Katholische Pfarrkirche Sankt Katharina in Wenau

Schlagwörter:
Fachsicht(en): Kulturlandschaftspflege
Gemeinde(n): Langerwehe
Kreis(e): Düren
Bundesland: Nordrhein-Westfalen
  • Langerwehe-Wenau, Kloster Wenau m. Pfarrkirche St. Katharina, Wenauer Str.

    Langerwehe-Wenau, Kloster Wenau m. Pfarrkirche St. Katharina, Wenauer Str.

    Copyright-Hinweis:
    LVR-Amt für Denkmalpflege im Rheinland, Viola Blumrich
    Fotograf/Urheber:
    Blumrich, Viola
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  • Langerwehe-Wenau, Kloster Wenau mit Pfarrkirche St. Katharina (2009).

    Langerwehe-Wenau, Kloster Wenau mit Pfarrkirche St. Katharina (2009).

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Sankt Katharina in Wenau war die Kirche eines Prämonstratenserstiftes, das legendarischer Tradition zufolge 1121/1122 von Graf Walram III. von Limburg, spätestens jedoch um 1180 gegründet wurde. Zunächst handelte es sich um ein Doppelkonvent. Im 14. Jahrhundert wurde es in ein Damenstift für weibliche Angehörige des Adels umgewandelt. Nachdem das Stift 1802 im Zuge der Säkularisation aufgehoben worden war, kamen die Kirche und die Konventgebäude 1804 in den Besitz der Pfarrei.

Die Kirche wurde bald nach der Gründung des Stiftes in Angriff genommen. Es handelt sich um eine dreischiffige Pfeilerbasilika aus Rursandstein, die im nördlichen Abschnitt der Westfassade einen Kirchturm besitzt. Die ursprüngliche Baugestalt erfuhr erste Veränderungen, als bei einer Erneuerungsmaßnahme in den Jahren 1489 bis 1492 das romanische Chorrund durch einen spätgotischen Polygonalabschluss ersetzt, der Turm mit einem spätgotischen Knickhelm versehen und in nördlichen Seitenschiff das Gewölbe erneuert wurden. Weitere Umgestaltungen erfolgten im 17. Jahrhundert. Nun erhielten auch das Mittelschiff und das südliche Seitenschiff neue Gewölbe; im Hauptschiff wurde ein Pliestergewölbe und im Südschiff ein Stichkappengewölbe eingesetzt.

Im Innenraum wird das Mittelschiff in seinen westlichen Jochen von einer Nonnenempore überspannt, die ursprünglich weiter in den Raum hineinragte, im 19. Jahrhundert jedoch verkürzt worden ist. Bereits im 12. Jahrhundert war die Kirche mit einer Empore für die Stiftsdamen gebaut worden; die Gestalt der heutigen Empore geht auf eine Erneuerung im 17. Jahrhundert zurück.

Unterhalb der Empore an beiden Wänden des Mittelschiffes sowie in den Seitenschiffen konnten bei Restaurierungsarbeiten Reste einer spätgotischen Ausmalung, die in Seccotechnik angefertigt wurde, freigelegt werden. Erkennbar sind Szenen aus der Passion Christi im Mittelschiff und in nördlichen Seitenschiff, Darstellungen von Heiligen, der Drachenkampf des heiligen Georg und eine Marienkrönung im nördlichen Seitenschiff. Das Kreuzrippengewölbe der Chorjoche ist mit einer reichen spätgotischen Rankenmalerei geschmückt.

Auf einem Balken im Triumphbogen zwischen Mittelschiff und Chor steht eine spätgotische Triumphkreuzgruppe, die sich in die Zeit zwischen 1224 und 1234 datieren lässt. Der bewegte Körper von Christus kontrastiert eindrucksvoll mit den wie erstarrt stehenden Assistenzfiguren der Maria und des Johannes. Die Skulpturen entstanden zur Zeit der großen Triumphkreuzgruppen, die im mitteldeutschen Raum in Halberstadt, Freiberg und Wechselburg zu finden sind. In der Kunstlandschaft des Rhein-Maas-Gebietes ist es die einzige ihrer Art.

Von dem barocken Hochaltar ist lediglich das Gehäuse des Tabernakels erhalten. Es schließt sich stilistisch an Arbeiten des Aachener Architekten Johann Joseph Couven an. Dem selben Stil gehören auch das 1741 entstandene Brüstungsgitter der Empore und der prachtvolle Prospekt der Gilianorgel von 1744 bis 1746 an. Das Wenauer Gnadenbild, eine kleinformatige um 1520 im Umkreis des Meisters von Elsloo geschnitzte Pieta, war ursprünglich in einem Reliquienaltar auf der Empore ausgestellt. Es war somit - Unterschied zu heute - der Öffentlichkeit nicht zugänglich; seine Verehrung war den Stiftsdamen vorbehalten.

Südlich an die Kirche schloss sich der Kreuzgang mit den ehemaligen Konventgebäuden an. Von dem romanischen Kreuzgang sind nur noch geringe Spuren an der südlichen Seitenschiffwand erkennbar; die Konventgebäude wurden im Jahre 1561 bei einem Klosterbrand zerstört. Bald nach dem Brand wurde der langgestreckte Ostflügel neu errichtet. An seinem südlichen Ende schließt sich das durch Staffelgiebel akzentuierte Wohnhaus der Meisterin genannten Konventvorsteherin an. Der Westflügel wurde 1682 unter Einbeziehung von Bausubstanz aus der zweiten Hälfte des 16. Jahrhunderts ein zweites Mal neuerrichtet. Zwei Säulen, die wahrscheinlich aus den romanischen Stiftsgebäuden stammen, haben in der Taufkapelle sowie am Hang gegenüber der Zufahrt Aufstellung gefunden.

(Christoph Kühn, im Auftrag des LVR-Fachbereichs Umwelt, 2012)

Literatur

Landschaftsverband Rheinland; Deutsche St. Jakobus-Gesellschaft (Hrsg.) (2009)
Jakobswege. Wege der Jakobspilger im Rheinland, Band 1: In 8 Etappen von Wuppertal-Beyenburg über Köln nach Aachen/Belgien (4. Auflage). Köln.

Katholische Pfarrkirche Sankt Katharina in Wenau

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Fachsicht(en)
Kulturlandschaftspflege
Erfassungsmaßstab
i.d.R. 1:5.000 (größer als 1:20.000)
Erfassungsmethode
Literaturauswertung, Geländebegehung/-kartierung
Historischer Zeitraum
Beginn 1121 bis 1492
Koordinate WGS84
50° 47′ 23,84″ N, 6° 20′ 9,41″ O / 50.78996°, 6.33595°
Koordinate UTM
32U 312235.2 5629851.02
Koordinate Gauss/Krüger
2523732.87 5628333.79

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„Katholische Pfarrkirche Sankt Katharina in Wenau”. In: KuLaDig, Kultur.Landschaft.Digital. URL: https://www.kuladig.de/Objektansicht/O-55832-20121023-8 (Abgerufen: 24. Mai 2018)
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