Bockerter Heide (Kulturlandschaftsbereich Regionalplan Düsseldorf 097)

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Archäologie, Denkmalpflege, Landeskunde, Raumplanung
Gemeinde(n): Mönchengladbach, Viersen
Kreis(e): Mönchengladbach, Viersen
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Die Bockerter Heide ist hier beschrieben als bedeutsamer Kulturlandschaftsbereich (KLB) wie im Fachbeitrag Kulturlandschaft zum Regionalplan Düsseldorf. Die wertbestimmenden Merkmale der historischen Kulturlandschaft werden für die Maßstabsebene der Regionalplanung kurz zusammengefasst und charakterisiert.

Historischer Kulturlandschaftsbereich: Die ehemalige Allmende der Viersener „Vrogen“ (Honschaft) ist ein tradiertes Buchenniederwaldgebiet mit zahlreichen Spuren der bäuerlichen Waldnutzung (Niederwald, Flachsrösten, Viehtriften usw.), Schweinebeweidung sowie der Territorialgeschichte und in anschaulicher Dichte erhalten. In der Heide und um die angrenzenden Höfe Zeugnisse des Flachsanbaus als landschaftsprägender historischer Wirtschaftszweig.
– Landwehr zwischen Geldern und Gladbach (heute Kreisgrenze).

Kulturlandschaftliches und denkmalpflegerisches Ziel im Rahmen der Regionalplanung ist eine erhaltende Kulturlandschaftsentwicklung, insbesondere
  • Bewahren und Sichern der Elemente, Strukturen und Sichträume von Adelssitzen und Hofanlagen
  • Bewahren des Kulturlandschaftsgefüges
  • Bewahren überlieferter naturnaher Landschaftselemente.
Aus: Landschaftsverband Rheinland (Hrsg.): Fachbeitrag Kulturlandschaft zum Regionalplan Düsseldorf. Erhaltende Kulturlandschaftsentwicklung, Köln 2013


Kulturlandschaftliche Entwicklung
Die Bockerter Heide und der angrenzende Bereich nördlich der BAB 52 war ursprünglich ein bewaldetes Gebiet, das aufgrund der Entwicklung seit dem Spätmittelalter sein heutiges Wald-Offenland-Gefüge erhalten hat.

Hervorzuheben sind die kleinen Niederwaldareale mit zahlreichen Relikten der bäuerlichen Waldwirtschaft wie gelemmte ovalförmige Baumgruppen und -reihen, Hochstammbäume (Überhälter) und mit geflochtenen Buchenhecken gesäumten Viehtriften.
Die Wälle der alten Waldparzellen nach der Allemendeteilung, die hier zwischen 1350 und 1580 stattgefunden haben muss, sind zum größten Teil in den Waldarealen noch erhalten. Im Wald finden sich noch Niederwaldparzellen, mächtige Überhälter von 100 bis 200 Jahren, Kopfbuchen, Kränze und Reihungen von gelemmten Rotbuchen, Viehtriften, Wilde Mispel in Grenzlagen, Altwege sowie zahlreiche Flachsrösten, mit denen die Bedeutung des Flachsanbaus und des Leinengewerbes dokumentiert wird.

Es befindet sich an der Landwehr eine archivalisch in ihrer genauen Ausdehnung seit 1588 nachgewiesene Altackerfläche.
Die alte Territoriallandwehr zwischen den Herzogtümern Geldern und Jülich ist abschnittsweise erhalten.

Die Grünlandflächen sind zwischen 1895 und 1940 entstanden.
Die kleinen Gehöftgruppen, die meistens aufgrund Hofteilungen entstanden sind (Növerhöfe und Bötzlöhe), sind spätmittelalterlich Ursprungs und wurden um 1580 erstmals erwähnt.
Die heutige Landnutzung wird von Wald, Ackerland und Grünland geprägt.

