jahr 260 n. Chr. endgültig aufgegeben werden musste.

Nach ersten archäologischen Untersuchungen in der Mitte des 19. Jahrhunderts wurde auf Initiative Kaiser Wilhelms II. das Kastell von 1897 bis 1907 als Freilichtmuseum und Forschungsinstitut wieder aufgebaut. 2005 wurde die Saalburg Teil des UNESCO-Welterbes Obergermanisch-Raetischer Limes und Standort des zentralen Limesinformationszentrums für Hessen.

Innerhalb der Umwehrung des Kastells sind eine Reihe von Gebäuden aus Stein und Holz wieder aufgebaut worden. Das Horreum, der Getreidespeicher, dient als Ausstellungsraum. Das Praetorium, die Kommandantenwohnung, beherbergt die Verwaltung des Museums und das Saalburg-Forschungsinstitut. Die Principia, das zentrale Stabsgebäude, beeindrucken durch ihre große Halle und den stimmungsvollen Innenhof, um den sich Museumsräume gruppieren. Rekonstruierte Bereiche, Inszenierungen und Modelle erzählen vom Leben der Soldaten und der Bewohner des Dorfes vor den Toren des Kastells. Hervorzuheben sind die rekonstruierten Mannschaftsbaracken mit einem Contubernium, einer Mannschaftsstube, in der acht Soldaten auf engstem Raum gewohnt haben, und das Triclinium, das mit den Originalfragmenten des bemalten Wandputzes aus dem Kastell Echzell rekonstruiert wurde. Die Aedes, das Fahnenheiligtum, macht die Ausstattung des zentralen Lagerheiligtums anschaulich. In den rekonstruierten Backöfen wird noch heute mehrmals im Jahr frisches Römerbrot gebacken. Vor dem Haupttor des Kastells sind auf dem Gelände des Vicus die konservierten Mauerreste des Badegebäudes, des Gästehauses sowie der Wohnhäuser erhalten. Unweit des Kastells verläuft ein gut erhaltener Abschnitt des Limes, der an einer Stelle in seinen verschiedenen Ausbauphasen rekonstruiert worden ist.

In den Ausstellungen des Saalburgmuseums dokumentieren zahlreiche archäologische Funde die unterschiedlichsten Bereiche des alltäglichen Lebens: Essen und Trinken, Bauen und Handwerk, Waffen und Ausrüstung, Kleidung und Schmuck, Medizin und Körperpflege, Geldwesen und Religion. Neben Gegenständen aus Bronze, Eisen, Glas und Keramik stellen die seltenen Holz- und Lederfunde eine besondere Attraktion des Museums dar. Während organische Materialien in der Regel verrotten, haben sich diese Stücke auf der Saalburg besonders gut erhalten, weil sie im feuchten Grund der zahlreichen Brunnen konserviert wurden.

(Carsten Amrhein, Saalburgmuseum 2013)

Internet:
www.saalburgmuseum.de: Homepage der Saalburg (Abgerufen 10.07.2013)

Literatur

Klee, Margot (2000)
Die Saalburg (2. erg. Auflage). (Führer zur hessischen Vor- und Frühgeschichte 5.) o. O.
Moneta, Cecilia (2010)
Der Vicus des römischen Kastells Saalburg. Mainz.
Schallmayer, Egon (1997)
Hundert Jahre Saalburg. Mainz.

Römisches Limeskastell Saalburg bei Bad Homburg vor der Höhe (Hochtaunuskreis)

Schlagwörter
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Archäologie, Denkmalpflege, Museen
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Archäologische Grabung, Archäologische Prospektion
Historischer Zeitraum
Beginn 100, Ende nach 260
Koordinate WGS84
50° 16′ 17,52″ N, 8° 33′ 59,96″ O / 50.27153°, 8.56666°
Koordinate UTM
32U 469118.89 5568911.66
Koordinate Gauss/Krüger
3469181.35 5570700.02

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„Römisches Limeskastell Saalburg bei Bad Homburg vor der Höhe (Hochtaunuskreis)”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-69428-20130710-2 (Abgerufen: 26. Mai 2018)
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