Evangelischer Friedhof am Homberg in Diersfordt

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Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Wesel
Kreis(e): Wesel
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
Koordinate WGS84 51° 40′ 46,44″ N: 6° 31′ 59,52″ O 51,67957°N: 6,5332°O
Koordinate UTM 32.329.458,44 m: 5.728.280,73 m
Koordinate Gauss/Krüger 2.536.922,82 m: 5.727.385,55 m
  • Lebensbaum auf dem Evangelischen Friedhof am Homberg in Diersfordt (2022)

    Lebensbaum auf dem Evangelischen Friedhof am Homberg in Diersfordt (2022)

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  • Liste von Pflanzen und Tieren am Evangelischen Friedhof in Diersfordt (2022)

    Liste von Pflanzen und Tieren am Evangelischen Friedhof in Diersfordt (2022)

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  • Zimbelkraut auf dem Evangelischen Friedhof am Homberg in Diersfordt (2022)

    Zimbelkraut auf dem Evangelischen Friedhof am Homberg in Diersfordt (2022)

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  • Gelbweißes Schein-Ruhrkraut auf dem Evangelischen Friedhof am Homberg in Diersfordt (2022)

    Gelbweißes Schein-Ruhrkraut auf dem Evangelischen Friedhof am Homberg in Diersfordt (2022)

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  • Abgeflämmte Fläche auf dem Evangelischen Friedhof am Homberg in Diersfordt (2022)

    Abgeflämmte Fläche auf dem Evangelischen Friedhof am Homberg in Diersfordt (2022)

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Den evangelischen Friedhof ließ Freiherr Christoph Alexander von Wylich ca. 1780 anlegen, weil aus Platz- und Hygieneüberlegungen keine Beerdigungen in den Kirchen und unmittelbar um die Kirchen genehmigt waren. Vorher wurden sowohl die reformierten (evangelischen), als auch die katholischen Verstorbenen in Bislich bestattet. Der evangelische Pastor Heinrich von Manger wurde als erster auf dem neuen Friedhof beerdigt. Seine steinerne Grabplatte ist bis heute dort erhalten (Quast 2006, S. 18).

Die erste Ehefrau des Freiherrn von Wylich verstarb 1792 und wurde auch dort bestattet. Christoph Alexander ließ für sie ein Grabmonument in Form einer Pyramide im hinteren Teil des Friedhofs errichten.

Nachdem die Herrlichkeit Diersfordt an den Grafen von Stolberg-Wernigerode übergegangen war, ließ der neue Herr von Diersfordt nach 1831 auf dem hinteren Teil des Friedhofs eine Familiengrabstätte anlegen. Man trennte sie durch eine Hecke und ein Tor vom übrigen Friedhof ab, da dieser inzwischen ein kommunaler Friedhof geworden war.

Kurz vor 1975 wurde auf dem Friedhof eine Friedhofskapelle errichtet.

(Peter Burggraaff, Universität Koblenz-Landau, 2013)


Der Evangelische Friedhof als Lebensraum für Pflanzen und Tiere

Der Mittelgang des Friedhofes wird von mächtigen Linden und Abendländischen Lebensbäumen (Jahrgang 1760 laut Naturdenkmalliste), gesäumt. Im stattlichsten der alten Lebensbäume trägt ein Totast Spechtlöcher. Betreute Gräber liegen umgeben von Wegen, kleinen Rasenflächen und aufgegebenen Gräbern. Im Juni 2022 fand sich dort eine dichte, artenreiche Rasenvegetation, und besonders im Baumschatten fanden Moose ihren Lebensraum. Einer der Wege war mit einem Lebermoos bedeckt. Auf manchem sonniger gelegenen ehemaligen Grab fanden sich einjährige Ruderalpflanzen, die auch als Ackerunkräuter gelten. Die Flächen wurden später, im Juli 2022, durch Abbrennen krautfrei gehalten. Vielleicht fördert diese Behandlung sogar das Wachstum der einjährigen, teils schon rar gewordenen Pflanzenarten, die sich über Samen vermehren. Dies wäre eine längerfristige Beobachtung wert.

Am Kopf des Friedhofes liegt die Begräbnisstätte derer von Wylich bzw. Stolberg-Wernigerode. Hier umgibt ein lückiger Magerrasen die Gräber. Ein Genauer Blick lohnt sich: das Gelbweiße Schein-Ruhrkraut (Helichrysum luteoalbum) fand sich direkt neben dem zentralen Grabmonument. Diese Pflanzenart ist am Niederrhein relativ selten, daher gilt für sie die Rote-Liste-Gefährdungsstufe 3 (gefährdet). Die alten Gräber sind weitgehend frei von Mauer- und Felspflanzen, vermutlich durch regelmäßige Pflege. Am Fuß einiger der Stätten konnte jedoch das Zimbelkraut (Cymbalaria muralis) angetroffen werden, wo es unter dem Sockel wurzelt und die Zeiten überdauern konnte. Das Zymbelkraut gilt bei uns als „eingebürgert“, es hat seinen Ursprung in den Felsenregionen nördlich der Adria. Manche Grabpflege, wenn sie nicht zu häufig vorgenommen wird, hat ähnliche Effekte wie ein Naturereignis (Brand, Austrocknung, Geröllschlag in Felsregionen), und so können hier die besonders an diese Verhältnisse angepassten Pflanzen lange fortbestehen. Es kann sein, dass Pflanzen wie das Zimbelkraut hier schon eine lange Familientradition haben und seit Generationen auf den Gräbern wachsen.

Darüber hinaus wirkt der kleine Friedhof in seiner Gesamtheit sehr familiär. Dazu trägt auch bei, dass im Schatten der altehrwürdigen Bäume eine einzige zentrale Sitzbank steht. Gute Seelen im Diesseits kümmern sich im Sommer darum, dass vor und auf dem Friedhof Wasserschälchen - auch eine ausgediente Bratpfanne dient als Vogelbad - für Tiere gefüllt sind.
Eine Liste aller vorgefundenen Arten befindet sich als pdf-Datei in der Medienleiste.

(Biologische Station im Kreis Wesel e.V., 2022. Erstellt im Rahmen des Projektes „KuLaDig-Natur“. Ein Projekt im Rahmen des LVR-Netzwerks Kulturlandschaft.)

Literatur

Quast, Renate / Heimatverein der Herrlichkeit Diersfordt e.V. (Hrsg.) (2006)
Streifzüge durch die Natur- und Kulturgeschichte der alten Herrlichkeit Diersfordt (Wesel). Kulturroute Diersfordter Schlosslandschaft. Wesel.
Willing, Anke (2000)
Entwicklungskonzept für eine Waldlandschaft am Beispiel Diersfordter Wald / Raum Wesel. Analyse und Bewertung des Untersuchungsraumes unter Berücksichtigung des Biotop- und Artenschutzes, der Kulturhistorie und des Landschaftserlebnisses. Entwicklungsziele, Nutzungsempfehlungen, Maßnahmen. ( (Unveröffentlichte Diplomarbeit der Universität / GHS Essen).) Essen.

Evangelischer Friedhof am Homberg in Diersfordt

Schlagwörter
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:25.000 (kleiner als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Auswertung historischer Schriften, Auswertung historischer Karten, Auswertung historischer Fotos, Fernerkundung
Historischer Zeitraum
Beginn 1780 bis 1785

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„Evangelischer Friedhof am Homberg in Diersfordt”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-61958-20130305-12 (Abgerufen: 29. Januar 2023)
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