Synagoge Ahrweiler

heute Gedenk- und Begegnungstätte

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Gemeinde(n): Bad Neuenahr-Ahrweiler
Kreis(e): Ahrweiler
Bundesland: Rheinland-Pfalz
  • Die Synagoge in der Altenbaustraße in Ahrweiler, heute Gedenk- und Begegnungstätte (2009).

    Die Synagoge in der Altenbaustraße in Ahrweiler, heute Gedenk- und Begegnungstätte (2009).

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Die jüdische Gemeinde Ahrweiler seit dem frühen 19. Jahrhundert:
Bereits seit dem Mittelalter lebten Juden in Ahrweiler. Im 19. Jahrhundert wuchs die jüdische Gemeinde an; seit 1900 ging die jüdische Bevölkerung zurück. 1875 gehörten zur Gemeinde auch Dernau und Lantershofen; 1932 Dernau und Altenahr (hier 1925 9 Juden).
Gemeindegröße um 1815: 11 (1808) / 20 (1822), um 1880: 82 (1885), 1932: 42 / 68 (1925), 2006: –.
Bethaus / Synagoge: Ab 1773 sind Beträume bezeugt; 1894 Einweihung eines Neubaus, der 1938 beschädigt wurde. Das Gebäude wird nach der Wiederherstellung in den Jahren 1982-90 kulturell und museal genutzt.
Friedhof: Der noch erhaltene Friedhof wurde 1870 eröffnet (Angaben vorab nach Reuter 2007).

Juden in Ahrweiler
Schon vor dem Mittelalter ist von jüdischen Bewohnern Ahrweilers die Rede. Um das Jahr 1096, nach dem ersten Kreuzzug kam es im gesamten Rheinland zur Judenverfolgung. Diese sollten durch die Kreuzfahrer mit Gewalt getauft werden. Die Juden entzogen sich diesem Ritual allerdings durch einen Massensuizid.
Mit besonderer landesherrlicher Erlaubnis erhielten Juden im Mittelalter die Zustimmung in Ahrweiler zu siedeln. Ab 1335 wurde ihnen seitens des Erzbischofs das Recht zuteil mit Fleisch und Vieh zu handeln. Später kam auch der Salz- und Weinhandel hinzu. Durch den erzbischöflichen Landesherren erhielten sie neben der Zuzugsgenehmigung auch Beschirmnisse und Frieden (Schutz), natürlich gegen Bezahlung. In diese Zeit stieg der Anteil der jüdischen Familien in Ahrweiler von 3 auf 14.Trotz des besonderen Schutzes der Juden kam es 1348/49 infolge der Pest im ganzen Rheinland zur Judenverfolgung. Man machte die Juden dafür verantwortlich.
1364 lassen sich Juden als Geldverleiher in Ahrweiler nachweisen.
Der erste Gottesdienstsaal der Juden in Ahrweiler befand sich in der heutigen Niederhutstraße 65 (um 1430 vermutlich Judengasse). Dies lässt sich durch Stuckarbeiten im Keller nachweisen, die auf einen jüdischen Kulturraum hinweisen. Ebenso gab es eine jüdische Badestelle an der Ahr und eine jüdische Schule in der Niederhutstraße. Ab 1840 wurde vermutlich ein Raum in der Plätzerstraße angemietet, der nun als religiöser Versammlungsort diente. Erst 1894 begann der Bau der Synagoge. Man benötigte zehn jüdische Männer um eine Gemeinde zu gründen. Die gab es zu dieser Zeit in Ahrweiler nicht. So legte man die Gemeinden Ahrweiler, Dernau und Lantershofen zusammen. Um 1870 wurde den Juden in Ahrweiler eine eigene Begräbnisstätte an der heutigen Schützenstraße zugestanden. Bis zur NS-Herrschaft lebten die jüdischen und katholischen Einwohner Ahrweilers friedlich zusammen. Auch hier kam es in der Folgezeit zu Ausgrenzung und Ausschaltung der jüdischen Einwohner Ahrweilers. Nach und nach flohen die jüdischen Einwohner aus dem Land und gingen ins Exil. Die, die dies nicht taten, wurden deportiert und ermordet.

Einwohnerzahlen der jüdischen Gemeinde in Ahrweiler (vgl. auch vorab die Zahlen nach Reuter 2007): 1858: 29, 1875: 79, 1890: 100, 1900: 80, 1925: 68, 1932: 42, 1942: keine jüdischen Einwohner.