In dem kulturlandschaftsgeschichtlich herausragenden Ensemble sind alle Entwicklungsstadien seit ca. 1350 nachvollziehbar und sehr gut erlebbar. Insbesondere hat die bäuerliche Waldwirtschaft viele heute noch erkennbare und erlebbare Spuren hinterlassen.
Diese Entwicklung seit dem Spätmittelalter hat außerdem zu einem reizvollen und vielfältigen sowie einmaligen Landschaftsbild geführt, das strukturell als spätmittelalterlich datierbar ist.

Größere Teile sind 1995 rechtskräftig als Naturschutzgebiet (NSG) mit einer landeskundlichen bzw. kulturhistorischen Begründung ausgewiesen worden (erstmalig in der Bundesrepublik).

Im Rahmen der Umsetzungsmaßnahmen im NSG sind Rekonstruktionen erfolgt, wie die Wiederherstellung des Landwehrbewuchses, der Wallbepflanzung und der Heide sowie das partiellen Wiederaufleben von alten Waldbewirtschaftungsformen mit Stocksetzungen, Kopf- und Astschneitelung, Lemmen, Schweinemast usw.

Der ungewöhnlich gut Erhaltungszustand zahlreicher historischer Kulturlandschaftselemente und die nachvollziehbare Struktur verbunden mit präzisen Datierungen aus archivalischen Quellen weisen der Bockerter Heide einen sowohl wissenschaftlichen als auch erlebensreichen Wert für die Naherholung zu. Die Bewertung bezieht sich aufgrund der Besonderheit über die Landesgrenze hinaus. In der Bockerter Heide ist Themenpfad angelegt worden mit Erläuterungen über die dortigen lokaltypischen Kulturlandschaftselemente.

Durch die maschinelle Forstbewirtschaftung entstehen Schäden in den Wallsystemen, Waldstrukturen und historischen Bewirtschaftungsformen. Es drohen Substanzverluste von Flachsrösten, markanten Bäumen und Baumgruppen, Wällen, Landwehren, Schweinekampen, Viehtriften usw.

Entwicklungsziel: Planung eines kulturhistorischen Lehrpfades sowie Erhaltung, Reaktivierung und Pflege der historischen Nutzungen.

Prägende kulturlandschaftliche Elemente:
  • Flachsrösten
  • Waldkampen (Schweinemast)
  • Nutzwäldchen (Pesche)
  • Wilde Mispel
  • Gelemmte Baumgruppen
  • Überhälter
  • Kopfrotbuchen
  • Niederwälder
  • Landwehre
  • Parzellenwälle
  • Gräben
  • Panzergraben
  • Bombentrichter
  • Geschützstellungen und Einzelstellungen
  • Viehtriften
  • Obstwiesen
  • Weiler
  • Einzelgehöfte
  • Heerstraße (B 59).
(Peter Burggraaff, Universität Koblenz-Landau, 2012)

Internet
Fachbeitrag Kulturlandschaft zum Regionalplan Düsseldorf (Abgerufen: 17.03.2015)

Literatur

Landschaftsverband Rheinland (Hrsg.) (2013)
Fachbeitrag Kulturlandschaft zum Regionalplan Düsseldorf. Erhaltende Kulturlandschaftsentwicklung. S. 128, Köln. Online verfügbar: http://www.kulturlandschaftsentwicklung-nrw.lvr.de, abgerufen am 28.11.2013

Bockerter Heide (Kulturlandschaftsbereich Regionalplan Düsseldorf 097)

Schlagwörter
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Archäologie, Denkmalpflege, Landeskunde, Raumplanung
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:25.000 (kleiner als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Archivauswertung
Historischer Zeitraum
Beginn 2012
Koordinate WGS84
51° 13′ 22,98″ N, 6° 23′ 7,81″ O / 51.22305°, 6.3855°
Koordinate UTM
32U 317436.48 5677877.51
Koordinate Gauss/Krüger
2526975.05 5676531.16

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„Bockerter Heide (Kulturlandschaftsbereich Regionalplan Düsseldorf 097)”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-63299-20130328-4 (Abgerufen: 22. Februar 2018)
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