Ruhraue

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Duisburg, Mülheim an der Ruhr, Oberhausen (Nordrhein-Westfalen)
Kreis(e): Duisburg, Mülheim an der Ruhr, Oberhausen (Nordrhein-Westfalen)
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Ruhraue bei Duisburg (2005)

    Ruhraue bei Duisburg (2005)

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    Gelhar, Martina
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Der Kulturlandschaftsbereich ist morphologisch durch die Ruhr gestaltet. Ihr weit nach Norden ausgreifender Mäanderbogen schafft einen breiten Auenbereich und ist durch den unweit östlich erfolgten Austritt der Ruhr aus dem Mittelgebirge zu erklären. Grundwasserbestimmter Boden, periodische und dauerhaft vernässte Stellen, Grünland und Kleinrelief (Rinnen) bestimmen das naturnahe, offene Kulturlandschaftsbild. Die Wiesen werden mit Schafen beweidet.

Eine mit Kleinstgewässern gefüllte Depression genau am Scheitelpunkt des Ruhrbogens ist der Standort der ehemaligen Bergehalde „Am Ruhrufer“ der Zeche Alstaden (1859-1972; Hermann / Hermann 2003, S. 285). Sie entzündete sich in den 1970er Jahren und wurde bis in die 1990er Jahre aus Umweltschutzgründen (Emissionen) abgetragen. Zurück blieb eine Hohlform, die sich zu einem Biotop entwickelte.

Der Ruhrpark wurde in den 1950er Jahren im Zuge des Aufbaus von Naherholungsflächen zeittypisch im Landschaftsstil auf dem Gelände der Zeche Alstaden angelegt (Relikte im Park). Im Süden eingeschlossen zwischen bzw. unter den Bahngeleisen befindet sich der noch bewirtschaftete mittelalterliche Kolkmannshof (urkundlich erwähnt 1334).

Besonders fällt die Kontrastsituation zwischen der bäuerlichen Kulturlandschaft und den Verkehrsinfrastrukturen des 19. und 20. Jahrhunderts ins Auge. Sie wird bereits auf der preußischen Neuaufnahme deutlich (Preußische Neuaufnahme 1894, von Roden 1974, S. 152):
  • Der Ruhrschifffahrtskanal stammt aus dem Jahr 1927. Bis heute sichern Deichbauten seine Schiffbarkeit.
  • Die Stahlfachwerkbrücke auf der Linie der Rheinischen Bahn hat im Wesentlichen noch das Aussehen aus dem Eröffnungsjahr 1892 (nach 1945 Wiederaufbau und Erweiterung).
  • Weiter östlich wird der Ruhrschifffahrtskanal von sieben Brücken gequert. Die nördlich des Ruhrparks verlaufende Eisenbahnbrücke (1847) gehört zur Köln-Mindener Eisenbahn und die südlich verlaufende zur Bergisch-Märkischen Eisenbahn (1862) sowie der S-Bahnstrecke (1974) (Regionalverband Ruhr 2012, S. 56). Daneben queren noch die Brücken der A3 und A 40 (Ende der 1960er Jahre erbaut).
Kulturhistorische Bedeutung
Es handelt sich um einen durch den Fluss Ruhr bestimmten, naturnahen Landschaftsausschnitt, der im südlichen Bereich (Ruhrschifffahrtskanal) und im Bereich der Brücken wichtige, überwiegend historische Aspekte der Verkehrserschließung des Ruhrgebiets aufzeigt. Der starke landschaftliche Kontrast auf kleinem Raum führt zu einer bemerkenswerten kulturlandschaftlichen Dichte im Funktionsbereich Agrarwirtschaft und Verkehr, wobei Linienstrukturen dominant hervortreten. Der Kontrast zwischen natürlichem Ruhrmäander und Schifffahrtskanal macht die Umnutzung und Umgestaltung des natürlichen Fließgewässers intensiv erlebbar. Der den Ruhrmäander begleitende Leinpfad verweist auf die Nutzung der Ruhr als Schifffahrtsweg vor der Dampfkraftnutzung.
Die Vergesellschaftung der Linienstrukturen und die sich ergebenden, übereinander liegenden Kreuzungssituationen stellen typische historische kulturlandschaftliche Situationen im Ruhrgebiet dar. Durch die ansonsten unverbaute Ruhraue sind diese Situationen sehr gut ablesbar. Der Ruhrpark und das anstelle der Zechenhalde entstandene Biotop erweitern den kulturlandschaftlichen Kontext um die Themen Bergbaufolgelandschaft und Naherholungsflächen.

(Martina Gelhar, Rheinischer Verein für Denkmalpflege und Landschaftsschutz e.V., 2013)

Literatur

Hermann, Gertrude / Hermann, Wilhelm (1990)
Die alten Zechen an der Ruhr (3. völlig neu bearbeitete und erweiterte Auflage). Königstein im Taunus.
Landesvermessungsamt NRW (Hrsg.) (1894)
Königlich Preußische Landesaufnahme - Neuaufnahme, Blatt 4506. o. O.
Roden, Günter von (1974)
Geschichte der Stadt Duisburg - Die Ortsteile von den Anfängen, die Gesamtstadt seit 1905. 152, Duisburg.

Ruhraue

Schlagwörter
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Karten, Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Koordinate WGS84
51° 27′ 8,23″ N, 6° 48′ 52,7″ O / 51.45229°, 6.81464°
Koordinate UTM
32U 348157.92 5702387.92
Koordinate Gauss/Krüger
2556670.67 5702279.09

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„Ruhraue”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-65818-20130522-2 (Abgerufen: 15. August 2018)
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