Das Synagogengebäude
Das Gebäude der ehemaligen Synagoge in Ahrweiler ist das ehemalige Bethaus der jüdischen Gemeinde Ahrweilers und dient heute als Raum für kulturelle Veranstaltungen.

Im Jahr 1893 begann man mit dem Bau des Gebäudes aus bräunlichem Sandstein, welches sich ausschließlich durch seine Fassade von den Nachbargebäuden abhebt. Mit der Einweihungsfeier am 21. Oktober 1894 wurde der Bau der Synagoge offiziell beendet.
Baulich bestimmend an diesem Gebäude sind die drei Fenster auf der Giebelseite des Gebäudes, die einen maurischen oder orientalischen Stil aufzeigen. An der Giebelspitze findet man zwei in das Gestein eingelassene Tafeln, auf der die Anfangsbuchstaben der zehn Gebote in hebräischer Schrift eingemeißelt wurden.
Im rückwertigen Teil der Synagoge befindet sich ein kleiner Anbau, der früher einmal einen kleinen Unterrichtsraum beherbergte, und von dem aus man über eine Treppe zur Frauenempore kommt. Der Haupteingang für die männlichen Gläubigen befand sich im Westen. So betrat man das Haus immer mit dem Blick in Richtung Osten. An der Ostwand der Synagoge fand man den Thoraschrein und einen roten Vorhang. Dieser ist auch heute noch vorhanden.

Während des Naziregimes im „Dritten Reich“ wurde das Gebäude einen Tag nach der so genannten Reichskristallnacht (9. November 1938) im Inneren verwüstet und zerstört und konnte nicht mehr genutzt werden. Dabei wurde sie zwar in Brand gesteckt, konnte aber durch einen Ahrweiler Feuerwehrmann gelöscht werden. Ein jüdischer Gottesdienst fand in diesem Gebäude seit diesem Tag nicht mehr statt. Am 23. August 1939 wurde durch den Landrat des Landkreises Ahrweiler die „Entjudung“ des Gebäudes angeordnet. Es fand sich allerdings niemand, der die zwei hebräischen Tafeln vom Giebel des Gebäudes entfernen wollte. So sind sie noch heute angebracht.

Nach der Zerstörung des Gebäudes war ein Ahrweiler Hotelier Eigentümer, wurde aber nach dem Krieg enteignet. Die Synagoge fiel unter französische Verwaltung und wurde von dieser an die Ahrweiler Raiffeisenkasse verkauft. Durch diese wurde in dem Gebäude eine Düngemittellager eingerichtet. Erst 1981 wurde die ehemalige Synagoge durch den neu gegründeten Bürgerverein Synagoge erworben und bis ins Jahr 1990 renoviert. Nach der Widerherstellung des Originalzustandes durch den Verein steht das Haus heute als Raum für kulturelle Veranstaltungen zur Verfügung.

(Simone Jakobi, Universität Koblenz-Landau, 2015)

Quelle
Hinweisschild am Gebäude

Internet
synagoge-ahrweiler.eu: Synagoge Ahrweiler (abgerufen 06.12.2015)
www.alt-ahrweiler.de: Heimatverein Alt Ahrweiler (abgerufen 06.12.2015)
www.jüdische-gemeinden.de: Jüdische Gemeinden, Ahrweiler (abgerufen 06.12.2015)

Literatur

Klein, Hans-Georg (2005)
Ahrweiler. Düsseldorf.
Klein, Hans-Georg (1992)
De aruuilre. 1100 Jahre Ahrweiler. Bad Neuenahr-Ahrweiler.
Reuter, Ursula (2007)
Jüdische Gemeinden vom frühen 19. bis zum Beginn des 21. Jahrhunderts. (Geschichtlicher Atlas der Rheinlande, VIII.8.) Bonn.

Synagoge Ahrweiler

Schlagwörter
Straße / Hausnummer
Altenbaustraße 2
Ort
53474 Bad Neuenahr-Ahrweiler - Ahrweiler
Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege, Landeskunde
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung, Fernerkundung, mündliche Hinweise Ortsansässiger, Ortskundiger
Historischer Zeitraum
Beginn 1894
Koordinate WGS84
50° 32′ 29,15″ N, 7° 05′ 34,78″ O / 50.54143°, 7.09299°
Koordinate UTM
32U 364876.23 5600568.57
Koordinate Gauss/Krüger
2577522.34 5601204.57

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„Synagoge Ahrweiler”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-57442-20121122-2 (Abgerufen: 21. Mai 2018)
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